1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

92.4 in München - Wer bekommt die Frequenz?

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von Reginald, 12. Mai 2004.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. Reginald

    Reginald Benutzer

    Hallo in die Runde,

    weiß schon jemand, was jetzt mit der 92,4 in München ist?
    Sollte doch Montag entschieden werden, oder?
    Im Gespräch waren Kirchensender sowie ein Türkensender (soll keine Beleidigung sein!)usw.

    Auf der BLM Seite nix neues dazu, wisst Ihr was?
    Kommt vielleicht doch RTL????

    Gruß vom Reg
     
  2. Funker

    Funker Benutzer

    AW: UKW 92.4 in M. Wer bekommt die Frequenz?

    Der BLM-Hörfunkausschuß hat sich letzte Woche für den Katholikensender Radio Horeb ausgesprochen. Die endgültige Entscheidung fällt der BLM-Medienrat am 27. 5.
    Könnte gut sein, dass der Christenfunk aus dem Allgäu dann - zusätzlich zum Sendefenster auf 89,0 - auch auf 92,4 loslegen darf.

    Kleiner Tipp am Rande: bemühe mal die Suchfunktion, da findest du noch Einiges zu diesem Thema!
     
  3. uBote

    uBote Benutzer

    Artikel / Kommentar aus der Süddeutschen Zeitung vom 11. Mai 2004

    Heftige Kritik an Allgäuer Radio Horeb
    „Einseitig, fundamentalistisch, frauenfeindlich“
    Der katholische Sender soll die Frequenz 92,4 bekommen – die Landeszentrale entscheidet Ende Mai
    Von Michael Schleicher

    Die Entscheidung des Hörfunkauschusses der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), das katholische Privatradio Horeb für die freie Münchner UKW-Frequenz 92,4 zu empfehlen, ist bei Vertretern von katholischer und evangelischer Kirche auf Skepsis gestoßen: Sie kritisieren „fundamentalistische Tendenzen“ und glauben, dass Horeb „kein Programm für München“ sei.

    Der Sender Radio Horeb des Allgäuer Pfarrers Richard Kocher stößt auch bei Vertretern der katholischen Kirche auf Kritik: „Einige in der Amtskirche werden frohlocken. Die anderen werden ,Um Gottes Willen!‘ sagen – aber sie werden es nicht laut sagen“, meint etwa Klaus Mucha, Pfarrer in der Sendlinger Gemeinde St. Stephan. Er kann mit dem Programm seines Kollegen aus Balderschwang nichts anfangen: Dieses sei „sehr einseitig – vorsichtig ausgedrückt“. Mucha ist seit 34 Jahren zuständig für die Hörfunkbeiträge der katholischen Kirche im Bayerischen Rundfunk, sofern diese von der Erzdiözese von München und Freising verantwortet werden. Sein Urteil zum Inhalt von Radio Horeb: „Wenn ich mir das anhöre, bleibt mir keine andere Vokabel als ,fundamentalistisch‘. Ich kann mich dafür nicht erwärmen.“ Dabei sei es richtig, meint Mucha, „dass die Kirche im öffentlich-rechtlichen Programm vertreten ist. Und wenn das ordentlich gemacht ist, genügt das.“ Radio Horeb sei kein Programm für München, glaubt Mucha – „ich mag damit nichts zu tun haben“.
    Kein Programm für München – dieser Meinung schließt sich auch Anke Geiger an. Die Vorsitzende des BLM-Hörfunkausschusses glaubt, dass Radio Horeb „abstoßend“ auf ein modernes Großstadtpublikum wirken werde. Und wie Klaus Mucha erkennt sie ebenfalls „fundamentalistische Tendenzen“ im Programm des Senders. Besonders kritisch sieht Geiger, die für die evangelischen Frauenorganisationen in der BLM ist, das Frauenbild, das im Programm von Radio Horeb kommuniziert wird.
    Der Fundamentalismus-Vorwurf sei „absurd“ und ein „Totschlagargument“, erklärt Horeb-Macher Richard Kocher auf Anfrage. „Dieses Wort in den Mund zu nehmen, ist schlicht infam“, meint der Pfarrer mit Blick auf die Terroranschläge vom 11. September 2001. Kocher, der den Sender in Balderschwang aufbaute und für das Programm verantwortlich zeichnet, charakterisiert sich selbst als jemanden, der von der theologischen Wissenschaft geprägt sei – „ich hasse es, wenn man simple Antworten auf komplexe Fragen vorbringt. Das gilt auch für den Stil des Radios. Wir verbreiten keine Ideologien, und wir sind keine verbissenen Fundis oder irgendwelche Leute von Rechtsaußen.“ Der Pfarrer fordert die Horeb-Kritiker auf, sich mit konkreten Beschwerden direkt an den Sender zu wenden. „Ich werde mir umgehend die kritisierte Sendung bringen lassen, und sollte es tatsächlich etwas zu beanstanden geben, wird das Konsequenzen für den jeweiligen Referenten haben.“
    Kocher weist jedoch auch darauf hin, dass das Radio seit acht Jahren beschwerdefrei auf Sendung sei. Sollte das katholische Privatradio aus dem Allgäu vom Medienrat der BLM den Zuschlag für die Münchner Lokalfrequenz erhalten, glaubt Kocher an den Erfolg seines Konzepts auch in der Großstadt: „Wir können in zahlreichen Bereichen Dinge bieten, die Akzeptanz finden werden. Es gibt viele Menschen, die zwar nicht kirchlich organisiert, aber dennoch unglücklich mit den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen sind.“ In München ist Horeb momentan sonntags auf der UKW-Frequenz 89,0 sowie rund um die Uhr über Satellit zu empfangen.
    Wie berichtet, geht die Entscheidung der 17 Mitglieder des Hörfunkausschusses, in dem als einzige politische Partei die CSU vertreten ist, jetzt als Empfehlung an den Medienrat der BLM, der am 27. Mai darüber befinden wird, wer auf der UKW-Frequenz 92,4 in Zukunft voraussichtlich werktags von 0.00 Uhr bis 15.00 Uhr senden darf. Nach Angaben von BLM-Sprecher Wolfgang Flieger sei es in der Vergangenheit durchaus vorgekommen, dass der Medienrat nicht der Empfehlung des Ausschusses gefolgt ist. Flieger: „Es wird eine spannende Diskussion im Medienrat geben.“ Neben Radio Horeb waren noch ein Sender für türkischstämmige Münchner sowie das Messe-und Flughafenradio M4 in der Konkurrenz um den Sendeplatz – ursprünglich gab es 18 Bewerber.
    Egal, wie der Medienrat letztlich entscheiden wird: Das Münchner Lokalradio Lora wird auch in Zukunft abends für einige Stunden auf der 92,4 senden. Beim alternativen Bürgerradio geht man vorsorglich schon mal auf Distanz zum möglichen neuen Wellennachbarn: „Wir haben mit Horeb nichts zu tun“, sagt Eva Schmidt, Vorsitzende des Lora-Fördervereins – „wir haben zwar nichts gegen die Leute, aber thematisch hat deren Programm nichts mit Lora gemein.“


    Kommentar: Vielfalt statt Einfalt
    Horeb ist ein alttestamentarischer Name für den Berg Sinai. Und auf dem Gipfel eben dieses Berges hat Moses, so steht es geschrieben, einst von Gott die Zehn Gebote überreicht bekommt. Diese zehn Gebote haben, egal wie man zum christlichen Glauben steht, der Menschheit einen nützlichen Kodex gegeben. Insofern wäre nichts dagegen zu sagen, dass sich ein Radiosender christlicher Ausrichtung mit diesem Namen schmückt. Nun aber soll mit Radio Horeb jener Sender eine der begehrten Münchner Stadtfrequenzen bekommen, der sich dem Katholizismus in einer Weise verschrieben hat, dass selbst Katholiken den Kopf schütteln. Darauf hat München wahrlich nicht gewartet. Eine Stadtfrequenz dient dazu, das vielfältige Leben im Sendegebiet zu repräsentieren. Insofern passte beispielsweise das Angebot für Türken, die in München leben, prächtig in die Wundertüte der UKW-Frequenz 92,4. Das wäre nicht nur eine Bereicherung für die Hörer, sondern auch Zeichen wahrer Integrationsbereitschaft. Noch hat die Landeszentrale für neue Medien Zeit, darüber nachzudenken. Karl Forster

    (Quelle: SZ 7.05.2003, Seite 33)
     

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Diese Seite empfehlen