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ARD-"Hitnacht" – was wurde aus unseren Befürchtungen?

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von Redakteur, 02. August 2014.

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  1. Redakteur

    Redakteur Benutzer

    Im Oktober 2011 startete mit der ARD-Hitnacht das Nachfolgeprogramm des ARD-Nachtexpress. Wenn ich mich recht erinnere, so sollte dieser Versuch zunächst auf eine Laufzeit von drei Jahren begrenzt sein, um dann über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Vielleicht können wir hier einmal einige Eindrücke und Meinungen zu Konzept und Umsetzung der ARD-Hitnacht sammeln.

    SR 3 hat (wie auch zuvor die damaligen sieben Geberprogramme) den Spagat zwischen Programmen mit hohem Schlageranteil (hr4, SWR4) und solchen mit niedrigem oder gar keinem (Antenne Brandenburg, Bayern 1) zu schlagen. In der Summe bringt man es meist auf vier bis maximal sechs deutschsprachige Musiktitel pro Stunde: Wenn Dieter Exter moderiert, eher vier - bei Frank Hofmann eher fünf oder sechs. Bei der deutschen Musik grenzt man sich ziemlich klar sowohl von zu melodiösen Titeln als auch vom Disco-Bummbumm-Schlager ab: Semino Rossi wird man genau so selten finden wie Michael Wendler, auch Andrea Berg und Helene Fischer müssen eher mit der Lupe gesucht werden. (Es spricht nun aber doch für sich, dass auch solche Musik auf Wunsch gespielt und nicht einfach kategorisch aussortiert wird!)
    Mit dem Begriff "Deutsch-Pop" möchte ich dennoch nicht kommen, da - wiederum zu meiner Freude - auf ständige Unheilig-, Bensko-, Silbermond-Beschallung gleichfalls verzichtet wird. :thumpsup:
    Ich hatte vor Einführung der Hitnacht ob des Namens und des Wortes "Hit" erhebliche Bedenken bezüglich der Wiederholungsrate der Musikstücke geäußert. Hier wurde ich äußerst positiv überrascht! SR 3 verwendet auch in der Nacht eine Rotation, deren Größe man heutzutage nur noch selten antrifft, bei den Nehmerprogrammen wohl nur noch bei hr4. Diese voreilige Kritik meinerseits war auf jeden Fall nicht gerechtfertigt!

    Bei den Moderatoren gefällt mir Frank Hofmann am besten. Er fährt nicht jede Nacht dasselbe Konzept ab, sondern gestaltet die Nächte mit immer wieder neuen interaktiven Aktionen und Themen und entwickelt so das Konzept kontinuierlich weiter. Dieter Exters Programmablauf ist hingegen zumeist relativ ähnlich. Nadja Dominik versucht sich wohl irgendwo zwischen den beiden maskulinen Kollegen zu platzieren.
    Gewöhnungsbedürfnis besteht bei mir noch in der 5 Uhr-Stunde: Diese wird nicht mehr vom eigentlichen Moderator der Hitnacht präsentiert, sondern stattdessen bereits vom SR 3-Morgenmoderator. Inhaltlich bietet diese letzte Stunde außer den Schlagzeilen um 5.30 Uhr wohl am wenigsten.

    Zu den Sonntagen von WDR 4 kann ich recht wenig schreiben: Die ganze Disco- und Ballermannmusik im Rhythmus der Nacht gefällt mir persönlich nicht, darum höre ich mir diese Sendung nicht an! Punkt.
    Die beiden Stunden von 4 bis 6 Uhr werden dann aus üblichem WDR 4-Rotationsmaterial zusammengezimmert, im Grunde also nichts wirklich Besonderes.

    Etwas unglücklich gewählt finde ich die Übernahme der Nachrichten vom NDR: Einerseits beginnen diese immer bereits genau zur vollen Stunde und nicht erst (wie bei anderen Rundfunkanstalten üblich) eine oder zwei Sekunden später. Dies hat zur Folge, dass der Anfang der Nachrichten meist leicht untergeht, da der bombastische SR 3-Opener mit seinem Zeitzeichen dynamisch schlichtweg überlegen ist. Andererseits ist bei den Hamburgern immer noch eine gewisse Neigung zu den Sendegebieten von NDR und WDR festzustellen: Besonders deutlich wird dies sonntags, weil WDR 4 dann keinen eigenen Wetterbericht produziert. Und dann erfährt man in Mannheim zwar, wie das Wetter in Ostfriesland oder im Ruhrpott wird, die bayerischen Alpen z.B. oder der Schwarzwald bleiben aber komplett außenvor.
    Hier wäre evtl. die Übernahme der Nachrichten vom SWR, MDR oder auch vom DLF etwas geeigneter, wobei man beim MDR natürlich den Opener erst nach der Zeitansage abfahren dürfte. Aber dies sind ja wirklich nur Kleinigkeiten!

    Wie sind nun Eure Meinungen und Erfahrungen zur ARD-Hitnacht?
     
  2. FrankSch

    FrankSch Benutzer

    Der Frank Hofmann der früher mal bei Radio Salü war? Ja, interessanter Moderator, auch wenn mir Dieter Exter (der bei SR1 eine eigene Sendung namens "Exters Musikwelt" hatte) immer besser gefiel.
     
  3. Redakteur

    Redakteur Benutzer

    Genau der Frank Hofmann von Radio Salü.
     
  4. Sunshiner

    Sunshiner Benutzer

    @ Redakteur,
    wird die Hitnacht bald wieder eingestellt???
    das frage ich deshalb weil du meintest, dass sie auf drei Jahre betrenzt ist. Gruß
    Sunshiner
     
  5. Maschi

    Maschi Benutzer

    Ich denke nicht, dass sich groß etwas ändern wird, eher baut der SR noch an, da ja der WDR nachts weiter sparen will, könnte also auf 7 Hitnächte pro Woche hinauslaufen.
     
  6. hassa0

    hassa0 Benutzer

    Ich hätte gerne den ARD-Nachtexpreß wieder zurück. Die SR-Playlist ist zwar auch nicht so schlecht, halt "extended rotation", aber fernab davon, was die verschiedenen gebenden Stationen ansonsten im Angebot hatten. Insbesondere fehlen mir grundsätzlich die angeblich unbeliebten Instrumentaltitel. Auch sabbeln die Moderatoren mir zuviel in die Musik hinein. Ich mag es lieber beschaulich, so wie früher ....
     
  7. CosmicKaizer

    CosmicKaizer Benutzer

    Wieso macht das eigentlich ausgerechnet der kleine SR? Macht man das eher aus Imagegründen oder lohnt es sich eventuell sogar finanziell für den Sender?
     
  8. wilde sau

    wilde sau Benutzer

    Der WDR will sparen....also vorbei mit Rhytmus der Nacht....Danke Weber
     
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  9. Redakteur

    Redakteur Benutzer

    Davon gehe ich nicht aus. Das Modell Hitnacht sollte aber ursprünglich eine dreijährige Testphase bekommen, um dann wieder überdacht oder verbessert zu werden. Ich glaube jedoch nicht, dass sich hier im Oktober groß etwas ändern wird.

    Die ARD hat zuerst den WDR mit der Produktion der Hitnacht beauftragt, der diese Aufgabe dann zu sechs Siebteln an den SR abgab.
    Die nehmenden Programme scheinen sich übrigens dennoch nicht direkt auf SR 3 aufzuschalten, sondern auf WDR 4: Dies merkte man z.B. an einem der diesjährigen Faschingstage, als WDR 4 nicht erst um 6 Uhr, sondern schon ein paar Minuten früher die SR 3-Übernahme beendete. Die im WDR schon gegen 5.55 Uhr einsetzende Karnevalsstimmung aus Kölle war dann auch noch kurz auf SWR4 und hr4 zu hören.
    Auch würde diese Vermutung jene Panne evtl. etwas näher erklären.
     
  10. Plattenschrank

    Plattenschrank Benutzer

    Ich bin von der musikalischen Ausrichtung der ARD-Hitnacht auch positiv überrascht. Ich hegte ursprünglich auch die Befürchtung, einen stinklangweiligen Mix aus den bekanntesten und abgedudelsten Oldies und Schlagern vorgesetzt zu bekommen - nach dem abschreckenden Beispiel WDR 4.

    Man kann aber feststellen, dass eine enorm große Rotation gefahren wird, abgenudelte (ohne die geht's wohl nicht) und selten gehörte englischssprachige Oldies wechseln sich mit deutschsprachiger Musik aus mehreren Jahrzehnten ab. Letztere kann ich nicht wirklich beurteilen, da es sich nicht um mein Spezialgebiet handelt. Allerdings sind auch diese Titel, die ich zum Großteil noch nie gehört habe, für meine "entschlagerten" Ohren durchaus erträglich, ja teilweise gefallen sie mir sogar richtig gut. Gelegentlich habe ich sogar französische oder italienische Klänge vernehmen können. Eigenartigerweise höre ich diese Mischung nachts ganz gerne, obwohl ich sonst für diese Art von Musik nichts übrig habe.

    Offensichtlich ist die Nacht noch zu unwichtig als dass sie in die Fänge von Beratern und "Fachleuten" gekommen ist. Denn eigentlich müsste ja nach gängiger Meinung unserer Experten deutschsprachige, mehr oder weniger schlagermäßig daherkommende Musik, komplett ausgemustert werden und weniger bekannte, schlecht oder gar nicht getestete englischsprachige Oldies will ja auch angeblich niemand hören. Von französischen oder italienischen Titeln ganz zu schweigen. Wollen wir mal hoffen, dass unsere Radiofachleute nachts auch weiterhin tief und fest dahinschlummern...
     
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  11. westsound

    westsound Benutzer

    Ich denke, das neue Konzept hat sich bewährt. In meinem Bekanntenkreis sind die meisten Hörer - wie hier auch schon zu lesen war - angenehm überrascht, sowohl von Präsentation als auch von der Musikauswahl. Die Einbindung der zumeist nachts arbeitenden Hörerschaft ist m.E. auch gut gelungen.

    Ich würde der ARD empfehlen, die Hitnacht in der momentanen Form beizubehalten.
     
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  12. count down

    count down Benutzer

    Dem SR ist die ARD-Hitnacht ist für weitere drei Jahre (bis Okrober 2017) genehmigt worden.
    Von einer Absetzung des WDR4-"Rhythmus der Nacht" habe ich nichts gehört. @wildeSau: Du?

    Glaube ich nicht, zumal der WDR ja ohnehin die zusätzlichen Aufwändungen des SR für die ARD-Hitnacht finanziert.

    Weder noch. Sie werden vom ARD-Stern versorgt. Aber offenbar liefert Saarbrücken nach Köln und der WDR dann zum Stern.

    Ich auch.
     
  13. Mark4U

    Mark4U Benutzer

    Meine Befürchtung ist eingetreten: Wohl dank der(zwischenzeitlichen) Formatwechsel der meisten Nehmersender gibt im Gegensatz zum Nachtexpress fast keinen deutschen Schlager mehr. Und der Schlager war bisher in den "Nachtexpressen" und mit Beginn der "Hitnacht" vor drei Jahren das verlässliche. Wollte ich sicher deutschen Schlager hören führte - außer bei Radio Paloma ;) - nichts an der ARD-Nachtschiene vorbei. Da sich ja nun auch der WDR immer weiter vom Schlager entfernt und quasi nur noch SWR und HR echte Schlagerwellen hat, scheint diese Entwicklung ja nur logisch, wenn auch bedauerlich, zu sein...

    Meine Alternative in Südbayern: Radio Salzburg bzw. als "zweite Wahl" auch gern Radio Tirol... Besonders bei Radio Salzburg wird mit der Musikrevue eine sehr melodiöse traditionelle Schlagerschiene befahren (Quasi ein "Nachtexpress", lol). Und die Sendung "Musik zum Träumen" hat eine ähnliche Aufmachung wie die altbekannten Sendungen bei Bayern 1 vor der Programmreform Mitte der 90er: In der nichtmoderierten Sendung werden alle Titel der aktuellen Stunde zu Beginn vorgelesen "Es begleiten Sie Udo Jürgens, das Orchester Bert Kaempfert, .... Michelle. Musikzusammenstellung: Stefan Meier"
     
  14. Radiofreak11

    Radiofreak11 Benutzer

    Alles sehr traurig. Wer heute mobil ohne Internet Schlager aus dem Radio hören will, der kommt wohl zur Zeit an DAB+ nicht vorbei. Oder er lebt im Einzugsgebiet von SWR4 und hr4. Es ist schon beschämend, wie von den Sendern unsere schöne Sprache mit Füßen getreten wird. Wir leben doch nicht in Amerika oder England. Bei so vielen Kanälen sehne ich mich nach einem Programm, bei dem auch in der Nacht noch unsere Muttersprache im Mittelpunkt steht. Mit diesen Einschnitten oder Eingriffen im Programm vergraulen die Radiosender nicht nur viele Hörer - sie vernichten ganze Strukturen bei Produktionsfirmen, Textern und Komponisten. Viele werden sich schon gar nicht mehr mit dem Thema Schlager befassen, obwohl sie es gerne würden und lieber etwas englisches "hinrotzen". Es ist absoluter Berater-Schwachsinn, das es angeblich keinen Markt mehr für deutschsprachige Musik geben soll.
    Ich glaube nicht dass sich solche Reformen in anderen Ländern wie Spanien, Marokko oder gar der Türkei durchsetzen ließen. Dort existieren immer noch reichliche "Heimatsender" mit Musik in Landessprache. Das ist auch gut so. Selbst in Frankreich gibt es entsprechende Kanäle.
    In Holland wird der Holländische Schlager ja ebenfalls von den staatlichen Rundfunksendern "blockiert". Aber dafür gibt es dort jede Menge Piratensender, die mit dieser Musik den Brauchtum pflegen.
     
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  15. Inselkobi

    Inselkobi Benutzer

    Achso? Gab es dort nicht, ebenso wie in der Schweiz, auch schon die Debatte zum Thema landessprachliche Quote?
     
  16. Radiofreak11

    Radiofreak11 Benutzer

    Mir ist da nur die Schweiz bekannt, in der es sogar noch ein richtiges Volksmusikradio gibt. Warum gibt es so eine Debatte nicht in Deutschland? Wo die Politik doch die Mediensteuern so schön durchgewunken hat, sollte sie doch auch endlich einmal Einfluss auf die Programminhalte nehmen und eine Grundversorgung auch mit Programmen für Randgruppen und eben die Pflege der deutschen Musik sicherstellen.
     
  17. Ammerlaender

    Ammerlaender Benutzer

    Weil solcher Art Diskussionen nicht ideologiefrei geführt werden würden, und die Befürworter sofort von denen, die von sich glauben, die Meinungshoheit gepachtet zu haben, sofort ungerechtfertigter Weise in eine gewisse Richtung geschoben werden würden.
     
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