1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Bei der Zeitung kritisiert - beim Radio normal?

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von schangel, 19. Juni 2011.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. schangel

    schangel Benutzer

    Unter der Headline "Gepfistert" gibt es interessante Einblicke in die offensichtliche Unterschiedlichkeit bei der "Preis- Bewertung von Medien...

    http://www.fair-radio.de/
     
  2. Unterstützer

    Unterstützer Benutzer

    AW: Bei der Zeitung kritisiert - beim Radio normal?

    Na ja. Hinweise auf "Pfisterei" im Radio gab's ja schon häufiger:

    Lutz Mükke zum Beispiel sprach mit Blick auf die ARD-Auslandkorrespondenten schon von Jahren von "virtuelle[m] Journalismus". (in: Lutz Mükke - „Der Trend geht zum Generalisten und Feuerwehrmann“ - Ein Dossier zum Zustand der deutschen Auslandsberichterstattung, S.5)

    Dort würden gerne mal Archiv-Geräusche oder "geklaute" Fernseh-Atmo unter Reportagen gemischt, um den Anschein zu erwecken, man sei selber vor Ort gewesen. War man aber nicht. Und das erschütterndste an Mükkes Schilderungen: In der fraglichen Redaktion habe das gar niemand groß bekümmert. Selbst dann nicht, als der Beschiss angeprangert wurde.

    Es ist und bleibt also erstaunlich, dass ein aberkannter Zeitungspreis und eine fragwürdige Reportage in der Zeitung (zurecht) eine journalistische Werte-Diskussion lostritt, ähnliche und eklatante Verstöße im Hörfunk aber als Gott gegeben hin genommen werden.
    Denn NÖTIG wär die Debatte! Die genannten Beispielfälle belegen das. Oder sind das mal wieder nur die berühmten "Einzelfälle"?
     
  3. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    AW: Bei der Zeitung kritisiert - beim Radio normal?

    In Fernsehsitcoms spielen sie gnadenlos Lacher vom Band ein, - das ist genau die gleiche Sünde.

    "Gib ein bisschen Athmo dazu" - welcher Producer hat das noch nicht gehört?
     
  4. BlueKO

    BlueKO Benutzer

    AW: Bei der Zeitung kritisiert - beim Radio normal?

    Merkt eigentlich niemand wie abstrus die Forderung der selbsternannten Besserwisser ist? Oder hat sich irgendjemand das Stück wirklich angehört und überlegt wie sie es selbst besser gemacht hätten?

    Die Autorin hätte also vier Wochen nachdem sie alle Interviews geführt hatte noch einmal zum Protagonisten fahren sollen um einen O-Ton aufzunehmen, auf dem man hört wie er nicht an sein klingelndes Handy geht. Im Zweifelsfall dürfte es schon reichlich schwer für sie werden überhaupt einen Termin dafür mit ihm ausmachen zu können.

    Der Artikel dieser ehemals sehr löblichen Initiative ist einfach lächerlich und schadet höchstem deren Ansehen, aber auf keinem Fall dem der Autorin bzw. des Senders.
     
  5. Unterstützer

    Unterstützer Benutzer

    AW: Bei der Zeitung kritisiert - beim Radio normal?

    Mit dem Unterschied, dass eine Sitcom nicht so tut, als würde sie die Wirklichkeit abbilden!

    Unterhaltung ist Unterhaltung. Fiktion ist Fiktion.

    Aber Fakten sind Fakten und Journalismus ist Journalismus.

    Das sollte man nicht in einen Topf rühren.

    Und @BluekKO:
    Wohl. Wohl. Und ich finde, es wäre locker ohne das Fake-Klingeln gegangen. Einfach mit einem ANDEREN Schluss! Oder war genau DER szenische Schluss "alternativlos"? Ich bitte Dich. Es hätte tausend Möglichkeiten gegeben...auch wenn die nachvertonte Szene vielleicht tausendmal schöner ist, als der selbst erlebte Schluss der Geschichte...eine Reportage ist doch kein Theaterstück, in dem man sich den schönsten Schluss herbei inszeniert!
     
  6. 666

    666 Benutzer

    AW: Bei der Zeitung kritisiert - beim Radio normal?

    Diese Diskussion ist doch nun wirklich totaler Stuß. Die Reporterin hat ja keinerlei Veränderung der Realität vorgenommen. Jeder Schnitt in einem Interview hingegen ist doch schon ein Eingriff in die Realität, wie sie vor Ort war. Prangert Ihr dann auch an, dass der Interviewpartner sich zwischendrin aber noch 20 Minuten über seine politischen Visionen ausgelassen hat, dies aber nicht gesendet worden ist?

    Die Aufgabe des Journalisten ist aber nicht, Echtzeitchronist oder Echtzeitgeräuschechronist zu sein, sondern Fakten zu verdichten. Ein Archiv-Telefonklingeln ist dabei ebenso legitim wie ein Archivbild von Downing Street No 10 im Hintergrund der Tagesschausprecherin, wenn diese eine Meldung von dort vorliest. Oder wird da auch erwartet, dass die Redaktion sich aus London ein stundenaktuelles Foto besorgt, weil es sonst ja "Fake" ist?
     
  7. Badener

    Badener Benutzer

    AW: Bei der Zeitung kritisiert - beim Radio normal?

    Einen Kollegen, der Interviews mi Archiv-SFXen unterlegt würde ich fragen "Hasch du überhaupt gelernt?".
    Ich jedenfalls habe gelernt, dass man das dort gerade nicht tun soll, was ja auch verständlich ist.
     
  8. AW: Bei der Zeitung kritisiert - beim Radio normal?

    Aber wenn es sich um einen gebauten Beitrag handelt, der unter anderem aus einem einem Interview entnommenen O-Ton besteht? Man lasse die Kirche im Dorf.
     
  9. Unterstützer

    Unterstützer Benutzer

    AW: Bei der Zeitung kritisiert - beim Radio normal?

    Ich denke, da muss man differenzieren. Natürlich sind Archivgeräusche bisweilen möglich/nötig/unverzichtbar. Wer ein Servicestück über die neuesten Trends für Hobbygärtner macht, darf nen röhrenden Rasenmäher oder ne surrende Heckenschere aus dem Archiv einsetzen. No problem. In so einem Beitrag geht es um die radiophone Inszenierung von situationslosen Fakten.

    Aber in einer Reportage, die eben nicht nur Fakten berichtet, sonden davon lebt, eine konkrete Situation zu REPORTIEREN, und die das "Ich war dabei - in genau JENEM Moment" kultiviert, hat ein Archivgeräusch nix verloren.

    Im speziellen Fall der angesprochenen Reportage von Tina Hüttl halte ich das deshalb durchaus für fragwürdig. Noch dazu weil das Geräusch ja nicht nur als Geräusch eingesetzt wird, sondern um eine (vermeintlich?) selbst beobachtete Szene daran aufzuhängen (Der Wahlkampfcoach lässt es traurig weiterklingeln und geht heute nicht ran. - Was für ein starkes Schlussbild!).

    Doch selbst, wenn man im speziellen Fall das Archivklingeln für in Ordnung hält. Dass Tina Hüttl laut Interview den Einsatz von Archivgeräuschen GRUNDSÄTZLICH für normal und möglich hält im Radio, ist doch diskussionwürdig!

    Denn wie steht es denn um die anderen geschilderten Fälle?
    • Darf ein Auslandskorrespondent von Gefechten berichten und die Beiträge mit Hubschrauber- und Schussgeräuschen aus dem Archiv unterlegen, obwohl er nicht selber vor Ort war?
      [*]Darf man O-Töne von einer Schauspielerin nachsprechen lassen, ohne den Hörer darüber aufzuklären?

    Über solche Beispiel-Fälle und ihre Gos und NoGos wird im Radio nämlich viel zu selten gesprochen. Um so schöner also, dass es diesen Thread gibt.
     
  10. Badener

    Badener Benutzer

    AW: Bei der Zeitung kritisiert - beim Radio normal?

    Unterstützer, ich unterstütze dich.
    Radionachrichten, Interviews, etc. sind einerseits Kino im Kopf, aber bitte ohne Spezialeffekte oder gar mit Stuantman!
     

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Diese Seite empfehlen