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Das deutsche Bildungssystem

Dieses Thema im Forum "Auszeit" wurde erstellt von Mannis Fan, 06. Dezember 2009.

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  1. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Da das Abstrahieren von einem Ereignis (Vandalismus von Studenten bei Uni-Besetzungen) zu den dahinter stehenden Ursachen (unzureichendes Bildungssystem) manch einen überfordert, starte ich nun eben doch, wie von "Reh" empfohlen, einen gesonderten Thread zu diesem Thema.

    Zum Einstieg vielleicht einmal ein paar nüchterne Tatsachen:
    Die Bertelsmann Stiftung hat die Folgekosten der unzureichenden Bildung im deutschen Bildungssystem ausgerechnet.
    Kernthese ihrer Untersuchung: Ein marodes, sozial unausgewogenes Bildungssystem sabotiert nicht nur individuelle Lebenswege, Entwicklungschancen und Berufsperspektiven. Immer mehr Ökonomen sind davon überzeugt, dass es auch der Volkswirtschaft schadet, indem die Möglichkeiten des sogenannten "Humankapitals" nicht ausgeschöpft werden und dem Wirtschaftskreislauf auf diese Weise wichtige Wachstumsimpulse verloren gehen.
    Die dazu vorgelegte Studie von Ludger Wößmann http://www.edu.vwl.uni-muenchen.de/index.html und Eric Hanushek http://edpro.stanford.edu/hanushek/content.asp?ContentId=61 kommt zu folgendem frappierenden Ergebnis:
    Je besser die Leistungen in den zurückliegenden internationalen Schülerleistungstests, desto höher ist das zwischen 1960 und 2000 gemessene durchschnittliche Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts pro Kopf. Wößmann projiziert in seiner Studie diese Ergebisse ins 21. Jahrhundert hinein. Demnach betragen die Folgekosten unzureichender Bildung durch das nicht generierte Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahren rund 2,8 Billionen Euro.

    Wer sich über eine wohlfeile Empörung wegen studentischem Vandalismus bei Audimax-Besetzung hinaus etwas tiefer mit dem Thema beschäftigen möchte, der findet hier einen gründlichen Einstieg:
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31634/1.html

    Wer nur stänkern will, wie faul, unproduktiv und undankbar die heutige Studentengeneration ist, der ist selbstverständlich herzlich eingeladen, ebenfalls mitzudiskutieren.:)
     
  2. Commander_Keen

    Commander_Keen Benutzer

    AW: Das deutsche Bildungssystem

    Ich merke nur selbst, dass die Auszubildenden bei uns immer dümmer werden. Katastrophale Rechtschreibung, miese Artikulation, ein Allgemeinwissen wie aus dem Kaugummiautomaten gezogen und lernerische Fähigkeiten einer Beutelratte.

    Wird sich auch nicht mehr so schnell ändern lassen fürchte ich.
    Erstmal muss das Schulsystem komplett reformiert werden. Weg mit Gymnasium, Real- und Hauptschulen. Warum soll man an seiner Bildung arbeiten wenn man als Hauptschüler immer gesagt bekommt dass man mit der Schulbildung eh nix werden wird. Selbst die Leute von Universitäten werden ja auch immer dümmer. Weil's System so von ihnen verlangt.
     
  3. 2Stain

    2Stain Benutzer

    AW: Das deutsche Bildungssystem

    Mit dem 1. Absatz gehe ich konform, allerdings unterschreibe ich den 2. Absatz nicht.
    Zitat: "Selbst die Leute von Universitäten werden ja auch immer dümmer. Weil's System so von ihnen verlangt." Zitat Ende.
    Das ist doch wohl nicht Dein Ernst? :wow:

    Allgemeinplätze und Rundumschläge, das ist keine Diskussionsgrundlage. Konstruktive, belegbare Kritik ja, Polemik und plakative, nicht nachvollziehbare Forderungen - nein.

    2Stain, der selbst seine Tochter im 7. Semester unterstützt und mit der Realität konfrontiert ist.
     
  4. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    AW: Das deutsche Bildungssystem

    Um dem Commander beizuspringen: Ich glaube, hier ist die Auswirkung eines Sachverhaltes ausgedrückt, nicht ein Sachverhalt als solcher. Keineswegs sind "die Leute an den Universitäten" immer dümmer, aber die Inhalte der Lehre sowie die Methodik im Studium werden immer schmalspuriger und zeitigen deshalb entsprechende Ergebnisse, nämlich "Katastrophale Rechtschreibung, miese Artikulation, ein Allgemeinwissen wie aus dem Kaugummiautomaten gezogen und lernerische Fähigkeiten einer Beutelratte."

    Das Dilemma an den Unis ist ja, dass nicht "studiert" wird, sondern auf einen Abschluss hingepaukt, der idealer Weise bereits eine fertige Berufsqualifikation ersetzen sollte. Damit ist aber der Charakter des einstigen Universitätsstudiums auf den Kopf gestellt, das Studium zur reinen Berufsausbildung missbraucht, mit der Folge, dass Uni-Absolventen heute unmittelbar ins Management von Banken, Industriebetrieben, Funkhäusern und Zeitungsverlagen einrücken - mit den bekannten verheerenden Folgen.

    In eine ähnliche Missbrauchssituation hat man das dreigliedrige Schulsystem manövriert:
    Gymnasien bereiten heute nicht mehr auf das Studium, sondern auf die Banklehre und andere Ausbildungsberufe vor - die man damit den Realschulabsolventen wegnimmt.

    Die Realschule bereitet nicht mehr auf solide kaufmännische oder handwerkliche Ausbildung vor, sondern ersetzt die Hauptschule und nimmt den Hauptschulabsolventen die Ausbildungsplätze im Bereich Einzelhandel, Dienstleistungen und Handwerk weg.

    Und die Hauptschule kämpft ums Überleben und wird als Integrationsanstalt für Ethnien, sozial Abgesunkene, die Verlierer der Patchworkfamilienpolitik und die an den übrigen Schulen auf der Strecke gebliebenen missbraucht.

    An Grundschule und Kindergärten wird hingegen eine Turbo-Konkurrenz um die besten Plätze geschürt und auch noch das letzte Stückchen Kindheit rigoros dem Wettbewerb um die besten Startplätze geopfert.

    Und weil die Ergebnisse, die dieses System erzeugt, im europaweiten Vergleich so mies sind, dass es einem angst und bange werden muss, hat Baden-Württembergs Kultusminister Helmut Rau nunmehr damit gedroht, die Teilnahme an der Pisa-Studie zu verweigern.
    Nach dem Motto: Wenn man nicht verglichen wird, kann man auch nicht am Ende der Tabelle landen!
     
  5. StageManager75

    StageManager75 Benutzer

    AW: Das deutsche Bildungssystem

    Ich bin mit Vielem einverstanden, was Du geschrieben hast, insbesondere bei den Punkten, dass mittlerweile nicht mehr gelernt wird, wie gelernt wird, sondern nur noch kurzlebiges Fachwissen eingetrichtert wird - Studierende, mit denen ich regelmäßig zu tun habe nennen das "Lernbulimie" - nur bei dieser Pisa-Story hab ich meine Zweifel.

    Ich sehe einen starken Zusammenhang zwischen der Pisa-Studie und dem hektischen Aktionismus rund um die Schule. Insofern wäre ein "aus dem Rennen nehmen" durchaus sinnvoll für ein Bildungssystem, das erst mal wieder zur Ruhe kommen muss statt jedes Schuljahr mit neuen Experimenten in Schule und Kindergarten um sich zu werfen, um dann - wenn's um die Kohle geht, die man für die Umsetzung braucht, wieder einzukneifen. (Siehe den groß verkündeten Bildungsplan für Kindergärten, der jetzt "ausgesetzt" wird, weil er eben nicht mit dem gleichen Personal umgesetzt werden kann und niemand bereit ist, den Einrichtungen mehr Personal zu bezahlen oder die Gruppengrößen zu reduzieren.)

    Tolles Beispiel: Alle loben das finnische Schulsystem wegen seiner Ganztagesschulen - Ich möchte da keinen Zusammenhang hergestellt sehen, aber Finnland ist auch das Land mit den meisten Alkoholproblemen.

    Wir sitzen selber immer wieder der großen Lüge auf, dass Ergebnisse einer Studie extrapoliert werden könnten. Eine Studie zeigt die Vergangenheit, vielleicht noch so was wie einen nahe zurück liegenden Istzustand. Aber die Rezepte, die daraus dann synthetisiert werden, sind nur zufällig richtig, öfter aber falsch.

    Ist es nicht genau dieses dusselige Ranking, das gestandene Bildungspolitiker zu Äußerungen treibt wie "wir brauchen mehr Hochschulabsolventen".
    "Wir schaffen die Hauptschule ab, weil da ja nur der Bodensatz ist" - danke, und wohin geht dieser als "Bodensatz" bezeichnete Anteil der Menschheit? Wir können auch die Krankenhäuser und Altersheime abschaffen, weil dort eh nur die nicht leistungsfähigen sind.

    Wer hat denn beim Bildungssystem die zu bildenden überhaupt noch im Auge?
    Wir brauchen die Ganztageskinderbetreuung nicht, um besser zu fördern (das ist das Valium, das man uns immer eingibt), sondern weil es in vielen Berufen einfach nicht mehr finanziell möglich ist, dass ein Ehepartner sich um die Kinder kümmert - und dass diese Aufgabe immer mit einem "nur" versehen ist, haben wir auch diesen Rankings zu verdanken. Wir beschuldigen die Schulen, an der "schlechten Artikulation" und mangelndem Benehmen von Schülern schuld zu sein. Die Einführung in die Gesellschaft ist verdammt nochmal zuerst die Pflicht der Eltern. Und nur weil einige % dazu traurigerweise nicht in der Lage sind, packt man das nun auch noch den Schulen auf den Rucksack.

    Individuelle Förderung passt nicht auf ein durch Ranking auf Vereinheitlichung gebürstetes Bildungssystem. Wer das behauptet lügt und will nur davon ablenken, dass ein mehrgliedriges Schulsystem mit Schularten, die zu den Schülern passen (gepasst haben) einfach teurer ist, als alle zusammen in einer Schule zu beschulen. Die individuelle Förderung klappt dann, wenn die Hobbies der Schüler zufällig zum Hobby eines Lehrers passen - sonst nicht.

    Wer Kennwerte haben will, kriegt sie - ob sie Sinn machen ist damit noch lange nicht bewiesen.

    Ein touchy point!
     
  6. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    AW: Das deutsche Bildungssystem

    @StageManager75

    Deine Überlegungen im Hinblick auf den durch Rankings ausgelösten Aktionismus teile ich. Aber bist du sicher, dass dies auch das Motiv des baden-württembergischen Kultusministers ist, sich von der Pisa-Studie zu verabschieden?
     
  7. K 6

    K 6 Benutzer

    AW: Das deutsche Bildungssystem

    Wie in dieser Falko-Parodie: Die Tierschutzbehörde schließt die Möglichkeit nicht aus, daß es sich hier um ein Mißverständnis handelt. Es sieht nämlich so aus, als wäre der „Bachelor“ des großen Bruders das, was hierzulande die klassische Lehre ist.

    Und die Verankerung der klassischen Lehre in der Praxis würde ich als großen Vorteil sehen. Da besteht die Chance, Fachwissen zu gewinnen, das auf wirklichen Einblicken beruht und durchaus formale Bildung ersetzen kann. Facharbeiter klingt schäbig, taugt aber auch für Posten, wo man Studierte erwarten würde.


    Wenn man das nun weiterspinnt: Unten fallen die Hauptschulen raus. Gleichzeitig verschwindet oben das klassische Studium. Führt das nicht auf Dauer zum Verschwinden der Universitäten als solche, werden sie damit nicht schleichend in schnöde Berufsschulen mit angeschlossener Entwicklungsabteilung (von wegen „Drittmittel“ und so) umgewandelt?


    Und Finnland ist ja nun ein ganz heißes Thema, weil man sich dort einiges von der DDR abgeschaut haben soll. Aber das müßte man differenziert betrachten, denn Schattenseiten gibt es offensichtlich auch dort.
     
  8. KMT-E

    KMT-E Benutzer

    AW: Das deutsche Bildungssystem

    Moin,

    was bitte ist an der 10-klassigen polytechnischen Oberschule so schlecht, außer das Selbige in Neubundland betrieben wurde?
    Wäre die POS in Schweden oder Finnland erfunden worden, dann wäre es der pädagogische Knall im All.
    Heutzutage werden die Schüler in der Grundschule bis zur dritten oder vierten Klasse nicht mit einer Leistungforderung konfrontiert. Auch fehlt es an der Anleitung, das Lernen zu lernen. Statt dessen gibt es Bienchen, Leselöwen, Rechenraben und ähnliches Zeugs... nur keine Zensuren.
    Der Schüler soll ja nicht unter Druck gesetzt werden.
    Auch wenn man es nicht glaubt: Kinder sind extrem wissbegierig und ehrgeizig und in der Schule wird ihnen das Streben nach Leistung leider förmlich "abgewöhnt".
    In der fünften und sechsten Klasse werden die Kinder dann plötzlich mit Leistungsforderungen konfrontiert und stehen damit förmlich wie "die sprichwörtliche Kuh vorm neuen Tor".
    Nur ist es dann zu spät und viele Kinder reagieren mit einer Art "Verweigerung". Dann kommt noch der Wunsch der Eltern hinzu, das Kind auf ein Gymnasium zu schicken. Das gibt vielen Kindern den "Rest".

    Das ganze derzeitige Schulsystem ist ein Anachronismus, egal was die Bildungspolitiker jedweder Coleur behaupten !
    Hinzu kommt dann noch der akute Geldmangel der öffentlichen Hand.

    Heraus kommen dann lernunwillige oder -unfähige Jugendliche, deren Berufswunsch "hartzen" ist.

    Es ist zum Heulen...



    Grüße
     
  9. StageManager75

    StageManager75 Benutzer

    AW: Das deutsche Bildungssystem

    Seine Beweggründe kenne ich nicht. Es wären aber meine (in seiner Position).
     
  10. StageManager75

    StageManager75 Benutzer

    AW: Das deutsche Bildungssystem

    Ich heul mit - insbesondere meine absolute Zustimmung das junge Menschen absolut wißbegierig sind und dass es genau die Lehrer einfach haben, die es schaffen, sie bei ihrer Neugier zu packen. (Kenne ich noch aus meiner eigenen Grundschulzeit - der Lehrer, ein früherer Hauptschullehrer, wurde damals vom Elternbeirat zurückgepfiffen, weil er uns Dinge beigebracht hat, die heute in "Naturphänomene" schon fast Kindergartenstoff sind, aber damals hat's halt manche armen Schülerlein scheinbar überfordert.)
    Dass allerdings das Fordern von Leistung eine Voraussetzung von Neugierde ist glaube ich nicht. Allerdings unterstütze ich die Meinung, dass jegliches Fehlen von Leistungsanreizen (aka Belohnungssysteme...) auch die neugierigsten Schülerinnen und Schüler irgendwann in eine "Optimierungshaltung" bringen. Das ist wie "laissez-faire"-Erziehung mit kindgerecht zu verwechseln.
    Warum können manche Schul-Nullen gerade im Vereinssport tolle Leistungen bringen? Mathe-Versager sind begnadete Modellbauer, Leseverweigerer programmieren... Interesse und Erfolgserlebnisse!

    Und ob nun eine Schulidee aus der ehem. DDR oder aus den USA kommt - stupide kopieren hat noch niemandem geholfen. Ich bin der festen Überzeugung, dass gerade die Vielfalt unser Vorteil ist.
    Warum nicht sowohl die Gesamtschule als auch ein mehrgliedriges Schulsystem? Es gibt nicht den "Knall aus dem All" wo jeder Schüler die richtige Ausbildung bekommt - von Flensburg bis Konstanz und Frankfurt Main bis Frankfurt Oder. Und schon gar nicht von Südportugal bis Nordfinnland - aber alle brav über den gleichen Kamm scheren.
     
  11. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    AW: Das deutsche Bildungssystem

    Das Entscheidende: Vom Kind her an die Sache herangehen. Das klingt aus allen euren Beiträgen heraus, und das sehe auch ich als Hauptansatz.
    Leider wird bei uns vom System her betrachtet und gedacht. Und System bedeutet: etablierte Prozesse, eingefahrene Bürokratie, altgewohnte Zuständigkeiten, feste - tendenziell sinkende - Budgets. Wer an diesen Dingen rüttelt, der beißt sich die Zähne aus. Deshalb enden unsere Reformen ja auch stets in noch mehr Lernstoff, noch restriktiveren Lehrplänen, noch komplexeren Bürokratien und noch mehr Kinder- und Elternentmündigung.

    Dabei wäre es recht einfach: Fürs Erste mal mehr Geld in die Hand nehmen und mehr Personal einstellen. Fürs Zweite, dieses Personal gründlicher ausbilden, weniger Fachwissen pauken, mehr die pädagogische Kompetenz. Ich glaube, da wäre schon viel geholfen.
     
  12. StageManager75

    StageManager75 Benutzer

    AW: Das deutsche Bildungssystem

    Ich hab's nicht so mit dem "Mehr Geld = Mehr Wirkung". Wenn ich nicht weiß, was ich damit sinnvoll tun soll, kann ich selbst vier mal so viel Geld bekommen und mache trotzdem alles falsch.

    Sicher: Mehr Leistung für gleichen schmalen Euro kann nicht gehen. Und eine vernünftige Ausstattung mit Lehrmitteln, Sanierung von Bildungseinrichtungen (Gebäude...) und ein kleinerer Klassenteiler ist schon mal ein guter Anfang, egal mit welchem verkorksten Lehrplan man arbeiten muss. Sind Lehrer unter uns? Ich hab von einigen gehört, dass die mittlerweile mehr Zeit für die Evaluation (also Rückmeldung an das Schulamt über das Funktionieren der Pläne incl. Kontrolle der Arbeit der Lehrer) brauchen, als sie für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts haben. Ergebnis: Wir wissen dann auf breiter Basis evaluiert, dass weniger Zeit am Kind schlecht ist.

    Niemand traut sich die Frage zu stellen, wo die Grenze des Systems "Schule" ist. Kann ja sein, dass es einfach gar nicht geht, nur in der Schule zu einem lebensfähigen und lebenswilligen Mitglied der Gesellschaft zu werden.
    Ich glaube, es ist eine afrikanische Redensart: "Es braucht ein ganzes Dorf, ein Kind zu erziehen". Und nicht nur die kleine Welt "Schule", die man nach den allgemeinen Plänen immer seltener verlassen darf.
    Wo sind in der Ganztagesschule die freiwilligen Peer-Groups? Wo sind die Strukturen, denen man sich (z.B. im Verein, Musikschule...) FREIWILLIG unterwirft? Ein Lehrer ist ein Lehrer, egal ob Unterricht oder AG.

    Wir scheinen uns recht einig zu sein, wo die Macken sind. Die Lösung scheint nicht ganz so einfach zu sein... Und dann sollte sie auch noch populär sein, der nächste Wahlkampf kommt bestimmt.
     
  13. Commander_Keen

    Commander_Keen Benutzer

    AW: Das deutsche Bildungssystem

    @Mannis Fan, danke für die passende Übersetzung meiner Worte. Mir fehlte etwas die Zeit zum Aufbereiten meiner schnell geschluderten Taten *G*

    Meine Schulzeit ist ja nun gottseidank schon ein paar Jahre her aber die Erinnerung an selbige doch eher negativ behaftet. In der Grundschule war ich ein sehr guter Schüler und war auch ein Einser-Schüler (bis auf Mathe). Dann ging ich aufs Gymnasium in einem Schulzentrum (ca. 1200 Schüler) und ab da begann der geistige Verfall. Viel zu viele Schüler, unmotivierte oder gestresste Lehrer, Lehrer mit Tellerrand-Übertretungsverbot, direkter Konflikt mit Real- und Hauptschülern usw usw. Wissen wurde absolut uninteressant vermittelt und auf die Fähigkeiten eines Schülers nicht eingegangen. (Was natürlich bei der Masse auch nicht machbar ist).

    Heute sind Schüler in meinen Augen nur noch ein großes Experiment. Schulsysteme werden an ihnen ausprobiert, sie werden mit Samthandschuhen durch das Leben getragen und haben später dann die A-Karte weil sie eigentlich viel gelernt haben (sollten) aber es nicht abrufen können oder weil sie das selbständige Lernen nie gelernt haben reine Fachidioten werden.

    Unser Azubi ist 18 und weiß von der Welt genau NULL. Es ist eine Katastrophe.
    Einer meiner Kumpels studiert BWL und lebt in den Tag hinein - hat das Studium aber geschafft. Ohne den Studierenden was zu unterstellen, aber SOLL so Elite aussehen? 8 Semester Klausuren schreiben, ein paar Pflichtvorlesungen besuchen und dann gleichh 10-20k € im Jahr mehr verdienen (ich weiß das ist fiktiv). Klar gibt es auch Hammer-Studiengänge wie z.B. Medizin oder Informatik. ....

    Bildung muss neu definiert werden aber für jeden möglich sein. In meinen Augen muss Sie aber für jeden Lebensumstand finanzierbar bleiben.
     

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