1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Der Fall Brunner

Dieses Thema im Forum "Auszeit" wurde erstellt von Zwerg#8, 15. Juli 2010.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    Hallo zusammen!

    Bekanntlich wird gerade verhandelt. Ihr kennt die Einzelheiten, also erspare im mir das. Ich finde es nur betrüblich, daß man Brunner jetzt auch noch eine Mitschuld in die Schuhe schieben will. Aus Sicht der Verteidigung ist das verständlich, m.E. aber äußerst grenzwertig.

    Fakten:

    Zwei Jugendliche wollen vier Kinder ausrauben.

    Ein Mann - Brunner - sagt sich "He, das ist kein Kinderspiel mehr! Das ist Ernst!"

    Er nimmt all seinen Mut zusammen uns stellt sich "schützend" vor die Kinder.

    Brunner wird brutal zusammengetreten und stirbt.


    Hab ich was vergessen? Ja.

    Laut Zeugenaussagen hat er den "Boxer gemimt" und zuerst zugeschlagen!

    Na und?

    Er (fast ein alter Mann) war allein - gegen zwei Jugendliche - und hat obendrein in Notwehr gehandelt! Er mußte als erster einen Treffer landen, damit die Angreifer erstmal geschockt sind! Voll auf die "12" des vermeintlich stärksten Angreifers! Unangekündigt. Ich glaube, diese Dinge lernt man in jedem Selbstverteidigungskurs. Und das hat ja auch seinen Grund, denn ansonsten hat man keine Chance. Danach muß man entweder weitermachen - aber wer ist schon Bruce Lee - , oder ganz schnell wegrennen (hoffentlich an einen belebten Ort) - Frauen sollten diese Option nutzen.

    "Früher" wäre die Sache damit wohl erledigt gewesen.

    In diesem Fall aber nicht. Die beiden fühlten sich wohl in ihrer Ehre gekränkt und haben ganz bewußt "nachgetreten" - und damit auch den Tod des Opfers in Kauf genommen! Selbst im Suff kommt man nicht auf solche Ideen, wenn man etwas gesunden Menschenverstand besitzt!

    Aus meiner Sicht gibt es daher nichts zu entschuldigen oder als mildernden Umstand anzurechnen. Weg mit den beiden! Aber nicht lebenslang - das wäre zu einfach, da man nach 15 Jahren normalerweise wieder rauskommt - sondern 15 Jahre Steinbruch!


    Das Urteil hat durchaus eine Bedeutung. Denn wenn die Täter glimpflich davonkommen, weil der Helfer eine Mitschuld an seinem eigenen Tod bekommt (da er in Notwehr zuerst zugeschlagen hat), wird alsbald niemand mehr helfen, wenn andere Menschen in ähnlichen Situationen sind!

    vg Zwerg#8
     
  2. NurzumSpassda79

    NurzumSpassda79 Benutzer

    AW: Der Fall Brunner

    Man muss nicht immer warten, bis ein anderer zuschlägt. Gerade wenn Halbstarke zu mehreren sind (und das ist in der Regel der Fall), darf man sich schon freikämpfen. Notwehr entsteht auch aus einer bedrohlichen Situation heraus. Wenn einer mit einem Messer vor Dir steht, wartest Du ja auch nicht, bis er erst zugestochen hat. Du wehrst Dich eher. Was ist also daran verwerflich?

    Zum Verfahren: Ich fürchte, da diese Jugendlichen ja nach bekanntem Strafrecht verurteilt werden sollen, dass sie nach spätestens zehn Jahren wieder frei sind. Meine Meinung: Lebenslang wegsperren! - und das Wort "lebenslang" bitte wörtlich nehmen. So eine Tat ist durch nichts entschuldbar.
     
  3. HeavyRotation25

    HeavyRotation25 Benutzer

    AW: Der Fall Brunner

    Es ist für die Verteidigung und das Strafmaß sehr wichtig, ob Brunner die Offensive ergriff, oder sich nur gewehrt hatte. Da geht es um Mord im Affekt, Totschlag, Körperverletzung mit Todesfolge. All das macht Unterschiede im Strafmaß.

    Trotzdem ist dieser Fall unfassbar und in keinster Weise zu entschuldigen, es ist eine Tragödie!
     
  4. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    AW: Der Fall Brunner

    Hallo!

    Ich habe oben ja auch geschrieben, daß ich die Vorgehensweise der Verteidigung durchaus verstehe. Sie muß das tun, denn dazu ist sie da.

    In diesem Fall geht es aber auch darum, daß der Helfende fast noch schuld daran ist, daß die beiden Angeklagten überhaupt "auspflippten". Hallo!

    Wenn ich vier Schüler "abziehen" will, muß ich immer mit Gegenwehr rechnen. Man weiß nie wen man vor sich hat! Man muß daher Gewalt in seinen Plan bewußt aufnehmen - und in Kauf nehmen. Und daher kann man sich hinterher nicht darüber beschweren, daß man zuerst eine "auf die Fresse bekommen" hat! BTW: Wer einen Schlüssel zwischen die Finger seiner geballten Faust nimmt, weiß genau warum er das tut!


    Dumme Frage:
    Noch während der Fahrt wurde die Polizei von Brunner alarmiert. Sicher hat er der Polizei auch gesagt wo man aussteigt. Solln. Wo war die Polizei?



    Auf Stern.de haben die Admins die Kommentarfunktion zu diesem Artikel schon gesperrt. Man wollte sich wohl nicht auf eine Diskussion zum Thema "Opferschutz contra Täterschutz" einlassen. Aber genau darum geht es!

    vg Zwerg#8
     
  5. Studio Rebstock

    Studio Rebstock Benutzer

    AW: Der Fall Brunner

    Auszeit hin oder her: In diesen Foren habe ich Menschen getroffen, die journalistisches Handwerk beherrschten.
    • Notwehr oder Nothilfe?

    • Sei es "Geschäftsführung ohne Auftrag" oder gar "Notstand": Präventive Gewalt als Mittel der Verteidigung? Wenn das Schule macht, dann hat der achte Zwerg bald nicht nur eine rote Zipfelmütze (Aussage gegen Aussage!)... :p
    Die Judikative würdigt es eher negativ, wenn der Bürger der Staatsgewalt (zu weit) vorgreift.
    Nichts gegen mutige und engagierte Bürger, aber es kann nicht sein, dass jetzt eine aufgeheizte Debatte über das entsteht, was jeder Polizist, Feuerwehrmann, Rettungsdienstler, THW'ler etc. - und auch die Ersthelfer! - als allererstes eingeimpft bekommt:

    Eigensicherung hat Vorrang!

    Zusätzliche Verletzte - oder Aggressoren - erschweren die Arbeit der Einsatzkräfte unnötig. Tote Zeugen nützen keinem was.

    Bürger, die helfen möchten, haben viele Möglichkeiten der Hilfeleistung. Vorwärts-Agression unter dem Deckmantel "Selbstverteidigung" bringt uns nicht wirklich weiter.
     
  6. legasthenix

    legasthenix Benutzer

    AW: Der Fall Brunner

    Es ist ein heikles, weil emotionsbeladenes Thema, bei dem man sich leicht zu unangemessenen Reaktionen verleiten lassen kann, was sich auch in der recht zurückhaltenden Beteiligung an dieser Diskussion ausdrückt.

    Und ich kann es nicht verleugnen, spontan steigen auch in mir ohnmächtige Wut und das Verlangen nach Befriedigung des 'gesunden Volksempfindens' auf. Es fällt schon schwer, es aushalten zu müssen, dass sich die Täter schon nach relativ kurzer Zeit wieder auf freiem Fuß befinden könnten.

    Findige 'Winkeladvokaten' werden nichts unversucht lassen, wieder einmal die Täter zum Opfer umzustilisieren und dies womöglich auch noch formaljuristisch korrekt untermauern können.
    Es ist trivial vom gemütlichen Schreibtischsessel aus darüber zu räsonieren, was man hätte tun oder lassen können/müssen.

    Aber versetzen wir uns mal in die Lage des Mannes:

    Er sah sich völlig unvermittelt einer Situation ausgesetzt, die kein großartiges Abwägen des 'Für und Widers' erlaubte, sondern nach unverzüglichem Handeln verlangte. Physisch den 'Burschen' vermutlich deutlich unterlegen und offensichtlich nicht mit externer Hilfe von Umstehenden rechnen könnend, hatte er die blitzschnelle Entscheidung zu treffen: "Handele ich oder handele ich nicht?".

    Ihm nun auch noch eine >>Vorwärts-Aggression unter dem Deckmantel der 'Selbstverteidigung'<< zu unterstellen, hielte ich für fehl am Platze.
    Und wenn im Nachhinein objektiv eine unangemessene Reaktion konstatiert werden sollte, käme dann zumindest der Begriff der 'Putativnotwehr' - der auch wieder juristisch auslegbar ist - ins Spiel.

    Gemäß der alten Juristenweisheit "Coram iudice et in alto mari sumus in manu Dei." würde es mich nicht wundern, wenn man den bedauernswerten Herrn Brunner postum noch der vorsätzlichen Körperverletzung bezichtigen und die Angehörigen auf Schmerzensgeld verklagen würde.

    Mein Fazit: Ich hoffe auf ein hartes Urteil und weniger Sozialromantik, Kuschelpädagogik und vor allem weniger fehlgeleitetes 'Gutmenschentum' im Hinblick auf derart brutale Gewalttäter!
     
  7. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    AW: Der Fall Brunner

    Hallo!



    • Ich bleibe bei Notwehr...



      Ich stimme dir zu, lieber Uli! Mein Vater war über 25 Jahre bei der Berufsfeuerwehr in Leipzig. Ich kenne daher einige "Geschichten", die er mir - ich war damals noch ein kleiner Junge und wollte u.a. auch Feuerwehrmann werden - erzählte.

      Bei wirklich "brenzligen" Situationen (Brand in der "Oper", oder in der "Baumwollspinnerei") wurde immer der Befehl "Spielt nicht die Helden!" ausgegeben.

      Aber gerade beim Brand in der "Spinne" hat die Einsatzleitung erst zu spät gesehen, daß Vögel nach dem Durchflug durch die Qualmwolken tot vom Himmel fielen - Vögel halten auch den Atem an, wenns "stinkt". Die eigenen Jungs waren in höchster Gefahr! Natürlich hatten sie Atemschutz und Alu-Anzug angelegt! Das "Zeug" ging aber durch die Haut! Am Ende landeten wohl um die 20 Feuerwehrleute im Krankenhaus.




      Zurück zu unserem Fall, wobei noch ein kurzer Abstecher in den "Sani-Kasten" im Auto erlaubt sein muß.

      Jeder der eine Fahrerlaubnis besitzt, hat auch einen "Erste Hilfe"- Kurs belegt. Und? "Stabile Seitenlage" gut und schön. Doch was braucht man wirklich?

      Um nicht wegen "unterlassener Hilfeleistung" belangt zu werden, reicht es bei einem Unfall, die Polizei oder den Rettungsdienst anzurufen! Niemand muß den "Landarzt" spielen und irgendwelche Verbände anlegen! Im Gegenteil: Verletzte nicht anfassen oder bewegen!

      Natürlich sollte man Blutungen stillen oder den Verletzten vor Unterkühlung bewahren - mehr aber auch nicht! Aus dem "Sani-Kasten" braucht man also nur diese goldene Rettungsdecke und ein paar Mullbinden. Mehr nicht. Den Rest besorgen die Profis.



      Brunner hat die Polizei gerufen - und damit seine staatsbürgerlichen Pflichten erfüllt. In Solln auf dem Bahnhof hätte die Polizei stehen müssen! Dann wäre nichts passiert.
     
  8. McCavity

    McCavity Benutzer

    AW: Der Fall Brunner

    Ich ueberlege die ganze Zeit, warum ich bei Ulis Post Bauchschmerzen bekomme. Sicherlich, die Aussage

    ist in sich voellig richtig. Trotzdem wurde ich, seit ich den Beitrag gelesen habe, das Gefuehl nicht los, das da etwas fehlt. Heute morgen fiel mir das Detail dann ein:

    Genau da liegt m.E. der Hase im Pfeffer. Dominik Brunner war keine Einsatzkraft. Das Beispiel von Zwerg#8 zeigt sehr schoen: Das Einimpfen der Eigensicherung geschieht bei Einsatzkraeften immer wieder, sogar kurz vor dem Eintritt in eine Gefahrensituation. Das hilft, instinktiv richtig zu reagieren und nicht mehr nachdenken zu muessen, wenn keine Zeit zum Nachdenken ist. Eine Garantie, instinktiv das *richtige* zu tun, gibt aber auch das nicht...

    Dominik Brunner hat das niemand eingeimpft. Wir wissen nicht, wie lange sein letzter EH-Kurs zurueckgelegen hat, aber koennen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit annehmen, dass vor dem Vorfall niemand zu ihm gesagt hat: "Spiel nicht den Helden". Selbst wenn es ihm auf einem EH-Kurs irgendwann einmal mitgegeben wurde - ich frage mich, ob es wirklich reicht, das ein, zwei, dreimal gesagt zu bekommen. Ich weiss nicht, wie oft ich selbst das zu hoeren bekommen habe, ich war beim Jugendrotkreuz, der DLRG, der Feuerwehr und Bundeswehr und ich habe mehrere EH-Kurse gemacht (alle paar Jahre mal zur Auffrischung) und jedesmal wurde mir das eingeimpft. Ich wuerde mir trotzdem keine Prognose erlauben, wie ich in einer Gefahrensituation handeln wuerde. Am Ende sind wir Menschen, keine Maschinen.

    Und genau deshalb, in Kombination mit der Tatsache, dass die Reaktion der Schlaeger voellig unverhaeltnismaessig war, plaediere ich da fuer, das "wir wollten ihn ja nicht umbringen" nicht gelten zu lassen. Wer zum Kopf tritt, nimmt den Tod des Opfers mindestens billigend in Kauf. Man muss weder Mathematiker, noch Physiker, noch Arzt sein, um sich ausrechnen zu koennen, dass eine Aktion, die geeignet ist, einen Fussball auf 120km/h zu beschleunigen, toedliche Verletzungen hervorrufen kann. Weiterhin zaehlt nicht die Absicht, sondern die Tat.

    "aus niedrigen Beweggründen" und "mit gemeingefährlichen Mitteln" sind m.E. durchaus erfuellt. Entscheiden wird es das Gericht, aber ich kann jeden verstehen, der hier harte Sanktionen fordert.

    McCavity
     
  9. Tweety

    Tweety Benutzer

    AW: Der Fall Brunner

    Das Brunner den "Helden" spielen wollte glaube ich nicht. Es war einfach eine extrem Situation. Wer sagt denn, dass er nicht geschlagen worden wäre, wenn er nichts gemacht hätte. Manche Angreifen fühlen sich alleine durch Worte oder Einmischung in ihrer "Ehre" gekränkt. Niemand kann sagen, wenn der das und das nicht gemacht hätte, wäre er noch am Leben. Deshalb ist es auch müssig darüber zu diskutieren. Die Täter gehören auf das Härteste bestraft und für Brunner sollte zmindest eine Gedenktafel aufgestellt werden.

    Aufs Urteil bin ich mal gespannt. Wahrscheinlich wird die Verteidigung das wieder so auslegen, dass die Angreifer ja so eine schwere Jugend hatten und Brunner sie brutal angegriffen hat.:rolleyes:
     
  10. legasthenix

    legasthenix Benutzer

    AW: Der Fall Brunner

    Heute bekannt gewordene Details zum Fall Brunner führen in den Medien zu recht unterschiedlichen Bewertungen.

    Ich stelle hier mal die Berichte von zwei öffentlich-rechtlichen Sendern vom heutigen Tage mit durchaus unterschiedlichem Tenor ein:

    Deutschlandfunk Köln

    hr-iNFO

    Mich befremdet die Aussage, man wisse nun, dass er an Herzversagen gestorben sei. Mit Verlaub, was ist denn das für eine essentielle Erkenntnis?

    Es ist doch eine Binsenweisheit, dass genau genommen jeder Mensch letztlich erst endgültig tot ist, wenn sein Herz nicht mehr schlägt - mal abgesehen von der kontrovers diskutierten Definition des Hirn-Todes. Folglich werden wir alle eines Tages durch Herzversagen dahinscheiden!

    Im Grunde ist es belanglos, ob man sich das Genick bricht, erstickt oder verblutet - es führt stets zum oben beschriebenen Phänomen.

    Und sollte es durch den enormen psychischen und physischen Stress zum Stillstand des vorgeschädigten Herzens gekommen sein, vermindert das die Schwere und Brutalität der Tat um keinen Deut.

    Im Übrigen scheinen die verschiedenen Zeugenaussagen ein widersprüchliches Bild zu ergeben. Man darf also gespannt sein, in welche Richtung sich der Prozess entwickeln wird, zumal im Falle des Abrückens von der Mordanklage ein ganz bedeutend geringeres Strafmaß zum Tragen käme.
     
  11. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

  12. Kobold

    Kobold Benutzer

    AW: Der Fall Brunner

    Das sehe ich ganz genauso.
     
  13. chapri

    chapri Benutzer

    AW: Der Fall Brunner

    Die Medien freuen sich, dass sie das Sommerloch mit solch einem aufgeheizten Thema bequemstens fuellen koennen - und die Staatsanwaltschaft freut sich, dass ihr der Sachverhalt bereits von Anfang an bekannt war.
     
  14. Tweety

    Tweety Benutzer

    AW: Der Fall Brunner

    Grundsätzlich spielen die neuen Sachverhalte aber mehr der Verteidigung in die Karten.
     

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Diese Seite empfehlen