1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Der Tagesmoderator: Eine aussterbende Spezies?

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von Der Radiotor, 04. August 2014.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. Der Radiotor

    Der Radiotor Benutzer

    Es scheint einen neuen Trend im Radiobusiness zu geben: Die Abschaffung der Tagesmoderatoren. Damit wollen die Radioveranstalter auf die Generation Spotify reagieren. Sender wie Energy, Radio Bob und Co. werben jetzt tagsüber mit "10 Hits am Stück" usw. Viele andere denken darüber nach nur noch eine Morning Show und die Drive Time mit Moderatoren zu gestalten, sowie ggbf. ein, zwei Special-Schienen am Abend. Zwei Moderatoren- oder Mod-Teams am Tag reichen also künftig aus. Im digitalen Bereich geht der Trend völlig zu unmoderierten Musiksendern. Rund 80 Prozent der Internetradios bzw. gut 70 Prozent der speziellen DAB+ Wellen kommt ohne Moderation aus. Das verrückte ist, dass vielen in meinem Umkreis das gefällt. Und bedenkt man, dass viele Moderatoren ohnehin nur noch sinnlose Phrasendrescher waren, dann kann man eigentlich ja auch ganz drauf verzichten. Oder? Damit wäre die Diskussion eröffnet!
     
    Zuletzt bearbeitet: 04. August 2014
    Bend It gefällt das.
  2. KabelWeb

    KabelWeb Benutzer

    Die Fakten sprechen dagegen. Die Sender, die eine beinahe rund-um-die-Uhr Moderation bieten, sind laut MA am erfolgreichsten. SkyRadio zum Beispiel hat seinen Sendebetrieb in Hessen mangels Erfolg aufgegeben mit genau diesem Konzept, also ohne Moderation. Ich glaube, wenn die Sender diesen Weg gehen, sind sie bereits gegenüber den Streaming-Diensten eingeknickt und schlimmer, werden in dieser Konkurrenzsituation verlieren, Denn warum mir eine Playlist vorsetzen lassen, wenn ich die Möglichkeit habe, diese selbst zu wählen? Stattdessen sollte das Radio noch mehr auf auf seine Stärken setzen: gezielte Information und Personality. Deswegen höre ich Radio. Ich muss mich nicht durchs Internet klicken bis ich die Info habe, die ich gesucht habe. Das Radio bereitet mit stattdessen stündlich die wichtigsten Meldungen auf. Innerhalb der Stunde erfahre ich was die Hörer aktuell bewegt und lasse mich vom Moderator unterhalten oder bekomme Hintergrundinfos. Bestes Beispiel und ein Sender meiner persönlichen Top3: DRadio Wissen. Das ist Radio, das ist seine Stärke. Sreamingdienste sind eine tolle Geschichte, aber kein Radio, sondern der Mp3-Player 2.0 der heutigen Generation. Beide haben ihre Daseinsberechtigung, beides sind tolle Verbreitungswege für Musik. Aber beide sollen sich auch auf ihre Stärken konzentrieren! Ich persönlich lasse mich vom Radio inspirieren und höre später ein gesamtes Album des Künstlers meiner Wahl über einen Musikstreaming-Dienst.
     
    Zuletzt bearbeitet: 04. August 2014
  3. Der Radiotor

    Der Radiotor Benutzer

    Ich denke eher wir stehen vor einem Wandel beim Radio. Aus den Lautsprechern kommt nur noch Musik, die Infos dazu, aber auch Nachrichten etc. stehen auf dem Datendisplay. Es gibt Sender wie Lounge.fm oder Top20Radio, die kündigen im Programm sogar an, dass man für News auf die Website gehen soll. Radio erfindet sich gerade neu, als interaktives Mitmachmedium. Entweder Musik zum Berieseln oder halt Infos auf dem Display wenn man die Gelegenheit hat mitzulesen. Ganz ehrlich: Ich habe oft während der Arbeit Deutschlandradio Kultur oder DRadio Wissen laufen. Fragt man mich jedoch später welche Wortbeitrage ich mir gemerkt habe, kann ich es kaum wiedergeben. Männer sind nun mal nicht multitaskingfähig ;). Daher läuft gerne bei mir mal Lounge.fm oder ein unmoderiertes Webradio - ist nun mal besser zum Arbeiten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 04. August 2014
  4. Internetradiofan

    Internetradiofan Benutzer

    Einem Programm ganz ohne Moderation fehlt es meiner Meinung nach an Lebendigkeit.
    In Ermangelung anderer Alternativen höre ich allerdings auch in erster Linie reine Musikstreams: Immer noch zig Mal besser, als mit den etablierten Sendern, die einem tagein tagaus die "größten Hits der 80er, 90er und das Beste von heute" vorsetzen, vorlieb nehmen zu müssen.

    Wie stellt sich der Sachverhalt eigentlich aus einer lizenzrechtlichen Perspektive dar? - Kann ein Programm, das über weite Strecken unmoderiert ist, noch als Rundfunkprogramm gewertet werden oder wäre es in diesem Fall sinnvoller, von einem Mediendienst zu sprechen?
     
    Zuletzt bearbeitet: 04. August 2014
    radiobino und Tweety gefällt das.
  5. Kreisel

    Kreisel Benutzer

    Nicht ganz richtig. Sky Radio Hessen bot nur bis ca. Januar 2005 ein moderationsfreies Programm.
     
  6. br-radio

    br-radio Benutzer

    Bestes Beispiel ist das Sachsen Funpaket: hier weiß ich oftmals nicht, ob alles live ist...

    aber ich geb dem radiotor schon recht: man muss sich überlegen, ob das mit den 10 Hits nonstop noch Radio im Sinne eines Kulturmediums ist. Das ist eher wie ein Soundsystem, das sich langsam totrotiert. Ich hoffe mal, dass man vielleicht auch gegenläufige Strömungen erfährt. Dieses billige "10 Hits nonstop" ist nicht unbedingt ein Kostensenker!
     
    Zuletzt bearbeitet: 04. August 2014
  7. grün

    grün Benutzer

    Ein schlimmer Trend, wie ich finde: Man hört doch Radio auch gerade wegen der Moderation. Für Musik brauche ich kein Radio, die kann ich mir heute jederzeit selbst raussuchen. Womit ich aber keinesfalls sagen möchte, daß Musik nicht ins Radio gehört.
     
  8. stefan0385

    stefan0385 Benutzer

    Dudelsender mit 2 Min. Nachrichten, Verkehrs und Blitzermeldungen haben mittelfristig schlechte Karten.
    Nach der Mediaanalyse haben genau die Sender zugelegt, die dem Hörer einen Mehrwert darbieten.
    Darum hat der Deutschlandfunk überproportional zugelegt.
     
    radiobino, grün, NOWORUKA61 und 2 anderen gefällt das.
  9. Dandyshore

    Dandyshore Benutzer

    Na ja, da stehe die Lizensierung vor: Ein Mindestwortanteil ist bekanntlich Voraussetzung für Vollprogramme.
    Der eigentliche Witz ist, dass diese 10 Hits am Stück gar nicht stattfinden. Hör dir mal Energy an! 3-Element-Break, Pre-/Backseller, alles zwischendrin. Die tun nur so als ob!
     
  10. Maschi

    Maschi Benutzer

    In Niedersachsen gab es vor Jahren mal eine Phase, in der sich ffn und Antenne gegenseitig mit langen Musikstrecken (natürlich die übliche Mogelpackung) zu überbieten versuchten.
    ffn hatte glaube ich "7 Superhits am Stück" und damit faktisch die erste Hälfte der Stunde ohne Beiträge oder Moderationen, bei Antenne meine ich hätte man irgendwann sogar vom "60 Minuten-Musik-Marathon" gesprochen :rolleyes: Kommt dieses Gedöns jetzt etwa wieder?
     
    Zuletzt bearbeitet: 04. August 2014
  11. Ammerlaender

    Ammerlaender Benutzer

    @Maschi:
    Alle Schlechtigkeiten kommen wieder, nur das Gute bleibt verschwunden, wenn's einmal weg ist, weil es sich in dem entsprechenden Umfeld "fremdschämt".
     
    Redakteur, grün und Maschi gefällt das.
  12. T.FROST

    T.FROST Benutzer

    @Maschi

    Bei Antenne waren es 30 Minuten. ;) Eigentlich geht der Trend dort jetzt mehr zu regionalen Infos.
     
    Maschi gefällt das.
  13. Der Radiotor

    Der Radiotor Benutzer

    Ich denke wir werden im Zuge der Digitalisierung im Hörfunk zwei völlig konträre Trends erleben:

    1. Viele neue Nonstop-Musiksender mit unterschiedlichen Musikfarben. Was im Internet begann, setzt sich immer mehr auch auf DAB+ durch: 70% der neuen DAB+ Stationen ohne UKW-Frequenz sind reine Nonstop-Dudler (sogar ohne News und Werbung, letzteres hängt freilich noch mit mangelhaften Vermarktungsmöglichkeiten zusammen), im Webradio sind es sogar noch weit mehr.

    2. Thematische Spartensender, ähnlich wie die Entwicklung im Bereich Digital-TV: Hier sind wir noch ganz am Anfang. Bisher haben sich Radios ja über die Musikfarbe definiert. Ab 2015 gibt es einen ernsthaften Versuch eine Plattform mit thematischen Spartrenkanälen über Webradio und DAB+ zu starten - mit einem Reise- und Freitzeitradio, einem Radio für Automobillfreunde, einem Radio mit Wellness/Gesundheitsthemen, einem Literaturkanal usw. usf. Hier spielt freilich das Wort eine herausragende Bedeutung. Es ist Neuland bei dem man erst mal schauen muss wie es im Markt ankommt.

    Trotz allem erwarte ich auch in etablierten Stationen einen Trend hin zur Abschaffung von Moderatoren, vor allem außerhalb der Primetimes (also 10 bis 16 Uhr, 19 bis 6 Uhr). Viele Stationen haben das schon umgesetzt und strahlen entweder nur noch Musik, Werbung und News (wenn überhaupt) aus oder Voicertracking.
     
    Zuletzt bearbeitet: 04. August 2014
  14. freiwild

    freiwild Benutzer

    Ich glaube trotzdem nicht, dass Non-Stop-Radiosendern ohne (musik-)redaktionelle Ausstattung die Zukunft gehört. Wenn ich nur Musik hören will, und sonst nichts, kann kein Radiosender der Welt meinen Musikgeschmack so präzise treffen wie Musikstreamingdiente à la Spotify & Co. Und wenn ich gefordert werden will, und sei es nur durch die Konfrontation mit neuer Musik, brauche ich ein Programm mit Manpower.
     
  15. NeoWS

    NeoWS Benutzer

    Ist eigentlich nur konsequent, dass man Moderatoren zunehmend komplett einsparen wird. Die Promo übernimmt ja jetzt schon häufig die Station Voice und Wetter und Verkehr wird dann in Zukunft irgendein Prakti tracken. Vermissen wird den Moderator bis dahin kaum einer mehr, schließlich werden die Hörer ja schon lange erfolgreich entwöhnt. Außer hohles Promo-Gelaber geht ja leider nicht mehr viel (...und dabei immer gute Laune und schön lächeln...würg...)
    Da stört es keinen mehr, wenn man die Moderatoren irgendwann ganz abschafft. In Bahnen kommen die Ansagen teilweise auch schon von automatisierten Computerstimmen. Scheint keinen zu stören. Wird beim Radio ähnlich sein.

    Nur, irgendwann stört es dann halt auch keinen mehr, wenn es kein Radio mehr gibt.
     
    Finas, Maschi und Spezi gefällt das.
  16. br-radio

    br-radio Benutzer

    Möchte mal wissen, wie ein Inforadio wie B5 Aktuell oder MDR info ohne Tagesmoderator auskommen soll. Oder der DLF...
     
  17. exhörer

    exhörer Benutzer

    Ich glaube, wir, die tatsächlich mit neuer oder unbekannter Musik gefordert werden wollen, sind eine aussterbende Spezies.
    Jede MA (ob unsinnig oder nicht, sei dahingestellt) beweist es ja aufs neue, daß sobald das Programm anspruchsvoll wird, die Massen wegschalten. Und nur für uns echte Zuhörer ist es viel zu aufwändig und teuer, ein adäquates Programm zu veranstalten. Ohne die Idealisten, die im Internet noch solche Programme in ihrer Freizeit und ohne kommerziellen Hintergrund anbieten, sähe es absolut trist aus.
     
  18. stefan0385

    stefan0385 Benutzer

    Im Fernsehen gab es ja auch mal die sog. Programmansager, die man dann durch vorproduzierte Trailer ersetzt hat.
    Das ZDF hatte die letzten dieser Art. Man erinnere sich an Birgit Schrowange.
    Mit der Einführung dieses vorproduzierten Dauerschleifen non stop Programms begann dann leider auch der inhaltliche Verfall. ARD und ZDF werden immer mehr zum Sportprogramm. Mehr können die scheinbar nicht mehr.
    Das gleiche passiert nun auch im Radio.
    Alles "Gute" kommt eben aus den USA.
    Blicken wir in unseren Erinnerungen an die gute alte Radiozeit zurück, die nie wieder kommen wird. Sendungen, die man gezielt eingeschaltet hat, weil ein Moderator x,y sie so liebevoll und kompetent präsentierte.
     
  19. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Was soll die Diskussion? Den betroffenen Sendern geht es doch nicht um eine Neudefinition des Radios, sondern schlicht und einfach darum, Personalkosten zu sparen.
     
    radiobino und br-radio gefällt das.
  20. Internetradiofan

    Internetradiofan Benutzer

    Derartige Programme wären vor 10 Jahren wahrscheinlich von keiner Landesmedienanstalt lizenziert worden: Ein gewisser Wortanteil war einfach ein notwendiges Kriterium, um eine Lizenz erwerben zu können.
    Bei DAB+ drückt man inzwischen offenbar ein Auge zu, was an sich positiv zu werten ist.
     
  21. Ganztageshörer

    Ganztageshörer Benutzer

    @br-radio Nachrichtensender ohne Moderator? Bei euronews klappt das im Fernsehen schon prima!
     
  22. Bend It

    Bend It Benutzer

    Genau diese Aussage (Fettdruck) kam in der vergangenen Woche von 2 Auszubildenden bei uns, unabhängig voneinander an verschiedenen Tagen. Beide hören N-Joy und 89.0 meist aber vom MP3-Player und zu Hause Videos von youtube.
     
  23. Sebastian1985

    Sebastian1985 Benutzer

    Korrektur: Der letzte deutsche Programmsprecher, wie der Beruf eigentlich heißt, war Dénes Törzs vom NDR.;)
     
  24. br-radio

    br-radio Benutzer

    Kann mir schwer vorstellen, dass es bei MDR info oder B5 Aktuell so funktionieren wird.
     
  25. NurzumSpassda79

    NurzumSpassda79 Benutzer

    Ich kann jetzt nur für mich sprechen. Aber wenn ich reine Musik möchte, schalte ich auf meinen ipod im Auto, der dank Aux-Anschluss wunderbar funktioniert. Radio soll für mich tatsächlich entweder begleiten oder in die Tiefe gehen. Ansonsten würde ich dieses Medium nicht nutzen.

    Aus meiner Sicht schaffen sich Sender mit "10 Songs am Stück" selbst ab. Sie begeben sich unter vielen im Internet verfügbaren Stationen, welche trotz gewisser Nischenbedienung in der Masse untergehen. Nur Radio, welches gut informiert oder unterhält, ist gutes Radio (hier spricht ein Hörer).
     

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Diese Seite empfehlen