1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Diskussion: Professionionalisiert das Radiomanagement!

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von Airwolf, 03. Dezember 2001.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. Airwolf

    Airwolf Benutzer

    Liebe Forenmitglieder,
    ich habe einige Jahre im Radiobereich gearbeitet und bin aber schon länger beim TV tätig. Aus meinen Erfahrungen heraus möchte ich gerne eine Diskussion zum obigen Thema starten. Ich freue mich sehr auf Eure fachkundigen Meinungen!


    PROFESSIONALISIERT DAS RADIOMANAGEMENT!
    ---------------------------------------------

    Dazu 3 Thesen (sie sind bewusst etwas markant formuliert - soll aber nur der Diskussionsfreudigkeit helfen :)):

    1. Personal: Noch immer werden Radiostationen in diesem Bereich nicht professionell geführt. Redakteure/Kreative in leitenden Positionen sind oftmals unfähig, das Personal und das Unternehmen zu steuern, zu motivieren und zu fördern. Der Grund: Mangelnde Ausbildung, ich möchte aber sogar behaupten, dass ein Redakteur von seinem (eigenen) Grundverständnis her nur in Ausnahmefällen befähigt ist, Personal zu führen. Die Charaktere eines Journalisten und eines Managers sind doch zu verschieden. - Sicher, es gab und gibt auch Ausnahmetalente!

    2. Marketing: Radiomarken werden noch immer nicht strategisch und professionell geführt. Intuitives Handeln ist an der Tagesordnung. In gesättigten Märkten zählt aber die Differenzierung über eine langfristig angesetzte Marketingkonzeption. Das "Primadonnentum" vieler Ex-Redakteur (ob dann als PD oder Berater) tut den Marken aber nicht gut, etwas weniger Gestaltugswille und Zurücknahme des eigenen Egos könnte manchmal helfen! Nicht der PD muss sich profilieren, sondern die Marke, und die ist ja bekanntlich empfindlich und nachtragend!

    3. Talente: Der "War of Talents" entscheiden die TV Sender immer öfter für sich: Managementtalente gehen lieber (der größeren Budgets und Gehälter wegen) zu den TV Sendern. Dort wurden auch die Strukturen in den letzten 5 Jahren professionalisiert, die Hierachieen abgebaut und denen klassischen Markenunternehmen angepasst.

    ---------------------------------------------

    Konklusion

    Für die Radiosender kann dies nur bedeuten, klassischer (da bewährter Aufbau) des Unternehmens, weg von der Redaktionshoheit und bessere Ausbildung und Beschaffung von Talenten für Personal- und Markenführung! Ein guter Morgenshowmoderator ist noch lange nicht dazu befähigt, einen guten PD abzugeben. Auf gleicher Stufe sitzen hier in anderen Unternehmen Manager, die z.B. in Personalführung ausgebildet werden/wurden, sie werden in ihrer Leistung auch in aller Regel an ihrem Team-Management gemessen!

    Denn gute Talente sind die knappesten und wichtigsten Produktionsfaktoren im Medienbereich! Hier müssen Spezialisten `ran!

    ---------------------------------------------
    ---------------------------------------------

    Kurz & knapp:

    Professionalisiert das Radiomanagement, für besseres und motivierteres Personal und erfolgreicherere Marken- und Unternehmensführung!

    ---------------------------------------------

    Ich bin gespannt auf Eure Meinungen!

    Airwolf

    [Dieser Beitrag wurde von Airwolf am 04.12.2001 editiert.]
     
  2. Sultan

    Sultan Benutzer

    was für ein weiser beitrag. ich wusste gar nicht dass es noch fähige radiomacher in diesem forum gibt. kann dem inhalt nur voll und ganz beipflichten. airwolf, oute dich! wer bist du?
     
  3. Airwolf

    Airwolf Benutzer

    Danke, Sultan! Aber wo würdest Du vielleicht konkret ansetzen? Ist es nicht sogar ein Problem der Gesellschafter, wieviel Geld sie für ihre Manager ausgeben möchten? Bei Gewinnspannen von 20-30% müsste doch einiges möglich sein, oder? Aber wie schafft man ein Bewusstsein dafür? Musss immer erst die MA-Rechnung die Quittung auf den Tisch legen (dann, wenn es zu spät ist)?

    Was meint Ihr?
     
  4. grafpromotion

    grafpromotion Benutzer

    Airwolf,
    Du hast vollkommen recht.
    Schön, daß ich nicht alleine mit meinen Standpunkten bin.

    Beste Grüsse
    Klaus Graf
    www.grafpromotion.de
     
  5. Sultan

    Sultan Benutzer

    @ airwolf:

    ich glaube nicht, dass es unbedingt ein problem der entlohnung ist. geld ist grundsätzlich kein grund, der ausreicht, um mitarbeiter an sich zu binden und zu motivieren. viel wichtiger sind die sogenannten soft factors: arbeitsumfeld, verantwortungsbereiche, budget, ... also all die dinge, die den job attraktiver machen. nur wenn diese faktoren stimmen, ist der mitarbeiter langfristig motivierbar. und ich denke, hier herrscht noch ein großer mangel im radiobereich. warum soll denn ein stellvertretender marketingleiter von procter&gamble in ein radiounternehmen wechseln? das ganze umfeld ist doch wesentlich unprofessioneller als bei anderen markenartiklern. hier muss der boden von grund auf neu bestellt werden: schluss mit der selbstbefruchtung der radiomenschen, bei der ein redakteur von einem pd angelernt wird und später selbst pd wird. liebe gf und gesellschafter: öffnet eure augen und legt die scheuklappen ab! schafft ein dermaßen professionelles arbeitsumfeld, in dem es sich auch für management-eliten lohnt zu arbeiten. die quoten, umsätze und gewinne werden es euch langfristig danken. aber ich befürchte, so lange kein echter existentieller druck vorhanden ist, werden die verantwortlichen gesellschafter und gf auch weitermachen wie bisher.
     
  6. Radiocat

    Radiocat Benutzer

    Intuitives Handeln steht GERADE in der Personalplanung- und führung an alleroberster Stelle.
    Zudem fördert es die Kreativität und berücksichtigt die Gefühle-und Radio ist ein medium das wie kein anderes Gefühle transportiert.
    Und manchmal ist es sogar besser als so manch teurer Berater der nur alte Weisheiten aufwärmt-das ist da wahrlich so erquickend wie Fertigkost aus der Mikrowelle-so hören sich auch viele Programme an.
    Technisch akribisch bis zur Perfektion durchgestylt-eine kleine Panne oder ein Ausrutscher ist wird zum SuperGAU hochstilisiert aber einfach ohne Esprit, ohen das gewisse Etwas. Statt neuer unverbrauchter Ideen die tausendste Kopie alter abgeschabter
    Spielchen und Aktionen.
    So viel dazu.
    Was die mangelnde Personalführung angeht, gebe ich Dir recht. Das von Dir angeprangerte Primadonnentum laste ich aber auch gerade den Herren Berater oder Geschäftsführer an.
    Und zudem mischst Du mir Management udn Personalführung zu sher durcheinander.
    In grösseren Betrieben (auch abseits der Medienbranche) wird dies zu Recht strikt getrennt.
    Mein Appell daher:
    Akquiriert mehr Kreativität und mehr Teamwork.
    Das Betriebsklima muss stimmen, sobald einer jemandem ans Bein pisst oder Intrigen spinnt, muss was geschehen. Da ist viel Sensibiliät nötig.
     
  7. fun

    fun Benutzer

    Airwolf, eine sehr gute Foderung!
    Stimme Dir voll und ganz zu. Radio wird in Deutschland leider von zu vielen Unprofessionellen betrieben.
    Die Leute mit einer wirklich guten Ausbildung bekommen kaum Chancen bzw. haben nach ein paar Jahren Radiozirkus keinen Bock mehr zwischen den Stümpern zu schufften und gehen professionellere Medienbereiche.

    Meine Hoffnung: Die derzeitige Webekrise trifft die Radios dermassen hart, dass der Sumpf so langsam trocken gelegt wird.
    Das Radio braucht endlich Profis!
     
  8. Airwolf

    Airwolf Benutzer

    Hallo Sultan,

    da hast Du verdammt Recht, dem Beispiel mit dem Procter Manager kann ich nur zustimmen!

    Wie sieht es denn in den Marketingabteilungen der Radiosender aus? Wird hier (in aller Regel) Marketing gemacht? Ich meine JEIN, es sind oft nur Verkaufsabteilungen, die Hörerkommunikation ist oft in Händen des PDs oder der entsprechenen On/Off-Air Abteilungen. Wenn beide Promotionkanäle miteinander kombiniert werden, ist das Zufall! Es sind ja auch 2 Abteilungen mit 2 (und mehr) eigenen Köpfen! Klar, das darauf kein Procter Manager Bock hat...

    ---------------------------------------------

    Hallo Radiocat,

    die Durchmischung von Management und Personalführung sehe ich aber gerade im Medienbereich als notwendig an. Auch bei den TV Sendern, sind Personalabteilungen keine "Servicestellen oder Coaches", sie sind auch nur Sekretäre für die ein- und ausgehende Personalpost und Koordinatoren in Budgetfragen. Auch bei den großen TV Sendern in D gibt es keine Personalentwicklung, das den Namen verdient hätte. Management hat meiner Meinung nach viel mit der "Beseitigung von Engpässen" zu tun. Gutes, kreatives Personal mit neuen Ideen ist, wie ich meine, der größte Engpass für die Medienindustrie, denn Technik ist käuflich und Frequenzen sind in naher (digitaler) Zukunft kein Problem mehr!
    Du meintest "Radio ist ein medium das wie kein anderes Gefühle transportiert", das sehe ich genauso. Aber viele PDs und Redakteure bewerten dies über, finde ich. Radio hat im Grunde genommen einen gewaltigen Nachteil: Es hat keine Bilder und wir sind nun mal alle zunächst visuell geprägt, auch die Werbeindustrie schaltet (auch) deshalb lieber TV, weil sie an einen 2ten Sinnesorgan kommunzieren kann, was bei neuen Produkten wichtig ist.
    Mit Gefühl und Kreativität alleine, lässt sich noch kein erfolgreiches Produkt Radio machen! Ich denke, es wäre mal ein spannendes Experiment, einen PD oder GF zu haben, der mit klassichem Markenartikler-Erfahrungen in der Industrie, Gefühl und Ideen fürs Radio, und Teamkompetenz kommt! - Einen Koordinator und Motivator im Unternehmen zu haben, der eben nicht die klassische Redakteuer-Morgenshow-PD Karriere hat. Vielleicht auch etwas weniger "Freak" ist, aber dafür das Radio und die Firma etwas nüchterner betrachtet, was auch sein muss: Radio ist kein Zauberwerk!

    Airwolf
     
  9. Airwolf

    Airwolf Benutzer

    Was habt Ihr für Erfahrungen mit Beratern? Hattet Ihr auch mal Unternehmensberater im Haus?

    Airwolf
     
  10. Porzz

    Porzz Benutzer

    Schöne Beiträge, könnte man viel zu sagen...

    Wg der Berater : Habe ungefähr ein Dutzend am eigenen Leibe erfahren, die einen waren Klasse, die anderen eben nicht. Die Qualität von Beratern im Einzelnen ist aber kein Kriterium, um darüber zu urteilen, ob es Berater nun braucht oder nicht.

    Wie hätten, ohne Berater, in den Achtzigern innerhalb weniger Jahre in DL mehrere Hundert private Radiostationen aufgebaut werden können, die, entgegen der damals landläufig vertretenen Meinung immerhin so gut waren, daß die ÖR-Sender irgendwann anfingen, ganze Privatsender leerzukaufen, Beispiel Bayern 3, Anfang der Neunziger.

    Auch heute sind sie immer wieder vonnöten, siehe Jump. Mit Berater super gelauncht, jetzt dilettiert Schiewack wieder nach eigenem Gutdünken vor sich hin, wechselt bei sinkenden Reichweiten die DJs willkürlich ein und aus und vermasselt die Zahlen für Jump von MA zu MA.

    Auch bei privat veranstalteten Programmen sind die Berater oft noch unverzichtbar, weil das Management z.T. aus völlig anderen Branchen übergewechselt ist und mangels Ahnung die Kompetenz des eigenen Programmchef nicht einzuschätzen vermag.

    So darf`s allerdings nicht ewig bleiben, irgendwann sollte es auch hierzulande mehrere Generationen erfahrener und entscheidungs-befugter PDs geben, und Geschäftsführer mit gewissen Grundkenntnissen über das Medium.

    Generell ist es aber nie schlecht, wenn ein "starker" PD, der tatsächlich Herr im Programmhause ist, regelmäßig von einem Fachmann von außer Haus besucht wird, von wegen "Blick von Außen" und so.

    Übrigens, Airwolf, in einem muß ich Dir widersprechen : Radio ist in mancher Hinsicht eben doch ZAUBERWERK, magic.

    Und das ist auch wowi so.

    sacht der Dokta.
     

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Diese Seite empfehlen