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DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von Unterstützer, 10. November 2008.

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  1. Unterstützer

    Unterstützer Benutzer

    Es geht darum, keine Interviews mehr zu "bauen" aus O-Tönen und Statements die die Betroffenen selbst geliefert haben.

    Leider werden als Beispiele nur Verstöße im TV genannt.
    http://www.digitalfernsehen.de/news/news_647278.html

    Dabei ist das im Hörfunk doch noch viel mehr verbreitet, oder nicht?

    So gesehen:
    Wär ja mal ne tolle Gelegenheit für einen Sender, positive Schlagzeilen zu machen, und die fragwürdige Übernahme solcher Töne zum Tabu zu erklären, die Forderung des DJV also zu unterstützen.

    Motto: Bei uns nicht.

    Mutige vor!
     
  2. Dr.Znorko

    Dr.Znorko Benutzer

    AW: DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

    Der DJV übt sich jetzt in beleidigter Emma oder fühlt sich der Verein bereits nachhaltig vor die Tür gesetzt?

    Ich empfehle seit Jahren in meinungsbildenden Kreisen, gegenüber dem Copy&Paste-Journalismus nichts dem Zufall zu überlassen. Als Meinungsgeber die vollständige inhaltliche und gestalterische Hoheit zu bewahren, schützt sowohl eigene Aussagen in der Sache wie auch das dahinter stehende Unternehmen. Stichwort: creative control!

    Zudem ist es keine schlechte Sache, Radiosendern sauber abgemischte mp3-Files zu schicken, in denen der Interviewte ordentlich zu hören ist, inhaltliche sinnvolle Schneidestellen eingeflochten sind und sich auf diese Weise der Sender weder technisch noch journalistisch blamiert.

    Welcher Politiker oder Geschäftsführer möchte sich schon gerne das Wort von einer Praktikantin oder einem Volo im Munde herumdrehen lassen? Und darum geht es doch den Sensationslüstlingen mit den Mikrophonen in der Hand. Nicht wahr, wo ist meine geile Story???

    Der DJV mag sich somit fragen, ob die angeprangerte Vorgehensweise bei der Bahn, Fußballvereinen oder wem auch immer nicht das Resultat einer Unzufriedenheit aufgrund der schlechten journalistischen Arbeit ist?
     
  3. Kaffeemaschine

    Kaffeemaschine Benutzer

    AW: DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

    Dr. Znorko,

    bitte ankreuzen:

    Ich bin gelernter Journalist: Ja__ Nein__

    Ich arbeite für ein unabhängiges (sic!) Medium: Ja__ Nein__

    Ich arbeite für einen Interessenverband/Pressestelle/Agentur: Ja__ Nein__

    Ich habe Grundkenntnisse im Wettbewerbsrecht: Ja__ Nein__

    Mir ist bekannt, dass getarnte/verschleierte/verdeckte Werbung wettbewerbsrechtlich "heikel" sein kann: Ja__ Nein__

    Ich habe schonmal den "Pressekodex" gelesen: Ja__ Nein__

    Der Pressekodex ist mir egal: Ja__ Nein__

    Oder vielleicht ist diese Antwort einfacher:

    Ich bin einfach ein cooler und witziger Troll: Ja__ Nein__
     
  4. mhp

    mhp Benutzer

    AW: DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

    :rolleyes: ...und Du gibst dich natürlich mit solchen kleinen Praktikanten und Volontären nicht mehr ab. Denn Du bist als Top Journalist zur Welt gekommen! Alles klar.....:eek:
     
  5. Dr.Znorko

    Dr.Znorko Benutzer

    AW: DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

    Ich bin glücklicherweise kein Journalist. Vielmehr gehöre ich zu denen, die das oft hanebüchene Geschreibsel/Gelaber dieser Zunft ausbügeln.

    Und auch der Beitrag der Kaffeemaschine zeigt recht ordentlich, warum Journalisten gelegentlich als "die kleine Pest am Telephon" (Zitat eines Leidtragenden) bezeichnet werden. Dabei geht es nicht um den Berufsstand sondern um diejenigen Vertreter, die locker flockig eine Story recherchieren, sich um Fakten nicht allzuviele Gedanken machen sondern nur nach der einen spezifischen Aussage suchen, die nach Skandal, Sauerei und Karriere-Booster riecht.

    Freilich haben Journalisten heute schnell zu liefern, da fehlt halt systembedingt die Zeit für intensive Recherche und den eigenen kritischen Blick auf das, was man da so schreibt. Aber kann das die Generalentschuldigung dafür sein, ohne Sorgfalt und den Blick aufs Ganze zu arbeiten?

    Daß sich Unternehmen, Verbände und auch Einzelpersonen gegen diese Form des Journalismus wehren und "Vorverdautes" verteilen ist dasselbe gute Recht, wie Journalisten nachzufragen und ggf. auch anzuprangern haben.
     
  6. dea

    dea Benutzer

    AW: DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

    Das finde ich interessant!
    Ich bin kein Arzt und weiss meine Krankheit nicht zu heilen, aber gehe in
    die Praxis und sage dort dem Doc, was er bitte sehr zu machen hat, damit
    ich wieder gesund werde. Na und dann noch die Krankenschwester, die
    hat ja wohl mal überhaupt keine Ahnung!

    So ein Schwachsinn!
     
  7. Dr.Znorko

    Dr.Znorko Benutzer

    AW: DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

    Journalismus als Krankheit zu bezeichnen ist aber nicht die feine Art.

    Oder stellt es vielmehr (D)eine Selbsterkenntnis dar? Dann habe ich gerne helfen wollen... ;)
     
  8. dea

    dea Benutzer

    AW: DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

    Vielleicht solltest du dir noch einmal durchlesen, was du für einen Dünnpfiff
    von dir gabst, oder ist der tatsächlich so wässrig, dass er deinem Geiste
    schon entfleuchte?
    Wenn du dich für einen Journalisten hälst, aber behauptest, keiner zu sein,
    dafür aber angibst, dein Geld damit zu verdienen, das, was die dummen
    Journalisten von sich geben, zu berichtigen, dann solltest du nicht so ein
    "ausgeprägtes Kurzzeitgedächtnis" haben, eben Geschiebenes nicht mehr
    realisieren zu können.

    Vielleicht denkst du deshalb, du seist Gott?
    So viele Stimmen können dich gar nich anbeten!
    Da gibts auch was von ratiopharm©!
     
  9. Dr.Znorko

    Dr.Znorko Benutzer

    AW: DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

    Du kennst Dich ja gut aus...

    Aber in Bezug auf die eigentliche Thematik verstehe ich die Aufregung nicht.

    Es ist wohl unbestritten, daß sich der Journalismus auf der Reise weg vom Papier hin zum Computerbildschirm befindet. Zeitungen verlegen sich dorthin, Fernsehsender ergänzen sich dort und Radiosender machen alles nur Erdenkliche für den Online-Nutzer verfügbar.

    Zur erweiterten Lektüre u.a. dies: http://andrewkeen.typepad.com/the_great_seduction/2008/11/i-was-in-fran-1.html

    Das "Problem" des Journalismus im Internetzeitalter sind Reaktions-/Redaktionsgeschwindigkeit und Qualitätskontrolle. Spätestens wenn Tageszeitungen ausschließlich online und "minütlich aktualisiert" erscheinen kommt es zu Fehlern und wird sich die Frage stellen, wie journalistische Qualität gesichert werden kann?

    Die Qualitätssicherung muß mindestens zwei Ziele verfolgen: Den Herausgeber/Betreiber vor Schadenersatzforderungen schützen und die Glaubwürdigkeit der Redaktion sicherstellen. Ich bestreite nicht, daß dies bei den meisten Nachrichtendiensten (noch) der Fall ist.

    Warum aber wenden sich Verbände und Unternehmen von der "freien Presse" ab und gründen ihre eigenen Verlautbarungskanäle wie bspw. der DFB oder der FC Bayern?

    Es geht natürlich ums Geld und insbesondere darum, dem Internet "reine Ware" anzubieten - und da von Anfang bis Ende der Story und möglichst auch noch bei deren Kommentierung. Es geht eine gewisse Sorge im Land umher, daß Online-Zeitungen, Blogger und Videoautoren - vorsätzlich oder nicht - das eigene Produkt schädigen können.

    Kurzum, die Hoheit über das Image (der Marketingkram) scheint gefährdet zu sein. Was macht man da? Man monopolisiert die öffentliche Darstellung und vor allem aber setzt man sich selbst an den Ursprung der Handlung.

    Heißt: Ich sage in meinem Medium wann ich was für wichtig und richtig halte. Alle anderen "dürfen" (hier bitte einen Schuß Ironie mitlesen) das dann kopieren, kommentieren oder was auch immer damit machen.

    Aber Uli Hoeneß sagt zuerst im FCB-TV, daß eine Budda-Statue auf dem Vereinsheim wackelt und nicht irgendein Blogger munkelt darüber und alle anderen schreiben das dann ab.

    Daß hier Journalisten bewußt die Erstrecherche förmlich untersagt wird und man das durchaus für eine Vorstufe von Berufsverbot halten mag, bestreite ich nicht. Ich halte es auch für einen falschen Weg, sich als Journalist nun bspw. dem FC Bayern durch "Hofberichterstattung" anzudienern.

    Das Dilemma kann aber sein, daß dem Publikum fürchterlich egal ist, ob der Bericht vom Trainingsplatz nun vom FCB-TV oder vom DSF produziert wird. Hauptsache die Stars sind zu sehen und sagen auch noch etwas. Und wenn das FCB-TV interessantere Bilder liefern kann, wird man auf den altgedienten, kritischen Sportjournalisten pfeifen und sich über die Propaganda von der Säbenerstraße freuen.

    Frage nun: Wo bleibt dann künftig der Journalist, wenn er in die Rolle des Zweitverwerters resp. Wiederkäuers zurückgedrängt wird? Wenn die "Frontberichterstattung" durch die "Betroffenen" (wie es der DJV wohl nennt) selbst erledigt wird, bleibt nur die kritische Begleitung/Nachbetrachtung. Dies setzt aber voraus, daß sich Journalisten in der Materie auskennen.

    Im besten Fall ist es die Renaissance des Fachjournalimus. Im schlimmsten Fall interessiert sich niemand für die Probleme der Neigetechnik im ICE sondern ist nur froh, wenn "das Mistding endlich wieder fährt".


    ...und wenn man für diese Ansichten in einem Forum wie diesem diffamiert wird, sind die Bedenken gegenüber dem Berufsstand des Journalisten scheinbar nicht ganz abwegig.
     
  10. NeoWS

    NeoWS Benutzer

    AW: DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

    Ich finde es ist langsam höchste Zeit für einen Zweiten-Weltkriegs-Vergleich! Gab es damals nicht schonmal ein gewisses Propagandaministerium, dass...
    Nun gut.
    Solange der FC Bayern meint nur noch über den eigenen Kanal berichten zu müsse, bitte: Soll er doch! Wenn aber (noch) öffentliche Einrichtungen wie die Deutsche Bahn nur noch auf diese Weise kommunizieren, dann ist das höchst bedenklich. Diesen rückwärtsgerichteten Trend auch noch zu verteidigen oder gar selbst voranzutreiben halte ich für fatal. Beliebt machst du dich damit hier sicherlich nicht, Dr.Znorko, und das aus gutem Grund.
     
  11. dea

    dea Benutzer

    AW: DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

    Soweit ist es schon lange! Meiner Schwester, die neulich ihr vorgebuchtes
    Ticket wieder abgeben musste, weil sie von FfM eben nicht nach DD kam,
    ist es weiss Gott egal, was an den Zügen nicht funktioniert, denn sie hatte
    ganz kurzfristig ein völlig andres Problem und Termine.
    Wer sich mit der Technik der Züge nicht auskennt, antwortet auf jede kleinliche
    Nachrichtenmeldung automatisch ungefragt mit "Sollen die da zusehen, dass
    die Kisten wieder laufen!" - verständlich.


    Wer diffamierte denn hier wen?
    Niemand hat in Frage gestellt, dass in Zeiten explosionsartiger Computeriesierung
    und mehrpfadiger, paralleler Nachrichtenübertragung richtig viel Mist passiert.
    Im Gegegenteil: Genügend Kollegen hier beschweren sich immer wieder über
    die Folgen, die nicht nur Journalisten im Redaktionsbetrieb betreffen, sondern
    auch andere produktive Bereiche in Radio und TV.
    Aufzuhalten ist das aber genausowenig wie die zunehmende Anglisierung der
    Deutschen Sprache oder der Demontage eines alternativen Radiosenders,
    der nun - Kommerz sei Dank - genau den selben Scheiß in den Äther brüllt
    wie wasweissichnicht für Großdudler mit ihrem ohrenbetäubenden Lärm.

    Ich jedenfalls würde mir hier nicht erlauben, einen Moderator nicht als solchen
    zu bezeichnen, nur weil er seine Sendungen mit Rechnern und 5 TFTs vor
    der Nase fahren muss, weil wir das ja früher noch alles mit der Hand machten.
    Und ich schimpfe auch nicht auf all die "Verlierer", und sage, um mich auszunehmen,
    ich sei keiner von ihnen, wehre mich dann aber gegen berechtigte Kritik an
    meinen (jounalistisch natüüüÜÜÜüüürlich völlig korrekten) Äußerungen und
    behaupte, andre hätten behauptet....

    Ach weißt du was, lass' stecken!
    Gut, dass ich nicht solche Kollegen habe. Bei dem Pfeffer käme ich
    vor lauter Toben nicht zum Arbeiten. Na dann erst ...
     
  12. kk

    kk Benutzer

    AW: DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

    Ich weiß nicht, was ihr wollt - Dr. Znorko gibt hier nur das wieder, was in deutschen Marketingabteilungen und an Marketinghochschulen gängige Lehrmeinung ist - willst Du Deine Message rüberbringen, mußt Du für die MEINUNGS-Hoheit sorgen. Und genau das ist es, lieber Dr. Znorko, warum Du und Deine Kollegen Dich mit dieser Meinung so unbeliebt und auch unglaubwürdig machst. Ernstzunehmende Kollegen suchen immer nach der Story hinter der Story - also dem, was Dein Chef nicht sagt. Auch aus einer Erfahrung heraus: Unangenehme Dinge werden oft genug verschwiegen oder beschönigt. Wenn dann jemand genau das herausbekommt, was Ihr nicht kommunizieren wollt, da kann ich mir auch gut vorstellen, daß das die Marketingleitung nicht mag. Insbesondere, wenn Chefe ein relativ loses Mundwerk pflegt. Es gibt nichts, was einem ernstzunehmenden Rechercheur so stört wie Hofberichterstattung. Aufklärung funktioniert nicht mit Inhalten aus der Hand einer Partei eines Themas. Dr. Znorko: Du beschwerst Dich über böse andere, die das Wort verdrehen? Wer sagt mir, Daß Du nicht das gleiche tust - im Sinne Deines Brötchengebers?
     
  13. K 6

    K 6 Benutzer

    AW: DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

    Dazu kommt dann aber noch ein anderer Aspekt: Pressestellen verbreiten nur zu oft haarsträubenden Unsinn, weil die dort sitzenden Personen von dem, was sie „kommunizieren“ sollen, nicht die geringste Ahnung haben.
     
  14. dea

    dea Benutzer

    AW: DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

    Dann muss ich doch aber die Frage aufwerfen, wieso interessierten
    Praktikanten - sei es Presse oder Radio - ständig verbal das Gefühl
    aufgedrückt wird, sie genügen den Anforderungen nicht, nur weil
    im Moment nicht mit "höherer" Bildung daherkommen.
    Sonstige Fähigkeiten und Begabungen sind da gleich völlig außen
    vor. Mithin muss der Eindruck entstehen, in Presse, Rundfunk und
    TV arbeiten nur Akademixer.
    Na wie bitte soll denn da Unfug rauskommen und wie kann es sein,
    dass da keiner Ahnung hat?

    Fragezeichen auf der Stirn tragend

    das dea
     
  15. muted

    muted Benutzer

    AW: DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

    Frech werden die Pressesprecher zudem (!) dann, wenn sie versuchen, ein Interview über ein öffentlichkeits-relevantes Thema zu einer Schaubühne für eigene Werbezwecke zu missbrauchen und dem Fragesteller nach Abschaltung des Aufnahmegeräts noch ein "Aber schneiden Sie bitte nichts positives über uns weg, sie können sich ja sicher denken, dass wir auch gucken müssen, dass wir immer gut vor unseren Kunden darstehen" entgegenhauchen.

    So passiert bei einem Interview bei einem regionalen Energieversorger.

    In meinen Augen wird hier geschickt versucht, die Menschen zu täuschen. Wenn die Firma "nicht ganz sauber" arbeitet, dann finde ich, haben unsere Hörer auch ein Recht darauf, darüber informiert zu werden. Sollte aber einer der Presseleute mal etwas "nicht ganz so gutes" über die Firma sagen, dürfte der selbsternannte Marketing-Gott des Hauses gehörig im Quadrat springen... Vielleicht fangen die ja demnächst auch mit eigenproduzierten O-Tönen aus der Marketingabteilung an.

    EDIT: Den Firmen, dem Staat und den Vereinen kann man daher eigentlich nur raten: Arbeitet mit den Gelder und dem Vertrauen Eurer Kunden und Bürger immer nachprüfbar und fair, dann könnt ihr Euch die negativen Schlagzeilen, frustrierte Journalisten und Vertuschungsabteilungen sparen. Meist ist Ehrlichkeit der beste Weg.
     
  16. Dr.Znorko

    Dr.Znorko Benutzer

    AW: DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

    @ NeoWS

    Ich bekenne mich, bisweilen mit Dr. Gö..... gegrüßt zu werden und kann damit leben. Und wer öffentliche Meinung bildet oder repariert kann gar nicht beliebt sein. Der Grad an Haß, der einem entgegenschlägt ist letztlich ein Maß für eigene gute Arbeit. Soviel Arroganz mußte jetzt mal sein. :)


    @ kk

    Wirklich gute PR, Meinungsbildung oder vielleicht auch Propaganda macht nicht den von Dir angesprochenen Fehler, blindlings Falschmeldungen mit Getöse "rauszuhauen" oder über Verlautbarungskanäle allerhand Lügen bis zum Gehtnichtmehr zu verbreiten. Der Clou liegt in einer anderen Strategie, die auch ernstzunehmenden und privat sehr geschätzten Top-Journalisten das Handwerk legt. Einige Unternehmen haben das erkannt, oder mich, oder beides.

    Warum aber mache ich mich mit der Realität unglaubwürdig? Unbeliebt auf jeden Fall! Aber Meinungshoheit wird in Zukunft genauso wichtig sein wie Markenrecht und Patente. Die Sauerei ist, daß man Meinungshoheit juristisch nur gering schützen kann. Copyright ist nett aber gänzlich unbrauchbar, um dem Volk klarzumachen, daß der Chemieunfall nun wirklich nicht so tragisch war wie das im "Spiegel" stand. Das bißchen Hautausschlag...

    Nein, Meinungshoheit setzt am Ursprung an. Und genau dort sind FCB-TV und Variationen der Unternehmenspropaganda anzusiedeln. Ich stimme gerne zu, daß Hofberichterstattung, gekaufter Journalismus und Volksverarschung einer Demokratie schaden. Das philosophisch/ethische Dilemma beginnt aber auch hier, wenn man danach fragt, ob Unternehmenspropaganda falsch ist, wenn dadurch Jobs gerettet werden?

    Ich weiß, mit dem Jobargument kann man alles vom Umweltschutz bis zum Bundeswehreinsatz im Inland totschlagen. Einen Ausweg aus der Situation kenne ich nicht - zumindest nicht hier.


    @ K 6

    Pressestellen sind eine Katastrophe und richten mehr Schaden als Nutzen an. Die Leute dort werden oft schlecht in den Stand der Dinge eingeweiht (Vorgesetztenproblem), reagieren zu langsam (Motivationsproblem), können/dürfen auf Rückfragen nur vor sich hin stammeln (Kompetenzproblem) und sind teilweise sogar "outgesourced" und im Prinzip nur Wortsöldner. Man bekommt dort aber meistens guten Kaffee und hat eine gute Aussicht auf die Stadt. Wenigstens etwas...


    @ dea

    ...weil wir uns ja so lieb haben: Meine Lieblingsfrage, ob jemand Moderator oder Ansager im Radio ist, wird sich niemals für zwei unterschiedliche Standpunkte wie diese zum Konsens bringen lassen. Ich empfehle immer den Blick auf die Webcam von FFN http://www.ffn.de/podcasts/studio.jpg und sich zeitgleich das Programm anzuhören. Wozu so ein Dudelkram 6 (!) TFTs nebst der ganzen Computertechnik benötigt, will sich mir nicht erschließen - Kassettenrekorder und Kindermikro genügen völlig. Denn wer wirklich Radio machen kann, schafft das mit der beschriebenen Ausrüstung und wer als Inhaber/GF/Chefredakteur etwas vom Radio versteht, läßt das im übertragenen Sinne zu.

    Zu den Praktikanten: Es ist unbestrittene Untugend, Praktikanten für den Sende- und Redaktionsbetrieb nach Kräften zu mißbrauchen. Gleichzeitig treiben sich in diesem "Pool" auch Gestalten herum, die es nicht besser verdient haben. Rechtschreibung nein danke, Allgemeinwissen besser nicht, Umgangsformen häh, Verantwortungsfühl wie bitte und dabei immer 'ne große Klappe. Solche Leute kann man nicht ernstnehmen.

    Es gibt bestimmt auch andere, jedoch ist es der Medienbranche nützlich, wenn da überwiegend Leute anzutreffen sind, die jenseits der 30 Lebensjahre aus dem Stehgreif mal einen Vorstandsvorsitzenden intellektuell in den Keller befördern können. Hilft wirklich... ;)
     
  17. K 6

    K 6 Benutzer

    AW: DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

    Neuerdings liest man öfters die wunderschöne Formulierung formale Bildung.

    Noch Fragen?
     
  18. der beobachter

    der beobachter Benutzer

    AW: DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

    Lieber Doktor,

    danke für Deine Sicht der Dinge. Möglicherweise entgeht manchem hier, was Journalisten tun/tun sollten und was Unternehmer, Politiker etc. tun und wollen. Hier liegt ein sehr unterschiedliches Interesse vor. Journalisten wollen etwas anderes als Unternehmer und Pressestellen. Das müssen beide Seiten voneinander wissen und zunächst einmal akzeptieren.

    Unternehmen geht es darum, ein bestimmtes öffentliches Bild von sich zu erzeugen. Dabei haben sie durchaus das Interesse, dass die Außendarstellung von der inneren Wirklichkeit nicht komplett abweicht. Vernünftige PR sorgt deshalb nicht nur nach außen für gute Vernetzung sondern sichert sich immer auch ab, ob das Kommunizierte bei kritischen Fragen auch haltbar ist. Dazu hat jeder Unternehmer und Politiker auch das gute Recht. Deshalb, muted, hat er auch das Recht zu erklären, man möge doch bitte besonders die postiven Darstellungen des Unternehmens nicht herausschneiden. Er darf darum bitten, er darf seine Wünsche formulieren. Wer als Journalist darauf nicht gefasst ist und damit umzugehen weiß, ist wahlweise naiv oder berufsunfähig. Wer wegen solcher Wünsche "jetzt erst recht" die negativen Seiten betont, ist es übrigens auch nicht. Journalistische Professionalität und Souveränität weiß so etwas einzuordnen und damit sehr unaufgeregt, ja, emotionslos umzugehen. Denn wer hat die Aufnahmen in der Hand?

    Die Tatsache, dass Pressestellen und PR-Agenturen immer stärker Inhalte "kontrollieren" wollen, sollte zu mehr führen als dem Reflex aufgescheuchter Wohltäterjournalisten, die darin Bösartigkeit, Berufsbehinderung etc. zu sehen. Wer zudem selbstkritisch betrachtet, wie Journalisten arbeiten und was dabei herauskommt, muss gelegentlich feststellen, dass Darstellungen nicht der Wirklichkeit entsprochen haben. Darüber darf sich jeder aufregen, PR-Agenturen müssen hier reagieren. Das ist ihr Job. Deshalb sind sie nicht die besseren Journalisten, aber ihre Interessen sind mindestens nachvollziehbar. Auf der anderen Seite müssen sie auch akzeptieren, dass Journalisten, wenn sie gut sind, die Interessen der Öffentlichkeit (was ein qualitativer Begriff ist und kein quantitativer!) vertreten: seriös und aunabhängig informiert werden.

    Wenn ich sehe, mit welchem journalistischen Handwerk manche in unseren Reihen ausgestattet sind, würde ich jedem Unternehmen raten, die PR-Abteilung üppig auszustatten. Denn es gibt leider zuviele, die gleich doppelt schlecht sind. Zuerst sind sie nicht in der Lage, ordentlich zu recherchieren und dann übernehmen sie auch noch die vorverdauten Produktionen aus den Pressestellen und PR-Stuben. Über die sie sich nachher ausgiebig aufregen.

    Gegen überbordende PR-Interessen ist aber längst ein Kraut gewachsen: guter Journalismus.
     
  19. dea

    dea Benutzer

    AW: DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

    Ja. Und ich entgegne Klugsch***ern, die mir was von Allgemeinbildung erzählen
    wollen beziehungsweise diese fordern (liest man auch ständig in Stellen-
    angeboten), dass man jeweils selbst immer nur das für Allgemeinbildung
    hält, wovon man selbst auch einigermaßen Ahnung hat - warum auch immer.

    Hirnrissige Begriffe; und Personalverantwortliche sollten sich vielmehr ihre
    Bewerber anschauen und anhören, statt nach einem Abschluß zu schielen
    und sich damit Schmalspur-Experten einzufangen.

    Haben wir nicht, aber den letzten zwei Absätzen deines Posting muss
    ich einfach uneingeschränkt zustimmen. Wie man sieht, geht es doch
    auch mit objektiver Beurteilung und unumwundener Ausdrucksweise. ;)
     
  20. der beobachter

    der beobachter Benutzer

    AW: DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

    Ach ja, lieber Doktor, das dann aber auch noch: Dass sich Meinungshoheit in einer Demokratie juristisch nicht schützen lässt, ist sehr gut so. Denn in der Demokratie möge ja die Macht vom Volk ausgehen, daher der Begriff. Weil Meinungshoheit Macht bedeutet, darf sie nicht in den Händen von Unternehmen liegen. Ein Unternehmen, das Meinungshoheit im vollen Umfang beansprucht und anstrebt, ist nicht demokratiefähig. Ein selbstbewusstes Volk wird sich dem unbedingt widersetzen, es muss sich dem widersetzen. Deshalb ist es keine "Sauerei", dass Meinungshoheit juristisch nicht zu schützen ist. Denn der Meinungshoheit steht die unabhängige Meinungsbildung und Meinungsäußerung gegenüber, die glücklicherweise grundgesetzlich geschützt sind, während bei Patenten und Markenrechten eine eigene Leistung vorliegt, die dann und deshalb als schutzwürdig eingestuft werden kann. Bei der Meinungshoheit liegt eine solche Leistung nicht vor. Zudem: Wem gegenüber muss da etwas geschützt werden? Der Konkurrent und damit Gegner eines Unternehmens kann grundsätzlich nur der andere Anbieter sein, aber nie die Öffentlichkeit. Also muss ihr gegenüber auch keine Meinungshoheit geschützt werden. Die Öffentlichkeit ist nicht das unternehmerische Instrument für wirtschaftlichen Erfolg.
    Um der Meinungshoheit eines Unternehmens oder einer Institution zu wehren, sind Journalisten das passende "Mittel", das allerdings nicht der Versuchung erliegen darf, selbst die Meinungshoheit über Themen erlangen zu wollen.
     
  21. Nebenbeisender

    Nebenbeisender Benutzer

    AW: DJV-Forderung, die vor allem das Radio betrifft

    Leute, die sich für etwas interessieren und sich damit auskennen, vertreten genau deswegen oft auch Interessen. Da muss ich als Journalist halt zwei Dinge zugleich hinkriegen: transparent machen, wer das ist und wofür der oder die steht, und trotzdem das rüberbringen, was die Person zu sagen hat.

    Leider läuft es oft so, dass die genehmen Interessenvertreter as "unabhängige Experten" und "Querdenker" verkauft werden, die anderen als "Mietmäuler" und "Lobbyisten". Da ist natürlich unangenehm. Vielleicht liegt es daran, dass gerade in Deutschland der Streit von Interessen als irgendwie unanständig betrachtet wird - und man von einer "unabhängigen" Instanz über allen träumt. Das möchte man als Journalist gerne sein, aber ganz geht´s halt nicht. Lieber so viel Transparenz wie irgend möglich ..

    Und - "formale Bildung", das reicht natürlich nicht. Aber gute Allgemeinbildung ist Voraussetzung für jeden Journalisten. Punkt. Full Stop. Es gibt zu viele, die ihre Ignoranz für gesunden Menschenverstand halten. (Und deswegen auf jede PR reinfallen:)
     

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