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"Einfach mal Radio machen" - heute nicht mehr möglich

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von Der Radiotor, 29. Juli 2013.

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  1. Der Radiotor

    Der Radiotor Benutzer

    Heute früh in der Ortszeit im Deuitschlandradio Kultur: Interview mit dem ersten Trainer der Frauen-Fußballnationalmannschaft, Gero Bisanz, zum Gewinn der Europameisterschaft. Nach drei Standardfragen zur EM fing Bisanz an aus dem Nähkästchen zu plaudern. Gerade als er erzählen wollte wie abenteuerlich es damals Anfang der 80er war eine Frauen-Nationalmannschaft aufzubauen (und es richtig interessant wurde) griff der Moderator ein: "Herr Bisanz, Herr Bisanz, vielen Dank für das Gespräch". Man hat richtig gemerkt wie sauer der Gesprächspartner war und mit einem knurrigen Danke reagierte, ehe die Musik hochgefahren wurde.

    Ganze vier Minuten waren für das Interview eingeplant, danach musste Musik gespielt und zum nächsten Beitrag gehetzt werden. Ein wunderbares Beispiel, dass Inhalte selbst bei Sendern ohne Quotendruck heute so derart in eine Stundenuhr gepresst sind, dass es nicht mehr möglich ist einfach mal Radio zu machen. Das ganze heut früh hat mich als Hörer sehr geärgert, aber es zeigt mal wieder wo heute beim Radio der Schuh drückt.
     
  2. muted

    muted Benutzer

    Woher stammt diese irrige Annahme?
     
  3. dea

    dea Benutzer

    Sender ohne Quotendruck gibt es nicht. Überqualifikation kostet.
     
  4. JKOS

    JKOS Benutzer

    @ Radiator
    Hast Du dich wenigstens beim Sender beschwert? Ich glaube, die brauchen Druck von den Hörern, sonst wird es noch schlimmer!
     
    equalizer gefällt das.
  5. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    War es in diesem Falle nicht eher "Formatdruck", der zum Gesprächsabbruch führte. Quotendruck würde ich bei DeutschlandradioKultur nur bedingt unterstellen. Würde man dort auf Quote schielen, dann fände sicher vieles nicht statt, was heute noch zum täglichen Programminhalt gehört.
     
  6. dea

    dea Benutzer

    Wo ist der Unterschied? Wenn man weiß, für wen man sendet, ist man entsprechend formatiert, was normalerweise nur Quotenmaximierung zum Ziel hat. Andererseit kommt Quotenmaximierung ohne Formate nicht aus, denn Chaosradio verkauft nunmal wirklich verdammt schlecht.

    Nun fragt es sich, wo "einfach nur Radio" (ein Begriff, den ich auch sehr gern verwende) aufhört und Chaos beginnt.

    Aber das Abwimmeln oder Pressen von Interviewpartnern ist tatsächlich auch beim DLF nicht neu. Und das gibt es auch nicht nur da. Aber es ist dort vergleichsweise selten zu hören. Hoffentlich bleibt es bei diesen seltenen Ausrutschern, welche Gründe sie auch immer in der Vergangenheit gehabt haben mögen.
     
  7. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    @dea
    Deine Argumentation unterstellt, dass man nur mit Format Quote machen kann. Dem möchte ich schon mal widersprechen. Aber das ist ein anderes Thema.

    Für gewöhnlich sind die Interviews beim DLR und DRKultur nur dann "formatgetrieben", wenn es auf die Halb- oder Vollstundennachrichten zugeht. Das hat sicher mit Quotenschielen nichts zu tun.

    Allerdings gebe ich Dir Recht, dass vom "einfach nur Radio machen" die Grenze zum "Chaos" - man könnte auch sagen "zum Bürger- und Piratenfunk" ziemlich unscharf wird, wenn man nicht bestimmte Regeln beherzigt. Nur müssen Regeln nicht identisch mit "Format" sein, das wird leider oft verwechselt. Mit Regeln meine ich inhaltlich/handwerkliche Kriterien und nicht formale Kriterien.
    Ein Interview gerade dann abzubrechen, wenn es spannend zu werden verspricht oder wenn der Interviewpartner endlich aus sich herauszugehen bereit ist, widerspricht allem journalistischem Handwerk und dient auf jeden Fall auch nicht dem Hörer - wie wir an der Reaktion von Radiator unschwer erkennen können. Es verärgert den Hörer.

    Aber schauen wir uns die Radiolandschaft in Deutschland an: Was verärgert da nicht alles den Hörer? Kümmert es die Macher? Solange es sich um inhaltlich/journalistische Verstöße handelt, kümmert es keinen Schwanz. Sobald es sich um Formatverstöße handelt, muss der verantwortliche Moderator allerdings zum Rapport antanzen, und dann setzt es was - vom Geschäftsführer, von dessen Berater, vom Studioleiter, von dessen Berater, vom Programmchef, von dessen Berater, vom CvD, von dessen Berater, und auch noch von all den Beratern, die gerade keinen Job haben, aber einen Mitschnitt, den sie sofort dem Studioleiter zuschicken, ebenso dem Programmchef, dem Geschäftasführer, dem CvD etc... unter Andienung der eigenen Beratungsleistungen.
     
  8. Tweety

    Tweety Benutzer

    Ich habe es heute morgen auch gehört und war auch etwas verärgert, weil man das Gespräch ziemlich abrupt beendete.
     
  9. equalizer

    equalizer Gesperrter Benutzer

    Ich finde es wirklich super, daß es heute noch Sendungen gibt, die man ansonsten missen müsste. :) Wie vor kurzem "Mathilde Möhring":thumpsup: ..............nu muß ich keine Kochsendung von Rainer Sass bei ndr 2 haben. Aber ich zahle Gebühren, dann hätte ich gerne, zumindest von den öffentlich-rechtlichen Sendern mehr als nur Häppchen-Journalismus. ndr info bietet mir das ja. Und dafür bekomme ich sogar angenehme und keine hyperaktiven :D Moderatoren. Darum frage ich mich ja auch, warum öffentlich-rechtliche Sender wie ndr 2 dem Quotenwahn so verfallen sind. Die Jugend bekommt man sicher kaum noch. Da kann man doch auch mal die Playlist erweitern. Der Hörer wird es bestimmt danken. Und der Gebührenzahler, wenn man endlich die Berater hinauskomplimentiert.;)
     

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