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Energiepolitik der Bundesregierung - hohe Strompreise

Dieses Thema im Forum "Auszeit" wurde erstellt von 2Stain, 09. Juni 2012.

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  1. 2Stain

    2Stain Benutzer

    Ein aktuelles Thema, das jeden von uns betrifft und an Brisanz in der nächsten Zeit sicherlich zunehmen wird.

    Hohe Strompreise, Strompreisrabatte nicht nur für stromintensive Unternehmen sondern auch für Menschen mit niedrigem Einkommen...
    Wird Strom oder Gas zu einem Luxus, den sich bald nicht jedermehr leisten kann?

    Wie gehen die Radiosender mit diesem Thema um? Wird es, mangels fehlender Kompetenz der Redakteure, ignoriert? Oder wird das Thema regional behandelt?
    Ist die Energiewende überhaupt ein Thema im Radio?

    2Stain
     
  2. Inselkobi

    Inselkobi Benutzer

    Ein Thema ist die Energiewende in Programmen wie hr-iNFO ab und zu durchaus. Allerdings wird sie mir, wie auch in Fernsehreportagen, oftmals viel zu einseitig beleuchtet.
    Sprich:
    "Die bösen Leute, die die Energiewende nach Fukushima wollten, jetzt aber keine Strommasten vor ihrer Haustür wollen!"
    Das gleiche geht auch mit Windrädern. - Übrigens Bundesweit!
    Man hört auch immer und immer wieder davon, dass bisher von den zu Bauenden (waren es 4.200 Km?) erst lediglich 100 gebaut wurden, jetzt allerdings keine Gelder mehr bereitgestellt werden. Wobei das eher gern, auch teilweise, verschwiegen wird.

    Des Weiteren, denn das ist nicht das Einzige um das es zum Thema Energie gehen könnte, wird nichts erwähnt.
    Halt! Doch, hin und wieder mal, dass in China täglich so und so viele neue Kohlekraftwerke gebaut und an's Netz gehen und in Deutschland ein neuer, alter Streit bezüglich eines Kohle- und/oder Gaskraftwerkes neu entbrannt ist.

    Aber ansonsten haben wir mit dem Thema Energie wohl nichts am Hut.
     
  3. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Das Gejammer der Politik über die bösen Energiekonzerne ist genauso scheinheilig, wie das Schimpfen auf die Mineralölkonzerne. Die Verteuerung des Stroms ist in den vergangenen Jahren nahezu ausschließlich auf politische Maßnahmen zurückzuführen (Stromsteuer, Mehrwertsteuer, Einspeisevergütung, EEG-Umlage, KWK-Umlage). Steuern und Abgaben machen am Strompreis inzwischen 47 Prozent aus. Hinzu kommen die staatlich regulierten Netzdurchleitungsgebühren (Bundesnetzagentur legt die erlaubten Preisfenster fest), die auch noch mal 18 Prozent des Strompreises ausmachen. Wenn die Politik also nach günstigeren Strompreisen schreit, dann hat sie selbst jede Menge Hebel in der Hand, diese zu realisieren.
     
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  4. Inselkobi

    Inselkobi Benutzer

    Gestern Abend brachte das Schweizer Radio DRS einen Podcast, unter anderem zum genannten Thema heraus. Dort hat man offensichtlich die selben Probleme wie sie hierzulande nicht unbekannt sind.
    Podcast (.mp3)
    Ab ca. 6:30 Min. geht der Beitrag zum Thema los. Anfangs kommt die Schlagzeile.
     
  5. maik29

    maik29 Benutzer

    Naja die Kosten sind ja auch in den letzten Jahren enorm angestiegen. Bei uns macht der Anstieg ganze 4 Cent / kwh in den letzen 2 Jahren aus. Deshalb haben wir uns auch hier für einen anderen Versorger entscheiden.
     
  6. grün

    grün Benutzer

    Die Bundesregierung tut ja auch immer so familienfreundlich. Für mich ist das ebenfalls ein wenig scheinheilig. Die Banken und die großen Konzerne sollen für immer die Gewinner sein. Das merkt man schon an dem scheinheiligen Versuch, ein Betreuungsgeld einzuführen. Man könnte noch so viele Ungereimtheiten aufzählen....
     
  7. grün

    grün Benutzer

    Die neuerliche Strompreiserhöhung scheint wohl jetzt auch schon beschlossene Sache zu sein. Ärgerlich deswegen, weil es mitnichten dazu dient, die "Energiewende" einzuleiten, die notwendig ist, was ich nicht bestreite. Das Ärgerliche daran ist, daß wieder eimmal die großen Stromkonzerne verdienen sollen, damit die Bundesregierung ihre Lobbyisten mal wieder "befriedigen" kann. Mit "Energiewende" hat das mal rein gar nix zu tun!:wall:
     
  8. chapri

    chapri Benutzer

    Mein Stamm-Stromanbieterkonzern hat angekündigt, die höheren Abgaben eben nicht an die Verbraucher weiterzugeben. Wechselt alle hin - auch wenn er einst den Atomstrom forcierte...:D
     
  9. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    @chapri
    Man muss genau hinhören. Wenn Versorger heute sagen, sie würden die Erhöhung der EEG-Umlage vorerst nicht an ihre Kunden weitergeben, dann heißt "vorerst" vielleicht auch nur, dass sie es nicht gleich zum 1. Januar draufschlagen, sondern vielleicht erst zum 1. Februar oder 1. März. Deshalb kann ich Dir nur raten: Suche einen Anbieter mit 12monatiger Preisgarantie. Dann weißt Du, woran Du bist.
     
  10. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    Wie oft muß ich hier im Forum eigentlich noch sagen, daß der komplette Energiesektor in staatliche Hand gehört, damit die "Abzocke" bei den Strompreisen und die Spekulation auf "satte Gewinnne" bei der Umstellung auf regenerative Energiequellen, und die angeblich notwendigen neuen "Hochspannungsleitungen" - die den Verbrauchern wieder "Leitungsgebühren" aufzwingen - endlich aufhören?

    DRadio Wissen hatte dieses Thema gestern im "Redaktionsgespräch" um 18 Uhr.... Um 01 Uhr - ich wollte gerade friedlich einschlafen - wecken mich die Nachrichten im Radio unsanft auf: Bosch steigt auch aus dem "Dersertec"-Projekt aus. Lohnt sich wirtschaftlich nicht... Okay - dann lasst bitte eure Finger weg. Niemand braucht "Bosch" für dieses Projekt, wenn der Ernergiesektor in staatlicher Hand wäre.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Desertec


    Und es wird höchste Zeit dafür. Der nächste Winter kommt. Wie viele altersschwache Strommasten werden diesmal unter der Schnee/Windlast zusammenbrechen und für Stromausfälle in großen Gebieten sorgen? Ein "Sorry, tut uns leid!" ist bei den Strompreisen und der draufgeschlagenen Umlage einfach nicht akzeptabel.


    Mich kotzt das an!


    PS: Frau Merkel "pisst" vor ein paar Wochen die Länder BaWü und Bayern wegen derer Energiepläne an. Dezentrale Energieversorgung funktioniert durchaus. Man braucht also nicht unbedingt neue Leitungen von Nord nach Süd, die sich die Stromriesen vom Verbraucher natürlich bezahlen lassen wollen... Das ist Frau Merkels Politik. Bemerkelswert.
     

    Anhänge:

  11. Plattenschrank

    Plattenschrank Benutzer

    Die großen Energiekonzerne sind - bis auf EON -- bereits überwiegend im staatlichen oder kommunalen Besitz. Die teuersten Anbieter sind im Regelfall ausgerechnet die im kommunalen Besitz befindlichen örtlichen Stadtwerke. Deine gewünschte Verstaatlichung würde also in Richtung Strompreise nix bringen. Politiker verzichten nicht freiwillig auf die enormen Gewinne, schließlich müssen die verschiedensten Haushaltslöcher ja irgendwie gestopft werden.
     
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  12. Tweety

    Tweety Benutzer

    Vielleicht sollte man auch mal darüber nachdenken, die generelle Befreiung für "energieintensive Betriebe" nochmal zu überdenken. Damit würde der Strompreis zwar nicht sinken, aber zumindest müsste der kleine Bürger dann nicht mehr diese Betriebe mitfinanzieren.
     
  13. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Mit den jetzt angekündigten Erhöhungen steigen die Strompreise für einen Durcchschnittshaushalt um 60 bis 80 Euro im Jahr, das heißt, pro Monat 6-7 Euro. Eine Flasche Wein weniger, eineinhalb Schachteln Zigaretten weniger, etc...
    Das ganze Geheule über die steigenden Strompreise dient doch nur dazu, die Energiewende zu diskreditieren und davon abzulenken, dass der Staat selbst es ist, der mit inzwischen über 55 Prozent Anteil den größten Teil der Erlöse aus dem Stromverkauf selbst kassiert (Stromsteuer, KWK-Abgabe, EEG-Umlage, Konzessionsabgabne, &19 NEV-Netzentgeltbefreiungsumlage, demnächst kommt noch neu die Offshore-Umlage dazu - und auf all dies obendrauf dann noch 19% Mehrwertsteuer).
     
  14. Tweety

    Tweety Benutzer

    Na ja, und noch nen Zehner mehr beim Tanken und hundert Euro mehr fürs heizen. Das ist vielleicht alleine für sich nicht viel, aber in der Summe kann das doch im Monat ne Stange Geld ausmachen. Da ist es mit einer Flasche weniger Wein nicht mehr getan, wenn man sich die überhaupt noch leisten kann. Viele Familien krebsen jetzt schon am Existenzminimum herum. Strom gehört ja auch irgendwie zu den Grundbedürfnissen. Ohne Strom gehts ja leider nicht.
     
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  15. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    ...und 10 Prozent Erhöhung bei den Versicherungen.

    Sicher, man kann noch alles Mögliche aufzählen. Mir geht es aber darum, dass bei den Strompreisen ein ganz anderer Hype veranstaltet wird, - und das ausgerechnet auch noch von der Politik, die diese Preise wesentlich mit verursacht - als bei vielen anderen und teilweise wesentlich gravierenderen Preiserhöhungen.
    Die Staatsquote bei Zigaretten liegt inzwischen bei 73 Prozent, bei Branntwein bei rund 65 Prozent und dann kommt schon auf Platz drei der Strom mit rund 55 Prozent. Wenn das Geschrei nach Sozialtarifen und günstigeren Strompreisen ernst gemeint ist, dann soll die Politik mal den Mehrwertsteuersatz bei Stzrom auf 7 Prozent senken, und allen wäre geholfen.
     
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  16. grün

    grün Benutzer

    Die Diskussion greift ein wenig zu kurz. Schon mal drüber nachgedacht, daß durch die steigenden Strompreise nächstes Jahr z. B. Lebensmittel auch teurer werden, weil deren Herstellung ja schlileßlich auch Energie kostet, nur mal als kleiner Gedanke. Die Schere zwischen Arm und Reich wird also wieder größer werden, irgendwann lohnt sich Arbeiten für Geringverdiener doch gar nicht mehr, weil noch viel mehr trotz Arbeit noch zum Sozialamt gehen müssen. Ist ja heute schon so, aber die Bundesregierung findet "Aufstocken" des Lohns ja so toll.
     
  17. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    @Grün
    Alles richtig. Umso mehr ein Grund für die Politik, mal über ihre eigene Rolle bei der Strompreisentwicklung nachzudenken.
     
  18. Inselkobi

    Inselkobi Benutzer

    Heute haben die ersten Anbieter reagiert und ihre neuen Preise bekannt gegeben. So steigen selbige nun also tatsächlich ab dem 01.01.2013 um ziemlich genau vier Cent.
     
  19. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Wer als Stromversorger brutto 2,66 Cent auf die Kilowattstunde erhöht, der hat die gestiegenen Umlagen exakt 1:1 zu 100 Prozent weitergegeben. Bei mehr als 2,66 Cent nimmt sich der Versorger selbst noch einen Schluck. Bei weniger als 2,66 Cent habt ihr einen Versorger, der einen Teil der gestiegenen Staatsabgaben sogar selbst übernimmt.
     
  20. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    Hallo!

    Das Thema ist wirklich sehr komplex und ich bilde mir wirklich nicht ein, alles darüber zu wissen. Ich habe aber eine Meinung zum Thema, die nicht viel (aber eigentlich doch sehr viel) mit Markwirtschaft zu tun hat. Ich meine, der Energiesektor ist für unsere heutige Gesellschaft viel zu wichtig, um ihn (überhaupt) in private Hände zu geben... Diese Meinung ist durchaus streitbar.


    Wie schon geschrieben, war der Wissenschaftsjournalist Sönke Gäthke am Montag in der "Redaktionskonferenz" auf DRadio Wissen zu Gast. Den Podcast zu Sendung findet ihr hier:

    http://wissen.dradio.de/energie-neuer-strom.92.de.html?dram:article_id=227093

    Im Gespräch sagt er u.a.,daß der Strommarkt gerade "zerbröselt", weil der Preis pro kWh durch die zunehmende Einspeisung von Strom aus regenerativen Energiequellen sinkt. Es kann also sein, daß sich ein gerade neu gebautes Kohlekraftwerk im Laufe seiner geplanten Betriebsdauer nicht mehr amortisiert bzw. Gewinn einfährt.

    Tja, ich muß euch ehrlich sagen: Pech gehabt. Atom und Kohle sind eigentlich "out"! Ich war am Dienstag in Mannheim. Kaum von der Autobahn runtergefahren, hatte ich den Geruch von Kohlengasen (praktisch Smogluft) in der Nase. Muß man nicht haben...


    Wissenswert ist nun, daß ausgerechnet die schnell regelbaren Gaskraftwerke beim Stromhandel (http://de.wikipedia.org/wiki/Merit-Order) "rausfliegen", weil Strom aus erneuerbaren Quellen noch vor dem Atomstrom eingeordnet werden. Die Reihenfolge ist also

    Ökostrom
    Atom
    Braunkohle
    Steinkole
    Gas

    Ein Gaskraftwerk ist also zu teuer. Das ist m. M. völlig absurd. Denn würde man mit der Energiewende wirklich "Ernst machen" und die Photovoltaik bzw. Windkraft massiv ausbauen, dann hätte man alsbald "reichlich" Strom zum "verbraten": "Power to Gas", die Elektrolyse von Wasser zu Wasserstoff und Sauerstoff rückt in greifbare Nähe. Damit verliert auch das Gespenst vom tagelang wolkenverhangenen Himmel bzw. Flaute langsam den Schrecken. Wasserstoff kann man verflüssigen und bequem lagern..

    Nur die einfache "Knallgasreaktion" bringt 40% Wirkungsgrad in einer Brennstoffzelle. Aber wen interessiert schon der Wirkungsgrad, wenn doch die Sonne jeden Tag aufs neue aufgeht und scheint? Sie schenkt uns ihre Energie. Mal abgesehen von den "Anschaffungskosten" eines solchen Kraftwerks, sind die laufenden "Betriebsausgaben" einfach lächerlich, da der "Einkauf" komplett wegfällt. Wasser haben wir reichlich auf der Erde.

    Man kann Wasserstoff aber auch in Methan umwandeln und dann (erstmal, aus Rücksicht auf die für die Rohrleitungen momentan verwendeten Stahlsorten) ganz normal in das längst bestehende Gasnetz für die Gaskraftwerke einspeisen.

    Die Bereitstellung des dafür notwendigen CO2 ist wohl noch ein Problem und teuer. Wie bitte - wir haben kein CO2? Da findet sich doch sicher noch ein Trick aus dem "Chemiebaukasten"... Wenn nicht, dann hilft uns wiederum die Energie der Sonne, CO2 herzustellen. Der Wirkungsgrad einer solchen "CO2-Gewinnungsanlage" (praktisch die Verflüssigung von Luft nach Linde) spielt dabei eigentlich keine Rolle, wenn man bei der Produktion keine "Gewinnerzielungsabsicht" verfolgt und der nötige Strom von der Sonne geliefert wird...

    "Spürt" ihr schon was? Rein technisch gesehen geht heute praktisch alles - nur unser momentanes Gesellschaftssystem ist bei der Umsetzung etwas hinderlich....

    Hat man das künstliche Methan (nun endlich) hergestellt, wird es einfach ins bestehende Gasnetz eingespeist. Man braucht also nicht unbedingt für viele Milliarden neue Stromleitungen durchs Land ziehen. Okay, das muß man ausrechnen. Aber allein die in Deutschland in den Gas-Netzen/Tanks gepeicherte Gasmenge reicht für den gesamten Energiebedarf Deutschlands für drei Monate und soll noch erweitert werden.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Power_to_Gas


    Ab 37:10 min im Podcast kommt er zu dem Punkt, den ich u.a. mit Verstaatlichung meine: Die Verstaatlichung der Übertragungsnetze wie in Dänemark oder Frankreich. Unmittelbar danach folgt noch die Aussage - er zitierte dabei Adam Smith, daß sich "Infrastruktur" eigentlich nicht für die "kapitalistische Wirtschaftsform" eignet.

    Genau. Gerade die Höchstspannungsleitungen sind die Lebensadern eines Landes. Denn wenn auf dieser "Netzebene" etwas passiert, hat man ganz schnell einen "Blackout" in weiten Teilen des Landes. Und darum dürfen an dieser Stelle keine "marktwirtschaftlichen Gesetze" gelten, denn sonst steht immer die "Gewinnmaximierung" im Vordergrund - mit im Ernstfall fatalen Folgen. Klartext: Das Netz steht, bis der erste (längst abgeschriebene und altersschwache) Mast bricht. Hatten wir schon (vor ein paar Jahren in NRW, wenn ich mich nicht irre).


    Nun müßte man mal genauer darüber nachdenken, was passieren würde, wenn wenigstens diese Leitungen dem Staat gehören würden und frei von irgendeiner "Gewinnerzielungsabsicht" wären. Man könnte das auch "Infrastrukturmaßnahme" - ein "Geschenk des Staates" an seine Bürger und Unternehmen - nennen, wie beispielsweise den Bau einer Autobahn. Dabei darf man nicht "zu kurz" denken und nur aufs "schnelle Geld" (Einnahmen aus Mehrwertsteuer etc.) schauen, denn mit einer mehr oder weniger staatlich garantierten Stromversorgung(ssicherheit) zu einem reellen Preis, fördert man indirekt auch den "Wirtschaftsstandort Deutschland".

    Warum?

    Der Strompreis würde sinken, da es keinen "Gewinn" für die "Netznutzung" gibt, der sonst in private Taschen abfließt. (In diesem Zusammenhang sei gleich mal auf das Wort "Gierbremse" hingewiesen, welches im anderen verlinkten Podcast fällt: Nach der Ausschüttung einer Rendite von 6% ist Schluß. Sollte mehr Gewinn anfallen, wird der verbleibende Rest automatisch reinvestiert.) Selbstverständlich müssen diese Leitungen, Umspannwerke etc. betrieben, erhalten und erweitert werden. Das kostet sicher viel Geld, keine Frage. Es kommt aber zu keiner "Abzocke" (Preisabsprache bei Kartellen) mehr.


    Es entsteht eine gewisse "Planungssicherheit" für stromintensive Unternehmen, die sich bei einer weiteren Verringerung des Strompreises für "Industriekunden" mit Sicherheit in Deutschland niederlassen würden. Die Produktionskosten schon existierender Unternehmen würden sinken. Das steigert die Wettbewerbsfähigkeit der Exportnation Deutschland auf dem Weltmarkt, sichert bzw. schafft Arbeitsplätze.


    Vereinfacht ausgedrückt: Wenn sich Deutschland richtig anstrengt, dann könnte Strom (im Zweifelsfall vollständig unter staatlicher Kontrolle!) extrem billig werden, was ein immenser Wettbewerbsvorteil wäre. Fossile Brennstoffe werden zukünftig immer teurer ("Peak-Oil" ist oder wird bald überschritten), man muß also in naher Zukunft sowieso "weg vom Öl".


    Warum also noch länger warten? Aus Rücksicht auf Shell & Co, den Industriezweig "Braun/Steinkohle-Bergbau", die Betreiber von stinkenden Kohlekraftwerken oder technisch nicht beherrschbaren Atomkraftwerken? Was ist mit der riesengroßen "Öl-Sauerei" im Golf von Mexiko, der ganzen "radioakiven Scheiße" aus Fukushima, die im Pazifik gelandet ist und über den ökologisch zertifizierten (man schaue einfach mal auf das angegebene Fanggebiet beim Kauf einer Dose Thunfisch...) Fischfang - stark verdünnt - trotzdem auf dem Tisch des Hauses landet? Igitt! So eine Sauerei!


    Alles schon "erfolgreich" aus dem Gedächtnis verdrängt? Dafür habe ich persönlich einfach kein Verständnis!


    Im Endeffekt (nach einigen Jahren, vielleicht auch wenigen Jahrzehnten) generiert man mit extrem billigen Strom Steuereinnahmen aller Art. Der Umbau der Energieversorgung geht natürlich nur mit Hochtechnologie und viel Geld - wir sind doch aber ein HiTec-Land und haben viel Geld (ja, ja, für den Rettungsschirm...), oder etwa nicht?


    Wie finanziert man das Ganze also?


    Naheliegend ist natürlich eine Umlage pro verbrauchter Kiloattstunde. Aber halt nicht so, wie es heute läuft! Es kann ja (rein vom gesunden Menschenverstand her gesehen) nicht sein, daß praktisch nur die Privathaushalte und die "kleinen" Unternehmen den Umbau finanzieren, um letztendlich wieder von den Konzernen "abgezockt" zu werden! Das ist keine Option, sondern vielmehr so, als würde man seinem eigenen Henker auch noch das Beil anschleifen. So geht das nicht. Ein solches Modell ist eigentlich nicht "vermittelbar" und müßte bei den nächsten Wahlen normalerweise abgestraft werden. Normalerweise. Wir sind aber in Deutschland...


    Zur "Auflockerung" mal eine einfache Rechnung. 2010 betrug der Stromverbrauch in Deutschland 604 TWh. Das sind 604 Milliarden kWh.

    Würde man nur einen einzigen "Wir bauen an der energetischen Zukunft Deutschlands - unserer Zukunft"- Cent pro kWh erheben, hätte man logischerweise rund 6 Mrd. € pro Jahr zur Verfügung. Auf einen Singlehaushalt mit einem Verbrauch von rund 2000 kWh pro Jahr kämen also völlig lächerliche 20 Euro Mehrkosten pro Jahr an. Darüber regt sich sicher niemand auf - die "Flasche Wein", von der Manni oben sprach.

    Nach etwas über drei Jahren ist damit zumindest der mit 20 Mrd. € veranschlagte Ausbau der Hochspannungsleitungen bezahlt, die nun selbstverständlich dem Staat (also uns) gehören! Die Rendite dieses "Zukunft-Cents", der selbstverständlich weiter pro verbrauchter kWh erhoben wird, ist natürlich ein zukünftig geringerer Strompreis, da mit diesem Posten in der Stromrechnung nicht mehr "gezockt" wird/werden kann. Nach 20 Jahren hat der Staat also rund 121 Mrd. € eingenommen, davon aber die Hochspannungleitungen problemlos bezahlt. Bleiben 100 Mrd.€ für weitere energetische Projekte "übrig" - im Schnitt also 5 Mrd € pro Jahr.

    Dieses Geld muß man erstmal sinnvoll "verbauen". Es liegt aber auf der Hand, daß dieses Geld für alle irgendwie beteiligten Gewerke (speziell Bau/Elektroindustrie und deren Zulieferer) sehr förderlich ist und in der Endkonsequenz auch die Sozialsysteme stabilisiert, da das so ausgegebene Geld "hintenrum" (Steuern & Sozialabgaben) wieder zufließt... Auch die "Binnennachfrage" kurbelt man damit an.


    Anderes Szenario:

    Anstatt des "Zukunfts-Cents" pro kWh kann man sich einen geringeren Strompreis schon heute "erkaufen", indem man einfach einen beliebig hohen Betrag in einen "Zukunfts-Fond" einzahlt. Die Modalitäten müßte man genau ausrechnen, aber je schneller dieser Fond anwächst, umso schneller ist das Ziel erreicht, wobei man es mit dieser "Staatsanleihe" auch nicht übertreiben darf. Es bringt ja nichts, wenn das auf diese Weise eingesammelte Geld nur gebunkert wird, da die Kapatzitäten für den Bau eines Kraftwerks oder von sonstwas einfach nicht vorhanden sind. Wir sind hier nicht bei "Sim-City" oder "Tropico"... ;) Aber selbst dort dauert der Bau eines Kraftwerks "Jahre"...

    Aber warum sollte eine Privatperson nicht 1000 € in die Zukunft investieren, wenn die kWh dann nur 20, anstatt 25 Cent kostet? Der Staat nimmt "schnell" und zweckgebunden Geld ein, gewährt in der Zwischenzeit "Rabatte", vollzieht die Energiewende - und fertig. Es spricht auch nichts dagegen, wenn Firmen gleich mal 1 Million Euro in diesen Topf einzahlen...

    Nehmt das einfach als Denkanstoß/modell....



    Wie schon angekündigt, folgt noch der zweite Podcast-Link:

    http://www.swr.de/swr1/bw/programm/leute/-/id=1895042/nid=1895042/did=7955990/go2hhj/index.html




    Weiterführende Links:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Zehnerpotenz (damit ihr bei den vielen Nullen vor dem Komma nicht durcheinander kommt :D)



    PS: Ich persönlich mag solche "ellenlangen" Postings eigentlich auch nicht, da man nur schlecht zitieren und nicht genauer auf das Posting eingehen kann, ohne große Teile wegzulassen. Ich nehme es also niemanden übel, wenn er sich nur einen Satz "rauspickt".
     
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  21. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Erst einmal hohes Kompliment: Im ersten Teil Deiner Ausführungen hast Du ganz gut die technischen Möglichkeiten und die sich daraus ergebenden volkswirtschaftlichen Perspektiven dargestellt. Dieser Ausflug in Megawatt-Gigawatt- und Terrawattdimensionen ist für einen Zwerg aus dem Kilowattbereich ja schon eine erstaunliche Leistung.:D

    In manchen Punkten hast Du das Thema aber noch nicht bis zum Ende durchdrungen (mal abgesehen von den etwas schwurbeligen Vermischungen mit "Shell und Co", die an dieser Stelle nicht weiterhelfen. Du forderst zum Beispiel:

    Dabei ist der Netzbetrieb im deutschen Energiemarkt (gilt auch für Gasnetze) längst dem Regime der Bundesnetzagentur unterworfen und damit faktisch staatlich reguliert und preisbestimmt. Die "Gewinnerzielungsabsicht" hat im Netzbetrieb keinen Spielraum, weil der Staat über die Bundesnetzagentur auf den Cent genau vorgibt, wieviel Geld mit dem Netzbetrieb verdient werden darf. Unterhalts- und Modernisierungsstandards sind durch den DVGW und die entsprechenden Paragrafen des technischen Regelwerkes zwingend vorgegeben udn erlauben ebenfalls keinen Spielraum (Siehe: http://www.dvgw.de/angebote-leistungen/regelwerk/), weil sonst sofort der Staatsanwalt auf der Bühne erscheint.
     
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  22. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    Hallo Manni!

    Meine "Forderung" war eigentlich nur der "gemeinsame Nenner", der sich aus dem Posting von "Plattenschrank" in #11 und der Sendung auf DRadio Wissen ergab. Ich wollte die "marktwirschaftlich" denkenden Leser nicht erneut (obwohl ich das ja schon mehrfach geschrieben habe) mit einer - von mir geplanten - totalen Verstaatlichung des Energiesektors konfrontieren. Keine Angst, ich werde garantiert nie "Energieminister". Außerdem kann man in Deutschland nicht irgenwelche Industriezweige §einfach so§ enteignen und verstaatlichen. Wir sind hier ja nicht in einer Bananenrepublik. Sicher?

    http://www.zeit.de/online/2007/09/venezuela-oel-verstaatlichung-chavez
    (Das zunächst zum Thema "von den etwas schwurbeligen Vermischungen mit "Shell und Co", die an dieser Stelle nicht weiterhelfen.")

    Weiterhin würde mir "Brüssel" sofort mit einer Klage wegen "Wettbewerbsverzerrung" auf den Geist gehen. Darauf habe ich wirklich keinen Bock. ;) Es wird sich also nichts ändern.

    Das alles hindert mich aber nicht dran, hier ein "Planspiel" zu spielen. "Was wäre wenn..." Und ich merke jetzt schon, das dieses Posting wieder viel zu lang wird. ;)


    Oben schreibst du Wörter wie "Energiemarkt" oder Halbsätze wie "weil der Staat über die Bundesnetzagentur auf den Cent genau vorgibt, wieviel Geld mit dem Netzbetrieb verdient werden darf.".

    Meine Zwergenregel lautet: Wo immer man im Kapitalismus "etwas verdienen" kann, wird versucht, den Verdienst weiter zu "maximieren". Klartext in diesem Kontext: So schlau diese Truppe mit ihrem Regelwerk auch sein mag (ich lese mir das Werk ganz sicher noch durch, weil mich das Thema technisch sehr interessiert), es findet sich aber immer ein Weg, um Vorschriften zumindest zu "verbiegen". Von "umgehen" ,"unterlaufen" oder gar "missachten" möchte ich gar nicht reden.

    Gegenvorschlag: Es gibt keinen "Gewinn" und daher auch "nix zu verdienen", weil - na, wer ahnt es?


    Ich höre jetzt auf, sonst schreibe ich wieder einen halben Roman.
     
  23. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Natürlich gibt es etwas zu verdienen. Sonst würde ja niemand (Eigner) lange ind iesem Geschäft bleiben wollen. Aber die Verdienstmöglichkeitren im Netzbetrieb sind reguliert und werden durch die sog. Anreiztregulierung von Regulierungsperiiode zu Regulierungsperiode weiter schrumpfen und in den Bereichen Beschaffung und Vertrieb herrscht (heftiger) Wettbewerb (jeder Kunde kann zu anderen Anbietern wechseln), so dass es schon lange kein Unternehmen mehr wagt, hier einen großen Schluck aus der Pulle zu nehmen, weil das sofort jede Menge Kundenwechsel provoziert.
     
  24. Bend It

    Bend It Benutzer

    Das stimmt nicht!(Fettdruck)
    Ich arbeite seit 1972 in der Branche. Der Wechsel der Kunden zu einem anderen Energieversorger ist gering und hat auf Unternehmensentscheidungen keinen Einfluß.
     
  25. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    @Bend It
    Es gibt aber jeweils einen signifikanten Anstieg der (geringen) Kundenbewegungen, jedesmal dann, wenn ein Versorger Preiserhöhungen bekanntgibt. Das passiert sogar - mit einem nicht ganz so deutlichen Ausschlag - auch bei Preissenkungen. Jegliche Preismitteilung des Versorgers (zu der er bei Änderungen gesetzlich verpflichtet ist), löst bei Kunden einen Wechselimpuls aus, dem sie in dieser Form in Zeiten stabiler Preise nicht nachkommen.
     

Status des Themas:
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