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Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

Dieses Thema im Forum "Auszeit" wurde erstellt von Gelb, 07. Juni 2009.

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  1. Gelb

    Gelb Benutzer

    Der Gelbe ist gerade vom Wahllokal zurükgekehrt und sitzt nun beim Frühstück. Die Wahllokale haben noch gut fünf Stunden geöffnet, aber heute abend wird es erfahrungsgemäß wieder sehr eng mit der Zeit, und die Radio- und Fernsehsender kennen schlagartig kein anderes Thema mehr.

    Ich halte eine Diskussion über Ergebnisse, Wahlkämpfe und den radiophonen Umgang damit für interessant und eröffne hiermit eine Gesprächsrunde zur Europwahl.
     
  2. McCavity

    McCavity Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    Irgendwie bezeichnend, daß nach fast einem Tag noch nicht eine einzige Antwort in diesem Faden steht... das paßt gut zu der erschreckend niedrigen Wahlbeteiligung (in der Slowakei sogar unter 20%!). Hier in Deutschland (obwohl ich gerade in GB sitze) waren es ja immerhin 43,3% immerhin leicht über dem europäischen Durchschnitt von 43,09%. Leute! Demokratie funktioniert nur, wenn man mitmacht! Ansonsten diktieren uns die "Großen" bis zum Sankt Nimmerleinstag ihre von der Industrie ja ach so unabhängige Politik...

    LG

    McCavity
     
  3. Commander_Keen

    Commander_Keen Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    Demokratie sollte aber bidirektional funktionieren und ehrlich gesagt, obwohl ich selbst jahrelang JU-Mitglied war, hab dem Laden lebewohl gesagt, die Kluft zwischen Realität und Realitätsempfinden ist so weit auseinander, da stehe ich nicht mehr hinter. Ich war natürlich bei der Wahl, mal sehen was passiert.
     
  4. Gelb

    Gelb Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    Das sehe ich auch so und habe über das geringe Interesse nachgedacht. Ich muß gestehen, auch nicht genau zu wissen, um was es da eigentlich geht. Ich fühle mich da von der Politik auch ziemlich im Stich gelassen. Da passiert jahrelang NICHTS an Aufklärung, und wenn's dann auf die Wahl zugeht, werden die Städt mit Werbeplakate zutapeziert.
    Dann sehe ich Plakate von kleinen Parteien wie PBC, Die Violetten, Die Rentner... und frage mich: wer zum Teufel ist das? Was machen die? Von denen kriegt man überhaupt nichts mit, deren Meinungen und Standpunkte gehen völlig unter. Oftmals sicherlich zu recht (ich habe mir bei Youtube einie Wahlwerbespots von kleinen Parteien angesehen und konnte danach gut verstehen, daß sie nicht ernstgenommen werden), aber ich würde mir wünschen, daß so manche kleine Partei auch mal zu Wort kommen würde - und zwar außerhalb des üblichen Wahlkampfes. Eine Partei, die nur dann in mein Bewußtsein rückt, wenn es gerade mal auf eine Wahl zugeht, brauche ich dann auch nicht.

    Insgesamt bin ich von der geringen Beteiligung der Europawahl enttäuscht und leite daraus die Frage ab: hat Deutschland überhaupt Lust auf Europa? Will man dieses Europa und diese EU überhaupt?
     
  5. radiovictoria01

    radiovictoria01 Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    Man will dieses Europa. Aber eher als losen Staatenbund und mit -allerhöchstens- gemeinsamer Währung, Aussenpolitik und einigen "EU"-Normen (wenn es nicht gerade um den Krümmungsgrad von Salatgurken und Bananen geht :D).

    Gewählt habe ich nicht: Ich wüsste nicht, welche Partei. Alle haben ein erhebliches Manko in ihrem Programm und ich bin nicht bereit, diese Kröte zu schlucken.
     
  6. McCavity

    McCavity Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    Das ist ja gerade die Crux (oder besser eins der Hauptprobleme), mit der Europa zu kämpfen hat. Hier geht es nicht darum, etwas neues zu schaffen, sondern altes, das schon seit Jahrtausenden in unterschiedlichsten Formen existiert hat, über lange Zeit in diesem Zeitraum sich bekriegt hat, unter einen Hut zu bringen. Man könnte jetzt schön die Webradioszene anführen und versuchen, aus dem Flickerlteppich eine einheitliche Stimme zu machen ;).

    Wie jedes Ding hat eine Europäische Union Vor- und Nachteile: sie kann nur funktionieren, wenn die einzelnen Mitglieder Teile ihrer Souveränität aufgegeben und spätestens da wird es (zu Recht) schwierig. Der Mensch ist nunmal überwiegend ein Gewohnheitstier und wenn man mir - einfach mal als Beispiel erfunden - vorschreiben würde, ab morgen habe ich Esperanto zu sprechen, weil sich die Regierungen der Länder der Europäischen Union darauf geeinigt haben, würde auch mir das zu weit gehen.

    Die Kunst ist also, herauszufinden, wo und wieweit Europa Konsensfähig ist. Hier kommt jetzt aber erschwerend ins Spiel, was Commander_Keen angeführt hat: Demokratie muß bidirektional sein, sprich: das Volk erteilt das Mandat zur Regierung an die Menschen, die es für fähig hält, Gesetze im Sinne des Volkes zu erlassen. Soweit die Theorie. Wenn man dies mal zuende denkt, würde das an sich ja bedeuten, daß man irgendwann einen Satz an Gesetzen hat und dies vielleicht sogar... ausreichen könnte? Im Idealfall müßten Politiker ab einer gewissen Zeit eigentlich *gar* nichts mehr tun, weil ja ein funktionierendes Gesetzsystem in Kraft ist und müßten im Prinzip nur noch prüfen, ob die Gesetze noch Zeitgemäß sind und ansonsten...? Da könnte man dan ja auf die Idee kommen, die Politiker gleich abzuschaffen, oder? Und damit das nicht passiert, verfällt man halt in blinden Aktionismus... selbiger hat natürlich auch noch andere Triebfedern, von der Selbstdarstellung bis zur gewünschten Wiederwahl aber im Prinzip hat das, was die meisten Politiker heute so tun, nur am Rande etwas mit "Bürgernähe zu" zu tun.

    Das hat aber auf der anderen Seite der Fahnenstange fatale Auswirkungen: Der Bürger fühlt sichnicht mehr ernst genommen, machtlos und das resultiert in der so oft zitierten Politikverdrossenheit. Was es den Kräften an der Macht einfacher macht, ihre Machtpostionen zu halten, weiter auszubauen, auszunutzen... im Grunde ist das, was wir sehen, eine logische Folge. Im Grunde sind es Anzeichen von Dekadenz, die wir sehen. Und wohin Dekadenz führt hat nicht nur das alte Rom gezeigt, aber daß man aus Geschichte lernen kann ist nunmal eine Binsenweisheit.

    Ich sehe es mittlerweile wie radiovictoria01, im Prinzip ist *keiner* der Haufen, die sich da zur Wahl stellen wirklich wählbar. Aber nichtwählen ist auch keine Lösung, da das im Grunde nur das vorhandene System bestätigt: viele Wähler wählen traditionell "ihre" Partei - oder gar nicht. Den großen Parteien die Stimme entziehen und sich für einen Kleinen entscheiden ist da viel wirksamer. Fazit: man sollte sehr wohl wählen, aber klein: Wenn das Programm einer Partei mit dem Gewissen halbwegs vereinbar ist, sollte man diese wählen. Die stimme geht nicht verloren, aber da alle Menschen anderen Gewichtungen haben, ist das Risiko, daß einer von den Kleinen plötzlich stärkste Kraft wird, gering. Auf der anderen Seite können diese Stimmen, die von den großen abfließen, aber auch dafür sorgen, daß plötzlich Koalitionen mit mehr als 2 Parteien notwendig werden und das kann zur Folge haben, daß die drei Koalitionspartner nun auf einmal miteinander reden müssen und so vielleicht wieder mehr echte Politik gemacht würde, als das Dampfgeplaudere, was wir tagtäglich in den Nachrichten hören derzeit.

    Ein Rechtsanwalt hat dazu eine nette Merkseite ins Internet gestellt, die ich für sehr sinnvoll halte: http://www.jetzt-abwaehlen.de/. Sie bringt sehr schön auf den Punkt, wie man vielleicht wieder ein bischen Leben in unsere verstaubte Politik bringen könnte - und das ganz ohne Barrikaden und "Viva la revoluçion!"-Rufe ;)

    LG

    McCavity
     
  7. Commander_Keen

    Commander_Keen Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    Richtig. Nichtwählen ist keine Lösung - es sollte auch jeder sich selbst fragen wie er ständig Dinge einfordern aber sich selbst aus der Verantwortung ziehen zu wollen.

    Ich hab gründlich abgewägt und dann das für mich stimmigste Angebot ausgewählt. Man muss nicht jeden in einer Partei mögen, aber ich würde z.B. nicht die Partei X nicht wählen weil mir der Innenminister nicht gefällt, oder Partei Z weil die Tussi geil aussieht.
     
  8. radiovictoria01

    radiovictoria01 Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    Wenn Du mir EINE Partei aufzeigst, die
    a) Atomkraft abschaffen will (GRÜNE, SPD), aber gleichzeitig
    b) FÜR den Ausbau des Frankfurter Flughafens und wichtiger Verkehrswege (CDU, Grüne nicht)
    c) FÜR ein besseres, berechenbares Steuerrecht (FDP, aber pro Atom)
    d) FÜR einen vertretbaren Mindestlohn (SPD, CDU, FDP und Linke nicht)
    e) GEGEN staatliche Subventionen kriselnder Branchen (CSU teilweise, aber nicht SPD und CDU)
    f) GEGEN vorzeitigen Türkei-Beitritt in die EU (CDU ja, SPD & Grüne nein)
    ist, dann wähle ich sie.

    Nicht nur ich habe es mir lange überlegt. Freunde von mir sind zum selben Ergebnis gekommen.
    Und ich bin absolut kein unpolitischer Mensch. War sogar mal in einer Partei... Aber:

    Es sind mir einfach der Kröten zuviel....
    Würde ich CDU wählen (als kleinstes Übel vielleicht), gebe ich denen einen Freibrief, weiter Karstadt staatlich zu subventionieren (oder darüber nachzudenken...) und neue Atomkraftwerke zu bauen. Und das will ich auf gar keinen Fall.... :rolleyes:
    so what?
     
  9. Ammerlaender

    Ammerlaender Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    Nichtwählen ist die schlechteste der vorhandenen Möglichkeiten. Im "falschen System" aufgewachsen, habe ich einmal gelernt, jedes Rech begründet irgendwo auch eine Pflicht (und umgekehrt).

    Diese Aussagen von Gelb kann auch ich unterschreiben. Wozu haben wir aber eigentlich Medien und leisten uns Leute, die sich Journalisten nennen? Ist es nicht deren ureigenste Aufgabe, das Volk untsprechend zu informieren? Haben diese Leute nicht gelernt, in größeren Zusammenhängen zu denken und diese Zusammenhänge dem Volke zu erklären?

    Das einzige Fernseh-Vollprogramm, bei dem ich eine Sendung auch über die Inhalte der kleinen Parteien fand, war das Bayrische Fernsehen, wenn auch mehr aus Sicht der Bayern. Die kurzen Beiträge über die winzigen Parteien und Gruppen waren informativ und hoben sich von den Wahlwerbespots deutlich ab. - Wo war hier die abgeblich so geballte Informationskompetenz des NDR?

    Und wenn ich mich an die Inhalte der "normalen" Tagesprogramme diverser Radiosender (die Deutschlandradios und/oder eventuell die Info-Sender, die das gemeine Volk garantiert nicht erreichen, einmal ausgeklammert) aus den letzten Wochen erinnere, kommt mir das Thema "Europawahl" gar nicht in den Sinn.

    Übrigens: Sogar Leute, die Towas Meinung unterstützen, nur Informationen die einen unmittelbaren Einfluss auf mein persönliches Umfeld haben, sind brauchbare Informationen, müssten ein Interesse an einer umfänglichen Darlegung von Zusammenhängen haben, denn Brüssels Entscheidungen sind für jeden einzelnen relevant.

    Das Problem wird sich aber im Spätsommer wiederholen, denn im Vorfeld der nächsten Wahlen wird es in den Medien auch wieder nur um das Vermitteln irgendwelcher Phrasen gehen.
    Andererseits machen sich aber die Politiker selbst lächerlicher als sie so schon sind, wenn ein Herr Müntefering (der ja für die "neue" SPD steht :D), zum Beispiel, betont, es wäre vermessen vom Bürger, die Politiker an den Aussagen vor den Wahlen zu messen.
     
  10. Commander_Keen

    Commander_Keen Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    RV01, was du willst ist nicht erfüllbar. Wenn ich mir deine Auflistung jedoch ansehe komme ich zum Ergebnis:

    CDU: 4 Punkte
    SPD: 2 Punkte
    FDP: 2 Punkte
    Grünen: 1 Punkt

    d.h. die CDU würde deine Interessen am Besten vertreten. Du müsstest aber mit Atomstrom leben. Hast du eigentlich Ökostrom oder profitierst du doch noch vom günstigeren Atomstrom?
     
  11. McCavity

    McCavity Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    Eben. Und da beide große Volksparteien sich eh in ihren Programmen immer ähnlicher werden und nachweislich lieber für die (Industrie- und Banken-)Lobby Politik machen, als für die Bürgerinnen und Bürger, ist es notwendig, sie auf ein erträgliches Format zurechtzustutzen.

    Die eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht. Wenn die CDU die meisten Deiner Punkte erfüllt, aber eben nicht alle, warum stärkst du dann nicht mit Deiner Stimme eine Partei, die Punkte erfüllt, bei denen die CDU schwächelt? Daß eine der großen Volksparteien in die Regierung kommen wird, dürfte klar sein, aber vielleicht wird sie ja - mit Hilfe *Deiner* Stimme mal gezwungen, mit der von Dir unterstützten Partei zu koalieren und schon wäre der Punkt, den die große Partei (vielleicht absichtlich) ausblendet, doch auf der Tagesordnung...?

    LG

    McCavity
     
  12. radiovictoria01

    radiovictoria01 Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    @commander keen: Abgesehen davon, daß das eine Milchmädchenrechnung ist... Ich habe noch wesentlich mehr Kriterien anzusetzen und nur ein paar aufgeführt.

    Hinsichtlich der nicht gelösten Entsorgungsfrage und des hochgradig vergiftenden Plutoniums betrachte ich die gesamte als "so saubere" gepriesene Atomwirtschaft wegen der Folgen als ein Verbrechen an unseren Kindern, Enkeln, Urenkeln, Ururenkeln usw... noch viel schlimmer als die Staatsverschuldung, die auch nachfolgende Generationen abzutragen haben.

    Und dieses Eintreten für "saubere moderne" Kraftwerke weiß man von der CDU (inkl. Laufzeitverlängerungen...), auch wenn sie das zur Wahl nicht als Programmpunkt plakatieren.
    Solange dies so ist, kann ich nicht CDU wählen- auch wenn mich andere Programmpunkte wiederum ansprechen :rolleyes:

    Um McCavitys Argumentation zu folgen, müßte ich dann SPD oder Grüne stärken. Wähle ich SPD, spreche ich mich indirekt für eine Neuauflage der großen Koalition aus (bringt auf Dauer nichts). Wähle ich die Grünen, meinen die, ich hätte gleichzeitig gegen den Ausbau des Flughafens Rhein-Main gestimmt...:rolleyes:

    Wie Du es machst, ist also falsch. Ich bin also nicht aus allgemeiner Verärgerung oder Politikverdrossenheit Nichtwähler, sondern aus Überzeugung. Protestwähler (ganz links oder rechts) scheidet auch aus- so what? :rolleyes:
     
  13. Hinhörer

    Hinhörer Benutzer

    AW: Europawahl 2009: Meinungen und Kommentare

    Danke für die klugen Worte zu den Kernkraftwerken. Die Entsorgung der verbrauchten Brennelemente wird nämlich zu gern unter den Teppich gekehrt. Sie gehört aber ebenso zu einer ehrlichen Kosten-Nutzen-Analyse wie z B bei den Kohlekraftwerken die Umweltbelastung durch Abgase.

    Zum Thema wählen gehen oder nicht: Daß die angebotenen Wahlmöglichkeiten alle nicht zu Jubelstürmen hinreißen, ist irgendwie noch nachvollziehbar. Allerdings muß sich jeder, der von seinem Wahlrecht keinen Gebrauch macht, im klaren darüber sein, daß er sich dann auch nicht beschweren kann, wenn eine Minderheit die Zusammensetzung des Parlaments festlegt und damit auch über seine Geschicke entscheidet.

    Und ich bezweifele ganz entschieden, daß es den meisten Nichtwählern wirklich egal wäre, wenn z B die Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands den Bundeskanzler stellte.

    Meine Schlußfolgerung daraus ist: Nicht wählen gehen ist fahrlässig, solange es einem nicht völlig egal ist, wer in Zukunft regiert. Das mindeste, was man tun kann, ist, diejenigen Parteien herauszufiltern, die man niemals im Parlament sehen will - und dann seine Stimme irgendeiner der anderen Parteien zu geben.
     
  14. Commander_Keen

    Commander_Keen Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    Also deine Ausführungen sind ja hanebüchen. Dann dürfte ja niemand überhaupt wählen gehen, weil es definitiv nie eine 100&ige Übereinstimmung geben kann sonst bräuchte man nämlich nicht mehrere Parteien in der BRD. Naja ... jeder ist seines Glückes Schmied.

    Gerade auf WDR2 gehört:
    Die Bundesregierung plant eine Wahlpflicht inkl. einer Strafgebühr i.H.v. 50 EUR für Wahlunwillige. Wahlpflicht halte ich für vollkommen Banane - dann wird irgendwas gewählt und das hat mit Demokratie auch wieder nichts zu tun. Den Politiker fällt momentan nur noch Scheiss ein anstatt sich zu fragen woran das liegen könnte.
     
  15. McCavity

    McCavity Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    Wozu Nichtwahl führen kann hat Großbritannien in dieser Europawahl schön gezeigt. Gegenwärtig sind die Briten ziemlich aufgebracht gegen ihre Labour-Regierung unter PM Brown, so sind viele Labour-Wähler aus Frust von der Europawahl ferngeblieben. Neben der Tatsache, daß das die Labour Partei fast überall auf Platz 2,3 oder sogar 4 der stärksten Parteien geworfen hat, haben die Fehlstimmen dafür gesorgt, daß in zwei Wahlkreisen plötzlich die BNP (British National Party, wird dem extrem rechten Lager zugeordnet) plötzlich relativ ausreichend Stimmen einheimsen konnte und jetzt auf einmal 2 Europaabgeordnete stellt... um's nochmal zu sagen: nicht wählen ist die schlechteste aller Varianten. Es gibt seltenst den Fall, daß man 100% mit einer Partei übereinstimmt. Das ist ja sogar innerparteilich der Fall. Und auch, wenn man mit einer Stimme für die Grünen die Flughafengegner unterstützt, so ist auch deren Meinung eine Meinung, die zumindest gehört werden muß. Wie sich das Ganze dann auf den tatsächlichen Ausbau auswirkt, ist ja immer noch dahingestellt, nur, daß es im Wahlprogramm steht, heißt ja lange nicht, daß es auch umgesetzt werden wird (oder kann).

    LG

    McCavity
     
  16. Radiokult

    Radiokult Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    Demokratie heißt auch Kompromisse machen zu müssen und zu können. Und Koalitionen etc. bestehen nunmal aus Kompromissen. Absolute Mehrheiten im Bundestag, sprich Einparteien-Regierungen wird es in dieser Bundesrepublik sowieso keine mehr geben in den nächsten 50 Jahren. Mindestens. Da bin ich mir sehr sicher. Und das ist, nebenbei angemerkt, auch ganz gut so.

    Warum funktioniert sie dann andernorts durchaus gut? Frag mal unsere Nachbarn in Luxemburg oder der Schweiz. Sie zwingt den Wähler sich mit den politischen Inhalten der einzelnen Parteien auseinander zu setzen . Auf die Idee das Kreuz einfach irgendwo zu machen kommen nur Leute, denen es tatsächlich schnurzegal ist. Und das dürfte trotz aller Politikverdrossenheit noch immer nur eine Minderheit sein.
     
  17. Commander_Keen

    Commander_Keen Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    Im WDR2-Beitrag wurde auf die Länder eingegangen mit Wahlpflicht. Es sind zwar ein paar Prozent mehr zur Wahlurne gegangen jedoch bei weitem keine 80%. Dann kann man es auch gleich sein lassen.
     
  18. McCavity

    McCavity Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    Ich nenne Demokratie gerne die Diktatur des Mittelmaßes. In einer Demokratie hat per Definition jeder das Recht, seine Meinung zu Gehör zu bringen und sich in den Entscheidungsprozeß einzubringen. Am Beispiel Flughafenausbau: ich kann beide Argumente nachvollziehen. Ich fliege sehr oft von Frankfurt/Main und die Nähe zum Flughafen ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil für meine derzeitige Arbeit. Ich wohne aber auch in einer der Anflugschneisen und kann daher jeden hervorragend verstehen, der sich um noch mehr Flieger über seinem Kopf Gedanken macht. Wer hat nun mehr "Recht", der eine oder der andere? Egal, was man entscheidet, für einen ist es immer falsch. Das ist die Natur der Demokratie und ohne Einsicht, *daß* das so ist und vor allem, daß es so sein *muß* kann Demokratie nicht vernünftig funktionieren.

    Du implizierst die Frage, warum der Commander gegen die Wahlpflicht ist, beantwortest sie aber gleich selber: weil es ein Zwang ist. Demokratie lebt auch von Freiwilligkeit und wenn die Menschen Politik(er)verdrossen sind, dann sollte man lieber nach den Ursachen forschen und diese abstellen, als durch weitere Verordnungen die Bürger zu etwas zu zwingen. Mehr Verständnis für Demokratie wird man durch diese Maßnahme nicht erreichen und wenn man es trotz der Maßnahme schafft, mehr Verständnis für Demokratie zu schaffen, braucht man die Maßnahme nicht.

    LG

    McCavity
     
  19. Radiokult

    Radiokult Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    Ich habe die kleine Hoffnung, dass das Eine das Andere zumindest ein bißchen bewirken könnte.
    Das sich für die Europawahl niemand interessiert hat, hat doch im Grunde ganz andere Ursachen als landläufig behauptet. Niemand hat das Volk gefragt ob sie Europa haben wollen. Nicht mal als es um die europ. Verfassung ging hat man die Leute gefragt. Ergo sehen die meisten auch nicht besonders viel Sinn darin, Politiker für dieses Europa-Parlament zu wählen. Es widerspricht sich schlicht und ergreifend, weil die in Brüssel "sowieso machen was sie wollen". Die Wahlerfolge der europakritischen Parteien belegen das nur zu gut.
    Das es Deutschland reihenweise an Politikern mit Profil und Sachverstand fehlt, kommt da noch erschwerend hinzu.
     
  20. McCavity

    McCavity Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    Wenn ich auch grundsätzlich Deinen Glauben an das Gute im Menschen teile, habe ich doch immer einen zuweilen etwas macchiavellistischen Blick auf die Welt und würde erwarten, daß dieser Zwang - zumindest am Anfang - eher Trotzreaktionen wie von Commander_keen beschrieben hervorrufen könnten: es gäbe sicherlich einige, die ihr Kreuz irgendwohin machen würden, andere würden vielleicht ihren Stimmzettel ungültig machen... und wie ich vorher schon schrieb, wenn dann das Verständnis erst einmal *da* wäre, dann wäre die Zwangsmaßnahme überflüssig.

    Zudem kommt, daß unser Wahlrecht vorschreibt, daß die Wahlen geheim zu sein haben - das geht für mich soweit, daß ich schon beim Betreten des Wahllokals ein ungutes Gefühl habe, weil ich dort meinen Personalausweis vorzeigen muß und mein Name daraufhin aus der Liste der Wähler gestrichen wird. Selbstverständlich sehe ich ein, daß jeder nur einmal wählen darf und die Streichung aus der Liste daher notwendig ist - aber ich gehe davon aus, daß diese Liste direkt nach Schließen der Wahllokale vernichtet wird und nicht noch durch irgendwelche Datengierigen Politikerhände (oder deren Erfüllungsgehilfen) geht...

    Das geht beides Hand in Hand miteinander, meine ich. Der fehlende Sachverstand (simple Frage: Wieviele ALG-II-Empfänger sitzen im Bundestag?) ist ja nur ein Dilemma, hängt aber eng damit zusammen, daß die in Brüssel (oder wahlweise Berlin) "machen, was sie wollen". Ich habe den Eindruck, daß die Berufung "Politiker" in den letzten Jahren - möglicherweise schon vor meiner Geburt, aber auf jeden Fall, seit ich begonnen habe, mich näher damit zu beschäftigen - verkommen ist zu einem "sicheren, gut bezahlten Job". Dazu kommt, daß ich den Eindruck gewonnen habe, daß man, um als Politiker erfolgreich werden zu können, die "politische Karriereleiter" erklimmen muß, was nur mit stechen und hauen nach allen Seiten zu bewerkstelligen ist. Damit wird - wenn ich es mal ganz extrem platt ausdrücken will - der Politiker zu einem Menschen, den ich ganz bestimmt nicht in meinem engeren Freundeskreis sehen möchte, weil ich doch mehr Wert auf andere Eigenschaften lege. Wie sieht also der "ideale" (Achtung, Ironie) Politiker aus? Ein karrieregeiler Profilneurotiker, der anderen gut erzählen kann, wie toll er ist, aber sonst nicht viel blassen Schimmer haben muß.

    Das hat aber ganz fatale Auswirkungen, denn im Umkehrschluß wäre ein solcher Politiker für mich auch nicht mehr wählbar! Wenn ich nun von mir auf andere schließe und da mancher vielleicht zu ähnlichen Überlegungen kommt, ist das Wort "Politik(er)verdrossenheit" nicht mehr fern. Schon Plato wies darauf hin, daß der ideale Politiker eigentlich Philosoph sein müsse, von "irdischen" Belangen weitestgehend entrückt - was aber schlechterdings möglich ist, da sich der Politiker gerade mit den irdischen Dingen beschäftigen *muß*. Insofern würde selbst der beste Philosoph unsanft auf dem Boden der Tatsachen landen, würde er ein politisches Amt antreten.

    In meinen Augen wäre dieses Dilemma nur durch Idealismus zu lösen. Demokratie bringt es nun einmal mit sich, daß es nicht unbedingt jemand ist, der sich mit Finanzen auskennt, der Finanzminister wird und es ist denkbar, daß ein Verteidigungsminister nie gedient hat. Deshalb wäre es für diejenigen, die gewählt werden, wichtig, zu erkennen, daß ihnen u.U. die Expertise für das Amt fehlt, diese müßten Sie dann mit Hilfe der Mitarbeiter ihrer Ministerien in kürzester Zeit erlernen - eine Mammutaufgabe, da ja das Tagesgeschäft gleichzeitig zu bewältigen ist. Weiterhin müßte man die Glaubwürdigkeit der Politiker wieder stärken, zum Beispiel, indem selbige, solange sie ein politisches Amt bekleiden *sämtliche* Jobs in der Industrie niederlegen, um nicht unnötig Einflüsterungen von dort zu erliegen... und... und... und.

    Es gibt viel zu tun - aber damit wir's anpacken können, müssen wir erstmal soviele Leute wie möglich mobilisieren, sich trotz der widrigen Umstände wieder für Politik zu interessieren, sich ihren eigenen Kopf zu machen und wieder die Verantwortung für das, was in diesem Land geschieht zu übernehmen. Und dazu gehört für mich ganz klar: ein Politiker, der in meinen Augen seinen Job nicht gut macht, wird abgewählt.

    LG

    McCavity
     
  21. Radiokult

    Radiokult Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    Tja.... Um da mal ganz unkonventionell drauf zu antworten: Schon vor ziemlich genau 20 Jahren sang Rex Joswig (womit wir übrigens wieder beim Radio angekommen wären) von der Backschischrepublik. Er hat Recht... auch heute noch.
    Ersetze den Ulbricht-Einspieler im Lied mit irgendeinem Zitat vom SPD-Kanzlerkandidaten oder von Münteferig etc. pp. und es paßt wieder wie die Faust aufs Auge. Traurig genug! Klick
     
  22. radiovictoria01

    radiovictoria01 Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    Wobei Rex am Montag zufälligerweise Gast im ARD/ZDF-Morgenmagazin war.... Ja, manche Sachen sind heute noch so aktuell wie vor 10,20 oder 30 Jahren.
    Nur finde ich, daß weder Steinmeyer noch Münte den "Sozialismus planmässig weiterentwickeln" wollen- und wenn es um Bakschisch und Subventionen geht, dann passt auch manches Zitat eines CDU-Politikers ebenso....

    Und zur Wahlpflicht, die es in Belgien auch gibt: Netter Versuch, untaugliches Mittel. Ich wünsche mir einen Wahlzettel, der die Gültigkeit behält, wenn ich (als Beispiel)
    - CDU ankreuze, aber mit dem Zusatz "gültig nur, wenn die Partei aus der Atomindustrie aussteigt"
    oder
    -GRÜNE/B90 ankreute, abe rmit dem Zusatz "gültig nur, wenn die Partei für den Ausbau des Frankfurter Flughafens ist"

    Damit könnte man beim Zusammenzählen sogar etwas Kick in die eine oder andere Richtung bringen.
    Ist aber alles wohl ein Wunschtraum und nicht realisierbar. Nur DANN könnte ich mit gutem Gewissen auch mal wieder wählen gehen...:rolleyes:
     
  23. Radiokult

    Radiokult Benutzer

    AW: Europwahl 2009: Meinungen und Kommentare

    OMG!
    Deshalb schrieb ich ja auch, dass man das verwurstete Zitat durch eins von den besagtem Herren ersetzen solle. Dann paßt es wieder.
    Bakschisch kommt übrigens aus dem Persichen und heißt Gabe oder Geschenk. Man könnte es auch mit Almosen übersetzen. Mit der hier weit verbreiteten Assoziation mit Schmiergeld hat es eigentlich nichts zu tun.
     

Status des Themas:
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