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Fernsehen heute - zwischen Audience Flow und Hackklotz

Dieses Thema im Forum "Auszeit" wurde erstellt von OnkelOtto, 06. September 2012.

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  1. OnkelOtto

    OnkelOtto Benutzer

    Es war so furchtbar: Gestern Abend. Der beeindruckende Film in der ARD über einen Selbstmordattentäter in Israel näherte sich seinem Ende. Der Mann sprengte sich in die Luft, nachdem er im Lauf der Erzählung eine jüdische Frau kennenlernte und das ganz normale Leben in Tel Aviv, Freundschaften schloss, zweifelte, ob sein „Auftrag“ tatsächlich richtig sei. Ende des Films also, Betroffenheit beim Zuschauer. Und was macht die ARD? Sie knallt, nein, donnert unmittelbar nach dem letzten Filmbild, den Abspann nicht abwartend, fetzig-lustig-launige Programmwerbung mit Eckard von Hirschhausen und Hansi Hinterseer über den Sender. Ich war entsetzt. Geht man so mit einem ausklingenden Kunstwerk um? Muss man die Zuschauer dermaßen aus der Nachdenklichkeit aufschrecken? Gut, ich stamme noch aus der Zeit der Schwarzblenden nach Filmen, die betroffen machten. Aber Hinterseer Sekunden nach dem Selbstmordattentat? Oder seh‘ ich das zu einseitig? Muss ich mir vielleicht eher Gedanken machen, dass bei zu langem Abspann mehrere tausend Zuschauer abgewandert wären? Hätte mich ein anderer, ernster Trailerinhalt möglicherweise nicht so geärgert? Eure Meinung?
     
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  2. HeavyRotation25

    HeavyRotation25 Benutzer

    Manchmal kann man den Eindruck bekommen, in der Regie der Sender sitzen Praktikanten und Schlafmützen... Immerhin hat man sich darauf geeinigt, dass die TV-Sender untereinander ihre Lautstärken anpassen. Das müsste in den letzten Tagen vollzogen worden sein. Vorher hat man einen Schreck bekommen, wenn man von der leisen ARD zum krawallig-lauten SAT1 umgeschaltet hat. Auch die Werbeblöcke waren bei vielen Sendern lauter, als das laufende Programm. Ok, das ist jetzt zum Glück Vergangenheit.

    Aber auch im TV-Programm der ARD (z.B.) setzt man auf immergleiche Werbung im Vorabendprogramm und das täglich sekundengenau: jeden Abend nach dem "Perfekten Dinner" auf VOX darf ich zur Tagesschau umschalten (:p). Und da die Sendung bei VOX immer gegen 19.58 Uhr zu Ende ist, schalten wir immer in die gleiche Werbung in der ARD. Jeden Abend hüpfende Möpse am Strand (Almased-Werbung). Ich weiß garnicht, wie lange Versicherungen und Apotheken-Artikel (inklusive Umschau) sich diese termingenaue Werbung reservieren. Es werdenMonate sein. Immerhin, zwischen 19 Uhr und 22 Uhr dürften die teuersten Werbeplätze liegen.


    Selten wird heute noch der komplette Abspann eines Filmes gezeigt, auch im Kino stehen da schon die meisten Zuschauer auf. Dann im TV lieber ein Programmhinweis reinknallen, bevor der Zuschauer weggezappt hat...
     
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  3. BlueKO

    BlueKO Benutzer

    Genau da liegt der Denkfehler. Alles was heute über den Bildschirm flimmert ist nur noch mehr oder weniger lästige Programmware. Die besonders dichte Fahrweise am Stern, der am liebsten drei Elemente gleichzeitig ausspielen würde, macht das Ganze dann sowieso unansehbar (unabhängig vom in der Regel faden Programminhalt).

    Es ist ja auch wirklich zu dumm, daß in dem von Dir gesehen Film nicht noch ein Fenster für die nachfolgenden Tagesthemen eingeblendet werden konnte, wie das bei allen anderen Sendungen ja inzwischen üblich, aber ebenso überflüssig ist.
     
  4. OnkelOtto

    OnkelOtto Benutzer

    Naja, der Stern kann da wahrscheinlich wenig machen. Die haben ja auch ihre Anweisungen, wie sie das Programm fahren. Und da, ein paar Etagen höher, werden Entscheidungen gefällt, die einfach unästhetisch sind. Gut, ich krieg schon rote Punkte, wenn kurz vor dem Ende eines Fernsehspiels (Tatort z.B.) mitten in einer emotionalen Szene links oben mit PLING eingeblendet wird "Sendung verpasst?"...
     
  5. Radiokult

    Radiokult Benutzer

    Es gibt doch selbst beim ÖR immer seltener einen richtigen Abspann, egal ob Film oder sonstige Sendung, also im Grunde keinerlei Respekt mehr vor den Machern. Wo zum Henker sollte denn dann ein Respekt vorm Zuschauer herkommen? Der Couch-Potato von heute ist degradiert zum Zählvieh für die Einschaltquote. Nachdenken über das Gesehene, egal ob nun positiv oder negativ, ist in der Regel unerwünscht. Traurig aber wahr.
     
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  6. BlueKO

    BlueKO Benutzer

    Das ist einer der Gründe warum ich das Erste nur noch zum ESC-Finale einschalte.

    Ich könnte ein fabelhaftes Beispiel von der BBC aus dieser Woche erzählen wie man dort mit hochemotionalen Programmen umgeht, aber ich ich will nicht ständige Vergleiche aufschreiben und erfreue mich lieber an den qualitativ sowieso viel hochwertigeren Sendungen.
     
  7. OnkelOtto

    OnkelOtto Benutzer

    Es hätte ja schon geholfen, wenn sie wenigstens den -beschleunigten- Abspann stehen gelassen hätten, ohne diese Traileritis extrema reinzuklatschen. Das wären vielleicht zehn Sekunden gewesen. Hätte gereicht...
     
  8. Hefeteich

    Hefeteich Benutzer

    Oh ja, sehr nervig und vermutlich bei den privaten kopiert. Ganz, ganz schlimm.

    Jetzt bräuchten wir einen Rudi Carell mit der legendären Fliegenklatsche (Rudis Tagesshow, leider kein YT-Schnipsel gefunden)
     
  9. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Meine Alternative (schon lange): Bücher lesen!
     
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  10. BlueKO

    BlueKO Benutzer

    Wie? Nicht Radiohören?
    Tz.
     
  11. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Nebenbeimedium!
     
  12. McCavity

    McCavity Benutzer

    Diese Ausgeburten (in allen Medien, auch radio und Fernsehen) sind doch im Prinzip lediglich die konsequente Umsetzung der Forderung, die schon Adolph Freiherr Knigge stellte: "Vor allen Dingen soll man nie vergessen, daß die Gesellschaft lieber unterhalten, als unterrichtet sein will [...]." Solche Dinge, möchte man konstatieren, fressen sich unauslöschbar ins Hirn der Macher, deshalb muß alles immer noch toller, noch bunter, noch schneller als gestern und vor allem als die Konkurrenz sein. Den Mut, ein richtiges "Programm" zu machen vermisse ich da sehr oft. Gut, ich kann's ja nachvollziehen: wer möchte denn nicht gerne von sich sagen, ein Programm zu gestalten, daß vielen (am besten den meisten) gefällt? Wer fühlt sich nicht gebauchpinselt und bestätigt, wenn die Zahlen große Erfolge bescheinigen? Die leisen, anderen Bedürfnisse gehen bei all dem Lärm leider allzu oft unter.


    Ich wünsche mir manchmal, daß sich manche Macher ein anderes Zitat des Freiherrn ebenso zu Herzen nähmen, wie das Eingangs genannte: "Gehe von niemand und laß niemand von Dir, ohne ihm etwas Lehrreiches oder etwas Verbindliches gesagt und mit auf den Weg gegeben zu haben; aber beides auf eine Art, die ihm wohltue, seine Bescheidenheit nicht empöre und nicht studiert scheine, daß er die Stunde nicht verloren zu haben glaube, die er bei Dir zugebracht hat, und daß er fühle, Du nehmest Interesse an seiner Person, es gehe Dir von Herzen, Du verkauftest nicht bloß Deine Höflichkeitsware ohne Unterschied jedem Vorübergehenden!"

    (Die Zitate habe ich von Wikiquote raubmordkopiert)

    LG

    McCavity
     
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  13. OnkelOtto

    OnkelOtto Benutzer

    @McCavity: "Du verkauftest nicht bloß Deine Höflichkeitsware ohne Unterschied jedem Vorübergehenden!" --- Der Freiherr und Du, Ihr habt ja recht. Ich würde gerne mit der Bibel antworten (huch...): "Alles hat seine Zeit!" - und ergänzen wollen "Alles benötigt seine Zeit!". Gefühle, die durch eine emotionale Sendung hervorgerufen wurden, Gedankengänge, die ein grüblerisches Fernsehstück auf Arte ausgelöst hat - und dann natürlich auch: Eigenwerbung für den Sender, die ebenso ihre Berechtigung hat - aber: Muss das eine das andere totschlagen? Wird denn gar nicht mehr bedacht, dass der Mensch nicht nur aus einem Zeigefinger auf der Fernbedienung besteht, der zucken könnte, wenn der Abspann läuft, sondern dass bei manchen Zuschauern sogar - horribile dictu - Gehirn im Spiel ist?
     
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  14. Hefeteich

    Hefeteich Benutzer

    Nein. Man soll einfach nur "dran bleiben". Da ist - Deiner Überschrift entnommen - der audience flow einfach wichtiger.
    "Hiergeblieben, ich habe da noch was anderes tolles, das solltest du noch wissen, bevor du auf andere dumme Gedanken kommst. Jetzt, hier, gleich oder demnächst. Bleib' dran."
     
  15. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Vor lauter Teasing und Backselling (im Radio wie im Fernsehen) gibt es aber leider keinen Platz mehr für vernünftiges Programm.
     
  16. Tweety

    Tweety Benutzer

    Umgekehrt hätte ich es ja noch verstanden. ;)
     
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  17. OnkelOtto

    OnkelOtto Benutzer

    @Tweety: So überhaupt nicht PC - aber leider gut... :)
     
  18. McCavity

    McCavity Benutzer

    @OnkelOtto: Eben das ist der Eindruck, dessen ich mich als Zuschauer heute zuweilen kaum erwehren kann. Mir scheint, als wären die unterschiedlichen Beiträge nur noch Objekte, die irgendeiner oben in eine große Maschine reingekippt hat, und die dann unten nacheinander als lange Wurst auf den Sender gehen. Und ob das, was oben reinging, nun Filet oder Fleischabfälle sind (ich bitte die Metapher zu entschuldigen) scheint niemanden mehr zu interessieren. Ja, jedes Ding braucht seine Zeit und gerade so ein Gute-Laune-Tralala wie von Dir beschrieben, hat auch in meinen Augen direkt nach einer bewegenden Reportage nichts zu suchen. Früher nannte man so etwas "Fingerspitzengefühl", allein, man könnte meinen, daß ebendiese Fingerspitzen heute Mangelware sind.

    Ich möchte auch den guten Freiherrn bitte nicht als absolute Forderung verstanden wissen - nicht alles muß einen Sinn haben, oder lehrreich sein (auch das wäre des Guten zuviel), aber ich vermisse bisweilen eben das Fingerspitzengefühl mancher Macher und würde mir wünschen, daß sie sich bewußt(er) machen, daß da am anderen Ende der Bildröhre Menschen sitzen und keine Fernbedienungsbedienungsroboter. Insofern, denke ich, habe wir da grundsätzlich die gleiche Ansicht.

    LG

    McCavity
     
  19. Inselkobi

    Inselkobi Benutzer

    Mit Ausnahme eines kleinen gallischen Dörfchens.
    Ohh, andere Geschichte. Aber vom Sinn her die gleiche Sache.

    @McCavity: Lass das, was Du schriebst, bloß nicht einige Verfechter des Formatfunks lesen!
     
  20. ricochet

    ricochet Benutzer

    CNN, BBC World und andere internationale Vorzeigesender übertrugen stundenlang live, als der höchste Sprung aller Zeiten über die Bühne ging. Dem deutschen Beamtenfernsehen war dieser Aufhänger gerade mal eine dürre Meldung in der Tagesschau wert. In Sachen Aktualität und Nachrichtenbrisanz laufen die deutschen Öffis ewig der internationalen Nachrichtenelite hinterher, aber das ist auch nichts Neues (bei 9/11 waren sie die letzten, die die Schalte hinkriegten). Nicht mal eine 30-minütige Sondersendung war ihnen der Rekordversuch wert.

    Nur der Nischensender n-tv war mit seinen begrenzten Möglichkeiten mit von der Partie - alle Achtung.
     
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