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FR sichert Verlegerklage ab

Dieses Thema im Forum "Auszeit" wurde erstellt von divy, 20. Juli 2011.

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  1. divy

    divy Benutzer

    Der DuMont-Konzern klagt gemeinsam mit anderen Verlegern gegen die ARD, und die erst vor wenigen Wochen auch redaktionell einverleibte Frankfurter Rundschau sichert die Aktion mit dem entsprechenden Feuerschutz ab.

    http://www.fr-online.de/kultur/medien/geplante--bildstoerung/-/1473342/8690464/-/index.html

    Dass es hier eigentlich um die Klage der Verlage geht, wird nur am Rande erwähnt, dass der Springer-Konzern zu den klagenden Verlagen gehört, erfährt man überhaupt nicht. Ob der Artikel in dieser Form auch zu Zeiten einer eigenständigen Redaktion in der FR zu lesen gewesen wäre? Ich habe meine Zweifel.
     
  2. HeavyRotation25

    HeavyRotation25 Benutzer

    AW: FR sichert Verlegerklage ab

    Bildblog.de deckt täglich die teilweise schlicht falschen oder verdrehten Meldungen der Medien auf, Hauptaugenmerk wird der "Bild" geschenkt, die auch viel Stoff bietet. Auch gegen Bildblog.de hat die "Bild", bzw. der Springer schon mehrfach vergeblich geklagt. Unter anderem, weil von Hobbyfotografen (ala "Bild-Leserreporter") Fotos vom Privatumfeld des "Bild"-Chefredakteurs Diekmann zugesendet werden sollten, die man dann veröffentlich wollte.

    Wenn ich das richtig verstanden habe, will die ARD eine ähnliche Berichtüberwachung ausführen. Dass die "Bild" und der Springer-Konzern dort die Hauptrolle spielen, kann man nachvollziehen: lange schon hetzt die "Bild" in regelmäßigen Abständen gezielt gegen die GEZ und die ARD.

    Dieser "Kampf" Goliath gegen Goliath dürfte spannend werden.
     
  3. divy

    divy Benutzer

    AW: FR sichert Verlegerklage ab

    Die Geschichte ist doch anders herum:

    1. Die Verleger, darunter Rundschau/Berliner-Zeitung/Stadtanzeiger-Verleger DuMont und Springer, klagen gegen die ARD, insbesondere wegen ihres Tagesschau-Apps.

    2. Die Bild startet zahlreiche Anfragen an die ARD, die eine Kampagne wittert.

    3. Auf die eine oder andere Weise bereitet sich die ARD ganz sicher darauf vor. Möglicherweise bereitet die Medien-Redaktion des WDR tatsächlich sogar Beiträge über die Springer-Presse vor. Na und? Über Murdoch wird ja auch berichtet.

    4. Die FR veröffentlicht einen Artikel, nach dem die ARD eine Kampagne gegen die Bild startet. Dass die Geschichte eigentlich anders anfing, nämlich mit einer Klage des eigenen Verlegers gegen die ARD, erfährt man dabei nur am Rande. Infos über den Inhalt der angeblichen Kampagne fehlen gänzlich. Im Zeichen des Murdoch-Skandals mal die eigene Boulevard-Presse unter die Lupe zu nehmen, ist für die Medienredaktion der FR also völliger Blödsinn und nur dem Interesse der Gremien geschuldet.

    So schreibt sich die FR eine Geschichte so zurecht, bis sie endlich in's angestrebte Bild passt. Es wird suggeriert, dass wenn die ARD über Springer berichtet, sie es nur tut, weil die Verleger sie verklagen. Den eigenen Verleger mit einem so offensichtlichen Gefälligkeitsartikel zu bedienen, wäre bei der ehemaligen und selbstständigen FR-Redaktion undenkbar gewesen. Man könnte jetzt noch bitter hinzufügen: Der alte FR-Verlag ist ja auch pleite gegangen. :mad:
     
  4. McCavity

    McCavity Benutzer

    AW: FR sichert Verlegerklage ab

    Gestern abend lief in der Sendung "Kontraste" im Ersten ein Bericht zu dem Thema. Kernaussage: der Streit dreht sich in erster Linie um die Abgrenzung zwischen den privaten Verlegern, die mit ihren Apps Geld einnehmen wollen (es wurde kolportiert, daß jeder Verleger Steve Jobs in sein Gebet einschließen solle, da er die Verlage dank neuer Vertriebswege rettet) und den Öffentlich-rechtlichen, die die Apps kostenlos anbieten können, ja müssen (so die Sichtweise der zu Wort kommenden ARD-Offiziellen), da sie der Grundversorgung dienen und daher durch die Rundfunkgebühren bereits bezahlt sind.

    So weit, so gut - was für mich ein bißchen ein "G'schmäckle" dabei hatte, war, wie sehr die Stimmen der ARD darauf pochten, durch die Gebührenzahlungen unabhängig von Politik und Wirtschaft zu sein - wenn dies der Realität entspräche, wäre ja nichts dagegen einzuwenden. Aber ob der mannigfaltigen unheiligen Allianzen zwischen Politik, Wirtschaft und Öffentlich-Rechtlichen bleibt da leider der bittere Nachgeschmack der Augenwischerei. Die Situation ist nunmal, wie sie ist und wird sich sicherlich auch nicht so leicht ändern lassen - warum also etwas vorgaukeln, was jeder mit einer Beobachtungsgabe, die mehr als 5 Pfennig wert ist, durchschaut?

    Sehr richtig fand ich hingegen die Darstellung, daß sich die Apps der beiden Anbieterlager ganz natürlich nur unwesentlich unterscheiden. Die Verleger peppen ihre Texte mit Videos auf - damit geraten sie in die Nähe des Fernsehens - und die Tagesschau-App zäumt ja im Prinzip dasselbe Pferd von der anderen Seite auf: Sie bieten Videos an, da aber das Netz zuerst textbasiert ist, müssen sie die Videos mit Begleittext flankieren, damit der Benutzer die Filme überhaupt sinnvoll finden kann und sich nicht erst das Video anschauen muß, um zu beurteilen, ob ihn der Inhalt überhaupt interessiert. Damit "wildern" sie quasi im Revier der Verleger.

    Daß da Zank vorprogrammiert ist und beide Seiten durchaus vertretbare Positionen besitzen ist klar - ich denke, es wird am Ende, wie auch in dem Beitrag angedeutet, darauf hinauslaufen, daß man sich auf irgendein krudes (und vermutlich nichtmal für Experten wirklich nachvollziehbares) Verhältnis zwischen "Textinhalt" und "Videoinhalt" einigt, das eine "Zeitungsappp" von einer "Nachrichtenvideoapp" unterscheidet...

    LG

    McCavity
     
  5. Ammerlaender

    Ammerlaender Benutzer

    AW: FR sichert Verlegerklage ab

    ... und hier gibt es den von McCavity verlinkten Beitrag zum in aller Ruhe Nachlesen:

    Vereint gegen Tagesschau - Verlage klagen gegen App

    Interessant die Aussage von Prof. Christian Pestalozza, Verfassungsrechtler:
    und die Antwort von Monika Piel, ARD-Vorsitzende:
    Im Prinzip hat der Mann Recht, nur scheint Frau Piel ein gespaltenes Wesen zu sein, denn treten die öffentlich-rechtlichen Anstalten diese Aussage nicht Tag täglich mit allen zur Verfügung stehenden Füßen?
     
  6. divy

    divy Benutzer

    AW: FR sichert Verlegerklage ab

    Macht unseren Rundfunk mal nicht schlechter, als er ist.

    Da empfiehlt sich mal ein Blick auf das Staatsfernsehen und den staatlichen Rundfunk anderer Länder, vor allem auch auf den Alltag in den Redaktionen in Frankreich, Spanien, Italien. Die Qualität von Tagesthemen, Heute-Journal aber auch den meisten Hörfunkjournalen sucht durchaus ihresgleichen, gerade bei Piels WDR sieht es damit doch gar nicht so schlecht aus. Unter anderen noch immer noch im Versuch, eine eigene Chronik der Dinge mit einer eigenen Auswahl von Themen und Schwerpunkten darzustellen Eigentlich gehört das zum journalistischen Selbstverständnis, selbstverständlich ist es vielerorts aber nicht. Da sind Journalisten nicht mehr als einbestellte Mikrofonhalter, die aufnehmen und keine Fragen stellen sollen. Ok, auch bei uns ist die Politik nicht fern und hat es relativ leicht, einen Sender an die Kandarre zu nehmen, wenn sie es sich wirklich richtig vornimmt. Es gibt genug Beispiele. Ich persönlich habe aber Erfahrungen mit Zensur oder inhaltlichen Anweisungen eher bei privaten Medien sammeln dürfen als im ö.-r. Rundfunk. Vielleicht habe ich aber auch immer nur rechtzeitig den Laden gewechselt, kann auch sein.

    Recherche: Die Schweizer finanzieren bspw. komplette Recherchewochen. Wenn ich mir aber ansehe, wieviel Zeit bei den Tageszeitungen noch dafür ist, sehe ich da auch keinen Vergleich zur Situation beim Hörfunk. Selbst in großen Zeitungen werden sogar die ots-Meldungen, oft auf Weisung des Chefs, unredigiert in die Artikel gehoben. Wer da Bedenken äußert, hat schnell einen Querulantenstatus.

    Es gibt durchaus gute Gründe, auf den Qualitätsjournalismus in vielen Sendern zu verweisen, der ohne Gebühren in dieser Form nicht zu finanzieren wäre. Der rbb-Bericht, anmoderiert übrigens mit dem Verweis auf die eigene Befangenheit, ist dafür ein Beispiel - gerade auch im Kontrast zum Artikel der Frankfurter Rundschau. Das heißt nicht, dass man alles hinnehmen muss, weil es andernorts viel schlimmer ist.
     
  7. Klaus&Anne

    Klaus&Anne Benutzer

    AW: FR sichert Verlegerklage ab

    Private Verleger sind immer fremdgesteuert von dem, der sie bezahlt! Wir sind sehr froh, dass es bei uns noch die ÖR Sender gibt! Diese werden zwar auch von der Politik kontrolliert, aber Sender wie z.B. der NDR schaffen es immer wieder, sich durchzusetzen, auch gegen die Kontrollinstrumente von Frau Merkel. Wir hoffen innigst, daß das auch so bleibt!
     

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