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Frage zu Vorproduktionen

Dieses Thema im Forum "Studio- und Sendertechnik" wurde erstellt von speedy250_0, 04. April 2008.

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  1. speedy250_0

    speedy250_0 Benutzer

    Hallo liebe Radiomacher,

    eine Frage an Euch:
    Wie wird z.B. eine zweistündige Chartshow vorproduziert?:confused:

    Schneidet man die Titel am PC inkl. Jingles aneinander, zeichnet dann die Moderationen auf und schneidet sie dazwischen?
    Wie lange braucht man dazu? 30 Minuten?? Würde ja jede Menge Zeit sparen.

    Werden die Nachrichten zur vollen Stunde auch mit reingeschnitten oder ist der Nachrichtenredakteur live im Studio und regelt das?

    Da ich sehr radiointeressiert bin, wäre es schön, wenn Ihr mich ein wenig hinter die Kulissen schauen lassen könntet.;)

    Vielen lieben Dank an alle!!!!:)

    Euer
    Speedy
     
  2. mmdj

    mmdj Benutzer

    AW: Frage zu Vorproduktionen

    Hallo.
    Also ich bevorzuge es immer so zu machen, dass ich komplett alles zusammenbaue. Also für z.B. 2 Stunden Sendung habe ich 2 Takes zu jeweils 1 Stunde. Einige Kollegen bauen meherere Teile und positionieren in der Playlist noch Musiktitel dazwischen....

    Was den Arbeitsaufwand betrifft bevorzuge ich auf jeden Fall Live. Wenn ich eine komplette Sendung aufzeichne, muss wirklich alles 100%ig passen. Die Ramp-Talks, die Übergänge, die Jingles, ganz zu schweigen vom Gesprochenen selbst. Also beduetet dies meistens den gleichen, wenn nicht noch höheren Aufwand.
     
  3. speedy250_0

    speedy250_0 Benutzer

    AW: Frage zu Vorproduktionen

    Ich danke Dir. Sehr interessant.

    Vielleicht gibt es auch noch andere Meinungen bzw. Antworten.
    Ich freue mich drauf!:)
     
  4. DS

    DS Benutzer

    AW: Frage zu Vorproduktionen

    Schneller geht's mit Voicetracking. Dabei werden nur die Moderationen eingesprochen und dann auf die Titel gelegt. In die Playlist kann man dann natürlich noch "echte" Jingles einbasteln. @mmdj: Meintest du das oder mixt ihr vorher alles zu einer 60-Minuten-Datei?

    Eine gut gemachte Vorproduktion oder auch Voicetracking-Sendung kann dem Hörer, wenn sie wirklich gut gemacht ist, genauso viel Spaß machen, wie live.

    Gruß, Daniel
     
  5. Commander_Keen

    Commander_Keen Benutzer

    AW: Frage zu Vorproduktionen

    Sie verarscht ihn aber :) Und ICH als live-musiker finde es eine Sauerei dass Voicetracking überhaupt existiert. Früher hast du nachts dein Radio angemacht und hast quasi die Creme de la creme gehört. Das geilste Programm dass ein WDR2 oder RPR1 zu bieten hatte heute nunja .....
     
  6. DS

    DS Benutzer

    AW: Frage zu Vorproduktionen

    Das ist im Prinzip richtig, aber wenn du wirklich mal keine Zeit hast, zum Beispiel weil du im Club auflegst oder dein Sender eine Grillparty macht, ist Voicetracking immernoch besser als gar nichts. ;)

    Und außerdem: Da besteht die Chance, dass bei bestimmten Amateur-Webradios die Moderationsqualität etwas steigt... :)

    Ich kann mich auch noch an die Zeiten erinnern, als ich fasziniert vorm Radio saß und die Antenne Thüringen gehört habe. Das ist eine schöne Kindheitserrinerung, denn schaut euch die Sender heute an. Von wirklich guten Stationen gibt es leider nur noch wenige.
     
  7. Matthias

    Matthias Benutzer

    AW: Frage zu Vorproduktionen

    Servus Speedy,

    zu dem, was die anderen geschrieben haben, möchte ich Dir gerne noch einige Ergänzungen geben.

    Auf Youtube gibt es Videos, in denen ein amerikanischer Radio-Modertor erklärt, wie er eine Nachtsendung vorproduziert. Vom Prinzip her wird das in Deutschland ähnlich gemacht. Vielleicht noch ein paar Ausführungen zum besseren Verständnis:

    Die Musik wird bei den meisten Radiostationen nicht mehr von CD oder Schallplatte gespielt, sondern ist als Musik-Datei im Computer gespeichert. Die Titel sind anhand bestimmter Kriterien in eine Datenbank einsortiert. Eine sogenannte Scheduler-Software (also ein Planungsprogramm) stellt die Abfolge der Musiktitel nach vorher eingegebenen Regeln zusammen. Sowohl die Musikkriterien als auch die Regeln werden bei jedem Sender unterschiedlich gehandhabt und bestimmen die Zusammensetzung des Musikprogramms.

    Den von der Planungssoftware zusammengestellte Musikablauf nennt man "Playlist". Die Playlist kann von einem Menschen verbessert (Titelaustausch) oder mit weiteren Inhalten angereichert werden, z. B. mit weiteren Jingles, Promos, Werbeblöcke usw. Im Sendestudio steht ein Computer, dessen Audio-Karten mit dem Sendemischpult verbunden sind und der die Musik, Jingles usw. ausspielt. Der Sendecomputer kann die Playlist öffnen und holt sich die einzelnen Elemente (Musik, Jingles usw.) von der Festplatte des Musik-Servers.

    Dieser Sendecomputer kann nun entweder im Live-Betrieb oder für einen automatisierten Betrieb verwendet werden. Im Live-Betrieb dient er als virtueller CD-Spieler und virtuelle Cart-Maschine. Die einzelnen Playlist-Elemente werden vom Moderator/der Moderatorin im Sendestudio auf Knopfdruck gestartet. Er/sie macht auch am Mischpult die Überblendungen. Die entsprechenden Moderationen erfolgen live.

    Im Automations-Betrieb spielt der Sendecomputer die einzelnen Playlist-Elemente automatisch nacheinander ab und macht auch die Überblendungen, die - je nach System - in der Playlist oder zusammen mit der Audio-Datei vorprogrammiert und abgespeichert sind. Weil im automatischen Betrieb im Regelfall niemand im Sendestudio ist, werden die Moderationen vorher aufgezeichnet. Meist werden bei der Aufzeichnung gleich die zur Moderation gehörenden Jingles, Musikbetten, Dropper, Beiträge, O-Töne usw. mit eingebaut (der Moderationsblock wird also ähnlich wie unter Live-Bedingungen aufgezeichnet).

    Jede Moderation wird als eigenständige Audiodatei auf dem Sendeserver abgespeichert. Die einzelnen Moderationsblöcke werden als eigenständige Elemente zur Playlist hinzugefügt und die Überblendungen mit den vorhergehenden und nachfolgenden Elementen programmiert. Diese Playlist spielt der Sendecomputer dann automatisiert ab. Das Laden und Starten und Abspielen der Playlisten wird durch die Technik automatisiert ausgeführt. So kann z. B. auch automatisch zur vollen Stunde auf die Nachrichten umgeschaltet und danach wieder auf die automatisierte Playlist zurückgeschaltet werden. Das klingt dann - je nachdem, wie gut die Umsetzung techisch und von der Moderation her gemacht wird - wie eine Live-Sendung. Das ganze Verfahren wird "Voice Tracking" genannt und wird meist zu Zeiten eingesetzt, zu denen die Hörerzahl eher gering ist (z. B. nachts). Natürlich gibt es weitere Einsatzmöglichkeiten.

    Für den Live- und Automations-Sendebetrieb gibt es Systeme verschiedener Hersteller, die sich vor allem in der Handhabung, dem Funktionsumfang und somit auch im Preis unterscheiden. So gibt es Lösungen, die auf die jeweilige Größe und die Anforderungen der verschiedenen Radiostationen angepasst werden (können).

    Um die Arbeit beim Voice Tracking noch etwas einfacher zu gestalten und mehr Zeit zu sparen, bieten die verschiedenen Systeme unterschiedliche Herangehensweisen und Hilfsmittel an. Auf den besagten Videos ist z. B. zu sehen, dass der Moderator seine Moderationen direkt in die Playliste aufzeichnet. Dies geschieht im Vorproduktionsstudio, damit der laufende Sendebetrieb nicht gestört wird.

    Hier sind also die Vieos, die Dir vielleicht helfen, Dir eine Vorstellung über die Aufzeichnung eines Voice Tracking zu machen:
    http://www.youtube.com/watch?v=zZpA3_dnw-s
    http://www.youtube.com/watch?v=C8ryr67X8DY
    http://www.youtube.com/watch?v=H682FODiIzk

    Das Voice Tracking ist eine recht häufig verwendete Methode der Vorproduktion, weil nur die reinen Moderationen aufgezeichnet werden müssen, was wesentlich schneller geht, als eine Sendung komplett zu fahren und dabei aufzuzeichnen. Selbstverständlich wird auch letztere Methode noch angewandt.

    Hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten. So wird z. B. eine Sendestunde auch eine Stunde lang wie unter Live-Bedingungen gefahren und dabei aufgezeichnet, oftmals sogar schon mit den Werbeblöcken, allerdings ohne die ganz aktuellen Sachen wie Nachrichten/Wetter/Verkehr (logo, gell?).

    Eine andere Möglichkeit ist, eine Stunde in mehreren kurzen Teilen unter Live-Bedingungen aufzuzeichnen. Dadruch können der afugezeichneten Sendung weitere Elemente (z. B. Werbung, aktuelles Wetter, Verkehr usw.) hinzugefügt werden. Dies geschieht entweder live oder als Voice-Tracking-Lösung.

    Welche der Methoden verwendet wird, hängt von der Art der Sendung und den technischen Möglichkeiten des Senders ab.

    Ich hoffe, meine - zugegebenermaßen etwas langen - Ausführungen konnten Dir einen kleinen Einblick vermitteln.
     
  8. speedy250_0

    speedy250_0 Benutzer

    AW: Frage zu Vorproduktionen

    Lieber Matthias,

    ich danke Dir für alles!
    Ich glaube kaum, dass noch irgendjemand etwas dazu schreiben kann, was Du noch nicht geschrieben hast.

    Deine Antwort ist hochinteressant. Ich kann mir das jetzt noch viel besser vorstellen.
    Vielen lieben Dank nochmal!!!!!!:wow:

    Mit einem Fachmann wie Dir würde ich so was gerne mal "live" erleben.
    Danke auch für die Video-Links.

    Ganz herzliche Grüße von
    Speedy;)
     
  9. DS

    DS Benutzer

  10. Matthias

    Matthias Benutzer

    AW: Frage zu Vorproduktionen

    Speedy, das habe ich gerne gemacht, freut mich, dass es Dir geholfen hat.

    Schönes Wochenende!

    @DS: Ja, Google promotet das auf seiner Internetseite:
    http://www.google.com/radioautomation/

    Ich hatte mir schon überlegt, da einen neuen Faden d'raus zu machen ...
     
  11. mmdj

    mmdj Benutzer

    AW: Frage zu Vorproduktionen

    @DS
    Genau eine 60min-Datei meinte ich. Bzw. 3 20-Minuten Blöcke, damit Werbung und Verkehr aktuell eingespielt werden können.
     
  12. timmeyy

    timmeyy Benutzer

    AW: Frage zu Vorproduktionen

    Aber sowas is doch nix neues... :D
     

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