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Guido Westerwelle ist tot

Dieses Thema im Forum "Auszeit" wurde erstellt von Maschi, 18. März 2016.

  1. Maschi

    Maschi Benutzer

    Es geht weiter Schlag auf Schlag mit den Todesmeldungen dieses Jahr :(
    Mit gerade einmal 54 Jahren ist der ehemalige Außenminister seiner Krankheit erlegen.
    Der SPIEGEL hat das große Interview aus der Titelstory vom letzten November freigegeben.
    R.I.P.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. März 2016
  2. grün

    grün Benutzer

    Ja, R.I.P., aber mehr auch nicht.

    Westerwelle hat weder geglänzt (höchstens durch seinse Sprüche), noch hat er die Politik entscheidend geprägt.

    Nehmt es mir nicht übel, aber ich kann für einen Tod von Politikern nicht wirklich was empfinden, ausser wenn sie etwas "Aussergewöhnliches" geleistet hätten.... Insofern hält sich meine Trauer sehr in Grenzen, sorry....

    Um dafür wirklich was zu empfinden, sind mir Politiker viel zu weit vom Volk entfernt, da käme höchstens Helmut Schmidt für mich infrage, für den ich was empfinden würde.

    Und das soll echt nicht arrogant wirken, sondern ist einfach nur meine Gefühlslage zu diesen Dingen. Die Politik hat mich meistens einfach zu sehr enttäuscht! (und ich gehe trotzdem immer wählen)....

    Westerwelle hat doch nur die Aussenpolitik von Frau Merkel ein bisschen geprägt, mehr war da wirklich nicht.

    Über die Rolle der FDP in der Bundespolitik brauchen wir nun wirklich nicht zu sprechen, die war in den letzten 20 Jahren mehr als gering...
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. März 2016
  3. Inselkobi

    Inselkobi Benutzer

    Da wäre meines Erachtens schon eher der Tod Lothar Späths, der ebenfalls am gestrigen Tag war, eine Meldung und einen Nachruf wert gewesen.
     
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  4. ricochet

    ricochet Benutzer

    Ja, der Loodaar. Drei Absolute - damals war die Welt der Südwest-CDU noch in Ordnung.

    Keinem baden-württembergischen Ministerpräsidenten nach ihm schlugen so viel Anerkennung und Sympathie entgegen, sogar seine Gegner zollten ihm insgeheim Respekt. Und nur der Öttinger konnte so gut schwäbeln wie er, wenn auch lange nicht so charmant. Und so viel Hemdsärmeligkeit hat nicht mal der Kretschmann.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. März 2016
  5. legasthenix

    legasthenix Benutzer

    Befremdende Äußerungen angesichts des gerade verschiedenen Guido Westerwelle.

    Ich finde es einfach unangemessen, sich zu diesem Zeitpunkt (ab)wertend zu positionieren. Zu einer umfangreichen Bilanz seiner politischen Erfolge respektive Defizite dürfte später und anderen Ortes hinreichend Gelegenheit sein. Für eine Generalabrechnung ist dies nicht der richtige Moment. Sowohl glorifizierende als auch scheinheilige oder abwertende Nachrufe erscheinen mir fehl am Platze.

    Jetzt ist zunächst einmal ein vergleichsweise junger Mensch an einer immer noch heimtückischen Krankheit gestorben, den es zu betrauern gilt. Andernfalls sollte man sich an dieser Stelle vielleicht etwas zurücknehmen und auf einen Kommentar verzichten.

    Die Menschen, die ihm nahe standen, schätzten und liebten ihn - und das war das Wichtigste.
    R. I. P. Guido Westerwelle
     
  6. doglife

    doglife Benutzer

    Also zum Späthzle Lothar fällt mir auf Anhieb nichts Befremdliches ein.
     
  7. count down

    count down Benutzer

    Das klingt, als wenn Du das bedauertest. :(
     
  8. ricochet

    ricochet Benutzer

    Interessanterweise ist Guido Westerwelle gar nicht an der Leukämie, sondern an ihren indirekten Folgen gestorben. Wie man unschwer bei seinen wenigen Fernsehauftritten erkennen konnte waren seine Schleimhäute stark angegriffen, eine unmittelbare Wirkung der medikamentösen Immunsuppression, die das Abwehrsystem herunterreguliert um Abstoßungsreaktionen gegenüber dem implantierten Knochenmark zu verhindern.

    Durch die geschwächte Abwehr kommt es je nach Verträglichkeit der Präparate immer wieder zu Infekten und Entzündungen, im Falle Westerwelles in erheblichem Maße, da sein Körper allzu heftig auf den eingesetzten Wirkstoff reagierte. Infolge dessen griff die Schleimhautreizung auf weite Teile des Organismus über und verursachte eine lebensbedrohliche Infektion. Offenbar experimentierten die Ärzte mit weiteren Substanzen, die das überschießende Präparat hätten ersetzen sollen. Dabei vergriff man sich aber in der Dosis und legte das Immunsystem Westerwelles endgültig lahm, sodass sein Körper harmlosesten Erregern hilflos ausgesetzt war. Er fiel schließlich ins Koma und verstarb an einer typischen Immundefekterkrankung, nämlich der Lungenentzündung, die vom Kontakt von Keimen in der Atemluft mit dem abwehrgeschwächten Bronchial- und Lungengewebe herrührt.

    Den Krebs hat Westerwelle überwunden, aber an den schlecht verträglichen Immunsuppressiva ist er letztlich unglücklicherweise verstorben. Dabei ließe sich gerade die "Akute Lymphatische Leukämie" mit modernen gentechnischen Methoden in den meisten Fällen binnen kürzester Zeit vollständig ausheilen. Dabei werden gentechnisch veränderte T-Zellen aus dem Blut des Patienten in den Körper zurückgeschleust, die über den Rezeptor für ein Oberfächenmolekül (CD19), das auf den entarteten Zellen sitzt, den Krebs hochwirksam bekämpfen, indem die malignen Zellen markiert und zerstört werden. Auf Chemo- und Strahlentherapie kann vollends verzichtet werden.

    Für Guido Westerwelle kam dieser wissenschaftliche Durchbruch zu spät.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. März 2016
  9. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Wenn einer mit 54 Jahren nach schwerer Krankheit gehen muss, dann ist das immer bedauerlich und ein Drama für alle Angehörigen und Freunde des Betroffenen.
    In diesem Sinne: Beileid und Respekt vor dem Toten.
    Was das politische Vermächtnis von Guido Wetserwille betrifft, so wird nicht viel bleiben, außer dass er ums Haar die FDP zuschanden geritten hätte.
     
  10. hilde

    hilde Benutzer

    Doch, irgendwie schon. Deine Gefühle sind mir fremd.

    Guido Westerwelle stand wie kaum ein anderer Politiker für die Freiheit des Individuums und für politischen Wettstreit. Er kämpfte gegen staatliche Bevormundung und gegen Protektionismus. Allein deswegen ist sein Tod ein großer Verlust, besonders für die politische Landschaft. Wer indes als Bürger auf staatliche Fürsorge und Regelung seines Lebens hofft, der wird wie Du in der Tat schnell von der Politik enttäuscht. Den Wert von Freiheit erkennen viele leider erst, wenn sie sie nicht mehr haben. Wir sind gerade auf dem besten Weg dorthin. Jedes Ausscheiden von Politikern mit freiheitlicher Gesinnung beschleunigt diesen Prozeß.
     
  11. grün

    grün Benutzer

    Das stimmt schon. Vielleicht habe ich mich etwas "dämlich" ausgedrückt. Natürlich hat Westerwelle schon irgendwo in der Politik "groß mitgemischt", aber hat nicht wirklich etwas erreicht. Das wollte ich damit eigentlich sagen, mehr nicht. Natürlich ist jeder Tod bedauerlich.

    Insofern: R..I.P.
     
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  12. ricochet

    ricochet Benutzer

    Allerdings, er war aber auch ein begnadeter Selbstdarsteller. Oft hatte man den Eindruck die One-Man-Show war ihm wichtiger als die Inhalte, für die sich die Partei stark machte. Das änderte sich erst nach der Stabsübergabe an Rösler, von da an wirkte er staatsmännischer und zurückhaltender.
     
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  13. DPITTI

    DPITTI Benutzer

    Heute früh kam im News Jurnal von RTL2 nochmal das Gespräch vom November mit Herrn Westerwelle.Mein Beileid!
     
  14. doglife

    doglife Benutzer

    Gar nicht, "Dia Soze sen Schofsegel!", ein typisch schwäbisch-christdemokratischer Maultaschen-Bonaparte, der eines mit F. J. Strauß gemein hatte: Seinen politischen Auftrieb durch Korruption.
    Er habe Lothar Späth für einen armen Schlucker gehalten, begründete Lothar Strobel 1991, Manager der Blendax-Zahnpasta-Fabriken, seine Freundschaftsdienste für den damaligen Ministerpräsidenten.
    Laut einer vom Stuttgarter Staatsministerium zusammengestellten Liste flog das Cleverle bis 1987 mindestens 26mal mit Daimler-Jets.
    Schmiergelder ändern keineswegs die Gesinnung von Politikern - sie belohnen sie, sagte mal jemand.
    Nachdem er 16000 von 27000 Beschäftigten bei Jenoptik entlassen hatte, war er angesehen, wie nie zuvor.
    Das Paradebeispiel, wie aus einem Flachmann ein Ballon wird, wenn Hewlett-Packard seinen Wind hineinbläst.
    Die Stadt Ulm hat ihm den Science Park zu verdanken, für die er als Ministerpräsident "unschätzbare Dienste" leistete. Dafür wurde er zum Ehrenbürger ernannt.

    Befremdliches für einen Politiker (Plagiate, Hitlerdrogen, Kinderpornos etc.) fällt mir nicht ein.
    Aber zum Abschied ein gelungenes Zitat aus seinem Buch 1992 Der Traum von Europa:
    "Nicht Beethovens Ode An die Freude ist die wahre Hymne des heutigen Europa, sondern Schuberts Unvollendete."
     

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