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Hey Radiojournalisten - Arbeit für Euch! Wer stoppt Juncker beim Geld-Verschleudern?

Dieses Thema im Forum "Auszeit" wurde erstellt von XXLFunk, 04. Oktober 2011.

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  1. XXLFunk

    XXLFunk Gesperrter Benutzer

    Notkredite für Griechenland
    Juncker signalisiert Zahlungswillen

    Die dringend benötigten Notkredite für Griechenland sollen fließen: Eurogruppen-Chef Juncker hat Zahlungen für November in Aussicht gestellt - auch wenn das Land seine Sparziele zunächst nicht erreicht.
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,789695,00.html

    Bitte recherchiert und beantwortet die folgende Frage: Wenn wird das Land, das wie fast alle Wirtschaftsexperten sagen, sowieso pleite geht, vorher noch mit über 400 Mrd. Euro - die Hälfte davon aus Deutschland - unterstützt? Einen sichereren und sinnloseren Weg, schnell viel Geld zu versenken, gibt es doch nicht.
     
  2. Sargon

    Sargon Benutzer

    AW: Hey Radiojournalisten - Arbeit für Euch! Wer stoppt Juncker beim Geld-Verschleude

    Hey XXLFunk,

    es ist ein bisschen naiv anzunehmen, irgendein Journalist könne Juncker dabei stoppen. Abgesehen davon hat Spiegel online die Geschichte sehr plakativ dargestellt, ohne die Einzelheiten zu erläutern. Es ist schon seit Monaten klar, dass Griechenland das Defizit von 7,4 Prozent nicht erreicht, sondern eher bei 8,x landet. Davon sind die Euro-Finanzminister schon länger ausgegangen. Bei den vereinbarten Sparzielen handelt es sich auch nicht um ein bestimmtes Defizit, sondern eher darum, dass Griechenland alle von der Troika empfohlenen Sparmaßnahmen umsetzt. Deshalb hat sich an der Ausgangssituation nicht viel geändert.
    Bleibt also noch der Punkt, dass "fast alle Wirtschaftsexperten" sagten, Griechenland gehe "sowieso pleite". In den Medien tummeln sich zurzeit viele angebliche und selbsternannte Experten, die natürlich gerne und viel zitiert werden, wenn die Berichterstattung wie in manch einem Artikel in eine bestimmte Richtung gedrängt werden soll. Es gibt genau so viele Experten, die das Gegenteil behaupten. Ob die fianzielle Unterstützung für Griechenland also hilft, den Euro zu retten, kann wohl niemand genau sagen.

    Da ich davon ausgehe, dass den meisten Journalisten sowieso fachliche Kenntnisse fehlen, um zu beurteilen, welche Experten wirklich auch solche sind, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als möglichst ausgeglichen Experten beider Seiten zu Wort kommen zu lassen.
     
  3. Hinhörer

    Hinhörer Benutzer

    Es ist – wie eigentlich fast immer – eben nicht so schwarz/weiß...

    Es hilft, sich immer mal wieder in Erinnerung zu rufen, daß Geld i d R eben nicht verbrennt oder versinkt, sondern allen Ausgaben auf der einen Seite Einnahmen auf einer anderen Seite gegenüberstehen.

    Man sollte sich also vor allem fragen, wer denn die Gläubiger der Griechen sind, denen nun zu einer Rückzahlung ihrer Kredite verholfen wird. Und da stellt sich heraus, daß es zu einem großen Teil deutsche Banken sind, womit sich der Kreis schlösse und das Geld wieder im Lande wäre.

    Wen’s interessiert: Follow the money

    Es ist überhaupt nicht klar, was passiert, wenn Griechenland tatsächlich Insolvenz erklärt. Die Lehman-Pleite hat ja deutlich gezeigt, wie schwer man voraussehen kann, wer wie tief (und über zig Ecken) womit verbunden ist und wen es völlig unerwartet mit nach unten zieht.

    Man kann also tatsächlich auch gute Gründe anführen, warum es das kleinere Übel sein könnte, „den Griechen“ Geld hinterherzuwerfen, einfach, weil man sonst womöglich noch mehr verlöre.

    Ich schreibe im Konjunktiv, weil das so sein kann, nicht muß. Eine nüchterne Diskussion, welche Optionen es gibt und welche Vor- und Nachteile jede von ihnen hat, die würde ich mir sehr wünschen. Aber meine Erwartung, so etwas zu bekommen, ist nicht wirklich groß...
     
  4. XXLFunk

    XXLFunk Gesperrter Benutzer

    AW: Es ist – wie eigentlich fast immer – eben nicht so schwarz/weiß...

    Also ich kenne keine nennenswerten Wirtschaftsexperten, die Griechenland eine ernsthafte Chance geben.

    Wenn deutsche Banken sich verzockt haben, sollen sie gefälligst auch pleite gehen. Die Allgemeinheit ist nicht dafür da, das Geld der Betuchten zu retten!
     
  5. Pfui!

    Pfui! Gesperrter Benutzer

    AW: Es ist – wie eigentlich fast immer – eben nicht so schwarz/weiß...

    Das ist doch das hohle Geschwafel, das man bei SPIEGEL Online immer wieder liest, oder in anderen beknackten Internetforen. Wieso hier?

    Warum ist das hohl? Weil es offenbar von einem Menschen kommt, der ohnehin kein Geld hat, das er anlegen kann. Ergo: sowieso nicht betroffen, da seine mickrigen Steuergroschen nur zu einem mikroskopischen Teil - wenn überhaupt - verloren gehen.

    Wer Geld besitzt und es angelegt hat, der hat sehr wohl grosses Interesse daran, aus dieser Nummer wieder rauszukommen. Und zwar, indem Banken gestützt werden.

    Fazit: Wer meckert, hat sowieso kein Geld und kann es demnach nicht verlieren.
     
  6. Aufgaben des seriösen Journalismus

    Du glaubst, die Allgemeinheit bleibt unbehelligt, wenn die Banken pleite gehen?
    Zur Ausgangsfrage: In der Tat, Arbeit für Journalisten. Aber die Arbeit besteht IMHO eher in der differenzierten Darstellung und Erklärung komplizierter Zusammenhänge als darin, Juncker beim "Geld-Verschleudern zu stoppen". Gleichwohl könnte ich mir letzteren Aufruf in der Tat sehr gut als Schlagzeile in der BILD vorstellen.
     
  7. Regionalfenster

    Regionalfenster Gesperrter Benutzer

    AW: Es ist – wie eigentlich fast immer – eben nicht so schwarz/weiß...

    Oh, jemand ohne private Altersvorsorge? Na sowas!
     
  8. Sargon

    Sargon Benutzer

    AW: Es ist – wie eigentlich fast immer – eben nicht so schwarz/weiß...

    Wie viele Wirtschaftsexperten kennen Sie denn? Und woher? Aus den Medien? Dort gibt es natürlich viele selbsternannte Experten, die gerne schwarzmalen, um ein wenig öffentliche Aufmerksamkeit zu bekommen. :wall:
    Die wahren Experten sitzen beim IWF und der EZB. Und die sind gerade in Athen, um die Bücher zu prüfen, die die so genannten Experten in den Medien noch gar nicht kennen können. Ohne den Bericht der Troika lässt sich überhaupt kein Urteil treffen, wie schlimm es um Griechenland steht.
     
  9. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    AW: Hey Radiojournalisten - Arbeit für Euch! Wer stoppt Juncker beim Geld-Verschleude

    Es steht schlimm um Griechenland. Das sieht man doch schon an den halb zerfallenen Ruinen auf der Akropolis. Nicht mal mehr ihre Häuser können sie in Schuss halten!:D
     
  10. Radiotroll

    Radiotroll Benutzer

    AW: Hey Radiojournalisten - Arbeit für Euch! Wer stoppt Juncker beim Geld-Verschleude

    AUA, der war nicht schlecht.
     
  11. Hinhörer

    Hinhörer Benutzer

    Eine kleine Aufdröselei der vielen Gedankenfäden

    Das sind ja auch zwei verschiedene Paar Schuhe: Griechenland „eine ernsthafte Chance geben“ und „den Euro [...] retten“.

    Was soll es denn heißen, Griechenland eine Chance zu geben? Eine Chance worauf? Irgendwie wird es mit den Griechen ja weitergehen müssen; man kann das Land schließlich nicht in ein Schwarzes Loch stecken. Und die Frage, um die es vor allem geht, ist, wie man so weitermacht, daß möglichst wenig weiterer Schaden angerichtet wird.

    Zu Satz 1: Ja, das wäre tatsächlich das Beste. Wie in der allgemeinen Wirtschaft oder auch in der biologischen Evolution: Was nicht mehr funktioniert und von Besserem ausgestochen wird, sollte nicht künstlich am Leben gehalten werden. Das verlängert das Leiden nur und verschiebt die Probleme auf später (und vergrößert sie dabei im allgemeinen).

    Zumal mir ein Aspekt auch viel zu kurz kommt in der Diskussion: Die griechischen Staatsanleihen sind (für die Griechen) „teuer“, d h, sie haben einen hohen Zinssatz. In diesem hohen Zinssatz ist aber bereits ein höheres Ausfallrisiko eingepreist. Wäre das Ausfallrisiko genauso gering wie das der deutschen Anleihen, wären die Zinsen auch genauso niedrig. Man geht also als Käufer der griechischen Anleihen bewußt das höhere Risiko ein und wird – im Erfolgsfall – mit hohen Zinsen belohnt. Warum nun der Katzenjammer, wenn der Ausfall eintritt?

    Aber zu Satz 2: Es ist – leider – zu kurz gesprungen, einzig „das Geld der Betuchten“ in den Banken zu sehen. Was alles passieren kann, wenn die Allgemeinheit erst mal den Glauben daran verloren hat, daß ihre Ersparnisse in den Banken sicher sind, ist aus der Vergangenheit nur zu gut bekannt. Man braucht sich nur den bank run bei Northern Rock im Jahr 2007 in Erinnerung zu rufen. Was sowas im großen Stil in Deutschland oder Europa auslösen würde, wage ich mir nicht auszumalen.
     
  12. doglife

    doglife Benutzer

    AW: Hey Radiojournalisten - Arbeit für Euch! Wer stoppt Juncker beim Geld-Verschleude

    Griechenland sollte endlich sich selbst überlassen werden, die Drachme wieder einführen und mit Geldabwertungsmethoden ihre Waren verbilligen, um so langsam auf die Beine zu kommen. Vermutlich sehr schmerzhaft für einige aber irgendwann muß die Reißleine gezogen werden, sonst endet der Aufprall - und der kommt unweigerlich - tödlich.

    Ein kleines Problem ist, daß Griechenland so gut wie keine zum Export tauglichen industriellen Produkte hat. Einzig mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen verdienen sie Geld und mit dem Tourismus. Das bedeutet im Grunde, daß all die Milliarden, die als Gehälter und Renten ans Volk verteilt werden - das wiederum diese Milliarden in Konsumartikel steckt, die aus dem Westen importiert werden - ganz sicher hierher zurückfließen.

    Die Investments in griechische Staatsanleihen sollten abgeschrieben werden, ist eh nur Buchgeld, da sehe ich von der Warte eines Normalsterblichen kein Problem.
    Selbst wenn einige Banken dabei untergehen - hierbei handelt es sich in erster Linie um Privatbanken, daher auch der Druck auf Juncker & Compagnons - mit ihnen die private Altersvorsorge einiger FDP-Wähler nebst ein paar Lebensversicherungen, dürfte der Schaden kleiner sein, als wenn der gesamte Euro-Raum implodiert.

    Man bedenke auch: Griechenlands Einwohnerzahl ist in etwa die von Paris mit Vororten.

    Mein Vorschlag:
    1. Stoppt Juncker beim Geld versenken
    2. Stutzt den Börsentradern die Flügel
    3. Führt die Tobin-Steuer ein

    Denn das, was da zur Zeit abgeht, ist pubertärer Vulgärkapitalismus.
     
  13. empire1970

    empire1970 Benutzer

    AW: Hey Radiojournalisten - Arbeit für Euch! Wer stoppt Juncker beim Geld-Verschleude

    Ich kenne andere Möglichkeiten Aber nicht in dieser Höhe. Aber prinzipiell: Die angesprochenen Summen helfen zuerst den griechischen Banken und kommen diesen zugute. Da sollte man den Schnitt ansetzen.
     
  14. chapri

    chapri Benutzer

    AW: Hey Radiojournalisten - Arbeit für Euch! Wer stoppt Juncker beim Geld-Verschleude

    Mit der anfaenglichen Verlogenheit der griechischen EU-Befuerworter steht und faellt jetzt eine ganze Waehrungsunion - und die, die einst gegen den Euro waren, streiten jetzt wieder. Ein Spiegel-Konkurrent hat ueber die Risiken eines "Rauswurfs Griechenlands" geschrieben. Zwar etwa im gleichen flachen Niveau - aber aus anderem Blickwinkel...
     
  15. XXLFunk

    XXLFunk Gesperrter Benutzer

    AW: Hey Radiojournalisten - Arbeit für Euch! Wer stoppt Juncker beim Geld-Verschleude

    Es geht ja nicht nur um Griechenland, sondern um die Frage, wer in den kommenden Jahren noch alles gerettet werden muss, um den eigentlich "überfälligen" Zusammenbruch des derzeitigen Bankensystems zu verhindern. Anders gefragt: Ist dieses System überhaupt noch dauerhaft zu retten? Für was ist eine Rettung Griechenlands langfristig überhaupt gut? Und ist Griechenland überhaupt noch zu retten, oder ist das Land so morsch, dass der Zusammenbruch lediglich verschoben werden kann?

    Fakt ist aus meiner Sicht: Die Finanzbranche hat nach 2008 genauso weiter gemacht, wie in den Jahren zuvor. Bekommen Sie jetzt das Geld der "dummen" Steuerzahler, wird es immer so weitergehen. Dieser "Erpressbarkeit" muss ein Riegel vorgeschoben werden. Deshalb kein Geld für Griechenland oder Frankreichs Banken.
     
  16. XXLFunk

    XXLFunk Gesperrter Benutzer

    AW: Hey Radiojournalisten - Arbeit für Euch! Wer stoppt Juncker beim Geld-Verschleude

    Da bin ich ganz anderer Meinung. Oft hat erst eine informierte Öffentlichkeit die Oberen zu veränderten Handlungen gezwungen. Man kann gar nicht oft genug die Politiker, die seit der Aufnahme Griechenland bis heute durchgehend Verantwortung tragen, mit den Konsequenzen ihrer verbrecherischen Politik konfrontieren. Derzeit sehe ich nicht, dass dies geschieht.
     
  17. XXLFunk

    XXLFunk Gesperrter Benutzer

    AW: Hey Radiojournalisten - Arbeit für Euch! Wer stoppt Juncker beim Geld-Verschleude

    Die Slowaken bringen in ihrer Ablehnung des Rettungspaketes die Argumente gegen die Kredite perfekt auf den Punkt. Hoffentlich bleiben sie hart!
     
  18. Hinhörer

    Hinhörer Benutzer

    Lesefutter für Journalisten, die sich informieren wollen

    The Economist hat hier die zugrundeliegende UBS-Studie ebenfalls aufbereitet. Wer Quellenstudium betreiben möchte, findet z B hier den kompletten Originaltext.

    Daß die Finanzbranche unverantwortlich agiert (und womöglich gar nicht versteht bzw verstehen will, was ihre ach-so-tollen Finanz-Innovationen für Schaden anrichten können), ist unbestritten und aufs schärfste zu kritisieren.

    Ich möchte dennoch darauf hinweisen, daß die Ursache für die gegenwärtige globale (!) Schieflage (und damit der Erpreßbarkeit) in erster Linie darin besteht, daß durch die Bank weg alle Länder fröhlich über ihre Verhältnisse gelebt haben – und immer noch leben. Daß es nun Griechenland erwischt hat, ist mehr oder minder Zufall und eigentlich auch egal, solange es kein Aufwachen gibt, daß man so auf Dauer nicht weitermachen kann. Auch Deutschland nicht, auch die USA nicht. Deren Zusammenbruch unter der Schuldenlast kommt dann eben nur später...

    Wenn man sich das hier ansieht (Quelle)

    [​IMG],

    muß man sich eigentlich nur die Frage stellen, warum keiner die Leute stoppen kann oder will, diese Schulden überhaupt erst mal aufzuhäufen. Denn diese Binsenweisheit gilt einfach universell: Wenn die Länder keine nennenswerten Schulden zu bedienen hätten, könnten sie viel gelassener damit umgehen, was die Bankenbranche so alles ausheckt.

    Unterm Strich: Man hat sich jahrzehntelang damit eingerichtet, über seine Verhältnisse zu leben (mehr auszugeben als einzunehmen), weil die Kredite da waren und nicht über Gebühr weh taten. Und nun wackelt das ganze Gebäude, weil sich keiner überlegt hat, was passiert, wenn das Finanzsystem einfach mal nicht zur Verfügung steht...
     
  19. doglife

    doglife Benutzer

  20. McCavity

    McCavity Benutzer

    AW: Lesefutter für Journalisten, die sich informieren wollen

    Das Grundproblem sehe ich dabei darin, daß diejenigen, die in den Staaten über Budgets zu entscheiden haben, also im Prinzip über's Geld ausgeben, zum Einen zu wenig davon verstehen, *wie* das Geld, das sie ausgeben überhaupt zusammenkommt und auch zu wenig davon, *wieviel* sie tatsächlich ausgeben können: die Steuersysteme vieler Länder sind so kompliziert, daß es (hochbezahlter, der Seitenhieb sei erlaubt) mathematischer Spezialisten bedarf, um Prognosen über die zu erwartenden Staatseinahmen zu erstellen. Das ist möglicherweise sogar ein nichtveränderlicher Fakt, aber damit könnte man umgehen, wenn man, wie vorher gesagt, sparsam mit dem einzunehmenden Geld umginge.

    Das weitaus größere Problem sehe ich darin, daß es auf der einen Seite "unsexy" ist, als Staat Geld auf der hohen Kante zu haben - das, was ein Staat hat, sollte er auch investieren (und wenn's in die Förderung seines Nachwuchses ist). Diesen Gedanken im Hinterkopf, gepaart mit der Tatsache, daß es ja nicht des Politikers eigenes Geld ist, das er aus dem Fenster wirft, halte ich für ursächlich für den oft viel zu oft sorglosen Umgang mit dem Staatsbudget - das Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler und Veröffentlichungen des Bundesrechnungshofes legen beredt Zeugnis von solcher Praxis ab.

    Ein dritte Säule des Problems sollte auch nicht unbeachtet bleiben: Unter den Staaten schuldet irgendwie jeder jedem Geld. Ich habe leider keine aktuellen Zahlen (meine Bildung auf diesem Sektor läßt deutlich zu wünschen übrig), aber ich fände es interessant, einmal zu ermitteln, wer bei wem wie in der Kreide steht - ich befürchte nur, damit wären wir endgültig beim unbeherrschbaren Chaos. Ein Problem von uns als Menschheit, daß wir in der Lage sind, Systeme zu schaffen, die so komplex sind, daß es keinem einzelnen Menschen mehr gelingen kann, sie vollständig zu verstehen...

    LG

    McCavity
     
  21. XXLFunk

    XXLFunk Gesperrter Benutzer

    AW: Hey Radiojournalisten - Arbeit für Euch! Wer stoppt Juncker beim Geld-Verschleude

    Absolut plausibel. Im Fernsehen wird ja manchmal sogar gezeigt, wie uninformiert die Bundestags-Abgeordneten in Abstimmungen, auch budgetrelevante, gehen. Da wird dann einfach mit der eigenen Fraktion gestimmt, anstatt sich - wie die Slowaken es getan haben - mit den Folgen ihrer Entscheidungen auseinander zu setzen. Abgeordneten, die oft fehlen, sollten man automatisch ihren Abgeordneten-Status verlieren. Dann kann es eigentlich Abgeordnete mit Nebentätigkeiten in zweistelliger Anzahl nicht mehr geben.
     
  22. Ammerlaender

    Ammerlaender Benutzer

    AW: Hey Radiojournalisten - Arbeit für Euch! Wer stoppt Juncker beim Geld-Verschleude

    Das ist wohl im deutschen Parlamentarismus so vorgesehen, scheint für alle Ewigkeit zementiert und nennt sich Fraktionszwang. - Wie es ausgeht, davon abzuweichen und dem im Grundgesetz verankerten Gewissen zu folgen, hat doch Herr Pofalla, als rechte Hand einer Frau Merkel, letztens eindrucksvoll bewiesen; dieses Gewissen soll bzw. muss gefälligst beim Eintritt in das Reichstagsgebäude an der Pforte bei der Garderobiere abgegeben werden.

    Ich plädiere ja dafür, dass Abgeordnete neben ihrem Gewissen auch dem Wähler gegenüber verantwortlich zu sein haben. Machen wir uns doch nichts vor, das Wahlvolk wird doch nur gebraucht, um die Personen in den Bundes-(Land-)tag zu hieven. Sind sie dann dort, wird der Kampf für die vor der Wahl genannten Ziele doch sofort eingestellt. Schließ- und endlich will Mann/Frau ja wieder auf einer guten Position auf dem nächsten Wahlzettel stehen. Schlimm daran ist, dass das Volk unter einer Art Alzheimer leidet und die (Un-)Taten schnell vergisst.
     
  23. McCavity

    McCavity Benutzer

    AW: Hey Radiojournalisten - Arbeit für Euch! Wer stoppt Juncker beim Geld-Verschleude

    Ein Fraktionszwang ist - zumindest vom Grundsatz her - alles andere als vorgesehen, strenggenommen sogar Verfassungswidrig:

    Faktisch ist es jedoch so, daß in unserem politischen System auf jeden Fall ein gewisser Druck besteht, mit der eigenen Partei/Fraktion zu stimmen - allerdings ist das ein Indiz für eine Schwäche im System, an der Verbesserung sicherlich gut täte. Ob das allerdings auf Basis von eigener Einsicht möglich ist, bleibt in einer Zeit, in der viele Politik für alle möglichen Zwecke, aber nicht zum Wohl der Allgemeinheit (miß)brauchen, fraglich. Beispiele wie Wolfgang Bosbach im Zuge der Abstimmung zum Euro-Rettungsschirm scheinen heute leider eher eine löbliche Ausnahme, denn die Regel zu sein.

    Ein, wenn auch älterer (17.03.2008), sehr lesenswerter Artikel von der ehemalige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher zum Thema "Fraktionszwang" steht übrigens in der Süddeutschen Zeitung: Fraktionszwang und Abweichler: Das bestrafte Gewissen

    LG

    McCavity
     
  24. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    AW: Hey Radiojournalisten - Arbeit für Euch! Wer stoppt Juncker beim Geld-Verschleude

    Nicht einmal das: Über die Frage, wer in den Bundestag hinein kommt und wer nicht, entscheiden zu 95 Prozent die Parteigremien (durch die Zusammenstellung der Listen und durch die Nominierung der Direktkandidaten).
    Der Wähler beeinflusst dann lediglich die letzten fünf Prozent, nämlich das Plus oder Minus im Wahlergebnis einer Partei, das ihr den Verlust oder Zugewinn von zehn oder fünfzehn Hinterbänklern beschert - mehr isses nicht!
     
  25. empire1970

    empire1970 Benutzer

    AW: Hey Radiojournalisten - Arbeit für Euch! Wer stoppt Juncker beim Geld-Verschleude

    Nein. Jetzt stimmt die bisherige Opposition dafür.
    Schwierig. Die Partei nicht zu vergessen, für deren definierte Politik der Abgeordnete ja steht und gewählt wurde? Der Wähler ist eine in sich undefinierbare Masse mit keinem einheitlichen Willen. Oder soll man in den Wahlkreisen Umfragen durchführen? Und dann auch noch unterscheiden ob es sich um einen wirklichen Wähler der eigenen Person handelt oder um einen, der sein Kreuz bei einem anderen gemacht hat?
    Es klingt so gut und so schön ist aber undurchführbar. In der Demokratie muß man mit gewissen nicht reparablen Mängeln eben leben.
    Ja. Und ich ziehe den Hut vor ihm auch wenn ich seiner Argumentation nicht in allen Punkten folgen kann.
    Da ist etwas Wahres dran. Das Bankensystem muß reformiert werden.
    Für die Banken nicht. Aber für die Staaten und deren Bevölkerung und Industrie!
     

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