1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Hintergrundgespräche und Berufsethos von Journalisten

Dieses Thema im Forum "Auszeit" wurde erstellt von Hinhörer, 22. Dezember 2010.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. Hinhörer

    Hinhörer Benutzer

    Aufhänger dieses Themas ist für mich folgende Wortmeldung eines geschätzten Forenmitglieds:

    Gemeint war folgender Vorgang:

    (Gesamter Artikel hier.)

    Wer – wie ich – mit „unter 3“ nichts anfangen kann, wird z B hier erhellt:

    Hatte ich zunächst, als ich von besagtem Hintergrundgespräch las (und zwar von genau dem Journalisten, den K 6 im Zitat meinte), keine Bedenken, ob das ethisch sauber ist – schließlich ist Vertrauen eines Informanten gegenüber einem Journalisten die Basis dafür, daß letzterer überhaupt Informationen bekommt; einer geschwätzigen Person wird man höchstens einmal etwas Wichtiges sagen –, kommen mir doch langsam Zweifel, ob man sich damit nicht zu sehr korrumpieren läßt.

    Hier hat sich schon jemand Gedanken dazu gemacht:

    Unten gibt es dazu einen Kommentar:

    Und nun kommt Ihr. Wie sollte man Eurer Meinung nach mit einer Einladung zu einem „Hintergrundgespräch“ umgehen? Sich nicht darauf einlassen – auch auf die Gefahr hin, wichtige Informationen nicht zu bekommen – oder hingehen und sich der Gefahr aussetzen, manipuliert zu werden?
     
  2. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    AW: Hintergrundgespräche und Berufsethos von Journalisten

    Das Dilemma ist doch: Wenn ich zu einem Hintergrundgespräch komme, und man teilt mir dort "unter 3" etwas mit, was ich vorher schon längst wusste, - dann ist damit meine vorausgegangene Recherche und mein Informationsvorsprung kaputt gemacht.
    Ebenso verhält es sich, wenn ich nach dem Hintergrundgespräch aus anderen Quellen die selben Informationen bekomme.

    Wenn ein Hintergrundgespräch dazu dient, eine Information zu lancieren, nur der Informant will anonym bleiben, dann haben beide Seiten einen Nutzen.
    Wenn das Hintergrundgespräch aber dazu dient, eine Information unter dem Deckel zu halten, dann hat nur der Informant etwas davon.
    Hintergrundgespräche, die Informationen mit einer Sperrfrist liefern - und diese Sperrzeit ist plausibel begründet (z.B. Sicherheitsinteressen, Gefährdung eines Wirtschaftsdeals etc.) - halte ich für seriös und hilfreich, sofern die Sperrfrist nicht bis zum St. Nimmerleinstag reicht.

    Man sieht, ein Patentrezept für den Umgang mit Hintergrundgesprächen gibt es nicht. Aber man ist als Journalist gut beraten, sich genau zu überlegen, auf welche Hintergrundgespräche man sich einlässt, und auf welche nicht. Das hängt sicher von den Personen ab, die solche Hintergrundgespräche anbieten. Und wer da Missbrauch treibt (bei Bürgermeistern mit Lokalpresse habe ich solche Erfahrungen gemacht), den sollte man schnellstmöglich aus dem Kreis der seriösen Partner streichen.
     
  3. K 6

    K 6 Benutzer

    Noch etwas allgemeiner:

    Irgendwann weiß man mehr Dinge, als man publik machen kann, wenn man nicht seine Quellen selber zuschütten will. Damit muß man umgehen und abwägen, auch mal auf einen ach so tollen Knaller zu verzichten.

    Abwägen heißt dabei übrigens nicht, auf solche investigativen Dinge ganz zu verzichten. Mancherorts scheint es ja schon als Ungeheuerlichkeit zu gelten, etwas anderes als wortwörtliche Übernahmen von Pressemitteilungen zu bringen.

    Unangenehm wird es für mein Empfinden nun, wenn diese Sache formalisiert und institutionalisiert wird. Ich formuliere mal ganz spitz: Wer zu einem formalen „Hintergrundgespräch“ eingeladen wird (im Gegensatz zum kleinen Schwatz am Rande usw.), sollte erschrecken, denn dann ist es eigentlich schon zu spät.

    Und die Berichterstattung über die Bundespolitik braucht man sich ja nur mal anzuschauen. Nicht nur in diesen bunten Spalten grenzt das oft an billigen Kaffeeküchenratsch. Man merkt, wer da zur Szene gehört.

    Lokaljournalismus ist dann noch ein anderes und oft sehr, sehr finsteres Kapitel.
     
  4. Kobold

    Kobold Benutzer

    AW: Noch etwas allgemeiner:

    Mich widert diese Verlogenheit und Tratschkultur richtig an. Ich glaube nicht einmal mehr den sog. seriösen Medien ihre Unabhängigkeit. Das ist hier inzwischen ein solch dermaßen fieser Filz aus materiellen Prioritäten und Auflagesteigerungen und andererseits aus lancierten Informationen als Opium für das Volk, dass man sich nicht lange genug schämen kann.

    Armes Deutschland Ende 2010. Der Journalismus hat sich verkauft. Wirtschaftliche Interessen machen ihn nicht eben glaubwürdiger. Aber da kann man dennoch auf Partys abtanzen und sich selbst feiern. Ich finde es komisch, wenn sich selbst beerdigte Prinzipien eigene Grabfeiern liefern mit Saus und Fete.
     
  5. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    AW: Hintergrundgespräche und Berufsethos von Journalisten

    Letzte Rettung: Wikileaks?
     

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Diese Seite empfehlen