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Hit-Tipp: "Good bye 16 ARD-Radioprogramme" by StoiberSteinbrückMilbradt

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von diestiftung, 11. November 2003.

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  1. diestiftung

    diestiftung Gesperrter Benutzer

  2. Grenzwelle

    Grenzwelle Benutzer

    Für den Radiobereich ist der Kern der Vorschläge die Zusammenlegung der ARD-Klassik- bzw. Kulturprogramme.

    Da wird aber ein Heulen durch die Landesanstalten gehen, denn jede leistet sich, soweit ich weiß, ein eigenes Rundfunkorchester, dessen Existenzberechtigung direkt an die jeweilige Klassikwelle gekoppelt ist.

    Die ARD-Strategen sind der Politik aber scheinbar einen Schritt voraus: Sie bauen ja derzeit ihre klassikdominierten Kulturwellen zu 'tagesbegleitenden' Programmen um, was auch immer das bedeuten mag. Der Vorwurf, der NDR spiele vormittag Mozart und abends Beethoven während es der BR genau umgekehrt tue, zieht dann wohl nicht mehr.

    Immerhin sollen eventuell frei werdende Frequenzen des Deals an das schlecht empfangbare Deutschlandradio gegeben werden (was dazu führen könnte, dass dessen jetzige UKW-Funzeln privaten Anbietern zur Verfügung stünden).
     
  3. Tarzan

    Tarzan Benutzer

    Ja !! Ja !!!!

    Oh Ja ! Das wäre doch eine Reform ganz nach meinem Geschmack. Allerdings, und deshalb hält sich mein Jubel in Grenzen, wird dieser gut gemeinte Vorschlag selbstverständlich so lange zwischen den Ländern hin und her gekegelt, bis nicht eine Kegel mehr umfällt. Die Macht der Landesrundfunk-Anstalten, bzw der Rundfunkanstalten insgesamt, lässt sich eben nicht einfach mit einem Federstrich der Politik zusammenschrumpfen.

    Grundversorgungsauftrag hin oder her - immerhin setzen sich doch die ÖRs dem geregelten Markt aus - ob Radio oder Fernsehen. In der Konkurrenz mit privaten Anbietern setzen sie ganz klare Marketing-Strategien ein, um eine grösstmögliche Resonanz zu bekommen. Aber im Gegensatz zum privaten Anbieter gibt es aus Fehlschlägen (wenig Hörer, wenig Zuschauer) eben keine oder nur kaum Konsequenzen. Eine klare Richtlinie wäre doch dann, den Akzeptanzwert eines Programms zu ermitteln um die Existenz zu rechtfertigen oder den Zwang zu implementiern, wirtschaftlich erfolglose Angebote zu streichen.

    Einzig die Zukunft macht mich noch zum Träumer, dass auch öffentlich-rechtliche Fernseh-Angebote künftig per Digital-Empfang zu Pay-Per-View Programmen ausgewiesen werden können. Dann würde "der Zuschauer" sehr unmittelbar per Fernbedienung "abstimmen" was er denn nun sehen will.

    Danke für die Mühe
     
  4. postit

    postit Benutzer

    Naja, Steinbrück hat mit Miriam Meckel ja ein richtig gutes Pferd im Stall. Aber bis jetzt sind Reformideen noch nicht so gut angekommen. Mal sehen, was die Kooperation mit dem Stoiber-Edi so bringt. Ich denke, dass der Gute ganz einfach eine negative Stimmung bei den Medientagen aufgefangen hat und diese jetzt ganz populistisch ausschlachten will. Nach der Wahl ist vor der Wahl. :D Und da hat er auch noch einen Kollegen aus den neuen BL ins Boot geholt. Übrigens: Der MDR steht von den Finanzen her auf ganz guten Füßen, denen kann niemand unkluges Finanzmanagement vorwerfen. Außer der "Welt" vielleicht, da gab es von ein paar Wochen, anlässlich des Papstjubiläums-Konzertes, einen gehässigen Aritkel.

    Die Forderung, die Kulturwellen zusammenzulegen kann ich nur unterstützen. Aber die Klangkörper sollten nicht zur Disposition stehen. In Zeiten, in denen immer mehr Stadttheater geschlossen werden und die kulturelle Grundversorgung außerhalb der Ballungsgebiete (oder besser: die Besonderheit der kulturellen Landschaft in Deutschland) in Gefahr ist, sollte das kulturschaffende Potential der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten nicht in Frage gestellt werden. Die Klangkörper stehen auch für die Kultur in der Region. Na gut, ich habe mich auch immer gefragt, warum der NDR zwei Sinfonieorchester unterhalten muss (in Hannover und Hamburg), da könnt man sicher straffen. Aber wir müssen aufpassen, dass es hier nicht zu amerikanischen Verhältnissen kommt.
    In der FAZ war übrigens auch ein Bericht zur angedachten Reform:
    http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF4...218674407E91F61710~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Insgesamt: keine schlechte Initiative. Hoffentlich wird das kein Rohrkrepierer.

    Gruß postit
     
  5. Grenzwelle

    Grenzwelle Benutzer

    Klangkörper

    Na für mich passt das nicht zusammen:

    Die Leute geben locker hundert Euro für eine Robbie-Williams-Konzertkarte aus, knausern aber offenbar, wenn das örtliche Rundfunkorchester zu einem Bruchteil des Preises aufspielt. Was vom gemeinen Volk als Kultur verstanden wird, divergiert scheinbar zunehmend von den verfügbaren öffentlich rechtlichen 'Kulturresourcen'.

    Bei ihren Popwellen ist die ARD ja auch nicht besonders zimperlich, diese radikal auf die vorgeblich 'geänderten Nutzungsbedingungen' zu trimmen. Warum sind die Klangkörper da so eine heilige Kuh?

    In der Tendenz wird es in den Kulturwellen ohnehin immer weniger vom 'Klangkörper' zu hören geben, da die örtliche Kulturwelle ja alles fressen muss, was in die durchformatierten 2-4 anderen Anstaltswellen nicht mehr reinpasst. Ich sehe da massive Argumentationsprobleme auf die Verantwortlichen zukommen.
     
  6. diestiftung

    diestiftung Gesperrter Benutzer

    Die Ideen im Wortlaut

    ... ein Service Ihrer stiftung ;)

    (Laut sueddeutsche.de)


    Die Initiative von Bayern, NRW und Sachsen



    I. Die Regierungschefs der Länder beauftragen die Rundfunkkommission der Länder mit der Vorlage eines Rundfunkreformstaatsvertrags, der folgenden Inhalt hat.


    Rundfunk allgemein:
    1. Neue Angebote oder Leistungsausweitungen in Programmbereichen sind künftig generell nur dann zulässig, wenn andere, bisherige Leistungen oder Angebote eingestellt werden (Gebot der Austauschentwicklung).

    2. Für die Finanzierung der programmbegleitenden Online-Angebote wird ein Gebührenanteil von 0,5 Prozent des Anstaltsaufwands festgelegt.

    3. Für die Finanzierung von Marketingaufwendungen der öffentlich-rechtlichen Anstalten und Körperschaften wird ein Gebührenanteil von 1 Prozent des Anstaltsaufwands festgeschrieben (Vorbild HR).

    4. Die Struktur der Rundfunkgebühr wird zur Minderung des Verwaltungsaufwands der Rundfunkanstalten vereinfacht; dies betrifft in erster Linie die künftig nur noch einkommensabhängig zu gewährenden Befreiungen.

    5. Den ARD-Anstalten, dem ZDF und dem Deutschlandradio wird eine Kürzung von 5 Prozent der festen Planstellen innerhalb der nächsten 4 Jahre aufgegeben. Dabei soll keine Verlagerung von Personalkosten auf freie Mitarbeiter im Interesse einer transparenten Personalkostenerfassung stattfinden. Eine entsprechende Obergrenze ist nach dem Beispiel des Staatsvertrags über das Deutschlandradio festzuschreiben. Beim Deutschlandradio werden personelle Doppelstrukturen abgebaut.

    6. Kreditaufnahmen der Rundfunkanstalten werden künftig nicht mehr als bedarfssteigernd berücksichtigt, sondern als zusätzlich zu erbringender Sparbeitrag in der nächsten Gebührenperiode angesetzt.

    7. Die beiden Kultursender Arte und 3Sat werden vereint; die Beteiligung von ARD und ZDF sowie die internationale Zusammenarbeit werden aufrecht erhalten.

    8. Doppelstrukturen bei Phoenix und Kinderkanal sind abzubauen. Dies soll entweder durch Trennung der Verantwortlichkeiten zwischen ARD (Phoenix) und ZDF (Kika) unter Aufrechterhaltung der Zulieferungen oder bei Fortbestand der gemeinsamen Verantwortung durch vereinfachte Verwaltungsstrukturen unter Aufgreifen der KEF-Vorschläge geschehen.

    9. Die Sendezeit des Kika wird auf 6 Uhr bis 19 Uhr beschränkt.

    10. Die Berechtigung von ARD und ZDF zu denn bisherigen zusätzlichen Angeboten (Eins Muxx, Eins Festival, Eins extra, ZDF doku, ZDF-Info, ZDF-Theaterkanal) und die Kooperationsmöglichkeit mit kommerziellen Anbietern entfallen. Die Sonderstellung der öffentlich-rechtlichen Programmbouquets im Kabel wird davon nicht berührt.

    11. Jede Landesrundfunkanstalt soll nur ein landesweites Fernsehvollprogramm analog verbreiten.



    Hörfunk:
    12. Die Landesrundfunkanstalten sollen statt aktuell 61 künftig höchstens 454 Hörfunkprogramme veranstalten (Stand 1995); davon sind 5 deutschlandweit koordinierte, gemeinsame Angebote (zum Beispiel im Klassik- oder Infobereich). Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird aufgefordert, in diesem Rahmen digitale Hörfunkprogramme zu veranstalten, die den Umstieg auf das Digitalradio fördern.

    13. Frei werdende Frequenzen sollen die Empfangsmöglichkeiten des Deutschlandradio verbessern und den Verzicht auf teure Frequenzen mit geringer Reichweite ermöglichen.

    14. ARD und ZDF sollen verstärkt dem deutschen Auslandsrundfunk (Deutsche Welle) zuliefern.

    II. Die Regierungschefs der Länder fordern die Rundfunkanstalten auf, die von der KEF aufgezeigten Wirtschaftlichkeitsreserven auszuschöpfen, insbesondere:

    1. In gleichem Maße Einsparungen bei den Personalaufwendungen wie beiden Progrmamaufwendungen nachzuweisen.

    2. Lohnbestandteil ein gleichem Maß anzupassen, wie es gegenwärtig in der öffentlichen Verwaltung geschieht.

    3. Den erreichten Sparanteil beim Sachaufwand nicht zur Deckung neuer Aufgaben, sondern zugunsten stabiler Rundfunkgebühren einzusetzen.

    4. Klangkörper zu reduzieren und verstärkt in diesem Bereich zu kooperieren.

    5. Bei den alten Versorgungswerken – wie im öffentlichen Dienst – eine Abkoppelung von der Gesamtversorgung zu erreichen.

    III. Die Regierungschefs der Länder beschließen, dass Sponsoring im öffentlich-rechtlichen Rundfunk künftig den Werberegeln unterfallen soll; Ausnahmen sind nur für die in Paragraf 5a RStV genannten internationalen Sportereignisse zulässig.

    IV. Die Regierungschefs der Länder beauftragen die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten bis März 2004 auf der Basis der ins Auge gefassten Strukturreformen die Rundfunkgebühr neu zu berechnen.
     
  7. dudelhuber

    dudelhuber Benutzer

    Zu den Klangkörpern: Ich bin auch dafür, das Kultur öffentlich gefördert wird. Aber dann soll das aus dem Steueraufkommen geschehen. Eine indirekte Kulturförderung über zum Beispiel die Rundfunkgebühr ist unsauber, weil eben indirekt. Sie ist von der Steuersysthematik ungerecht, weil sie pro Haushalt unabhängig von der Höhe des Einkommens gezahlt wird.

    Deshalb ist der "Kulturauftrag" via eigene Orchester eine der typischen Hintenrumtouren der alten Bundesrepublik, mit denen zu Recht gerade aufgeräumt wird. So haben die drei MP's auch in diesem Punkt recht. Natürlich ist es dann auch richtig, die Kutlurwellen zusammenzulegen. Dabei kann man ja abends und morgens regionale Fenster offen lassen, damit der HR die Theaterstücke und Konzerte in Frankfurt und Wiesbaden besrpechen kann.

    Ein selbes System kann ich mir übrigens auch für ein Jugendprogramm mit Kernzielgruppe 14 -25 vorstellen, aber dann wird es hart für die Privaten.

    Warum die drei MP's allerdings ausgerechnet die beiden Deutschlandsradios noch fördern wollen, verstehe ich nicht. Was spricht denn dafür, die freiwerdenden UKW-Frequenzen automatisch den Öffentlich-Rechtlichen zu lassen? Das sind tolle Frequenzen, die man auch Privaten geben kann - zum Beispiel einer privaten News-Kette, wie sie Burda schon immer machen wollte und dann die FAZ versemmelt hat.

    Und die Deutschlandradios mit den zwei Standorten Berlin und Köln sind ohnehin "Parallelstrukturen", die es abzubrechen gilt. Die Programme haben zusammen ja immer noch zu wenig Hörer für eine Welle. Die Berliner Station ist ja der Rest von Rias und DS-Kultur und damit ein typisches Beispiel dafür, dass in den 90ger nix abgeschafft wurde und alles irgendwie weiter geschleift wurde. Weg damit! Ein Deutschlandradio reicht dicke!

    Und wenn die drei Mp's dann auch noch den Anstalten erlauben, mal nicht mit dreizehn Ü-Wägen und Satelittenübrtragungen und zwölf Kamerateams anrurücken, wenn der Ministerpräsident oder ein Parteifreund im entlegensten Winkel des Landes einen politischen Pups lassen, dann kann wirklich gespart werden.

    Übrigens denken wir natürlich nur ans Programm. Wer aber die Anstalten kennt, weiß, dass die eigentlichen Einsparpotentiale in der Verwaltung und der Technik liegen. Und um da dran zu gehen, braucht es wirklichen Druck von Außen. Ein gutes Beispiel, wie das wirkt, ist Radio Bremen. Da wird gerade tief in die Substanz geschnitten und am Ende wird eine Anstalt rauskommen, die dann im Verlgeich zu den anderen Anstalten schlank und modern sein kann - ohne flachen Privatfunk oder Superstar-TV zu machen.
     
  8. postit

    postit Benutzer

    @ Grenzwelle + dudelhuber

    Wenn ihr die Klangkörper abschaffen wollt, dann degradiert ihr den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu reinen Abspielstationen des Angebotes der Plattenlabels. Und diese scheuen das finanzielle Risiko von Einspielungen nicht ganz so populärer Musik immer mehr. Logisch: das sind Wirtschaftsunternehmen und müssen auf Verkaufszahlen achten. Ein Star wie Nigel Kennedy muss sich seine innovativen und kreativen Ausflüge durch die 1001ste Aufnahme der Vivaldi-Jahreszeiten erkaufen. Anne Sophie Mutter ergeht es ähnlich.

    Der NDR (als Beispiel) spielt eine große Rolle in der Förderung neuer Musik ("Das neue Werk", nur Gegenwartsmusik, zahlreiche Uraufführungen). Das Hamburger Orchester ist unter Günter Wand (später Christoph Eschenbach, zukünftig Christoph von Dohnanyi) zu einem der besten Orchester Deutschlands geworden. Daneben bestehen der NDR Chor, die NDR Bigband und die NDR Radiophilharmonie, die ich für überflüssig halte. Aber sie wirkt als "NDR Popsorchester" im Crossover-Bereich und präsentiert Klassik für Jugendliche.

    Ich bleibe dabei: Öfre-Radio hat eine große Aufgabe in der Kulturproduktion. Hochkultur ist immer "von oben" gefördert worden. Populäre Kultur trägt sich selbst (weiter). Sicher: anspruchsvolle Musik ist (und war immer) nur einer Elite zugänglich. Künstlerische Trends setzen sich erst in einem gewissen zeitlichen Abstand zu ihrer Entstehung durch. (Was mussten Mozart, Beethoven oder Schubert zu Lebzeiten kämpfen!) Das hat etwas mit Penetration und Hörgewohnheiten zu tun. Aber sollte man nicht alle Anstrengungen unternehmen, diese Elite zu vergrößern und anspruchsvolle, komplexe Musik möglichst vielen Menschen anbieten? Wenn es die Klangkörper nicht mehr gäbe, wäre das ein weiterer Schritt in den Abgrund der Kulturindustrie! Der Sieg der Dienstleistermentalität!

    Gruß postit
     
  9. Grenzwelle

    Grenzwelle Benutzer

    postit:

    Mein Beitrag war noch kein Plädoyer für die Abschaffung der Klangkörper, sondern soll erstmal Fragen stellen.

    Es ist ja schön, wenn der NDR die klassische Gegenwartsmusik fördert, aber irgendwie klafft da für mich ein großes Loch zwischen Hochkultur und Kommerz.

    Die NDR-Orchester existieren für die Bewahrung der Hochkultur, direkt nebenan macht N-Joy sein Top-40-Programm, in dem junge Pop- und Rockbands abseits der Charts eine gegen NULL tendierende Chance haben. Der Begriff Gegenwartsmusik sollte doch mal etwas weiter und nicht ganz so elitär gefasst werden.

    Bei der ARD sind (im Schnitt) viele Musikrichtungen, trotz großer Popularität, stark unterrepräsentiert. Das Fernsehen bedient sich der Orchester übrigens auch viel seltener als früher. Da kommt in mir schon der Verdacht auf, dass die Klangkörper alte Zöpfe sind, die ein paar graue Eminenzen einfach nicht abschneiden wollen.
     
  10. postit

    postit Benutzer

    @ Grenzwelle

    "Mein Beitrag war noch kein Plädoyer für die Abschaffung der Klangkörper, sondern soll erstmal Fragen stellen."

    Na, das beruhigt mich doch ungemein. Jeder hat nun einmal seine heiligen Kühe. :) Hast du schon einmal an die Bewahrung und Weitergabe kuturellen Erbes gedacht?

    "Die NDR-Orchester existieren für die Bewahrung der Hochkultur, direkt nebenan macht N-Joy sein Top-40-Programm, in dem junge Pop- und Rockbands abseits der Charts eine gegen NULL tendierende Chance haben. Der Begriff Gegenwartsmusik sollte doch mal etwas weiter und nicht ganz so elitär gefasst werden."

    Vermutlich kommen wir weiter, wenn wir von "Szenekultur" statt "Hochkultur" und "Popularkultur" sprechen. Genau deshalb bin ich für eine Zusammenlegung der Spartenprogramme der ARD (das hat aber nix mit der Existenzberechtigung der Klangkörper zu tun, die ja nicht nur Aufnahmen einspielen, sondern auch öffentlich konzertieren). Also: nicht unbedingt weniger Programme, aber stärker differierende, vielfältige Programme mit einer großen technischen Reichweite. Oh, dafür werden mich die Privatradiofreaks steinigen, die auf freie Frequenzen hoffen. :D

    Gruß postit
     
  11. Grenzwelle

    Grenzwelle Benutzer

    Postit, da kommen wir in etwa zusammen.

    Ich habe übrigens noch nie begriffen, warum die ARD nicht wie im TV ein bundesweites attraktives Radiovollprogramm anbietet, zu dem alle Landessender zuliefern. Hier könnten neben guten Infosendungen und Kultur auch wieder echte Radioshows laufen, über die die Nation redet.
     
  12. radiologe

    radiologe Benutzer

    hab ich das richtig mitbekommen?

    wollen die länder genau jene sender einstellen, fusionieren oder abspecken, die für die erfüllung des öffentlich-rechtlichen auftrag sorgen (kultur, information, minderheiten, wissenschaft, etc) und jene sender, die den privaten sehr ähnlich sind, senden in gleicher anzahl und mit gleichem finanziellen aufwand weiter.

    da stellt sich doch die frage, ob damit nicht der öffentlich-rechtliche rundfunk seine existenzberechtigung verliert. formatradio für breite schichten bieten die privaten sender, die öffentlich-rechtlichen sollten genau all jene bereiche abdecken, die die privaten nicht genug oder überhaupt nicht abdecken.


    wenn sich die öffentlich-rechtlichen genau aus diesen bereichen zurückziehen, wozu brauch ich sie dann noch?
     
  13. Tom2000

    Tom2000 Gesperrter Benutzer

    Dieser Vorschlag geht in die richtige Richtung, ist aber zu kurz gesprungen.
    Solange keine klare Grenzlinie zwischen ör und privaten Sendern gezogen wird, und auch den formatbedingt reichweitenstarken Privaten gewisse inhaltliche Mindeststandards abverlangt werden, kommen wir nicht wirklich weiter.

    Mein (Gegen-) Vorschlag daher:

    Eine Frequenzbereinigung findet statt.

    Minisender wie RB oder SR müssen mit angrenzenden Anstalten fusionieren. Regionalprogramme (wie die WDR 2- Regionalnachrichten) werden eingestellt.
    Die Öffis behalten Ihren umfangreichen Auftrag aus Information, Kultur, Bildung und Unterhaltung, müssen aber rein kommerziell angelegte Sender wie NDR 2 einstellen. WDR 2 oder Radio Eins wären ok.
    Werbung und der damit verbundene Sog der Kommerzialisierung wird gestrichen. Die Anzahl der Kanäle wird auf 4 UKW-Programme und 1 MW-Programm festgelegt.

    Die Privaten werden aufgeteilt in reichweitenstarke (AC, CHR) und reichweitenschwächere sowie rechweitenschwache (Sparten-) Programme.

    Erste Gruppe wird in Regionen von 3 Mio. technisch erreichbaren Hörern aufgeteilt. Sie sind zu folgendem verpflichtet:
    -Umfangreiche Rotation (AC: 2000, Top 40: 900 aktive Titel)
    -24 h Livemoderation, kein "Praktikanten-" Radio
    -24 h Nachrichten 3,5 Min. /h
    -12 h Lokalnachrichten 2,5 Min./h
    -(für AC´s) Informationsanteil (ohne Nachrichten) von
    10% des Tagesprogrammes

    Reichweitenschwächere Spartenprogramme (Rock, R&B, Oldies, Newstalk etc.) werden ebenfalls in Sendegebiete von 3 Mio. potentiellen Hörern zugelassen uns dürfen sich zu Networks von max. 3 Sendern (des gleichen Formats) zusammenschliessen. Sie müssen 18 h live "gefahren" werden, sind ansonsten frei von inhaltlichen Vorgaben.

    Reichweitenschwache Formate (Country, Blues, Jazz, Lite Classical) erhalten Sendegebiete von 20 Mio. technisch erreichbaren Hörern und dürfen sich bundesweit zusammenschliessen. Keine inhaltlichen Vorgaben.

    Bisherige Werbebeschränkungen entfallen für alle Privaten.
     
  14. postit

    postit Benutzer

    @ radiologe

    Unterhaltung gehört auch zum Grundauftrag - wird aber im Moment leider nicht optimal interpretiert (meiner Meinung nach). Ich denke, dass die Sparten eigentlich eher von privaten Sendern abgedeckt werden sollten. Da dies aber nicht geschieht muss der Öfre ran, oder es müssen bessere Rahmenbedingungen und Anreize geschaffen werden, um private Spartenprogramme finanzierbar zu machen.

    Die Kulturwellen sind die aufwendigsten und teuersten Programme. Deshalb sollten sie zusammengelegt werden (nicht abgeschafft). Damit wird die Grundversorgung ja nicht in Frage gestellt.

    @ Grenzwelle

    Das interessiert mich aber: wie soll sich deiner Meinung nach eine Radioshow anhören (und welche Elemente enthalten), damit die Nation darüber spricht? Das ist ja Revolution: Radio zum aufhorchen und zuhören! Und das auch noch für die Masse! :)

    Gruß postit
     
  15. postit

    postit Benutzer

    Auch in Schleswig-Holstein meldet frau sich zu Wort: Reduktion auf 6 Landesrundfunkanstalten gefordert. Da scheint sich ein sensationeller, parteiübergreifender Konsens zu bilden!

    http://www.netzeitung.de/medien/261404.html

    Gruß postit
     
  16. Grenzwelle

    Grenzwelle Benutzer

    Postit,

    keine Ahnung, wie man so eine Radioshow macht, bin ja nicht vom Fach :).

    Aber wenn das Radio Moderatoren vom Format Jauch oder Gottschalk hätte, wäre sicher vieles möglich. In anderen Ländern klappt's ja auch.

    Wenn Radio im Internetzeitalter eine Chance haben will, muss es dahin kommen, dass die Leute gezielt um x Uhr ins Auto steigen oder zu Hause den Empfänger einschalten, um auf der Fahrt ihre Lieblings-Radioshow nicht zu verpassen. Zumindest sollte das der Anspruch sein, wobei die ARD hier die Schrittmacherfunktion übernehmen muss.
     
  17. Pitt

    Pitt Benutzer

    Habe eine noch ganz andere Idee. Im Fernsehen. Schaffung eines Fernsehprogramms ARD 2, indem alle Dritten aufgehen. Regionalinfos bis um 21 Uhr, danach ein überregionaler Superspielfilm. 23 bis 24 Uhr wieder regional. Ab 24 Uhr wieder zusammen.
     
  18. Sachsenradio2

    Sachsenradio2 Benutzer

    Zm Thema Rundfunkgebühren...was ja irgendwie hier rein paßt, steht ein Artikel in

    Spiegel-Online
     
  19. Sachsenradio2

    Sachsenradio2 Benutzer

    Mit den Forderungen der MPs wird doch das Kind mit dem Bade ausgeschüttet...
    Einsparpotentiale würden sich meiner Meinung nach ergeben:
    Deutschlanradio zieht unter EIN Dach nach Berlin oder Köln, die beiden Programm bleiben und profilieren sich untereinander stärker, als bisher.
    Oder: Ein ARD-weites Inforadio, das aus dem DLF hervorgeht und für eine gewisse Zeit (beispielsweise 15 Minuten/ Stunde) regionalisiert wird. Auf D-Radio werden weitere starke Wortformate angeboten, wie sie derzeit auf DLF und D-Radio zu hören sind (Wissenschaftssendungen, Reportagen, Features...). Jede ARD-Anstalt veranstaltet eine Pop-, Service- und Informationswelle (Magazinradio) wie WDR 2 oder Radio 1. Weiterhin gibt es regional unterteilt 2-3 Kulturradios, die ebenfalls stundenweise regionalisiert werden könnten. Diese sollen den unterschiedl. kulturellen traditionen der einzelnen Regionen Rechnung tragen. Weiterhin veranstaltet jede ARD-Anstalt ein regionales typisches 1er Programm. Eine Jugendwelle á la FRITZ wird ebenfalls bundesweit veranstaltet, zum Teil regionalisiert. Damit würden bundesweit 5 Öffis senden, davon allerdings keins im üblichen Dudelfunk-Format. Im TV-Bereich ähnliches Muster wie beim SWR-Fernsehen. Tagsüber gemeinsames Programm, nachmittags, in der Primetime und von 22 bis 23 Uhr regionale Sendungen. Auf den Dritten werden eh viele Wiederholungen des Ersten sowie von 3sat gezeigt, nur zu unterschiedl. Zeiten. Das muss ja nicht sein.
    SR wird mit SWR vereinigt, RB mit dem NDR.
    Die Sender arte, 3sat und Kika bleiben mit verschlankter Verwaltung erhalten. arte wird mit Mitteln der EU zu einem europaweiten Kulturprogramm ausgeweitet. Kika sendet nur bis 19 Uhr.
     
  20. Tom2000

    Tom2000 Gesperrter Benutzer

    ARD und ZDF müssen schon ein erschreckend schlechtes Image haben, wenn in Sachsenradio´s Artikel, der mit einer Meinungsumfrage endet, immerhin 75% der Befragten freiwillig keine Gebühr zahlen würden.
     
  21. postit

    postit Benutzer

  22. dudelhuber

    dudelhuber Benutzer

    sachsenradio

    Eine Bemerkung:
    Das mit dem bundesweiten Infoprogramm funktioniert so nicht.
    1.) Deutschlandradio ist in der Entwicklung zu einem Newsradio noch weit hinter gut gemachten Infosendern einzelner ARD-Anstalten zurück. Hör da mal zum Beispiel B5. Und auch Inforadio Berlin wird in der letzten Zeit besser (wobei man da hört, das die einfach weniger Geld als der BR haben). Die klingen einfach moderner als der betuliche Deutschlandfunk.

    2.) Radio ist ein regionales Medium. Es genügt nicht, wenn du eine Viertelstunde regionalisierst. Was ist, wenn in Berlin das Landesverfassungsgericht den Landesetat kippt oder in Nürnberg ein Mietshaus brennt und es drei Tote gibt. In Berlin bzw Bayern würden diese Meldungen ein viel höheres Gewicht haben als in Schleswig-Holstein. Und zwar gerade bei einem Newsradio die ganze Stunde durch. In den Wirtschaftsmeldungen liegt dem BR Siemens (Firmensitz München) einfach näher als die Howalds Werften.
     
  23. Tom2000

    Tom2000 Gesperrter Benutzer

    Zu Postit / Netzzeitung hab ich jetzt mal eine Anmerkung und ein paar Fragen:

    Schächter:
    "Veränderung des bisher gültigen Verständnisses von Rundfunkfreiheit und Staatsferne"

    Die Politiker sagen doch schon lange in die Gremien, wo es bei ARD und ZDF langgeht. Neu ist doch nur, dass das jetzige Thema dem ZDF-Intendanten überhaupt nicht gefällt.

    Plog:
    "Massivste Eingriffe in Rundfunkverfassung...
    widersprächen aber der verfassungsrechtlich festgeschriebenen Entwicklungsgarantie des öffentlich-rechtlichen Rundfunk"

    Die Politik hätte also nicht mehr die Freiheit, die Programme von ARD und ZDF stark zu reduzieren bzw. komplett abzuschaffen und ein rein komerzielles System zu ermöglichen?
    Wo steht in der Verfassung, Rundfunk müsse zwingend in ör Form sein?
    Sollte die ör Form obligatorisch sein, wieso gilt sie dann nicht für den Printmarkt?
     
  24. LateNightCurry

    LateNightCurry Benutzer

    Sehr geehrte Mitdiskutanten,

    an dieser Stelle der Diskussion sollte einmal darauf hingewiesen werden, dass bei nüchterner Betrachtung von dem voreilig an die Presse lancierten "Rundfunkreformpapier" der Herren Stoiber, Milbradt und Steinbrück (Ministerpräsident Beck hat ausdrücklich trotz "Einladung" nicht unterschrieben!) schon aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht mehr als ein Sturm im Wasserglas übrig bleiben wird. Damit werden sich auch all die hier im Forum so eifrig mit heißer Nadel gestrickten Pläne, wie denn das erlegte Wild "öffentlich-rechtlicher Rundfunk" am Besten unter den Hyänen des privaten Rundfunkmarktes - natürlich bei gleichzeitiger weiterer Anspruchsreduzierung im eigenen Revier - aufgeteilt werden kann, erledigen.

    Es mag ja durchaus Einsparpotentiale - auch in programmlicher Hinsicht - beim öffentlich-rechtlihen Rundfunk geben. Das Bundesverfassungsgericht hat jedoch in ständiger Rechtsprechung unmissverständlich klargestellt, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk "Programmautonomie" besitzt. Aufgrund des Gebotes der Staatsferne ist eine politische Einflussnahme auf Inhalt und auch Anzahl der Programme damit gänzlich ausgeschlossen. Auch die Verquickung von Strukturfragen wie den im Papier diskutierten mit der anstehenden abschließenden Gebührenentscheidung durch die Landtage widerspricht in eklatanter Weise den im Gebührenurteil des Bundesverfassungsgerichts aufgestellten Anforderungen an ein staatsfernes Gebührenfindungsverfahren. Eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die - ohnehin nicht zu erwartende - Umsetzung des "Reformpapiers" hätte daher beste Erfolgsaussichten.

    Abgesehen von den rechtlichen Argumenten sollte zumindest all denjenigen, die schon einmal etwas länger im Ausland weilten, hinreichend deutlich geworden sein, dass das Fernseh- und Hörfunkangebot in Deutschland nicht nur an Quantität sondern in weiten Bereichen auch an Qualität das der meisten Länder bei weitem übertrifft. Italien und die Vereinigten Staaten von Amerika sind nur die augenfälligsten Beispiele, wohin politische Einflussnahme und private Medienkonzentration (Italien) bzw. ein völlig liberalisierter Markt (USA) führen können. Fernsehen und Hörfunk fallen als seriöse Quellen meinungsrelevanter Information in diesen Ländern nahezu völlig aus.

    Da sind selbst 17 € im Monat kein Betrag, für den die Gegenleistung fehlt.

    In diesem Sinne,

    auf ein weiterhin funktionierendes duales System,

    Late Night Curry
     
  25. Tom2000

    Tom2000 Gesperrter Benutzer

    "Aufgrund des Gebotes der Staatsferne ist eine politische Einflussnahme auf Inhalt und auch Anzahl der Programme damit gänzlich ausgeschlossen"

    Also können die Anstalten die Zahl ihrer Programme in völlig eigener Regie permanent ausdehnen???

    "Damit werden sich auch all die hier im Forum so eifrig mit heißer Nadel gestrickten Pläne, wie denn das erlegte Wild "öffentlich-rechtlicher Rundfunk" am Besten unter den Hyänen des privaten Rundfunkmarktes - natürlich bei gleichzeitiger weiterer Anspruchsreduzierung im eigenen Revier - aufgeteilt werden kann, erledigen"

    Bisher verhalten sich doch eher die ör Platzhirsche so, indem sie alles ansich reissen: mehr UKW-Frequenzen wie nötig sowie reichlich Gebühren UND Werbung.
     

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