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Hörerbindung und Programmreformen

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von radiowatcher, 15. Dezember 2003.

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  1. radiowatcher

    radiowatcher Benutzer

    Jeder Sender möchte seine "Stammhörer" behalten bzw. sie an sich binden. Jeder Sender möchte aber auch Hörer dazugewinnen, sie zum Wechseln bewegen.
    Die immer wieder geführte Diskussion über Programmreformen spielt sicher auch bei diesem Thread eine Rolle !
    Interessant ist daher sicher, was genau einen Hörer an seine Station bindet.

    Sicher steht an erster Stelle die Musikfarbe. Eine komplette Veränderung ist riskant, hätte aber das größte Potential , neue zu gewinnen. Interessant ist aber auch, daß der "Stammhörer" ja älter wird und sich sein Musikgeschmack allmählich ändert. Muß der Sender auch "älter" werden ? Oder passt der Hörer seinen Musikgeschmack, vielleicht ohne es zu wollen oder zu merken, der Musikfarbe an ? Anders gefragt, wächst der Sender mit seinen Hörern mit oder umgekehrt ?

    Die Moderatoren spielen sicher auch eine sehr wichtige Rolle. Ich kenne viele, die einen Sender z.Bsp. aufgrund eines ganz bestimmten Morning-Hosts hören, obwohl sie sich mit dem Programm ansonsten nicht allzusehr identifizieren können...so nach dem Gysi-Prinzip "Guter Mann, aber eigentlich beim falschen Sender...".

    Drittens ist da noch das (subjektive) Gefühl, informiert zu sein.
    Wobei dies wie gesagt, sehr subjektiv ist..
     
  2. xeroxtechno

    xeroxtechno Benutzer

    Ich denke nicht, dass ein Sender älter werden muss. Hörer komme und gehen, auch die Stammhörer.
    Es ist zwar wichtig, dass sich ein Sender weiterentwickelt, aber niemand will eine SWR1 Version von bigfm hören (oder umgekehrt).
     
  3. berlinreporter

    berlinreporter Benutzer

    Das war früher so, als Moderatoren es noch schafften, Hörer für ihre Musik zu begeistern. Heutzutage wollen sich die Sender um jeden Preis an das Publikum anpassen - und zwar dem "werberelevanten" Publikum. Logisch, dass der Hörer sich ab einem gewissen Alter nicht mehr wiederfindet. Denn man hat in diesem Alter schon ein gewisses Repertoire an Lieblings-Titeln angesammelt, das man immer wieder hören möchte - und es kommen nur noch wenige neue Titel hinzu. (Genau aus diesem Grunde wird man übrigens uninteressant für die Werbung Treibenden.) Deshalb ist es richtig, was der Techno-Kopierer vor mir schrieb - Stammhörer kommen und gehen, zumindest, wenn man es in Dekaden betrachtet.
    Der Idealfall wäre demzufolge, wenn ein Sender auf Programmreformen verzichten könnte, weil er sich über Jahre so dezent anpasst, dass das positive Image auf die Jüngeren übertragen wird und der altersbedingte Austausch der Hörerschaft fließend von statten geht. Jede abrupte Reform ist nun mal ein Bruch und deshalb auch ein Risiko, weil man - überspitzt gesagt - auf einen Schlag die aktuelle Hörerschaft vergrault und bei Null anfangen muss, eine neue anzuwerben.
     
  4. splitter

    splitter Benutzer

    Re: Re: Hörerbindung und Programmreformen

    das wäre dann das wdr2-phänomen im moment, oder?
    das wurde hier auch schon mal irgendwo geschrieben - das programm ändert sich ständig aber immer in kleinen schritten.
     
  5. Radiocat

    Radiocat Benutzer

    berlinreporter:
    Was Du beschreibst trifft zu, nehmen wir mal das Beispiel SDR1.
    Das war bis Ende der 80er noch ein reinrassiger Seniorensender:
    Deutsche Schlager, Volkstümliches und Evergreens standen ganz oben, dazu entsprechende Moderationen und auch Themen. Gleichzeitig war SDR1 aber auch das Informationsflagschiff der SDR, und auch Hörer mittleren Alters nutzten das Programm z.T. gezielt.
    Nun wurde 1990 das Schlager/Volksmusikprogramm S4 für die Zielgruppe 50+ (Musikfarbe DOM) aus der Taufe gehoben als Mantelprogramm für die bis dahin gestarteten Lokalprogramme "SDR4". Ab 1990 wurde SDR1 folglich nach und nach behutsam verjüngt: Die Informationsmagazine wurden ausgedehnt, die Volksmusik flog schon bald ganz raus, der Anteil englischsprachiger Titel und auch aktueller Musik wurde erhöht, beim Wunschkonzert wurde mehr und mehr auf "moderne" Beteiligungsformen (AB, später auch mail) gesetzt, und zu den Kastelruther Spatzen gesellte sich vermehrt auch Take That und co.

    Der abrupte Schnitt kam dann erst mit der Fusioin zu SWR, als im 1. programm alles rausfolg, was an das alte SDR1 erinnerte: Sie wischen wir spülen und Wolfgang Walker, (die Seniorenkultsendungen) wanderten ins Vierte, doch leider wurde hier auch das Kind mit dem Bade ausgeschüttet: Auch die anspruchsvolleren Spartensendungen des abends und am WE flogen mit raus.
    Dafür fanden Sendungen und Bestandteile wie auch Mods aus SDR3 hier Asyl (zum Teil auch eine Standortfrage, da SWR3 ja aus Baden-B. kommt).
    Die restlichen Ex-SDR1 Hörer der alten Garde wurden somit konsequent ins Vierte übernommen (wo sich der großteil von ihnen auch wohlfühlt), in SWR1 finden sich dafür die älteren der SDR3-Hörer wieder.
    Nur für die Informations/Qualitätshörer von SDR1 und die jüngeren SDR3-Fans gibts leider nix vergleichbares mehr. Die blieben auf der Strecke!
     
  6. radiowatcher

    radiowatcher Benutzer

    @ radiocat:

    Die Ö/R´s haben da ja auch weniger ein Problem, weil sie mehrere Schienen für verschiedene Altersgruppen haben. Und diejenigen Anstalten, die ein viertes Programm haben, haben´s eigentlich besonders leicht und müßten alle Altersgruppen abdecken können. Etwas schwieriger wirds für die Sender, die 3 Musikprogramme haben. Da fallen dann schon mal die Volksmusik-Fans oder die Kids leicht raus...

    Meine Frage richtete sich allerdings vorrangig an die Privaten, die mit einem Programm soviele Hörer in der "werberelevanten" Zielgruppe binden müssen, wie irgendmöglich. Und die stehen wahrscheinlich ständig im Spagat, die Stammhörer zu halten und gleichzeitig trotzdem "nachwachsendes Potential" zu rekrutieren...
     
  7. Radiocat

    Radiocat Benutzer

    Oder sie haben es so bequem wie FFH, die sich dank der Landesmedienanstalt auch drei Programme leisten können:
    Eins für die Jungen, eins für die Masse der jungen Erwachsenen und Hausfrauen und eines für die "leicht angegrauten".
     

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