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Imageschädigend?

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von der beobachter, 03. Oktober 2003.

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  1. der beobachter

    der beobachter Benutzer

    [size=3]Hörfunkreporter wird Journalistenpreis wegen "Kampagnenjournalismus" aberkannt [/size]

    Köln (dpa) - Wegen seines Engagements gegen Globalisierung ist dem Kölner Journalisten Werner Rügemer der bereits zugesagte Hörfunkpreis des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU) aberkannt worden. Rügemer habe sich als Aktivist in einer Sache betätigt, über die er auch berichtete, und damit gegen Prinzipien journalistischer Arbeit verstoßen, sagte der Vorsitzende der Preisjury, Hagen Beinhauer, nach VKU-Angaben vom Donnerstag. Es könne nicht der Sinn eines Journalistenpreises sein, "Kampagnenjournalismus" zu befördern.

    Rügemer warf der Jury dagegen "Heuchelei" vor. Sie vertrete eine "klinisch reine Auffassung" von Journalismus, die nichts mit der Realität zu tun habe. "Ich verstehe mich auch nicht als neutral, sondern trete für das ein, was ich als richtig erkannt habe", sagte Rügemer.

    Der mit 3000 Euro dotierte Preis war Rügemer zunächst für einen Bericht über das so genannte Cross-Border-Leasing zugesagt worden. Bei diesem umstrittenen Finanzkonzept werden städtische Unternehmen an US-Investoren vermietet. Diese zahlen die Miete für mehrere Jahre oder Jahrzehnte auf einen Schlag, zugleich mietet die Stadt die Anlage zurück. Da solche Geschäfte in den USA steuerlich begünstigt werden, können beide Seiten davon profitieren.

    Trotz der Aberkennung des Journalistenpreises blieb die Jury bei ihrem positiven Urteil über den eingereichten Beitrag: "Wenngleich eine Tendenz gegen das Cross-Border-Leasing herauszuhören war, so war der Beitrag keineswegs einseitig", betonte Jurychef Beinhauer.

    Der Preis wird jährlich in vier Kategorien vergeben. Ausgelobt wird er vom VKU in Köln und den rund 980 Stadtwerken in Deutschland für Berichte über kommunale Ver- und Entsorgungsunternehmen. Die Jury-Mitglieder kommen unter anderem von WDR, RTL, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", verschiedenen Stadtwerken und dem Kölner Energieversorger GEW RheinEnergie AG.
    _________________________________________________

    Was ist da eigentlich bitterer:
    Dass ein Radiojournalist - wo eigentlich? - seinen Job so für eigene Überzeugungen benutzt?
    Oder:
    Dass der Beitrag "keineswegs einseitig" war, aber trotzdem aberkannt wurde?

    db
     
  2. Tom2000

    Tom2000 Gesperrter Benutzer

    Bitter ist, dass dieser "Journalist" seine Unabhängigkeit verloren hat.
     
  3. Grenzwelle

    Grenzwelle Benutzer

    Der Begriff Cross Boarder Leasing ist für die Frankfurter ein Reizthema:

    Die hier regierende große Koalition unter CDU-Führung wollte die Frankfurter U-Bahn an ein US-Konsortium verkaufen und zurückleasen. Das ganze sollte still und leise über die Bühne gehen, ohne dass es jemand merkt.

    Die Zurückhaltung ist verständlich, denn das Verfahren birgt einige Risiken.

    Nur durch großes Engagement von Bürgerinitiativen wurde der Vorgang in der Öffentlichkeit überhaupt bekannt. Obwohl ich fast jeden Tag verschiedene hr-Programme höre, gab es dort NIX zum Thema!!!

    Erst jetzt, als die Grünen ihre Gefolgschaft zum Thema aufgekündigt haben, war es dem hr eine Meldung wert.

    Tom, sag mal was willst Du nun eigentlich?

    Journalisten mit Parteibuchmeinung?
    Journalisten mit eigener Meinung?

    Beides nicht? Ich werd nicht schlau draus.
     
  4. Tom2000

    Tom2000 Gesperrter Benutzer

    Mich befremdet nur, wenn ein Aktivist auch noch als Journalist über "seine" Aktion berichtet. Etwas Abstand zu den Themen ist besser.
    Dann kann Münti demnächst auch über den SPD-Parteitag berichten und der VW-Chef berichtet über seine neue Produktpalette.
     
  5. Tom2000

    Tom2000 Gesperrter Benutzer

    Grenzwelle,
    darf ich Dich auch mal was fragen, ganz abseits dieses Themas?
    Welches private Hörfunkprogramm hälst Du für geglückt?
     
  6. Grenzwelle

    Grenzwelle Benutzer

    Ist zwar ziemlich off-Topic, aber eine gute Frage, mit der ich mich als Wahl-Frankfurter und -Hesse beschäftigen muss, wenn beim hr die Hörfunk-Verblödungskampagne weiter über hr3, XXL und vor allem hr1 herzieht.

    Ich finde die kleinen Privaten in Frankfurt recht gut:

    Sky Radio - viel ruhige aber selten schmalzige Musik, gute Nachrichten aus der Welt und Hessen, ohne Sidekick-Generve, im Hintergrund scheppernde Musikbetten etc. Nur die vielen Claims und die Art der gesungegen Jingles sollten sie mal überdenken.

    Frankfurt Business Radio - in Hessen einzigartiges Classic-Rock-Musikformat (das hin und wieder gebrochen wird) und gute Wirtschaftsnachrichten. Keine Claims !!! (Jedenfalls sind mir bisher keine aufgefallen.)

    FFH gilt ja wohl als der Mercedes der Hot-AC-Stationen, ist mir aber in Moderation, Aktionen, Claims viel zu dümmlich. Die Musik ist prinzipiell nicht schlecht, aber auch einfallslos und austauschbar. Also das ist's nicht.

    Planet, RPR eins und Big FM richten sich schon von der primitiven Ansprache her an eine Klientel, mit der ich nichts gemeinsam habe, auch wenn die Musik dort frischer ist als auf den anderen Stationen.

    Tja, das war's auch schon im großen und ganzen, was hier in Frankfurt privat so reinkommt...
     
  7. Makeitso

    Makeitso Benutzer

    Zurück zum Thema und zum Altmeister Hanns-Joachim Friedrichs: [SIZE=3]"Ein Journalist macht sich mit keiner Sache gemein - auch nicht mit einer guten."[/SIZE]
     
  8. Tom2000

    Tom2000 Gesperrter Benutzer

    Danke Grenzwelle,
    da liegen wir übrigens nicht weit auseinander, insbesondere was die qualitative Rang-Reihenfolge betrifft.
     
  9. alqaszar

    alqaszar Benutzer

    @Makeitso, Tom2000

    100% Zustimmung

    Wer seine eigenen Anliegen propagieren will, der soll Bürgerfunk machen.
     
  10. berlinreporter

    berlinreporter Benutzer

    Puristisch gesehen, ist es völlig richtig, die Verquickung der Berichterstattung mit eigenen Überzeugungen abzulehnen. Allerdings frage ich mich, wie neutral ein Journalistenpreis der Ver- und Entsorger der deutschen Kommunen überhaupt sein kann. Das Ganze ist für mich schon per se absurd. Ein Journalistenpreis, der von einer Gruppe von kommunalen Unternehmen ausgelobt wird - einfach albern - bzw. eine schlichte PR-Aktion.
     

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