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Johannes "Jopie" Heesters ist tot

Dieses Thema im Forum "Auszeit" wurde erstellt von Maschi, 24. Dezember 2011.

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  1. Maschi

    Maschi Benutzer

  2. ricochet

    ricochet Benutzer

    Gute Reise, Jopie.

     
  3. BlueKO

    BlueKO Benutzer

  4. Ammerlaender

    Ammerlaender Benutzer

    So senkt sich nun der Vorhang eines langen und sicherlich ausgefüllten Leben wie hier in dem Ausschnitt aus dem Film "Es lebe die Liebe" aus dem Jahre 1943/44 (an seiner Seite Lizzi Waldmüller):
    Beileid seinen Angehörigen.​
     
  5. count down

    count down Benutzer

    Auch mein Beileid.
    Ammer, ein zum Heulen schöner Ausschnitt.
     
  6. RomanMMWallner

    RomanMMWallner Benutzer

  7. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Abgang an Heiligabend - auch in der Schlussszene noch mal ganz großes Theater!
     
  8. ricochet

    ricochet Benutzer

    "Ich hab daar nicht gezongen, das verbiete ich, das ist nicht war"

    (Johannes Heesters rechtfertigt im niederländischen Radio seinen umstrittenen Auftritt im KZ Dachau)

    Bei Jopie wusste man nie, ob er gerade Deutsch oder Holländisch spricht...

    Als Heesters als 107-Jähriger in seinem Heimatort Amersfoort als Überraschungsgast des scheidenden Theaterdirektors auftrat, kam es zu Tumulten und der Bürgermeister verließ aus Protest den Saal. Ein Heesters-Raus-Kommitee machte tagelang Stimmung gegen den betagten Schauspieler. Mit Toleranz und Großmut ist es wohl auch in den Niederlanden nicht weit her.
     
  9. doglife

    doglife Benutzer

    Immerhin soll ihm bei einem Interview der Satz rausgerutscht sein, der Hitler sei ein "guter Kerl" gewesen.
     
  10. BlueKO

    BlueKO Benutzer

    ORF2 hat es heute immerhin geschafft heute das komplette Nachmittagsprogramm auszutauschen und ein 25minütiges Portrait und zwei Spielfilme mit Heesters zu senden.
    Die ARD ist erst morgen mit einem Film soweit. Und beim ZDF hat man sich nur zu der inzwischen bei diesen Anlässen üblichen 15minütigen Sendung mitten in der Nacht durchringen können... :rolleyes:
     
  11. doglife

    doglife Benutzer

    Ich habe mein komplettes Nachmittagsprogramm übern Haufen geworfen und Jopies buchgewordene Gedächtnisakrobatik "Auch 100 Jahre sind zu kurz - Die Erinnerungen" vorgenommen.
    Daraus diese Geschichte mit Dachau, wo er am 21. Mai 1941 vor komplett versammelter KZ-Wachmannschaft "Die lustige Witwe" gegeben haben soll:

    "Hitlers Vorliebe für ,Die Lustige Witwe` und mich in der Rolle des Danilo machte es mir immer schwerer, die Nähe zu den Mächtigen zu meiden.
    Wenn er seine Lieblingsoperette sehen wollte, wurde ich bestellt oder eingeflogen.
    Ebenso wenig verweigern konnte ich im Mai 1941 eine Besichtigung des KZ Dachau.
    Eines abends erschien die SS, um uns mitzuteilen, daß wir zum Zweck eines Lagerbesuchs am nächsten Morgen gemeinsam abgeholt würden.
    Es gibt zahllose Fotos, die an diesem Tag gemacht wurden. Aber diese Bilddokumente zeigen eines nicht - daß ich dort aufgetreten wäre.
    Daß ich im Konzentrationslager für oder vor jemandem gesungen hätte."

    Na denn, is ja alles in Butter, Martin Luther.
    Unser fescher, famoser Nazissenkavalier war nun mal kein Widerstandskämpfer. Das ist nur allzumenschlich. Nicht jeder ist zum Helden geboren.

    Trotzdem scheinen 368 Seiten seiner Erinnerungsschmonzette, 368 Seiten eiskalter, ungerührter Opportunisten- und Kriegsgewinnlerscheiße einfach zu knapp,
    um im Zusammenhang mit der größten kerndeutschen Menschenmassenabschlachterei der Weltgeschichte auch nur ne halbe Silbe Mitgefühl für die Opfer zu äußern.
    Ich kann die Holländer gut verstehen, daß sie ihn bis zum letzten Tag am liebsten an der nächstbesten Windmühle aufgeknüpft hätten.

    Und noch ein Wort zur"Lustigen Witwe". Auf Seite 69 schreibt Jopie:

    "Von Karl Kraus ist ein Satz überliefert, den er nach der Premiere gesagt haben soll:
    ,Das war das Widerwärtigste, was ich je in einem Theater erlebt habe."
     
  12. laser558

    laser558 Benutzer

    Für die Niederländer gilt er bis heute als Kollaborateur. Der Mann wollte einfach nur als Schauspieler auftreten und spielen, in Deutschland fand er eben ein treues Publikum. Vielleicht ist er zum blauäugigen Gefangenen seiner selbst und seines Berufswunsches geworden.
    Die Wortwahl von doglife ist aber unter aller Würde!
     
  13. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Wir alle hätten natürlich in vergleichbarer Situation widerstanden, unsere Karriere über den Haufen geworfen, uns den Wünschen des Nazi-Regimes verweigert, womöglich auch noch unser Ensemble und alle dort engagierten Kollegen mit in den heroischen Abgang gerissen und wären dann untergetaucht, mindestens, oder hätten zumindest ein paar Verfolgte in unserem Keller versteckt!
    Wie schade, dass wir Heutigen, gradlinig und heldenhaft, wie wir alle sind alle nicht in der Nazizeit gelebt haben, denn dann hätte es sie (die Nazis) gar nicht gegeben.
     
    ricochet, Tweety und Ammerlaender gefällt das.
  14. ricochet

    ricochet Benutzer

    Die Niederländer reiben sich noch heute gern am Schreckgespenst der Naziherrschaft und gehen damit bewusst auf Konfrontationskurs mit den deutschen Nachbarn, die sie ansonsten eigentlich ganz liebhaben. Dass die Deutschen von ihren stets wiederholten Selbstvergewisserungsritualen gar nichts mitbekommen, stört sie nicht. Es gehört vielerorten zum guten Ton, sich in revisionistischen Dauerdiskursen zu ergehen und die zarte Flamme der "Oorlogs-Verklärung" am Flackern zu halten, die überaus identitätsstiftend wirkt. Dass bei diesen Aufrechnungszeremonien oft ein wenig übers Ziel hinausgeschossen wird, liegt auf der Hand. So wichtig Geschichtsbewusstsein und antifaschistische Aufklärungsarbeit auch sind, hier werden oft nur die Schlachten der Vergangenheit geschlagen.

    @Mannis Fan: Gibst wohl gern den Radikalinski...
     
  15. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    @ricochet
    Im Gegenteil, eher den Rationalinsky.
     
  16. ricochet

    ricochet Benutzer

    das klingt schon recht heftig...
     
  17. laser558

    laser558 Benutzer

    Der nachtragende Hass der Niederländer auf die Deutschen rührt noch von der Bombardierung Rotterdams in WWII her, eine halbe Stunde nach der Kapitulation. Die Bomberflotte liess sich damals nicht mehr stoppen.
    Nach dem Krieg kamen diejenigen Deutschen besser davon, die holländisch sprechen konnten. Man hat in den Nachkriegsjahren deutsch aussehende Bahnreisende gezielt "Scheveningen" aussprechen lassen. Wer das kehlige "ch" nicht korrekt von dem Anfangs-"S" trennen konnte, wurde aus dem Zug geworfen.

    Man kann Heesters vorwerfen daß er mit kaum einen Wort auf den Naziterror eingegangen ist. Allerdings nicht in der Wortwahl von doglife.
     
  18. Tweety

    Tweety Benutzer

    Und man kann es Ihnen noch nicht mal verdenken. So langsam stirbt diese Generation aber aus.
     
  19. doglife

    doglife Benutzer

    Lieber recht heftig, als heftig rechts.

    Die deutsche Sprache ist die Orgel unter den Sprachen. - Jean Paul -

    Während ein Kindergarten, unterstützt von braunen Medien und geistigen Brandstiftern, munter am Tausendjährigen Mythos weiterbastelt, unter dem Motto: Wir kneten ein KZ.

    Noch ein Wort zu Jopie:
    Für Schriftsteller/Künstler, die ins Konzept der Nationalsozialisten passten, bedeutete das Verbot/Emigration ihrer Kollegen die Übernahme der „frei geräumten“ Plätze.
    „Da kommen sie nun aus allen Löchern gekrochen, die kleinen Provinznutten der Literatur“, schrieb Kurt Tucholsky.
    Heesters hätte für sein Arrangement mit Nazideutschland etwas Demut an den Tag legen sollen.
    Einfach nur, in seinen weißen Schal hineinmurmeln: "Tschulgung."
     
  20. ricochet

    ricochet Benutzer

    Wie konnte man Deutsche optisch von Niederländern unterscheiden? An der landsmännischen Volkstracht oder an der billigen Aldi-Jacke?
     

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