1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Krise in der Medienbranche

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von radiobayern, 16. Januar 2003.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. radiobayern

    radiobayern Benutzer

    Mal wieder ne Horrormeldung <img border="0" title="" alt="[Entt&auml;scht]" src="frown.gif" />

    10.000 Journalisten bis Jahresende ohne Job

    Bis zum Jahresende werden voraussichtlich rund 10.000 Journalisten arbeitslos sein. Das geht aus einer Einschätzung des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) hervor.
    Krise auf dem Medienmarkt
    Als möglichen Grund für die Krise auf dem Medienmarkt nannte der DJV-Bundesvorsitzende Rolf Lautenbach, dass die Verlage stärker rationalisieren müssten. Bis Mitte 2002 waren nach DJV-Angaben 6000 Journalisten arbeitslos gemeldet. Von den rund 70.000 Journalisten in Deutschland gehören etwa 40.000 dem DJV an.

    Werbekrise Schuld an der Misere
    Die Konjunktur- und Werbekrise habe neben den überregionalen Zeitungen auch die Regionalblätter erfasst. Der Abbau von Arbeitsplätzen in den Redaktionen wirke sich auch auf die Qualität der Berichterstattung aus, sagte Lautenbach.

    Tarifvertragssystem weicht auf
    Viele Verlagshäuser wichen zudem von den Flächentarifverträgen ab. Dagegen könne auch der DJV nichts ausrichten, da bei bewiesener Not auch die Gewerkschaft zu befristeten Öffnungsklauseln bereit sein müsse. Viele Verlage lehnten das Angebot jedoch ab, weil sie ihre Geschäftsbücher nicht öffnen wollten.
     
  2. Newsreader

    Newsreader Benutzer

    Wäre es dabei nicht viel sinnvoller auf Qualität zu setzen, anstatt Leute zu entlassen, um wieder in den grünen Bereich zu kommen?

    Ich mein ich kenn es ja von mir, auch bei uns haben es gerade Einsteiger schwer reinzukommen, auch wenn Sie noch so gut sind.

    Aber irgendwann wird sich die Wirtschaft auch wieder erholen und ich denke Strukturen dann wieder neu aufzubauen ist weitaus schwieriger, als vorhandene beizubehalten oder gar abzubauen.

    Grüße
    Newsreader
     
  3. honk

    honk Benutzer

    moin, moin,

    @ newsreader.
    ich bin bei dir, das es schade ist, wenn man die guten leute ziehen lassen muss.
    doch wann erholt sich der markt?
    und ist es nicht besser, man trennt sich von einigen mitarbeitern, rettet aber dem rest erst einmal den job?

    denn bis der markt sich erholt, ist noch ein langes stück weg (oder etwa nicht?). und für diesen weg braucht man kraft (kapital), denn sonst kommt man nicht ans ziel...
    ich weiß, das ist jetzt sehr allgemein gehalten, aber vielleicht - und das ist ein ernst gemeinter vorschlag - denken wir mal alle darüber nach, was ein unternehmen alles für lasten und gefahren mit sich rumschleppen muss (hohe steuern, hohe sozialabgaben, weniger einnahmen etc.).
    ich will jetzt nicht wieder die "aber der boss fährt einen dicken dienstwagen"-nummer lostreten, sondern fordere einfach mal dazu auf, über die monster hügel nachzudenken, über die ein unternehmen auf dem weg zum ziel hinwegkommen muss.
    es gibt halt nur ein durchkommen oder sterben.
    leider...

    ansonsten kann ich nur dazu auffordern, es weiter zu probieren, flexibel zu sein und vor allem die zeit zu genießen, die man in dieser branche verbringen darf.

    und am ende ist es wie im märchen:
    es ist alles nur eine frage der zeit, denn am schluß wird alles wieder gut - hoffentlich!
     
  4. RadioSuleyman

    RadioSuleyman Benutzer

    die konjunkturflaute ist nur eine willkommene ausrede für die verkleinerung der mannschaften, nicht die primäre ursache.

    der ständige stellenabbau im radio - und übrigens bei den plattenfirmen auch: sony ist gerade dabei, die hälfte der belegschaft zu entlassen, und zwar 3-4 stellen pro woche - ist strukturell und permanent. die trends sind leider eindeutig und unumkehrbar:

    - wer 150 titel spielt, braucht keine teure musikredaktion: weg damit
    - wenn der moderator außer rechner beobachten nichts mehr zu tun hat, kann er auch gleich den job der nachrichtenleser übernehmen (die news werden sowieso von einem externen dienstleister geliefert): weg damit
    - vollautomation und voice-tracking machen viele moderatoren überflüssig: weg damit
    - in hannover haben z.b. die zwei privaten hauptkonkurrenten ihre technik zusammengelegt und outgesourced (soll heißen, die techniker sind jetzt mehr oder weniger unfreiwillig selbständig): weg damit

    und wenn sich die werbebranche irgendwann erholt hat (mitte 2004? dank künasts verbot auf sonderangebote???), glaubt ihr wirklich, die stellen die teuren erfahrenen wieder ein, wenn so viele möchtegern 'radioprofis' bereit sind, für'n appel und 'n ei zu arbeiten? nee, nee, es warten schon zuviele saugünstige, mediengeile teenies - die zudem noch bei mami und papi wohnen und deshalb nur ihre handys und piercings finanzieren müssen - darauf, von der geschäftsleitung ausgebeutet zu werden.

    es soll diverse sender im berliner raum geben, die nur 2-3 feste gehälter bezahlen - der rest besteht aus volontäre und praktikanten. da geht die zukunft hin, meine lieben radiofreunde und freundinnen. zieht euch also warm an. <img border="0" title="" alt="[Entt&auml;scht]" src="frown.gif" />

    salaam von suleymann

    <small>[ 17-01-2003, 11:30: Beitrag editiert von RadioSuleyman ]</small>
     
  5. Newsreader

    Newsreader Benutzer

    @suleymann

    Prinzipiell hast Du recht denke ich, auch wenn ich manche Dinge vielleicht etwas drastisch beschrieben finde ;)

    Aber ich finde es einfach schade, dass manche (nicht alle!) Radiomacher, gerade die in Führungsetagen, ihre Hörer für blöd halten. Als ob ein Hörer nicht hören würde, dass es in der Rotation nur 150 Titel gibt. Beispiel Rockland Rheinland-Pfalz. Der Hörer merkt es sehr wohl! Er merkt es sogar bei größeren Sendern, wo mehr Titel in der Rotation sind, dass oft die gleichen Titel gespielt werden.

    Und ich denke, dass der Hörer es sehr wohl merkt, wenn man bei Moderatoren, News und Themen auf Qualität setzt. Man kann sich da auch wieder streiten, den Geschmäcker sind verschieden, aber Qualität hat bisher immer gesiegt und für erfolgreiche Zahlen gesorgt.

    Alle schreien immer nach der Liberalisierung im Radiomarkt. Ich kann nicht ganz verstehen warum, denn dort wo es viele Sender gibt, gibt es diese ganzen Verunglimpfungen und Jobs entstehen durch das von Suleymann beschriebene Szenario auch nur bedingt bis gar nicht.

    Also ich kann nur sagen: Zurück zu alten Werten. Es gibt sehr wohl Beispiele, wo es mit Qualität funktioniert!

    Grüße Newsreader
     
  6. Gelb

    Gelb Benutzer

    Zugegeben: die Tendenz geht dahin. Aber ganz ohne Personal geht's halt doch nicht. Ergo: nur die besten überleben.

    Eigentlich geht's der Medienbranche noch nicht dreckig genug. Hoffentlich kommen bald Zeiten, in denen niemand mehr nach einem Studium fragt. Wichtig ist (und wird immer sein), daß jemand in seinem Job gut ist, unabhängig von der Berufsausbildung.

    Es kann nicht angehen, daß ein studierter Diplom-Biologe zum Radio geht und ein Volo kriegt, nur weil er studiert hat. Lieber stelle ich einen ein, der nicht studiert hat, aber mehr kann, als 100 Mal den Claim aufzusagen.

    Hoffentlich geht's uns allen bald noch viel schlechter, damit zwar wenige aber dafür nur noch wirklich gute Leute eingestellt werden.
     
  7. RadioSuleyman

    RadioSuleyman Benutzer

    @gelb
    deine blauäugigkeit ist erstaunlich. nicht die besten überleben, sondern die,
    - die die geschäftsführung/programdirektion nicht kritisieren (schafe also)
    - die wenig geld kosten (oder waren alle ffn-abteilungsleiter, die letztes jahr geschasst wurden, schlecht?)
    - die wissen, wo andere ihre leichen im keller haben

    der diplom-biologe bekommt übrigens den volontariat, weil er bewiesen hat, daß er mit wenig geld auskommt (er hat ja die studentenzeit überlebt). als outsider hat er keine ahnung von der branche und kann deshalb nicht auf anhieb erkennen, was alles falsch gemacht wird. und schließlich ist er so dankbar, die stelle zu bekommen, daß er schön das mäulchen hält und unzählige unbezahlte überstunden freiwillig macht. mehr als claimen braucht er auch nicht zu können, da auch nicht mehr von ihm verlangt wird.

    hart, aber leider wahr.

    salaam von suleyman

    <small>[ 17-01-2003, 15:36: Beitrag editiert von RadioSuleyman ]</small>
     
  8. LuLu

    LuLu Benutzer

    Man sollte nicht von einzelnen auf alle schließen.
    Qualität ist weiterhin gefragt. Aber sicher nicht überall.
     
  9. radiobayern

    radiobayern Benutzer

    danke, daß ihr euch so rege zu dem thema äussert.
    für mich wirft dieser artikel allerdings eine ganz andere frage auf:
    was tut der djv eigentlich für die journalisten, ausser dem ausstellen des presseausweises? und insbesondere, was tut er in solch harten zeiten wirklich für seine mitglieder? <img border="0" title="" alt="[Durcheinander]" src="confused.gif" />
    für mich klingt das alles irgendwie nach hoffnungsloser resignation, oder?

    <small>[ 17-01-2003, 18:51: Beitrag editiert von radiobayern ]</small>
     
  10. NewsToUse

    NewsToUse Benutzer

    @RadioSuleymann: </font><blockquote><font size="1" face="Verdana, Arial">Zitat:</font><hr /><font size="2" face="Verdana, Arial">es soll diverse sender im berliner raum geben, die nur 2-3 feste gehälter bezahlen - der rest besteht aus volontäre und praktikanten. </font><hr /></blockquote><font size="2" face="Verdana, Arial">Nur rein aus Interesse. Wie kommst Du zu der Aussage? Weißt Du das sicher, oder hat Dir das jemand gesagt der jemanden kennt, dessen Bruder irgendwo in Berlin bei einem Radiosender arbeitet?

    Ich bin nur neugierig.

    Versuche doch mal Deine Aussage in Bezug aufmögliche Sendernahmen hin zu konkretisieren.

    MfG
     
  11. RadioSuleyman

    RadioSuleyman Benutzer

    @newstosnooze
    2 minisender (1 war nicht immer mini) sind mehr oder weniger allgemein dafür bekannt. wenn du danach fragen mußt, bist du schlecht informiert. ich nehme mir zwar kein blatt vorm suleymund, aber ich weiß genau, wovon ich schreibe.

    salaam von suleyman
     
  12. LuLu

    LuLu Benutzer

    @honk:
    Wie kommst du auf hohe Steuern?
    Deutschland hat die niedrigsten Steuern in Europa.
     
  13. Sonnenschein

    Sonnenschein Benutzer

    Wäre die momentane Krise nicht mal ein Anlaß, um über die Volo-Ausbildung nachzudenken? Schaut euch doch mal an, was die kleinen Sender von ihren Volos erwarten. Mehrjährige Erfahrung als Mod oder Nachrichtensprecher. Im Klartext heißt das doch, daß die Volos vom ersten Tag an ne eigene Sendung haben oder in der Redaktion wie ein voll ausgebildeter Redakteur mitarbeiten. Klar, die Volos kommen sich dabei toll vor. Aber nach dem Volo werden sie nicht übernommen und vergrößern nur das Heer der arbeitslosen Journalisten.
    Vielleicht sollte sich der DJV mal darum kümmern, daß es auch im Privatradio einen einheitlichen Standard für die Ausbildung gibt. Also daß zum Beispiel die Mod-Volos auch mal ein paar Monate in der Redaktion arbeiten, um ein Feeling für die Arbeit zu bekommen. Oder auch auf Lehrgänge und Schulungen geschickt werden, wie es ja auch bei Zeitungen üblich ist.
    Klar, das kostet. Aber letztendlich wäre unserer Branche damit nur gedient. Oder was meint ihr???
     

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Diese Seite empfehlen