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Leidenschaft/Job aufgeben, obwohl gut im Geschäft: Warum?

Dieses Thema im Forum "Auszeit" wurde erstellt von LIVE, 19. Februar 2016.

  1. LIVE

    LIVE Benutzer

    Hallo,

    es geht nicht nur um Roger Willemsen, aber auch. Ich sehe es so, dass er - als Interviewer - glücklicherweise (wenn auch vollkommen zurecht) aus der Sparte (0137, unverschlüsseltes Premiere-Fenster) den Schritt auf die große Bühne (ZDF, Willemsens Woche) geschafft hatte.

    Tja, und nach ein paar Jahren hat er den Interviewer-Part eigentlich komplett aufgegeben - aus freien Stücken. Gut, man mag nun schnell sagen, er war ja ein Multitalent, wollte in die Welt usw. Andererseits ist es - so schön das war - aber eine gewisse Ironie, dass er weiterhin oft am Interviewer-Tisch saß - nur eben auf der anderen Seite.

    Anderes Beispiel: Johannes B. Kerner hat seinen Abschied von der Kommentatorentätigkeit mal damit begründet, er habe halt den Höhepunkt in dem Feld erlebt gehabt und qzasi gedacht, was nun noch kommen solle (er erwähnte, meine ich ein Viertelfinale der EM 2004).

    Gut, wer so handelt, signalisiert auch irgendwo, dass er (ggf. auch sie) es sich leisten kann. Beide Genannten sind weder von der Bildfläche verschwunden, noch gar zum Sozialfall geworden.

    Nun ist es keineswegs so, dass ich nicht selbst mehr und mehr Schattenseiten des Medienschaffens sehen würde, die andere Seite der Medaille. Aber ich fonde es foch verwunderlich und für mich könnte ich es mir nicht vorstellen (mitten im Berufsleben) so einen Schritt zu machen. Wenn man es so weit gebracht hat, wenn man einen so begehrten Job machen kann, vielleicht Jugendträume verwirklichen oder Träume von denen man gar nicht wusste, dass man sie hatte, dann gibt man das doch nicht freiwillig auf - und macht (nur noch) irgendwas Verwandtes. Verrat am Publikum, Undankbarkeit - das wäre sicher zu hart formuliert. Trotzdem ... gut, manche können wohl auch leichter loslassen.

    Welche anderen Beispiele dafür, dass jmd. zumindest scheinbar ohne jede Not einen (glamourösen) Medienjob aufgibt, etwas, dass er in dieser Branche leidenschaftlich machte und vielleicht noch macht. Wisst ihr auch von jmd., der sich da verkalkuliert hat letztlich?

    Bei Marcel Reif z. B. scheint sich`s ja anders darzustellen. Er könnte ja weg von Sky und in Rente gehen. Aber wie er sagte, hat er keineswegs vor, nun irgendwas anderes zu machen, sich vermeintlich selbst zu verwirklichen etc. Eher will er künftig halt woanders kommentieren ...

    Viele Grüße LIVE
     
  2. LIVE

    LIVE Benutzer

  3. count down

    count down Benutzer

    Nein, Kerner hat sich beim ZDF schlichweg verpokert.
    Von wegen...
    Als ihm das ZDF die Tür versperrt hatte, konnte er mal grad seine Latenight-Show bei SAT1 fortsetzen. Mit Quoten, die bei SAT1 eben nur möglich sind: schlechten. Nach reumütiger Rückkehr hat ihn das ZDF wieder beauftragt. Nicht aber mit Sportsendungen, die JBK am meisten am Herz lagen und liegen, sondern als Quiz-Onkel.

    @LIVE, Du kannst davon ausgehen, niemand dieser prominenten Menschen, die sich einen Ausstieg aus dem geliebten Job "leisten" könnten, dies auch wollen. Wenn Du je dort im Scheinwerferlicht gestanden hast, wirst Du niemals sagen, ich kann es mir leisten, nicht mehr dort zu stehen, also gehe ich. Denk bitte an die Gottschalks dieser Welt.

    Roger Willemsen war einer der ganz wenigen, der einen Teil seiner Bühne freiwillig verlassen hatte. @Mannis Fan sagte dazu:
     
    Heinzgen gefällt das.
  4. LIVE

    LIVE Benutzer

    Beiu Kerner irrst du dich. Abgesehen davon, dass es nur ums Kommentieren geht, er hatte das VOR seinem Verpokern, dm Wechsel zu SAT 1 gesagt.
     
  5. count down

    count down Benutzer

    Okay. Wenn Du genau weißt, dass er das vor dem Beginn seiner Vertragsverlängerungsverhandlungen mit dem ZDF gesagt hat, bitte. Wie ungeschickt von ihm.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Februar 2016
  6. Radiokult

    Radiokult Benutzer

    @LIVE
    Der Vergleich hinkt. Willemsens Talkabgang beim ZDF war alles andere als freiwillig, was er auch ab und an in späteren Interviews erwähnte.

    http://www.noz.de/deutschland-welt/medien/artikel/178528/zu-frech-furs-zdf


    Und das ist mit Verlaub, auch ziemlicher Quatsch. Zum einen hatte er auch nach der Zeit beim ZDF noch eine Talkshow im Schweizer Fernsehen und zum anderen würde ich mal empfehlen wenigstens eines seiner Bücher zu lesen. Er hat weiter unzählige Interviews geführt, nur halt ohne laufende Kamera. Radio hat er nebenbei übrigens auch noch gemacht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Februar 2016
    Fall Guy gefällt das.
  7. LIVE

    LIVE Benutzer

    Danke für die interessanten Einschätzungen und Infos. Dass die hinterfragten Überlegungen meinerseits Quatsch seien, sehe ich dennoch nicht so.

    Welcher Vergleich hinkt?
     
  8. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    Wenn man die "Unterhaltungskünstler" mal ausblendet und einfach "ganz normale" Leute fragt, erscheint das "Umsatteln" durchaus in einem anderen Licht. Wie immer in diesem Forum, muß man eigentlich nur Radio hören, um niveauvoll mitreden zu können...

    Mal ehrlich - wer hat noch nie geflucht und sich gesagt: "Eigentlich hätte ich echt Lust auf etwas völlig anderes." (Wer jetzt die alte Textzeile "Ich will raus!" auf den Lippen hat, ist hier genau richtig.)

    Sehr oft wird das nicht gemacht, weil "hinten" viel zu viel dranhängt. Wer tauscht schon die 3000 gegen 300 Bucks? Bei näherer Betrachtung geht es nicht einmal so sehr ums Geld, wenn man sich diese unten verlinkten Beiträge anhört. Denn die Firmen, die sich auf ein solches Experiment einlassen, wissen schon ganz genau, welches "Humanpotential" sie sich damit in die Firma holen und legen durchaus etwas Geld drauf.

    Mit 40-50 eine neue Lehre beginnen? Das ist schon mutig. Aber hört einfach mal rein...

    http://www.srf.ch/konsum/als-grufti-id-stifti


    BTW: Ähm - kann irgendein Sender einen allseitig gebildeten Prakti gebrauchen?

    Nein - war nur Spaß!
     
  9. Radiokult

    Radiokult Benutzer

    Der von Willemsen und Kerner.
     
  10. doglife

    doglife Benutzer

    Anspruchsvolle Unterhaltung zum Ausklang eines Wortgenies

     
    Redakteur, NOWORUKA61 und RadioHead gefällt das.
  11. Heinzgen

    Heinzgen Benutzer

    Ganz ehrlich: Wenn ich am Radiomikrophon oder vor der Fernsehkamera gestanden habe, hatte ich diesen Gedanken nie. :)
     
  12. Beyme

    Beyme Benutzer

    Ich glaube, generell kann die Innensicht sehr von der Außenwahrnehmung abweichen. Diese Fälle, in denen jemand etwas aufgibt, "dass er in dieser Branche leidenschaftlich machte" - vielleicht hat derjenige diese Leidenschaft selbst gar nicht mehr so empfunden? Sondern ist halt so sehr Profi, dass er nur noch leidenschaftlich WIRKT, sich insgesheim aber einen Wechsel wünscht?

    "Das Gras ist immer grüner auf der anderen Seite", ist so ein schönes Sprichwort. Ich war auch schon mal kurz davor, mir einen Weg in die Unternehmenskommunikation zu suchen. Da hat sich aber zum Glück zur richtigen Zeit eine andere Tür im Nachrichtenjournalismus geöffnet.
     
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  13. ValeR46

    ValeR46 Benutzer

    Musst Du auch nicht. Zwerge wissen halt alles besser, machen alles besser, können alles besser. Und ehrlich gesagt, geht mir die Leierei querbeet auf den Senkel. Aber eben, do not feed the troll. Und ich verwende bewusst keine Anführungszeichen. Die sind als Flatrate schon lange ausverkauft. :p
     
  14. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    Ich finde es ja überaus nett, wenn "alte" Postings von mir nach Monaten (oder gar Jahren - liebe Grüße z.B. @BadMoonRising...) Beachtung finden bzw.. auch geliked werden.


    Ich verstehe dich vollkommen, @Heinzgen. Natürlich wird es "beim Radio" nie langweilig, da immer etwas (neues) passiert. Der Radiojob ist daher nicht mit Jobs vergleichbar, bei denen man Tag für Tag (und evt. 45 Jahre lang ) "immer die selben Fressen sieht".

    Mir ist vor ein paar Wochen in Freiburg ein ehemaliger Kollege eines großen Arbeitgebers dieser Stadt über den Weg gelaufen. Ich war bis 2005 dort tätig und er (er)kannte mich auch noch. Wir reden von einer Firma, in der nach "Metall-Tarif BaWü" bezahlt wird. Geld kann man also verdienen. Das ist nicht die Frage. Er hat klipp und klar gesagt, daß es ihn auch nicht "befriedigt", da immer das selbe passiet. Jeder Tag ist wie der gerade vergangene. Das Murmeltier grüßt. Da fahre ich lieber nach Italien und habe meine Ruhe - niemand geht mir auf den Sack. Wenn das Wetter schön ist, kann ich übers WE auch dort bleiben. Ich treffe auch genug "neue" Leute - kein Problem.

    Ich würde heute in dieser Firma langsam aber sicher zugrundegehen. Geld? Ich lebe heute. Die Erfahrung lehrt, daß Staaten ihre Schulden durch Inflation, Währungsreform oder Kriege beseitigen. Eine Immobilie kann man im "Ernstfall" auch nicht mitnehmen. Geld ist also nicht Alles... Es reicht.


    Grundsätzlich bin ich der Meinung, daß es ein großes Privileg ist, beim Radio arbeiten - oder sich dort gar "versenden" - zu dürfen. Man hat eine gewisse Verantwortung - auch beim Privatfunk. Ich habe in den letzten 40 Jahren genug gesehen und gehört. Bei den "irgendwas mit Medien" - Jobs rennen heute genug Pappnasen rum. Eigentlich eine Schande.


    Ich muß mir jedenfalls nichts vorwerfen und bilde mir auch nix weiter ein. :D Ich weiß aber, auf was ich hören muß, wenn ich das heutige Radio (und die Macher dahinter - speziell Musikredaktion) kritisiere!

    (Was man nicht alles so bei einem Umzug findet... Ich habe wegen des Alters sicherheitshalber "Sepia" drübergelegt...;))
     

    Anhänge:

  15. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Wenn Du drei kleine Kinder zu ernähren und eine Immobile abzuzahlen hast, relativiert sich das Argument "Geld ist nicht alles" ziemlich.
    Und nicht vergessen: Nach 25 Jahren auf der einen Seite des medialen Schreibtisches muss es nicht zwingend "langweilig, unbefriedigend, immer dasselbe" sein, wenn man dann mal die Seiten wechselt und sich die Welt aus einer etwas anderen Warte betrachtet. Ich selbst habe jedenfalls meine Wechsel zu einer Unternehmenskommunikation nie bereut. Schon gar nicht, wenn ich sehe, wohin sich die Medien und speziell das Radio in den letzten 20 Jahren entwickelt haben.
     
  16. MegaRadioFan

    MegaRadioFan Benutzer

    Es gibt welche, die sich sagen: ,,Wenn es am Schönsten ist, sollte man aufhören". Aus diesem Grund beenden auch einige ihre Karriere. Wenn man jahrelang dabei ist und das sehr erfolgreich und man merkt, dass die Zeit für einen kommt, dann verlässt man das Rampenlicht lieber, bevor man sich total ,,totsendet", bis der Lack ab ist und man als unerträgliche, nervige Person in Erinnerung bleibt.

    Ich zum Beispiel bin großer Stefan Raab - Fan. Auch wenn mich sein Abschied traurig gemacht hat und er mir sehr in der Medienlandschaft fehlt, muss ich ja dann doch irgendwie einsehen, dass seine Entscheidung gar nicht mal so verkehrt war.
     
  17. ikom

    ikom Benutzer

    Da bin ich bei dir. Bei uns steht Kind #3 im Dezember an und ich stand Anfang des Jahres vor einer wichtigen Entscheidung.

    Bei mir ging es darum ob ich meinen Job in einer Fürhungsposition weiter mache oder den Schritt in die Selbstständigkeit wage.
    Habe mich für Letzteres entschieden und bin seit April in meinen Entscheidungen frei. Trotz anstehendem 3. Kind und Hausbau bereue ich die Entscheidung nicht. Ich muss aber fairerweise auch dazu sagen, dass ich meine Selbstständigkeit nebenbei 2 Jahre lang soweit aufgebaut habe, bis ich an Tag X mit der Selbstständigkeit mind. genau das Einkommen im Monat habe, was ich im festen Job habe/hatte.

    Seither ist eigentlich ALLES besser geworden :)

    Man muss es sich halt immer gut überlegen, aber aus meiner persönlichen Erfahrung muss ich sagen, dass MACHEN fast immer besser ist als nur drüber zu reden. Selbst wenn es nicht immer klappt, aber es ist nie umsonst!
     
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