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Mikrofonkauf: wie entscheiden?

Dieses Thema im Forum "Studio- und Sendertechnik" wurde erstellt von Los-Drahmas, 30. Juli 2012.

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  1. Los-Drahmas

    Los-Drahmas Benutzer

    Hallo,

    auch wenn ich in einem anderen Thread schon gute Tipps bekommen habe, möchte ich noch einmal nachfragen.

    Für Sprachaufnahmen stehe ich vor der Qual der Mikrofonwahl.
    Da ich auf Apple Mac Book arbeite, und die interne on Board Soundkarte natürlich unbrauchbar ist, habe ich mir ein einfaches Focusrite Scarlet 2i2 zugelegt, zunächst mit dem Gedanken, den dort eingebauten Preamp nicht zu nutzen und mir einen besseren aber günstigen Externen zuzulegen.
    An diesem wollte ich vorerst aus Budgetgründen ein Rode NT2 verwenden. Gerade habe ich mir die Sache aber noch mal überlegt. Lange Rode bzw. Rede kurzer Sinn: welche Möglichkeit haltet ihr für die Bessere.

    Lösung 1)
    Focusrite Scarlet nur als Interface (ohne Preamp) benutzen.​
    Günstigen Presonus Studio Channel Amp verwenden.​
    Rode NT2 als Mikrofon.​
    Später ggf. Mikro und Preamp schrittweise gegen Hochwertigeres austauschen.​

    Pro:​
    Analoger Equalizer und Kompressor.​
    Röhre, falls man mal experimentieren möchte.​
    Mikrofon mit umschaltbaren Charakteristiken.​

    Contra:​
    Preamp und Mikrofon aus der Einsteigerklasse (jedoch mit guten Bewertungen).​
    Kostet trotzdem mehr als Lösung 2).​

    Lösung 2)
    Focusrite Scarlet vorerst auch als Preamp nutzen.​
    AKG C214 als Mikrofon.​
    Später besseren, externen Preamp dazu kaufen.​
    Mikrofon dafür heiraten und zunächst behalten.​

    Pro:​
    Mikrofon macht subjektiv betrachtet einen professionelleren Eindruck.​
    Zunächst günstiger als Lösung 1).​

    Contra:​
    Nur Preamp aus dem Interface.​
    Kein analoger Equalizer und Kompressor (dafür dann als Scarlett PlugIn im Logic vorhanden).​
    Keine Röhre.​
    Mikrofon nur Niere.​

    Ich bin Anfänger mit einem tendenziell pathologischen Hang zu möglichst einwandfreier Qualität (im möglichen finanziellen Rahmen) ;). Da es ein Budget gibt, der Ausbau eines Sprecherraumes (anderer Thread) auch schon Geld kostet und ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt ohnehin noch nicht weiß, ob sich die Investition irgendwann mal bezahlt machen wird, will ich nicht unnötig viel ausgeben. (Brauner, Gefell und Neumann fallen damit schon mal weg.)

    Wie ist das AKG im Vergleich zu den oben Genannten allgemein?
    Wie stark muss man das 214er verstärken?
    Ernst gemeinte Frage: wie ist es im Vergleich zum Rode NT2, das ich nicht unterschätzen würde?
    Wie sind PlugIn Equalizer bzw. Kompressoren gegenüber analogen aus einem Preamp zu bewerten? Gibt's da generelle Nachteile?

    Wäre für Ratschläge oder Verbesserungsvorschläge dankbar.

    Danke und beste Grüße
     
  2. Adeptix

    Adeptix Benutzer

    Hallo erstmal,
    also zum experementieren ist ein analoger EQ, Kompressor und co. vorzuziehen finde ich, was die Audioqualität angeht: Ganz klar Plug Ins!
    Da wäre zum einem der Fakt das digitale Plug Ins das Grundrauschen nicht (kaum?!) erhöhen, preiswerte analoge Technik hat genau hier eine ihrer wohl größten Schwächen. Nachteile hat NUR die analoge Technik wenns um die Qualität geht, vielen Plug Ins fehlt halt der charakteristische Klang von analogen Equipment, der, wie ich seit kurzem weiß, (meistens) ausschließlich von technischen Unzulänglichkeiten herrührt. "Nichtfärbende" linearphasige Eqs z.b. sind nur mit Digitaltechnik realisierbar.

    Ansonsten empfehle ich den MicPre den ich auch empfohlen bekam hier, Golden Age Projekt Preamp. Verstärkung reicht für alle erdenklichen Mikrofone, diskreter Aufbau, sehr sehr rauscharm, einstellbare Obertonanreicherung per Transistorschaltung für die oft zitierte "musikalische Wärme".

    EQen würde ich komplett digital mithilfe eine linearphasigen EQ Plug Ins, als analoger Kompressor käme der Really nice Kompressor von FMR in Frage. Das Rode Mikro kann ich durchaus empfehlen, dass AKG kenne ich nicht. Letztlich ist es Geschmackssache, deswegen wird eine Beratung schwierig, ich musste dass leidlich erfahren. :D
    Hier wäre mein Tipp: http://www.rauschenbergstudio.com/Shop/product_info.php?products_id=151 ,
    ich habe es aber noch nicht getestet! Nach Aussage einiger verlässlicher Quellen ein unschlagbar gutes Mic in der "unter 1000 Euro Klasse". Dank Rückgaberecht einen Test wert, aber: Teuer! Mic und Pre würden auf 850 Euro kommen, aber allemale eine der "Budget Lösungen".

    Ansonsten habe ich auch eine Frage an dich: Hast du einen MusicStore um die Ecke oder irgendeinen großen Laden in der Richtung? Dass beste wäre nämlich: Testen! Erst im Laden und dann natürlich zuhause mit dem Equip was man auch sonst hat, das Ergebnis kannst du dann auch auf denen dir bekannten (hoffentlich vorhandenen :D) Studiomonitoren oder auf Hifi-Boxen, Kopfhörern sehr gut beurteilen. 30 Tage Rückgaberecht geben die meisten großen Händler, dass sollte allemale reichen für einen ausgiebigen Test. Also wenns dir wirklich um sehr gute Qualität geht wirst du am Ende vielleicht das gleiche tun wie ich: Doch noch etwas sparen und den Wissenschatz erweitern. ;)
    Und da grade ein guter Preamp und ein gutes Mic fast ewig halten lohnt sich eine größere Investition meiner Meinung nach fast immer, grade wenn man nur richtig Spaß dran hat wenns auch ordentlich klingt, was ja bei dir auch zu stimmen scheint. Achja, weils wieder mal passt: Wer billig kauft, kauft meistens zweimal. Denn alles hat nunmal seinen Preis, entweder in Euro oder in Qualitätsverlust. :p

    Beste Grüße
     
  3. divy

    divy Benutzer

    Es kommt darauf an, was Du damit machen willst. Geht es um Rundfunkbeiträge, würde ich Dir zu Lösung drei raten. Freien, die ständig an den EQ und Kompressoren rumdrehen und trotzdem Matsch abliefern nerven deutlich stärker als solche mit einem sauberen, aber unbearbeiteten Signal. Die Aufnahmen werden sowieso nochmal durch das ganze Soundprozessing des jeweiligen Senders geschickt. Ich würde daher die Variante Mikro-Preamp-Soundkarte vorziehen und dazwischen nichts mehr machen.
     
    Hefeteich gefällt das.
  4. Los-Drahmas

    Los-Drahmas Benutzer

    Hallo,

    danke für Eure Antworten!
    Divy: Primär ginge es um Werbung und Filmvertonung. Rundfunkbeiträge im eigentlichen Sinn, sind nicht der Fall. Hier würde ich, wie du auch schon geschrieben hast, ebenfalls zu einem eher unbearbeiteten Signal tendieren.

    Adeptix: Dass PlugIns vorzuziehen sind, erstaunt mich. Freut mich aber in diesem Zusammenhang, da ich ja bereits die Scarlett PlugIns besitze, die angeblich vom Klang den analogen Hardware EQs/Kompressoren, etc. von Focusrite entsprechen sollen. Ansonsten hast du mir auch mit dem Preamp Tipp schon weitergeholfen. Der Golden Age sieht in der Tat interessant aus. Ich habe gerade bei Tmann geschaut, allerdings ist mir nicht ganz klar wo ich die "Obertonanreicherung" zu oder abschalten kann?
    Wäre die Kombination Rode und Golden Age akzeptabel? (Irgendwo muss ich momentan leider den Rotstift ansetzen.)
    Der Frequenzgang des Rode ist halt nicht unbedingt linear, jedenfalls in der Niere nicht. Kannst du dazu was sagen, klingt die Kugelcharakteristik merklich anders?
    Musicstore leider nicht um die Ecke. Muss ich halt im Internet bestellen und ggf. zurückschicken.

    Abhören würde ich zunächst über einen Beyer DT-990 oder AKG K271 MKII. Linearer soll der Beyer sein, allerdings hat der eine Impedanz von 250 Ohm und das wird mit dem Kopfhörerausgang am Interface nicht funktionieren schätze ich. Jedenfalls nicht ohne zusätzlichen Verstärker.

    Beste Grüße
     
  5. bob7

    bob7 Benutzer

    Hallo! Ich denke der DT-990 wird locker am Interface funktionieren.
    Das RodeNT2a klingt gut, bildet vor allem s-Laute sehr seidig ab, hat jedoch wenig Signalstärke/Empfindlichkeit - rauscht also bei nötiger Verstärkung r e l a t i v heftig.
    Ich würde hier ein deutlich empfindlicheres, lineares Mikro empfehlen, gerade wenn Du schon einen tollen Aufnahmeraum hast. Beste Erfahrung habe ich mit dem Mikrofon "Blue Baby Bottle" gemacht. Das "Violet Black Knight" soll von den Werten ähnlich (linearer Frequenzverlauf sogar besser) sein, habe es aber bisher noch nicht gehört.
    Beide sind ausgesprochen linear, rauschärmst und hochempfindlich (33mV/Pa - Das ist höher als Brauner oder Neumann Standards).
    Liebe Grüße
     
  6. Los-Drahmas

    Los-Drahmas Benutzer

    Hallo,

    danke für die Info. Ein billiger 32 Ohm Sennheiser klingt halt schon relativ leise, daher die Frage nach dem Beyer.
    Ergänzend zu meinen anderen Fragen, würde mich noch interessieren ob jemand das Rode NT1000 im Vergleich kennt?

    Beste Grüße
     
  7. dea

    dea Benutzer

    Aha.
    Immer fein den pauschalen Glauben an Frequenzgang-Schriebse und ein paar in der Praxis praktisch kaum nachvollziehbare Zahlen vorausgesetzt?

    Aha.
    Naja, der Weihnachtsmann ist auch real.
     
  8. Los-Drahmas

    Los-Drahmas Benutzer

    Hallo,

    wie sind die einzelnen technischen Spezifikationen eigentlich zu gewichten bzw. zu werten?

    Ein TLM 102 hat ja zum Beispiel gerade mal 11 mV/PA bei immerhin 12dB-A Eigenrauschen. Hier muss man dann den Preamp dann wohl doch schon etwas aufdrehen.
    Im Gegensatz hat ein TLM 103 23 mV/PA bei gerade mal 7dB-A Eigenrauschen.
    Ein Rode NT1000 hat nur 16mV/PA bei 6db-A Eigenrauschen.

    Machen sich diese Unterschiede in der Praxis tatsächlich proportional zu den Zahlen bemerkbar, oder ist das alles mehr oder weniger Humbug? Was hat es eigentlich mit der Nennimpedanz auf sich? Neumann liegt bei den TLM's bei 50 Ohm, Rode hat teilweise 200 Ohm. Hat das Vor- oder Nachteile?

    Beste Grüße
     
  9. dea

    dea Benutzer

    Wenn du mal bedenkst, dass - 6 dB einer Halbierung der Ausgangsspannung entsprechen, kannst du überschlagen, wie groß die Unterschiede sind. Das sind bei dem, was Großmembraner im Schnitt so auswerfen, echte Witze, über die sich jeder einigermaßen kompetente Preamp schief lacht. Also ist die Empfindlichkeit schon mal für ein Sprechermikrofon kein primäres Ver- bzw. Einkaufsargument.
    Vergleiche dazu auch mal, was Kleinmenbraner oder gar Dynamiker im Schnitt so ausgeben. Da wird am Ende auch keiner sagen, eine Aufnahme wäre "verrauscht", was dann wohl an solchen Zahlen liegen müssen. Klar müssens immer die Preamps stemmen, aber das wird wirklich nur bei Dynamiker wirklich zu einer anspruchsvollen Aufgabe.

    Mit dem Eigenrauschen verhält es sich ähnlich. Alles was bei 10 dB-A liegt, ist schon richtig gut und jeder Kampf um jedes einzelne dB nach unten wird bisweilen schon richtig teuer, ist aber in der Praxis weder nachmess- noch hörbar, denn im Zweifelsfall ist das Grundgeräusch deiner Umgebung schon so hoch, dass es auch 12 dB-A lächelnd verdeckt (wenn es denn lächeln könnte).
    Vielleicht könnte das eine Rolle spielen, wenn du dir eine schalltote Sprecherfolterkabine baust, aber das ist weder human zum Arbeiten, noch klingt es toll.

    Mit den Frequenzgängen und den entsprechenden von den Herstellern veröffentlichten Diagrammen ist ebenso entspannter Umgang zu empfehlen. Über das Verhalten eines Mikrofons gegenüber dessen Umgebung, dem Sprecher bzw. seiner Stimme selbst und der Linearität in Bezug auf den Abstand der Schallquelle (Stichwort Nahbesprechung) zur Kapsel sagen sie nämlich gar nichts aus. Wer auf Linearität geil ist, wird eher über einen Kleinmebraner und da sogar noch eine Kugel nachdenken müssen. Der Rest ist Leben mit Kompromissen und die Suche nach dem, was zur Aufnahmesituation, dem angestrebten Zweck, der Stimme und zum Geldbeutel passt.
     
    Los-Drahmas, Hefeteich und divy gefällt das.
  10. ADR

    ADR Benutzer

    @ Los-Drahmas
    hang zur professionalität und dann noch film und werbevertonung? also wenn ich das lese, kommt keine deiner lösungen in frage. das fängt beim mikrofon an. rode und akg haben auffälligkeiten in den frequenzbildern, die wiederum spezifischen eigenklang machen. und den bekommt man nie raus und passt auch nicht zu jeder stimme. ein grund mehr für neumann. unauffällige frequenzkurven und formbarkeit. zumal überwiegend neumann klang in dem von dir angestrebten bereich angesagt ist. was den prsonus channel angeht, analog ist ja nicht verkehrt aber die preisklasse kann von günstigen, ja sogar freeware plugins geschlagen werden. analoge hardware bringt die gewünschten feinheiten erst ab einer gewissen preisklasse. verstärker und wandler baut rme in hervorragender qualität zu bezahlbaren preisen.
    meine empfehlung: Neumann TLM 102 und RME Babyface, ein analoger verstärker kann ja später dazu kommen ...
     
  11. dea

    dea Benutzer

    Da würde ich aber noch anmerken wollen:

    Wenn es wirklich so ist, dass Geld verdient werden soll (naajaaa....), dann ist es auch immer ganz gut, wenn man etablierte Klamotten in den Referenzen stehen hat. Da schadet es wirklich nicht, wenn Neumann bei "Mikrofon: ..." steht und wenn es dann noch ein TLM-103 wäre.

    Ansonsten kenne ich keinen, der es locker schafft, aus drei Aufnahmen von einem Sprecher, bei denen jewels nur das Mikrofon in der Kette getauscht wurde, die Mikrofone mit Namen und Adresse zu identifizieren. Siehe Äußerungen wie (frei wiedergeben) "Mikrofone von Hersteller XY haben verpopelte Frequenzgänge." Das ist wirklich etwas weit hergeholt.

    Insofern: Sollte die Chance, mit dem (vermutlich noch) Hobby "Sprechen" schweres Geld zu verdienen, nüchtern und ganz real betrachtet (wie so oft) eher nicht bestehen, ist der Griff in den Mikrofonhimmel bei Außenwiderständen > 500 € meiner Meinung nach schnell das Heben eines unnötigen Bruches. Wie schon angesprochen: Ein vernünftiger Vorverstärker (Channelstrip)+Interface will auch bezahlt sein und da stellt sich auch noch die Frage, was man da alles drin haben will/muss, oder ob es getrennte Einheiten oder eine Kombi sein können/müssen.

    Und so ganz nebenbei: Sicher lässt sich ein sauberes und ausgeglichenes Signal eines Mikrofons leichter mit EQs und Prozessoren versauen als ein "schlechtes" verbessern. Aber mal ehrlich: Wozu ein Top-Mikrofon kaufen, um dessen Output später zu de-essen, zu verbiegen und abschließend gegen die Wand zu fahren (gängige Praxis)? Da bleibt von den Qualitäten des teuren Schallwandlers nicht mehr übrig als von denen, die ein anderer hätte.

    Also immer mit der Ruhe! Im Zweifelsfall und bei maximaler Unsicherheit viel Zeit nehmen, einen Musik-/Studioaustatter bereisen, vielleicht einen guten Freund mitnehmen, selbst probieren und das erwerben, was zu einem passt und somit vor allem den Bauch befriedigt. Dann hat man später beim Arbeiten mit dem Teil wohl den meisten Spaß, weil einfach Ruhe.
     
    divy gefällt das.
  12. Pianist_Berlin

    Pianist_Berlin Benutzer

    Kleiner Hinweis: Ich habe ja seit einiger Zeit ein Neumann BCM 104 im Sprecherraum, weil das für mich einige Vorteile hat, somit ist ein etwa zehn Jahre altes TLM 103 samt Spinne in sehr gutem Zustand verfügbar. Also wenn das jemand kaufen möchte, würde ich mich davon trennen. Wäre ja schade, wenn es sich im Schrank langweilt.

    Matthias
     

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