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Music on crete

Dieses Thema im Forum "Radioszene Weltweit" wurde erstellt von Hörnix, 18. September 2002.

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  1. Hörnix

    Hörnix Benutzer

    Hallo, Ihr da draußen
    war dieses Jahr mal wieder auf Kreta und hab mich so durch die insulanische Musikwelt gewurschtelt und muß sagen, was ich hörte, war nicht schlecht:
    Sender, die den ganzen Tag blockweise versch. Musikrichtungen spielen, morgens Pop, mittags Rock
    (alte Sachen) und abends Techno/Trance/Ambient/experimentelle Musik und alles ohne Werbung oder Claims (ununterbrochen und ausgespielt). Selten hörte ich unser kommerzielles, gecovertes, in endloser Rotation befindliches Gedudel (höchstens mal in einem Tourie-Pub, in griechischen Clubs läuft so'n Sch... nicht). Es gibt zwar
    auch sehr viele Sender, die ausschließlich traditionelle Musik spielen, doch diese Musik hat dort einen ganz anderen Stellenwert als bei uns. Selbst Jugendliche stehen auf "Ihre" Musik.
    Warum kann es/wird es bei uns solche Sender nicht geben?
    Ihr Radiomacher/GF's und PD's, macht Euch mal Gedanken....
    Hörnix will endlich wieder Hören, oder muß ich auswandern? :cool:
     
  2. U87

    U87 Benutzer

    Yes !

    Ähnliches gilt übrigens für fast alle anderen Länder auch (ich meine das Radio und die Musik).
    Ein amerikanischer Freund aus Los Angeles war letzte Woche zu Besuch und hat mir ein paar nette MDs mitgebracht. Alles Mitschnitte von regionalen und landesweiten Stationen. Von ständigem Claimen und Station-IDs war da komischerweise fast nichts zu hören. Als er unsere Berliner Stationen hörte, schüttelte er nur den Kopf und sagte "Crap Radio".

    Haben unsere Berater bei ihren Amerika-Besuchen und Seminaren da womöglich was falsch verstanden?
     
  3. Hörnix

    Hörnix Benutzer

    Ja, U87, genauso stell ich mir Radio vor. Doch bei unseren Sendern steht schon lang nicht mehr die Musik im Vordergrund, sondern meines Erachtens ist es nur noch Selbstprofilierung, sich durch ständig wechselnde Claims und beknackten Aktionen in die Ohren der Zuhörer zu drängeln, noch mehr Marktanteile zu erhaschen, um dann bei der nächsten MA als strahlender Sieger dazustehen. Doch es liegt auch an den Hörern selber, sich nur noch berieseln zu lassen und die Möglichkeit zu haben auch sich selbst zu profilieren, in dem sie an jeder Aktion teilnehmen und ständig on Air anrufen. Diese Profilneurose begann mit "Big Brother" und wird noch schlimmere Blüten tragen. In anderen Ländern scheint es diese Neurose nicht zu geben. Hier versteht sich der Sender als Produzent (bei uns Lieferant) und der Hörer als Kunde (bei uns Konsument): konsumiert wird alles, was einen schnell ins Gespräch bringt und der Sender liefert es...
    Was meint Ihr dazu, ist es wirklich so schlimm geworden bei uns, daß eine Rückbesinnung nicht mehr möglich ist?
    Gruß, inzwischen tauber Hörnix <img border="0" title="" alt="[Entt&auml;scht]" src="frown.gif" />
     
  4. Pirni

    Pirni Benutzer

    Vielleicht tritt doch schön langsam eine Besinnung ein, daß die bisherige Radioentwicklung seit 1995 doch nicht das Gelbe vom Ei war:
    Abschaffung jeglicher eigenständiger Sendungen am Tag, sogenannte "Durchhörbarkeit" aber dafür zif-fache Wiederholung vom Musiktiteln, EXTREME Eigenwerbung, EXTREME Nicht-Inhalte und EXTREME Ausdünnung der Musikauswahl.
    3 Krankheiten prägten bisher das Radio: Jugendwahn, Formatzwang und Claimeritis.
    Jedenfalls gärt es hinter den Kulissen und zumindest in Österreich gibt es eine Äußerung eines obersten Privatradio-Bosses: Oliver Pokorny - Vorsitzender des Verbandes der Privatradios und GF der Antenne Steiermark udn der Antenne Kärnten sagte in der Marketing-Zeitschrift A3-Boom: "Formatradio ist tot. Die Zeiten sind vorbei !" Traut sich das in Deutschland noch keiner öffentlich sagen ?
     
  5. Hörnix

    Hörnix Benutzer

    ..nochmal was dazu. Es scheint mir fast, daß einige Sender nur noch ihre Musik als Beiwerk sehen, um ihren Mist an die Leute zu bringen. Und dieses "Beiwerk" ist so von der Musikindustrie gesteuert, daß die Kids, wenn sie einen Titel 3x pro Stunde hören, ja meinen müssen, es läuft die angesagteste Musik, die gerade auf dem Markt ist; und sind dann erstaunt, wenn sie bei Bekannten andere Musik hören. Leute, die wirklich Musik hören wollen, beziehen ihre "Vorlagen" schon lang nicht mehr aus dem Radio. Bekannte, Internet, Szene-Clubs sind die Lieferanten für die Musik. Womit ich wieder beim Theme wäre: auch experimentelle, alternative Musik gehört ins Radio, der Zuhörer sollte sich seine Meinung bilden, was er hören will! Es ist nicht Aufgabe des Radios, diese Meinung zu beeinflussen oder gar zu manipulieren. Hoffentlich stirbt das Formatradio bald!!!! <img border="0" title="" alt="[Ha!]" src="tongue.gif" />
    "Und nun zurück zu den neuesten, hippesten Hits aus unserem reichhaltigen TOP 20-Angebot...."
     
  6. Pirni

    Pirni Benutzer

    @ Hörnix!

    Du sprichst mir aus der Seele ! Ich kann da auch noch ein paar "Beweise" oder halt "Indizien" beisteuern, daß das Radio die Musikkompetenz völlig verloren hat. Mittlerweile ist das System nämlich durchschaut ( hat eh lang genug gedauert !) Diejenigen die glauben, daß das Radio Musik-Trendsetter ist, werden immer weniger.
    Am meisten hat mich schon vor 2 Jahren ein Gastwirt erstaunt: Er hat mich als Diskjockey engagiert und meinte bei Vertragsabschluß: "....und spielen sie ja nicht nur die Radiomusik ! Das kann ja keiner mehr hören !"
    Er wollte unbedingt, daß in seiner Disco gute Scheiben liefen, die NICHT im Radio vertreten sind ! Das wäre dasselbe, wenn er seinem neuen Koch gesagt hätte: Aber bitte keine MC-Donalds-Menues !
    Haben denn die vielen Claims "Der beste Mix aller Zeiten - die besten Mega-Uderbrüber-Hits--usw. denn gar nichts gefruchtet ?!
    Ich beobachte auch bei meinen Söhnen, daß die sich Musik austauschen, die man im Radio überhaupt nicht hört.

    So und jetzt kommt das Dilemma: Die Formatradios haben sich ja hauptsächlich über die Musik definiert ! Die Wortbeiträge wurden ja auf 90 Sekunden zusammengestutzt, um ja nicht zu wortlastig zu werden, um ja gleich wieder mit einem Hitmix on air zu sein. Alle anderen Inhalte, die ein Radio ausmachen, wurden zugunsten der Musik-sendezeit drastisch gekürzt.
    Es gibt kaum noch lange Live-Diskussionen, bei Hörspielen gibts außer 50-Sekunden Kurz-Comedies auch nichts mehr usw.. Moderatoren, die mehr könnten, als nur Claims und Musiktitel ansagen, wurden vergrämt, man setzte alles auf eine Karte: Den besten Formatmusikmix. So - und jetzt beginnt gerade diese Musik im Radio ständig an Achtung zu verlieren. Mein Freund hat ein Autoradio mit 10 CD-Wechsler mit je ca. 150 MP3-Titeln. Mit diesen 1500 Titeln hat er mehr im Auto als die allermeisten Radiosender heute und da wollen ihm die im Radio noch weismachen, er soll sei einschalten wegen ihrer Musik. Manche Radiomacher begreifen noch gar nicht, wie sie ausgelacht werden. Radio ist nur noch NEWS und Verkehrs-ARI, sonst laufen nur noch eigene Tonträger und Saturn verkauft täglich weitere tausende MP3s, CD-Wechsler usw.. Die kaufen das doch nicht, damit sie weiterhin Radio-Claim-Musik hören !
     
  7. radiologe13

    radiologe13 Benutzer

    Ich habe in meiner Umgebung mehrere 12- bis 18jährige junge Damen, die von Hardrock über Havy Metal bis Gothic alles hören. Meine Tochter, 18, hört hauptsächlich Oldies von 1960 - 1980. Die hören überhaupt kein Radio. Wozu auch, Ihre Musik fehlt praktisch ganz. Ich denke, dass der Musikgeschmack viel breiter ist als angenommen, gerade unter der Zielgruppe der Formatradios. Auch hier wird durchaus Kreativität verlangt. Ich denke, es wird sehr schwer, diese Leute, die sich vom Radio verabschiedet haben, jemals wieder davon überzeugen zu können,dass sie auch als Zielgruppe ernst genommen werden.
     
  8. selector

    selector Benutzer

    Neben den schon bekannten Formatradio-ist-tot-Sprüchen nehme ich aus diesem Thread vor allem mit: in Amerika gibt es landesweite Radiosender und auf Kreta sind sie werbefrei. Ah ja.
     
  9. RayShapes

    RayShapes Gesperrter Benutzer

    Da sprecht ihr mir ja mal wieder aus der Seele, ihr Vorredner, auch wenn ich hier mal wieder eine Ausnahme anführen muss: Wenn es darum geht, dass es zu viele junge Sender gibt, oder besser gesagt, solche die sich dafür halten, stimme ich Euch zu. Denn mit „jung“ hat das nun gar nix mehr zu tun, wenn ich z.B. bei Energy einen Song als „den habt ihr garantiert noch nie vorher gehört“ angepriesen bekomme und vorher noch den Slogan „immer die neueste Musik“ oder so ähnlich, dann ist die Erwartungshaltung schon hoch. Und was kommt? Ein Song, der bei einem wirklich innovativen Radio namens Fritz aus Potsdam schon seit Wochen rauf und runter läuft...
    Da wird also immer so eine aufgeweckte Haltung suggeriert, die in Wirklichkeit nicht vorhanden ist und auch nicht erwünscht ist, denn es bedeutet ja auch immer Risiko, sich auch mal auf etwas zu stürzen, was NOCH nicht durch Charts als tauglich „belegt“ ist. Es wird abgewartet bis es soweit ist und man den Titel (tot)spielen kann! Dabei scheint es geradezu einen Wettstreit zu geben, welcher Sender nun welchen Titel am schnellsten totspielt. Entsprechend „positioniert“ man sich dann als das Hitradio oder das Hit-Music-Only-Radio oder... (je nach dem, was aus diesem „breiten“ Spektrum man gerade abnudelt)
    Und andererseits verkauft man sich dann als DAS Markenradio für junge Leute. Das mag ja alles sein! Schön und gut, aber Vorsicht! Mit solch einer Einstellung sind schon ganz andere junge-Leute-Firmen Baden gegangen, weil sie nicht mehr neu und innovativ genug waren (Stichwort: Markenschuhe etc.). Ich weiß, das hört sich jetzt vielleicht etwas überheblich an, aber so ist es nicht gemeint, es ist eine Feststellung.
    Gerade das Radio kann sooo ein gutes interaktives Medium sein (weil es die technischen Möglichkeiten hat, im Gegensatz z.B. zu Schuhherstellern)...
    Da wird also ein Haufen Geld für Gewinnspiele rausgeschmissen, und selbst die Leute vom Jugendmarkenradio, die sich mit Blick auf den Konkurrenten mit den großen 3 Buchstaben damals noch bei manchen Radiosendern mehr wie „in einer Bank“ als beim Radio fühlten, rühmen sich nun mit dem „größten Gewinn der Radiogeschichte“, statt mal was ins junge Programm zu stecken. Nein, da geht’s jetzt schon wieder los mit Geld rein“poppen“ wo es nur geht. Welch Verschwendung!
    Bei manchen Radiosendern (z.B. Fritz) fühlt man sich heute noch wie beim Radio, bei vielen Radiosendern, wie in einer Bank (z.B. Energy)!
     
  10. Hörnix

    Hörnix Benutzer

    @ selector
    Hier gehts doch nicht um Werbefreiheit oder landesweite Sendungen. Hier gehts um die Art der Musik, wann sie gespielt und wie sie rübergebracht wird. Also bitte, ein bißchen mehr
    überlegen und nicht gleich auf Konfrontation gehen. Bin halt leider auch nur ein Hörer, der sich diesen kommerziellen Format-Müll nicht mehr reinziehen will! <img border="0" title="" alt="[Ha!]" src="tongue.gif" />
     
  11. selector

    selector Benutzer

    @ hörnix:
    mir ist schon klar, um was es hier geht. Die Diskussion gab es hier im Forum ja nun schon einige hundert mal in den letzten Jahren.

    Aber wenn hier ausländische Sender als Vorbild genannt werden, dann erlaube ich mir schon mal den Hinweis, dass man mir einen dieser tollen landesweiten amerikanischen Sender erst mal zeigen / nennen möge. Ich höre oft den ganzen Tag übers Netz US-Sender. Die großen Ketten wie ClearChannel, Bonneville oder Cox haben alle klar formatierte Stationen - und senden ausschließlich für die lokalen Märkte, nie landesweit. Mag sein, dass es auf einem der Märkte mit oft 20 oder 30 Sendern auch 1 oder 2 Uni-Radios gibt, wo jeder Moderator spielt, was er will und auf Jingles / Claims verzichtet, aber der Regelfall ist das doch nicht. Hör doch einfach mal bei selbst bei KIIS FM etc. rein. Die streamen inzwischen fast alle wieder übers Netz. Der Normalfall ist doch: zahlreiche verschiedene Sender mit unterschiedlichsten Formaten, aber jeweils streng und klar formatiert. Je mehr Sender im Markt sind, desto strenger.
     
  12. JulioCesar

    JulioCesar Benutzer

    @selector
    Du kommst mir vor wie jemand, der auf der Radio-Marketing-Hochschule war und jetzt rezitiert was er dort von den Gurus gelernt hat.

    Die marktorientierten Programm-Chefs mit ihrer Argumentation, man sei schließlich mit Formatradio erfolgreich, vergessen eines: In einer Welt von ausschließlich formatiierten Musikprogrammen gibt es immer welche, die erfolgreich sind.

    Niemand lässt sich mehr darauf ein, Experimente zu machen. Schuld ist da auch die Werbewirtschaft, die zuviel Druck auf die Sender ausüben.

    Fakt ist aber in der Tat, dass Radio imer häufiger am Arbeitsplatz oder im auto - also nebenher gehört wird. Und da müssten die schlauben Werbe-Päpste auch wissen, dass man gerade da ihre Werbebotschaften nur bedingt aufnimmt.

    Aber ich bin hier zuversichtlich: Lasst die Herren und Damen noch ein paar Jahre experimentieren und alle 6 Monate ihre Claims und Programmschwerpunkte auswechseln. Irgendwann kapieren es schon ein paar von denen, dass der menschliche Musikgeschmack sich eben nicht auf eine Rotation von ein paar hundert Stücken reduzieren lässt.
     
  13. Hörnix

    Hörnix Benutzer

    Danke @Selector,
    für die umfassende Aufklärung, aber 1. ging es bei @U87 nur um Mitschnitte, die keineswegs Aufschluß darüber geben, wie die Sender langfristig senden, 2. geht es um die MUSIK (ist das so schwer zu verstehen) und 3. wenn, wie Du sagst, dieses Thema bereits schon hundertemal diskutiert worden ist und sich bisher immer noch nichts getan hat, dann gute Nacht. Das heißt für mich: selbst wenn es Hunderten von Leuten, die dieses Forum besuchen, so unter den Nägeln brennt dieses Thema immer wieder zur Sprache zu bringen, ES EUCH NICHT INTERESSIERT und WURSCHT ist, was der gemeine Hörer zu sagen hat.
    Danke fürs Gespräch. <img border="0" title="" alt="[W&uuml;tend]" src="mad.gif" />
     

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