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Nachtrag EMA (woran liegts?)

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von Steinberg, 04. Mai 2001.

Status des Themas:
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  1. Steinberg

    Steinberg Benutzer

    die Quoten der NRW-Lokalradios liegen zwischen sagenhaften 44% (Hamm) und müden 15% (Antenne Ruhr).
    Nun bin ich der Meinung, daß es nicht einzig am Programm der Sender liegen kann, warum die Quoten so unterschiedlich sind. immerhin ist die Musik aus einem Guss, die Verpackung größtenteils auch und auch sonst ist ja vieles NRW-identisch.
    Die Frage an das Forum nun:
    Woran liegt es denn noch, daß ein NRW-Lokalsender Erfolg hat, oder eben nicht?

    (mit meiner eigenen Meinung halte ich mch erst mal zurück und warte gespannt auf interessante Antworten und Meinungen)
     
  2. Trainer

    Trainer Benutzer

    Liegt vielleicht nicht nur am PROGRAMM der Sender,aber die Weisheiten und Meinungen zu Promotion,Marketing,Hörerbindung,Inhalten,Imagebildung usw etc pp stehen ja schon grösstenteils anderswo im Forum.

    Was ich zu bedenken geben möchte ist die nachwievor teilweise schlechte technische Reichweite einiger Stationen.Ich will damit nicht behaupten,dass man Antenne Ruhr nicht in Mülheim und Oberhausen empfangen könnte,aber viele kreisweite und sogar Stadtsender sind mit nicht gerade empfangsstarken Radios wie sie der Großteil der Bevölkerung unbestritten verwendet,oft nur sehr schlecht zu empfangen.Es gibt Leute,die von ihrem Lokalsender noch nie etwas gehört haben,weil sie ihn garnicht reinkriegen.
    Auffallend problematisch ist es z.B. immer noch bei Antenne Unna.Möchte annehmen,dass man AU in 40-50 % des Kreises nicht in guter Qualität empfängt.Und das trotz der neuen Frequenz 102,3 , die vielleicht stärker ist als die alte 104,4 , schlauerweise aber am gleichen FMT eingehängt wurde,der übrigens fast ganz am Rande des Kreises steht.
    Da nützt dann ein noch so gutes Programm nix,denn befragt werden bei der EMA doch wohl Leute aus allen Teilen des jeweiligen Verbreitungsgebiets , unabhängig davon ob eine Verbreitung in dem Sinne auch tatsächlich am jeweiligen Wohnort erfolgt.

    Dafür sind ja auch die Programme des WDR teilweise 4 und 5fach zu empfangen.

    Nochmal Unna als Beispiel: EinsLive 104,7 mittel / 105,5 gut / 106,7 gut / 107,9 sehr gut

    WDR 2 87,8 sehr gut / 93,2 gut / 93,5 gut / 94,1 sehr gut / 99,2 gut

    AU 102,3 mittel / 104,4 teilw.schlecht

    Zum Schluss noch was anderes:
    Wenn man die NRW-Locals als landesweites Programm sieht,liegen die ja ganz vorne.
    Gibt es Untersuchungen bei landesweiten Sendern aus anderen Bundesländern über lokale Reichweitenschwankungen ? Vielleicht gibt es das ja auch,dass FFH irgendwo nur 15 % und woanders 45 % hören.Vielleicht hat da jemand Infos ?
     
  3. JB

    JB RADIOSZENE Mitarbeiter

    Hallo Trainer,
    gerade im Falle von Antenne Ruhr kommt das Problem der Identität hinzu. Der Sender sendet für beide Städte, aber der Hörer identifiziert sich immer noch mit seiner eigenen Stadt Mühlheim oder Oberhausen. Man kann zwar Gemeinden politisch zusammenschließen, aber nicht das Identitätsgefühl der Bewohner. Ich denke, daß dieses Problem nach dem Zusammenschluß bei SWR3 auch im Südwesten existiert. Die Mentalitäten sind dort noch viel unterschiedlicher zwischen z.B. Stuttgart, Offenburg oder Mannheim...
     
  4. dertobi123

    dertobi123 Benutzer

    Das Problem der eigentlich nicht zusammen gehörenden Städte Mülheim und Oberhausen ist lange bekannt. Wenn die Westfunk als Betreibergesellschaft und die VG hier den Willen gezeigt hätten, das Programm in zwei verschiedene Sender zu trennen (5 Stünder ?) wäre das politisch sicherlich durchzusetzen gewesen. Meines Wissens hat es diesen Versuch bisher nicht gegeben, und so wird gespart wo es geht (um schwarze Zahlen zu schreiben) und das wirkt sich nunmal auf das Programm aus.
    Ein weiterer Kritikpunkt ist, das auf eigene Recherche, Nachhak-Stories nahezu gänzlich verzichtet wird. Es werden einige Pressetermine wahrgenommen, Telefon O-Töne herrschen aber vor ...
    Ausserdem herrscht die Form des Mod-O vor, daneben Beiträge. Reportagen gibt es nahezu nie, und Kollegengespräche sind auch sehr selten.
    Desweiteren will der Hörer in den Lokalnachrichten nicht hören, was am selben Morgen in der Zeitung steht. Auch das kommt verhäuft vor.
    Der Sparzwangs wirkt sich auch auf die lokale Verpackung (Trailer, etc.) aus. Diese sind im Vergleich zu anderen Sendern a) wenig vorhanden und b) recht einfach nach dem Schema A produziert. Spreche, nen bisschen Musik drunter, am Ende das "Antenne Ruhr - Hörsinnig Gut" von Bodo Venten dran und fertig.
    Und dann kommt noch ein Bürgerfunk dazu, der a) deutlich über die 15% hinaus geht (17 Wochenstunden) und b) teilweise verhallt wird (Die zuständigen Bürgerfunker verstehen das als "Kunstform")(gängige Praxis in einer Radiowerkstatt, erst nur bei einzelnen Sendungen, mittlerweile sogar in einer Kirchensendung) und zusätzlich noch auf einem alten Tape-Deck aufgenommen wird, was einen unvergleichlichen Sound produziert [​IMG]

    Fazit:
    Splittung des Senders, oder alternativ (falls eine Splittung politisch nicht durchsetzbar ist) die Reduzierung des Programms auf 5 Stunden und damit verbunden Frequenzsplitting zumindest in der PrimeTime (Hallo Wach).

    Die Comedy - Das Heimatarchiv von Rene Steinberg (gibt´s das eigentlich noch?) - ist eine lobenswerte Ausnahme ...

    In der Hoffnung fürs erste ausreichend Diskussionsstoff geliefert zu haben,

    Schönes WE

    [Dieser Beitrag wurde von dertobi123 am 05.05.2001 editiert.]
     
  5. Steinberg

    Steinberg Benutzer

    Tobi, mit deiner sehr ausführlichen Kritik am Programm magst du ja möglicherweise nicht so falsch liegen, allerdings glaube ich, daß du Radio aus der Sicht (bzw. Höre) des Machers angehst. Den meisten Hörer ist es doch aber wahrscheinlich egal, wie gut ein Trailer produziert ist. Und auch ob die Nachrichten aus der Zeitung stammen sollte im Radio nicht unbedingt ein Hinderungsgrund sein. Die wenigsten Hörer lesen wahrscheinlich prallel aufmerksam die Zeitung.
    Das Problem der Hörerbindung in den beiden Städten ist da sicherlich entscheidender, aber das haben andere Sender nicht, die ebenfalls eine schlechte Quote haben.
    Radio Köln beispielsweise. Sicherlich ist der Kölner Raum hart umkämpft (RPR und SWR sind dort auch gut zu empfangen) aber eigentlich könnte dieser Sender doch auf eine unglaublich lokalpatriotische Hörerschaft zurückgreifen und damit mordsmäßig punkten. Trotzdem liegen die auch bei ("nur") 20 %.
    Wie sieht es denn aus mit der These, daß eher der ländliche Raum dem Lokalradio mehr Aufmerksamkeit schenkt? (Obwohl ich da bei Düsseldorf gleich in Argumentationsnot komme, aber egal).
     
  6. Trainer

    Trainer Benutzer

    Ich finde,wenn man sich mal alle EMAs seit 92 anschaut,ist das Verhältnis der Lokalsender zueinander,aber auch das Ergebnis in Prozent bei den allermeisten Stationen relativ konstant.

    So z.B. 1992

    Lippewelle Hamm 42
    Radio Bielefeld 37
    Radio Köln 22
    Antenne Ruhr 14


    und dann 1995

    Lippewelle Hamm 29
    Radio Bielefeld 38
    Radio Köln 24
    Antenne Ruhr 19

    und dann nochmal 99/00 I

    Lippewelle Hamm 39
    Radio Bielefeld 37
    Radio Köln 22
    Antenne Ruhr 13

    (alle Werte Hörer Gestern Mo-Fr)

    Das waren nur vier Beispiele,aber so ähnlich verlief die Entwicklung bis auf wenige Ausnahmen bei allen Lokalsendern.

    Auch in Aachen fällt folgendes auf:

    EMA 1994

    Radio Aachen 17,5
    Antenne AC 32,5


    EMA 1997

    Radio Aachen 10,4
    Antenne AC 18,6

    EMA 00/01 II

    Radio Aachen 15
    Antenne AC 25

    Es war also immer so,dass Antenne AC der erfolgreichere der beiden Sender war.
    Und das hat sich durch das 24-Std.-Programm der beiden Stationen überhaupt nicht geändert.

    Diese Vergleiche legen für mich den Schluss nahe,dass es in jedem Verbreitungsgebiet ein gewisses Reichweitenpotential für Lokalfunk geben muss,welches vom Programm im Einzelnen eher weniger abhängig ist.
    Wenn es so wäre,dann wäre es auch die geringere Kunst,mit z.B. Radio Bielefeld im nächsten Jahr 40 Prozent zu holen,als etwa mit 98.5 20.

    Im Laufe der Jahre brachten die EMAs zahlreiche Erkenntnisse über "Typen lokaler Orientierung" , "lokale Lebenswelten" , "Wiedereinschaltverhalten nach der Primetime " und und und.
    Aber entsprechende Handlungsmaximen für die jeweiligen Lokalsender konnten sich daraus offenbar entweder nicht ergeben oder nicht abgeleitet werden.
    Wie schon die EMA 92 feststellt :"Übergreifend ist festzustellen,dass die differenten sozioökonomischen Voraussetzungen und die historisch unterschiedlich ausgeprägten Wettbewerbssituationen zu einer relativen Unvergleichbarkeit ... führen ...Die Analyse des gesamten Materials macht eindrucksvoll deutlich,dass den lokalen Publika in NRW der Charakter von Unikaten zukommt."
     
  7. Steinberg

    Steinberg Benutzer

    klingt plausibel - jedes Sendegebiet hat seine zu erreichenden Hörer - die für Lokalfunk empfänglich sind ... oder eben nicht.
    Was dann allerdings bedeutet, daß man die Quote kaum merklich beeinflussen kann, bzw. die Lippewelle nicht besonders viel falsch machen kann (was sehr angenehm wäre) und Antenne Ruhr (oder andere, die ebenfalls konstant geringe Quote haben) selbst bei größtmöglicher Anstrenung niemals einen großen Quotensprung machen werden.
    Das wäre wiederum sehr frustrierend.

    [Dieser Beitrag wurde von Steinberg am 08.05.2001 editiert.]
     
  8. Radiocat

    Radiocat Benutzer

    Ich denke, es gibt keine Region/keine Stadt in der man kein lokales Programm machen kann.
    Aber muss eben
    a) die Region richtig definiert sein, an kulturellen und wirtschaftlichen Räumen orientiert. Klassischer Fehler: SWR4 Radio Breisgau aus dem badischen Freiburg im schwäb. Teil des Schwarzwaldes (Villingen)
    Zweitens muss das Programm zur Region/zur Stadt passen. Das kann antürlich mit einem Einheitsmantelprogramm nicht funktionieren. Genauso ist es ja oft der Fall, daß die Redaktion und die Geschäftsleitung aus ortsfremden besteht. Dann kommen noch solche Herren Berater hinzu, die meinen was in Berlin toppt muss auch in Knieritz an der Knatter der Hit sein.
    Wenn also ein Programm die Mentalität und das Lebensgefühl der ihrer Bewohner wiederspiegelt wird das Programm auch Erfolg haben. Dann lieber hier ein paar Einbussen in Sachen Professionalität hinnehmen, zumal wenn es sich um ein ländliches Gebiet handelt.
    Und: Stadtsender haben doch so viel Potential. Da gibt es doch ein reichhaltiges Angebot an Kultur, Szene und Geschehen. Nur setzen das die wenigsten Sender um und meinen dann sich auch mit dem "besten Mix der meisten Hits" gegen landesweite und damit auch finanziell besser gepolsterte Anbieter durchsetzen zu müssen.
    Leute: Mehr Kreativität
     
  9. Peggy

    Peggy Benutzer

    Es liegt wohl auch daran das viele Radios ihre Party Landschaft nicht drin haben . Zum bespiel statt Power Radioshow lieber Party Live aus der Stadt des Lokalradios. Na wie wäre es damit???
    Hat Aachen zb.mit Party Power
     
  10. theproducer

    theproducer Benutzer

    Nur jeden Samstag Party Power live von irgendwo aus dem Sendegebiet kann sich wohl nicht jeder Local leisten - vor allem nicht wenn die BG mit Westf*** beginnt....
     
  11. GKern

    GKern Benutzer

    Ich find das gut - die Aachener haben das echt drauf. Was Westfuck betrifft stimmt das schon... die wollen kein Geld reinstecken. Gott sei dank ist das in Aachen anders
     
  12. dertobi123

    dertobi123 Benutzer

    Hallo, TheProducer ...
    Radio Duisburg schafft das, trotz Wetsfunk BG, schon seit 1997. Jeden Samstag abend von 20 bis 24 Uhr lokales Programm, zwar (oder sollte man sagen zum Glück?) keine PowerRadioShow, aber immerhin.

    [Dieser Beitrag wurde von dertobi123 am 11.05.2001 editiert.]
     

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