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Neu erwachter Qualitätsanspruch der TV-Zuschauer?

Dieses Thema im Forum "Auszeit" wurde erstellt von HeavyRotation25, 01. September 2014.

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  1. HeavyRotation25

    HeavyRotation25 Benutzer

    Wenn man sich die Einschaltquoten der letzten Wochen und Monaten ansieht stellt man unweigerlich fest, dass scheinbar der Ruf nach Qualitätsfernsehen lauter wird. Viele große "Schlachtschiffe" der TV-Anstalten gehen mittlerweile unter. Allen voran Castingshows, die vor Jahren an einem Samstagabend knapp "Wetten dass..?" abgehängt haben, wie DSDS. Die letzten Staffeln von DSDS waren quotentechnisch im freien Fall nach unten, einzig die erste Staffel von "The Voice" bei Sat1/Pro7 hatte noch ein passables Zuschauerinteresse. Da merkte man schon, dass die Leute nur das Talent sehen wollten und nicht die verkorksten Lebensläufe der DSDS-Kandidaten. Auch die teilweise sehr unterirdischen Seitenhiebe Bohlens in Richtung Kandidaten ziehen nicht mehr.

    Mit neuen Casting-Formaten wie "Rising Star", bei denen die Zuschauer mit einer eigenen App über die Kandidaten abstimmen, kann RTL nicht mehr punkten: von 2 Millionen auf knapp 1,75 Millionen Zuschauern am letzten Samstag ist die Show in den Quotenkeller gerutscht. Ich habe mir die erste Sendung noch aus Neugier angesehen, aber ein echtes Gesangstalent war da nicht wirklich zu sehen. Auch die Tatsache, dass diese Castingshow-Gewinner heute so gut wie keinen Erfolg mehr verbuchen, dürfte das Zuschauerinteresse verringern. Selbst Raab hatte mit "Schlag den Star" etwas mehr Zuschauer, blieb aber auch mit 2,2 Millionen Zuschauern unter den Erwartungen. Der Tagessieg am Samstag hatte das ZDF mit einer "Wilsberg"-Wiederholung, mit der man 4,5 Millionen anlockte.

    Erst kürzlich meldeten die Medien, dass RTL sich über kraftige Einbußen der Werbeeinnahmen beklagt, den anderen Privaten dürfte es nicht besser gehen. Diese Tatsache dürfte erklären, warum sich die die Sender immer mehr zu neuen Thrash-Formaten herablassen, die aber (zum Glück) auch untergehen: RTLs "Adam sucht Eva" (Blind Dates nackter Singles auf einer Karibikinsel, wo nur belangslose Gespräche aufkommen) wollen im Schnitt auch nur 2 Millionen sehen.

    Selbst die erste Folge "Wer wird Millionär" nach der Sommerpause schauten nur 4,2 Mio Leute und musste sich gegen eine ZDF-Wiederholung von "Der Staatsanwalt" geschlagen geben (4,6 Mio). Das Finale von "Promi Big Brother" auf Sat1 schauten 3 Millionen.

    Die Frage ist: warum rutschen die einstigen Quotenknaller so ab und vor allem, wo sind die Zuschauer abgeblieben? Angesichts dieser Zahlen hätte man "Wetten dass..?" nicht aus dem Programm nehmen dürfen, denn die zuletzt über 6 Millionen Zuschauer werden aktuell ausschließlich von neuen Sonntags-"Tatorten" und von Fußball-Länderspielen getoppt. Vielleicht hat man beim ZDF doch zu voreilig reagiert und sich der Hetztiraden der Presse gebeugt? Denn 6 Millionen Zuschauer wären heute ein absoluter Quotenknaller an einem Samstagabend!

    Auch haben gerade RTL, RTL2 und Sat1 mit dem Ruf "Thrash-TV", "Hartz4-TV" oder gar "Unterschichten-TV" zu kämpfen, was auch nicht spurlos an den Zuschauerzahlen vorbei geht. Und weniger Quote bedeutet eben weniger Werbeeinnahmen, die sich nunmal nach diesen Zahlen richten.

    Ich wage zu bezweifeln, dass das Radio die große Konkurrenz zum TV darstellt. Das mag tagsüber noch möglich sein, aber zur Primetime eher nicht. Ist es doch das Internet, wohin die Zuschauer abwandern? Das glaube ich eher nicht. Die kleinen Spartensender der ÖR und der Privaten erfreuen sich immer mehr Beliebtheit, aber die ziehen an einem Samstagabend auch keine 6 Millionen Zuschauer von den großen Sendern ab.

    Sind die Zuschauerzahlen doch die Warnung an die Sender, sich nicht mehr durch TV-Thrash verarschen zu lassen? Trotz aller Prügel u.a. durch frisieren der Rankingshows haben die ÖR-Sender nicht gelitten und führen fast täglich die Zuschauerquoten an, am Tatort kommt am Sonntagabend keiner vorbei, selbst die Wiederholungen sind Tagessieger. Auch mit den üblichen "Seniorensendungen" mit Volksmusik fährt man beim ZDF gute Zahlen ein.

    Die Privatsender müssen sich ernsthafte Gedanken über ihr zukünftiges Programm machen, wenn sie nicht noch mehr in den Keller rutschen wollen. Da hilft garantiert auch kein Heino in der DSDS-Jury und boßstellen der Protagonisten bei "Schwiegertochter gesucht".

    Ich habe Hoffnung, dass die Qualität im TV wieder auf ein passables Maß steigt. Bei RTL2 z.B. sehe ich da keinen Lichtblick, aber von Sendern dieser Art erwartet man das auch nicht. Aber es ist gut möglich, dass sich künftig bei RTL, Sat1 und Pro7 einiges ändert.

    Die Zukunft wird es zeigen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 01. September 2014
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  2. legasthenix

    legasthenix Benutzer

    Ganz einfach:

    1.) Privatfernsehen und -hörfunk endlich als das deklarieren, was sie sind: gescheitert und deshalb abzuschaffen.

    2.) Den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausmisten, verschlanken und zu seinen Ursprungsaufgaben zurückführen.

    Fertig!
     
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  3. NurzumSpassda79

    NurzumSpassda79 Benutzer

    Den Ruf von RTL und Co., "Unterschichtenfernsehen" zu sein, haben sie sich selbst eingebrockt. Wenn man einen derartigen Mist namens Scripted Reality oder Casting Shows veranstaltet, darf man sich nicht wundern, wenn die letzten mündigen Zuschauer in Scharen davonrennen. Mir waren die Privatsender in den frühen 90ern lieber, die mehr Serien und Filme ausgestrahlt und Shows mit erträglichem Maß und Niveau produziert haben.

    Im Grunde gebe ich dem Vorschlag von legasthenix Recht.
     
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  4. HeavyRotation25

    HeavyRotation25 Benutzer


    Da stimme ich zu! Viele Serien der Privaten in den 90er und 2000er habe ich mir gerne angesehen. Dr. House, um mal ein Beispiel zu nennen. Dazu sehr gute Comedies wie "Samstag Nacht", "7 Tage 7 Köpfe", die Harald Schmidt-Show, Anke Engelke, etc. Heute bläst RTL den Barth bis zum Platzen auf und wirklich witzig ist der nicht mehr. Ohne das RTL-Pushing würde der keine Stadien füllen, sondern vor 250 Leute labern.

    Ich denke, RTL und Co. haben zudem jahrelang mit ihrer Programmausrichtung nur noch auf das junge Publikum gezielt. Grundsätzlich nicht falsch, bloß hat man die Generation 50Plus damit vergrault. Evtl. wollen sie durch den Heino-Einsatz bei DSDS wieder mehr ältere Zuschauer anlocken, was aber eher nicht gelingen wird. Bohlen ist vielen mittlerweile ein Dorn im Auge, für meinen Eindruck ist ER das Problem bei DSDS. Zudem hat sich diese Show überholt, da zählen das Versagen der Kandidaten mehr als der Gewinn, kein einziger Kandidat wurde tatsächlich ein Superstar. Kaum mehr ein Format ist erfolgreich und wenn doch, dann nach der 2. Staffel nicht mehr.

    Man mag die ÖR als bieder sehen, sie sind es wohl auch. Aber man hat dort nie versucht, mit aller Gewalt ein neues Konzept auf den Markt zu werfen. Viele Dauerbrenner laufen heute noch, nach mehr als 30 Jahren (Tatort, Lindenstraße, z.B.) und das recht erfolgreich. Und ein wichtiger Aspekt hat man sich dort beibehalten: auch wenn es lustig sein sollte, immer wurde die Würde der Kandidaten gewahrt. Dass bei RTL und Sat1 teils Grenzdebile bloßgestellt werden ("Frauentausch", "Schwiegertochter gesucht", "Bauer sucht Frau", etc.), wollen viele Zuschauer einfach nicht mehr hinnehmen und sehen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 01. September 2014
  5. NurzumSpassda79

    NurzumSpassda79 Benutzer

    HeavyRotation, Du hast nicht Unrecht bei Deinen Aussagen. Gerade die Tatsache, dass eine gewisse Würde von Menschen - egal, ob sich der Betroffene durch die Teilnahme an solchen Sendungen mehr oder weniger "damit einverstanden erklärt" - gern mit Füßen getreten wird, bewegt mich zum Ignorieren solcher Sendungen.

    Ich nutze im Übrigen das Fernsehen gern als Bildungsmöglichkeit bzw. als "Wiedergabe gewisser Realität". Darum schaue ich auch bevorzugt Nachrichten, Dokumentationen oder Sportübertragungen. In die Welt einer fiktiven Erzählung möchte ich mich nur begeben, wenn es den Anschein erweckt, anregend, spannend und/oder unterhaltend zu sein.
     
  6. StageManager75

    StageManager75 Benutzer

    Welche der selbsproduzierten Dinge bei den Privaten sind denn auf das junge Publikum zugeschnitten? Die zitierten Bloßstellerformate ja wohl nicht. Auch die ganzen Restaurant-Retter sprechen doch keinen U30 an. Ich denke einfach, beim Quote-Hinterherlaufen haben sich die Privaten verlaufen. Und dass es sich in Quote ausdrückt dürfte die beste aller Nachrichten sein!
    Was mich allerdings beunruhigt: Selbst auf den ÖR Spartenkanälen machen sich Formate breit, die da nicht hingehören. Ich denke da an die Alien-Jäger, die ein Feld mit Metalldetektor und !Geigerzähler! nach Ufo-Absturzresten von vor X Jahren absuchen - damit es schön spannend ist bei Nacht mit Infrarotkamera am Galgen auf die Gesichter der Suchenden gerichtet. Oder eine "Raumfahrttechnikingenieurin", die ganz verzückt ist, wenn eine Melone oder ein Truthan in der Zentrifuge bei 25 g Beschleunigung zerquetscht werden. Ich musste mir mehrfach die Augen reiben, um zu glauben wirklich noch bei den ÖRs gewesen zu sein.
     
  7. Ganztageshörer

    Ganztageshörer Benutzer

    Naja ... Bei der jungen Zielgruppe sind die Privaten meist noch unangefochten vorne ...
     
  8. ricochet

    ricochet Benutzer

    Das ist ein leicht erklärliches Phänomen: Die Generation 12-25 hat sich großteils aus der abendlichen Fernsehrunde verabschiedet und streamt/lädt Filme, Serien oder Musik vorzugsweise auf den PC, von dem gegebenenfalls auch auf Fernsehshows zugegriffen wird - allerdings immer öfter zeitversetzt und auf Youtube statt per Mediathek, weil dort keine coole Community abhängt.

    Bei US-Produktionen sind die werbefinanzierten Privatsender längst dritte Wahl nach Sky und Internet, die je nach Zuschauertypus zunehmend an Boden gewinnen. Mit Billig-Doku-Soaps kann man zwar noch leidlich Quote machen, allerdings schmilzt an die Gesamtzuschauerschaft immer mehr zusammen und der steigende Altersschnitt des Publikums ist Balsam auf die Seele der Öffentlich-Rechtlichen, zumal reifere Zuschauer Information, gediegene Unterhaltung und traditionelles Filmhandwerk bevorzugen.

    Mit Trash-TV erreicht man oft nur noch Ungebildete und technisch weniger Versierte unter 40, angesichts derer viele Werbetreibende die Stirn in Falten legen und die den Tarif empfindlich drücken dürften. Bis auf Doku-Trash, Casting-Shows und US-Zweitverwertungsware fällt den lieben Privaten aber nicht mehr viel ein, selbst die sogenannten "Nachrichtensender" n-tv und N24 bestehen fast ausnahmslos aus US-Kauf-Dokus, der harte Nachrichtenanteil beläuft sich auf gerade mal 5 Minuten pro Sendestunde...
     
    Zuletzt bearbeitet: 01. September 2014
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  9. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Sommerferien!
     
  10. HeavyRotation25

    HeavyRotation25 Benutzer

    Seit Januar? :p
     
  11. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Die "letzten Wochen" bezeichnen für mich einen Zeitraum von vielleicht sechs oder acht Wochen. Wenn das bei Dir anders ist, haben wir uns gründlich missverstanden.
     
  12. HeavyRotation25

    HeavyRotation25 Benutzer

    Ich mutmaße, dass die Quoten schon seit längerer Zeit sinken. Wenn das ferienbedingt ist, müssten die Zahlen in geraumer Zeit wieder steigen. Dies bezweifle ich allerdings.
     
  13. StefanZinke

    StefanZinke Benutzer

    Was soll das denn heißen? Auch viele jüngere und junge Leute mögen die fröhliche Musik aus der Alpenregion. Ich zähle dazu. Wenn ich nur an „Alpenplayboy“ von Monika Kaelin von 1988 denke …

    Davon scheint es immer mehr zu geben. Und das soll kein klugscheißender Beitrag sein, sondern schildern, was ich meine, Tag für Tag festzustellen. Die Leute scheinen immer dümmer zu werden. Insofern dürften die Zuschauerzahlen der Privaten doch nicht schlecht sein.
     
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  14. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    "Immer dümmer werden" geht nicht, nur "dumm bleiben". Immer mehr Leute scheinen dumm zu bleiben. Das hindert sie aber nicht daran, sich allemal für schlau und gut informiert zu halten, schauen sie doch jeden Tag stundenlang in die Glotze und hören sie Dumpfbackenradio und glauben dabei alles, was sie dort sehen und hören.
     
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  15. StefanZinke

    StefanZinke Benutzer

    Oh, stimmt. :)

    Passend dazu dieser Witz: Besucher einer Psychiatrie: „Wie entscheiden Sie, ob ein Patient genommen wird?“ Arzt: „Wir füllen eine Wanne, geben demjenigen einen Löffel, eine Tasse und einen Eimer und bitten ihn, die Wanne zu leeren.“ Besucher: „Gesunde nehmen den Eimer?“ Arzt: „Die ziehen den Stöpsel. Möchten Sie ein Zimmer mit Balkon?“
     
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  16. legasthenix

    legasthenix Benutzer

    Einspruch!

    Niemand wird per se "dumm" geboren. Es mag Unterschiede in der Intelligenz geben, was aber keinesfalls berechtigt, Menschen mit einem niedrigeren IQ durchweg als dumm zu bezeichnen.

    Und jeder hat die Möglichkeit, dazuzulernen - oder es zu lassen, ohne dabei "dumm" zu sein. Er ist dann allenfalls "ungebildet".

    Anders verhält es sich mit der Verblödung: Diese ist zweifelsohne durch kritikloses Konsumieren einschlägiger Massenmedien - wie Funk, Fernsehen, Printmedien - nahezu unbegrenzt möglich!

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  17. br-radio

    br-radio Benutzer

    Ich finde, dass auch mehr sich bewusst Sky ins Haus holen, nicht nur wegen der Bundesliga oder sonstigen sportlichen Ereignissen. Hier werden noch Dinge bedient, die außerhalb des klassischen Fernsehens stehen oder früher in den dritten Programmen gezeigt wurden (z.B. Sky Krimi oder Heimatkanal). Vielleicht liegt es aber auch an der großen Programmvielfalt, warum die Sender kämpfen.
    Vor 35 Jahren gab es nur ARD, ZDF und ein Drittes, naja, in Grenzgebieten hat man schon mal rübergeschaut, was das andere dritte macht. Mehr gab es nicht.
    Das waren drei, manchmal auch vier Programme, im Westen Berlins sogar mehr als drei.

    Heute, wenn man einen Sat-Senderdurchlauf macht, kommt man auf ca. 1.100 und mehr Programme. Das ist sehr viel. Die Sendevielfalt ist viel größer geworden.

    Das Anspruchsdenken ist auch anders: hatte man früher noch das Buch als intellektuellen Vergleichsmaßstab, so verschiebt sich das auf die Blogs, etc.
    Zudem: Informationen werden oftmals nur noch "herausgeprustet", also schnellstmöglich übermittelt, weitergeleitet und schnell wieder vergessen.
    Daran zu arbeiten, ist für herkömmliche Sendungen wie die "tagesschau" oder "heute" eine große Herausforderung! Manche schauen sich aber auch Sendungen "zeitversetzt" in Mediatheken an und werden oftmals nicht mitgezählt. Manches wird auch in Youtube reingestellt, etc.

    Die Möglichkeiten, Sendungen anzusehen, und diese auch zu kommentieren, werden größer. So werden aus Nachrichtensendungen einfach "Social TV News".

    Es verbreitert sich das Angebot, so verbreitert sich auch die Nachfrage und die Möglichkeiten der Nachfrage...

    Zum Thema "Trash TV"...: das ist ein gesellschaftliches Problem. Es wäre mal gut zu fragen, ob hier wirklich ein Abbild der Gesellschaft gezeichnet wird.
    Diese Sendungen, die da teilweise laufen, sind ein Spiegelbild der Gesellschaft in einem Land. Vieles ist hier zwar gestellt, manches aber wird "authentisch" gezeichnet.
    Durch solche Sendungen geraten ganze Berufssparten oft in Verruf, anderen wird wiederum die Türe geöffnet, wieder andere müssen um ihre Familien kämpfen, anderen wird die Wohnung weggenommen. Ist das ein typisches Bild der Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland?! Ich denke, es sind "Fenster", die zeigen, wie es sein kann.

    Zudem wird dadurch die Streitkultur, also die Fähigkeiten, richtige Diskussionen zu führen, ins Lächerliche gezogen. Eine Studie der Uni Mainz aus dem Jahre 2011 sagte mal, dass Eheleute, die dieses Trash TV à la RTL regelmäßig anschauen, eine höhere Scheidungsrate hätten als solche, die das nicht anschauen.

    Es wird kriminalisiert, bagatellisiert, falsch informiert, diskriminiert. Und das im hohen Maße! Stellen wir uns dieses TV im arabischen Bereich vor. Es wäre gänzlich verboten!

    Der neu erwachte Qualitätsanspruch der TV-Zuschauer generiert sich auch aus der Erkenntnis, dass der bisherige Weg eine Sackgasse ist. Es kann so nicht mehr weitergehen... Wenn sich Sender weigern, dem Zuschauer die ihm gebührende Qualität zukommen zu lassen, so möge er dies mit "Ausschalten" quittieren.

    Selbst das Internet ist keine Alternative. Hier wird durchs Social Bashing alles noch schlimmer. Zum Teil bis zum Verleumden, Verraten, etc.

    Das TV in Deutschland in der heutigen Form ist eigentlich ein sehr zu hinterfragendes Konstrukt:
    - Warum machen ARD und ZDF in ihren Hauptsendern die Privatsender "RTL" und "SAT.1" nach?!
    - Warum sind Spartenprogramme wie zdf_neo, einsfestivial oder aber SAT.1 Gold gefragter denn je?!
    - Wieso hat Sky derzeit so viele Kunden wie nie (nicht nur wegen Bundesliga)?!

    Habe mal den Satz gehört: das Fernsehen eines Landes ist der Spiegel zur Seele der Gesellschaft.
    Gienge man nach dem Leitsatz, wäre die deutsche Gesellschaft eine hochidiotische Gesellschaft.

    Da viele aber kaum noch differenzieren können, weil ihnen die Argumentationskraft abhanden gekommen ist (wenn man manche Kommentare bei bild.de oder spiegel.de liest, kommt einem das Kotzen), ist es nicht verwunderlich, wenn sich diese "trash Sendungen" weiter durchsetzen werden, weil nämlich die Hinterfragung, warum man sich's anschaut, mit Kopfschütteln und Achselzucken erwidert wird.

    Zudem ist mir persönlich das deutsche Fernsehen in den Hauptsendern zu oberflächlich. Hintergrundberichte, wie man sie im Hörfunk im DLF, in den Infoprogrammen und Kulturprogrammen findet, sind oft Fehlanzeige. So wird die Differenzierung eingeschränkt und der Schlagwortindustrie geopfert.
     
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  18. HeavyRotation25

    HeavyRotation25 Benutzer

    Dieses "Thrash-TV" entstammt wohl auch dem Sparzwang der Privatsender: beim Beispiel "Frauentausch" auf RTL2 müssen nur 2 Teilnehmerinnen mit ca 1000€ pro Nase abgespeist werden, und dann noch 3 Mann zum Aufzeichnen: Kameramann, Tontechniker, Kabelträger. Miet- VW Bus und Sprit. Alles in allem eine billige Sache, um 1,5 Millionen Leute zu erreichen. Die Werbung spielt wohl das hundertfache ein.

    Drehbuch ist nicht nötig, die Leute spielen sich selbst und so banal-witzig, wie es kein Schauspieler hinbekommt. Die Privaten sind voll von diesen Konzepten, seien es Restaurantretter, Hochzeitsdokus, Auswanderer (die am besten kläglich scheitern), Shopping Queen, etc.

    Konfrontiert man die Programmverantwortlichen mit diesem Mist, verweisen sie auf die Quote und behaupten, die Leute wollen das sehen.

    Die Zuschauer verdummen nicht durch diese Programme, eher ist in den letzten Jahren der Anspruch ans Fernsehen gesunken. Auch wenn es RTL und Co dementieren, Leute mit Bildung und Niveau schauen eher 3Sat, Arte, ÖR Spartensender und Dokus. Und eher nicht Sat1, RTL2 und ähnliche, deren Nachrichten auch nicht.

    Schaut man sich die täglichen Programme der Privaten an stellt man fest, dass sich dort bald einiges tun muss, wenn die nicht im Quotenkeller landen wollen.
     
  19. ricochet

    ricochet Benutzer

    Vor zehn Jahren beherrschten noch eigenproduzierte Filme und Serien das Abendprogramm von RTL und Sat1, manche werden sich noch dunkel daran erinnern. Der Grund für den offensichtlichen Qualitätsverfall des "Privatfernsehens" ist wohl auch in einer übertriebenen Reaktion des renditegetriebenen Managements auf die Flucht der jungen Zuschauergruppe ins Internet zu suchen, wo sie mangels äqivalenter Produktionen aus deutschen Landen vor allem US-Serien und -Movies nachfragt.

    In Amerika geht man einen grundsätzlich anderen Weg, der sich jedoch als überaus nachhaltig und einträglich erwiesen hat: "Trash TV" läuft dort vor allem in kleineren Kabelkanälen mit überschaubarem Budget, in Deutschland ist es hingegen zum Massenphänomen mutiert. In Übersee bricht eine nie gekannte Serienflut übers Fernsehpublikum herein, die sich aus vielen Quellen speist und nicht zuletzt dank erfolgreicher internationaler Lizenzierung reichlich Geld in die Kassen spült. Langfristig führt das Trashfernsehen geradewegs in die Bedeutungslosigkeit, weil die Gesamtzuschauerschaft der bisslosen Privatsender immer stärker zusammenschrumpft. Die einstigen Quotenkönige mit ihrem unflexiblen Restpublikum und all dem markenschädigenden Brüll- und Murksvoyeurismus werden somit zunehmend marginalisiert.

    Durch Werbung unterbrochene US-Serien, die mit großem zeitlichen Abstand zur Pay-TV-Premiere ausgestrahlt werden, können die anspruchsvolle Zielgruppe irgendwann nicht mehr locken, zumal die Premium-Rechte bei der neu erwachsenen Konkurrenz liegen und neue wie ältere Serien staffelweise zum Direktabruf im Netz bereitstehen (Netflix satrtet in Kürze auch in Deutschland, Hulu- und Crackle-Pendants dürften in absehbarer Zeit folgen). Die Verwertungskette ist dank Internet kurz geworden und wer kein befriedigendes Angebot vorfindet schreitet kurzerhand zur Selbsthilfe.

    Die Öffentlich-Rechtlichen, das Internet und der Bezahldienst Sky profitieren gleichermaßen vom Zuschauerschwund der werbefinanzierten Privatsender, die hilflos zwischen Familienzoffburlesken, Casting-Wahn, Shopping-Queen und Serien-Re-Runs irrlichtern. In Zukunft werden sie kleinere Brötchen backen müssen, denn Reality-Shows sind für die breite Masse höchstens eine vorübergehende Verlegenheitslösung, nur ein kleiner Teil der Bevölkerung tendiert diesbezüglich zu beängstigendem Suchtverhalten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 04. September 2014
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  20. HeavyRotation25

    HeavyRotation25 Benutzer

    Sehr gut analysiert, Ricochet!

    Es gibt durchaus immer noch gute Serien aus den USA oder GB, die auch in Deutschland eine stabile Zuschauerzahl aufweisen. Bloß sind diese Serieneinkäufe teuer und umgekehrt reichen die Zuschauerqouten nicht aus, um das Geld in den Werbeblöcken wieder reinzuholen.

    Bei Sat1 ist auch visuell zu erkennen, dass dort nicht mehr viel Geld investiert wird; vieles wirkt optisch billig und primitiv, kaum ein Format bringt die Massen zum Einschalten. Einzig "The Voice" brachte in der ersten Staffel gute Qoute, aber die folgenden Staffeln sanken etwas in der Zuschauergunst. Zudem musste man sich die Show mit der Schwester Pro7 teilen. Erstaunlicherweise wurden mit "Promi Big Brother" gute Zahlen eingefahren, auch der Ableger Sixx profitierte davon, da dort eine Dauer-Liveschalte zu sehen war. Sex und Crime bringen es halt immer noch.

    Amazon bringt jetzt auch seine eigene TV-Box auf den Markt, Apple-TV, Maxdome und Netflix sind ebenbürtige Konkurrenten. Dieses Watch on Demand dürfte den Fernsehmachern durchaus Kopfschmerzen bereiten. Wir haben auch ein Smart-TV und könnten theoretisch Filme über die vorinstallierten Dienste schauen. Aber banalerweise scheitert es bei uns an einer zu langsamen Internetverbindung. Unter 6000kBit/s verweigert sich der Fernseher mit einer Fehlermeldung...

    Ich selbst habe nur ca. 25 TV-Sender von den verfügbaren über 1000 gespeichert, dann noch rund 15 deutsche Radiosender. Dokus und Berichte schaue ich gerne, auch die langen BBC/Spiegel-TV Dokumentationen sehe ich mir gerne an, vorausgesetzt das Thema interessiert mich. Am verregneten Sonntagen bleiben wir fast durchgängig auf VOX; meine Frau schaut sich die Wochenzusammenfassung von "4 Hochzeiten und eine Traumreise" an, oder halt "Shopping Queen". :cry: In den Werbeblöcken schalte ich grundsätzlich weg oder den Ton aus, Sonntags dann zum "dauerklatschenden Publikum" im ZDF Fernsehgarten.

    Feste Einschaltzeiten gibt es bei uns nur Sonntags: um 20 Uhr ist die Tagesschau pflicht (wie jeden Abend) und danach immer "Tatort", "Polizeiruf 110" und der folgende schwedische Krimi. Meine Frau mosert jedes Mal, würde sie doch lieber "Perfektes Promidinner" sehen. Vielleicht muss bald ein 2. Fernseher her? :D
     
    Zuletzt bearbeitet: 04. September 2014
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  21. doglife

    doglife Benutzer

    Da hab ich meine Zweifel, das Fernsehen ist nur so dumm, wie seine Glotzer, c'est vrai?
     
  22. legasthenix

    legasthenix Benutzer

    Oh Mann, Du hast es aber auch nicht leicht.

    Ich würde dabei schwer ins Rotieren kommen!
     
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  23. ricochet

    ricochet Benutzer

    Du hast ja einen PC - das ist doch der beste Fernsehersatz der Welt. Wenn's unbedingt stinknormales Linear-TV sein muss gibt es auch eine Lösung. Doch im Netz gibt es fürwahr reizvollere Angebote.
     
    Zuletzt bearbeitet: 04. September 2014
  24. HeavyRotation25

    HeavyRotation25 Benutzer

    Ich muss eben einige Kompromisse eingehen, damit ich den allsonntäglichen Tatort nicht gefährde... :p
     
  25. grün

    grün Benutzer

    Ihr erwartet ernsthaft einen "Qualitätsanspruch" der Privaten? Den hats nie gegeben, alles war schon immer "Trash". Da kann ich gut drauf verzichten.

    Jetzt kann man den Vergleich zu den ÖR ziehen, dort ist auch nicht immer alles gut, aber ich gebe zu, die Kochshows mit Lafer/Lichter schaue ich mir gerne an. Nicht, weil ich unbeindgt kochen lernen möchte, sondern weil sie wirklich noch unterhaltsam sind. Das geht den Privaten mit ihrem zu Tode strapazierten "Reality TV" völlig ab. Langweilig hoch drei!

    Und nichts daran ist echt! Das merkt irgendwann auch der dümmste Zuschauer.

    Und da kommen wir dann zum Problem: RTL, SAT1 und Co. sind einfach nicht mehr glaubwürdig! Deswegen sinken die Quoten.

    Das sieht man ja auch an den "angeblichen" Nachrichten. 3/4 davon sind Promi-Klatsch!
     
    Zuletzt bearbeitet: 06. September 2014
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