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Noch mehr Schwachsinn geht nicht mehr...

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von Radiostart, 02. Februar 2004.

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  1. Radiostart

    Radiostart Gesperrter Benutzer

    Hier gibt es einen folgenden Zeitungsbericht den ich euch gerne vorstellen würde:

    Radio-Stille, live übertragen

    Im deutschen Fernsehen geht es derzeit etwas laut zu. Verschreckte Superstars quieken unter Kakerlakenbergen, verhinderte Hollywood-Schauspielerinnen erleiden Weinkrämpfe, alternde Schlagersänger führen Dschungelpolonaisen an. In England dagegen herrscht Stille, zumindest an diesem Freitagabend und im Radio.

    "4 33" heißt das Stück, das die BBC erstmals live zu Gehör bringt, direkt aus dem Barbican-Konzertsaal in London. John Cage hat es 1952, nun ja, komponiert, sein Werk kommt ohne jeden Ton aus. Nichts, vier Minuten und 33 Sekunden Stille. Nur wer sehr genau ins Radio horcht, soll angeblich hören können, wie sich das Orchester hinsetzt oder sich ein Zuschauer räuspert. Alles andere ist Schweigen.

    Das bringt nun allerdings die BBC-Techniker in Bedrängnis. Die meisten Radiostationen verfügen nämlich über ein Alarmsystem, das bei Stille einen Sendeausfall vermutet und automatisch irgendwelche Musik spielt. Das Problem wurde zum Glück gelöst. Sonst wäre das Stück von John Cage doch noch ungebührlich laut.
     
  2. RADIOWAHN

    RADIOWAHN Benutzer

    Kein Schwachsinn

    Der gute Herr Cage hat mit besagtem Stück "4:33" wirklich ein kleines Stück
    Musikgeschichte geschrieben .
    Verstand man doch ( ja , lange ist es her) Musik als eine Interaktion zwischen A und B ( meint Musiker und Zuhörer) . Ihm ist es gelungen den Weg andersherum zu gehen -> Vom Zuhörer zum Musiker .

    Natürlich hat das Stück kaum etwas in dem Radio unserer Zeit verloren und war auch damals (1952) nicht optimal für eine Übertragung via BBC.


    Äußerst abgefahren muß es aber schon gewesen sein :
    Es gab einen Riesen - Terror - Geschrei - Alarm in der Halle ( und alle Beteiligten mußten dem Puplikum entfliehend in Sicherheit gebracht werden)


    Zeigte uns doch Herr Cage , dass Musik über ganz ungeahnte Dynamik verfügen kann.
    Und es zeigt uns noch viel mehr ....
     
  3. berlinreporter

    berlinreporter Benutzer

    Ist doch nichts Ungewöhnliches: Nicht überall, wo Musik draufsteht, ist auch Musik drin - dazu muss man noch nicht mal BBC hören.

    Und ich möchte mir ehrlich gesagt lieber musikalische Stille von John Cage anhören als die Zerstörung der Stille durch Daniel Kübelböck:D
     
  4. postit

    postit Benutzer

    Absolut das Gegenteil von Schwachsinn!

    Nur mal kurz zur Erläuterung: Cage war 1952 in einem "schalltoten" Raum, der 99% der Schallernergie absorbierte. Und er war von dem Erlebnis überwältigt. In der Kammer hörte er sich selbst, hörte seinen Herzschlag und das Sirren seiner Nerven. Es gibt keine Stille. Diese bestürzende Erkenntnis ließ ihn nachgrübeln, welche Gesetze diese Nicht-Stille wohl habe. Und er beschloss, die Beunruhigung durch die "schweigensverweigernde Welt" mit exemplarischer Form und Struktur zu bannen. So entstand 4' 33''. Eine "zur Form gerinnende Kathedrale des Hintergrundrauschens" (J. Baudrillard) - fast schon wieder eine Analogie zum modernen Radio. :D

    4'33" (sprich: 4 Minuten 33 Sekunden) besteht aus 3 Sätzen, die zusammen eine Länge von 4'33" Sekunden dauern. Die Sätze bestehen nur aus Tacet (Pause), es wird also nichts gespielt. Der Name leitet sich vom absoluten Nullpunkt (die theoretisch tiefste Temperatur, die bei 0 Kelvin definiert ist, was ca. -273 Celsius entspricht. 4'33" = 273 Sekunden) ab, bei dem jede klassische Bewegung aufhört.

    Für das Publikum, das in seiner rezeptiven Gewohnheit passiv schweigend auf den stilleunterbrechenden klassischen Virtuosen wartet, ist eine solche Aufführung kaum zu ertragen. Dabei sollte gerade das scharrende und hustende Publikum den weißen Fleck der Partitur mit Hintergrundgeräuschen ausfüllen. Und deshalb gibt es auch verschiedene Aufnahmen dieses Werkes - und alle unterscheiden sich. Auch Stille ist eben relativ.

    Ich fand die Idee der BBC, das Werk in der "Orchesterfassung" zu übertragen großartig. Aber, lieber Radiostart, keine Panik: würde in jedem Research durchfallen, deshalb keine Chance im deutschen Dudelfunk für Cage. Hier behilft man sich weiter mit den allseits bekannten und beliebte Sendelöchern. Übrigens: ein anderes bekanntes Werk von Cage ist Organ2/ASLSP (as slow as possible). Dabei handelt es sich um ein auf 639 (!) Jahre ausgelegtes Orgelstück, das derzeit in Halberstadt aufgeführt wird. Ok, das ist ganz sicher nicht radiotauglich. :D

    Gruß postit
     

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