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Radio in der Zwickmühle

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von Pirni, 02. Juli 2002.

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  1. Pirni

    Pirni Benutzer

    Laut EU-Statistik gibt es nur noch 59% regelmäßige Radiohörer.

    Das Radio hat 2 Konkurrenten, die den beiden Hörergruppen entsprechen: Die einen wollen Sendungen zum aufmerksamen Zuhören, die anderen wollen Tagesbegleitung durch Hintergrundberieselung ( = hauptsächliche Zielgruppe der Formatradios)

    Die Sendungs-Radio-Zuhörer wandern zum Fernsehen ab, der Fernseher ersetzt das Radio, man schaut gar nicht unbedingt auf den Bildschirm, sondern verfolgt die Talkshow, die Musikantensendung auch nur noch "hörenderweise" statt dem Radio.
    Wer die Fernsehprogramme durchblättert, stellt fest, daß nicht alles packende Filme sind, die da gesendet werden. Viele TV-Stunden sind bereits ( frühere ) Radiosendungen mit qualitativ hochwertiger Webcam.

    Die Berieselungs-Radio-Hörer wandern immer mehr den eigenen Tonträger-Geräten ab: MDs, CD-Wechlser, MP3-Speicher, Handy mit Musik-Lademöglichkeit usw.)
    Im Jahr 2001 war ein Rekordjahr von gekauften und noch mehr kopierten CDs, jede dieser CDs nimmt doch den sogenannten "Musiksendern" Hörer weg !
     
  2. Langsam Pirni - so schwarz würde ich nicht sehen. Und wenn Du richtig liegst. Tja, dann gibt es glücklicherweise bald weniger Musiksender. Die sowieso keiner braucht. Das sehe ich sehr nüchtern. Musiksender ohne jeglichen journalistischen Grundanspruch entbehren ejglicher Grundlage. Gleichzeitig kann man somit davon ausgehen, daß der Marketingerfolg dieser Sender nur von kurzer Dauer ist, insofern sie in Ballungsräumen senden.
    Das hätte zu Folge:
    Radio könnte wieder journalistischer werden.
    Radio könnte wieder lokaler werden.
    Radio könnte wieder hörbarer werden.

    Und:
    Sender, die bereits jetzt versuchen 2 Gleisig zu fahren - "Wir machen keine Hits - wir dudeln sie nur!" könnten davon durchaus profitieren.

    Das könnte bedeuten, dass wieder echte Radio-Macher gefragt sein werden, die dann auch entsprechend bezahlt würden.

    Das würde bedeuten, dass man trotz einer Vollformatierung mit Berichterstattung einen Mehrwert für den Nebenbeihörer schaffen könnte.

    Und das würde dazu führen, dass ein Teil der Berieselungshörer etwas aktiver hören würden.

    Fazit: Formatiertes Nebenbeiradio mit Zuhöranspruch wäre eine Zukunftsmöglichkeit!#


    Oder war das zu heftig????


    PotA.
     
  3. Pirni

    Pirni Benutzer

    Das war gar nicht zu heftig - das ist schließlich eine Diskussion hier.

    Was mir gefällt: Nebenbeiradio mit Zuhöranspruch !
    Da bin ich voll bei Dir, das ist genau das Gegenteil was manche hier noch meinen: Noch mehr Voicetracking, noch mehr Automation, keine Menschen, erst recht keine ( teuren) Stars - das geht in die Hose.

    Bei einem Zuhörradio mit dosierten guten Inhalten und auch viel Musik hat man sowohl den Nebenbeihörer als auch den aktiven Zuhörer, bei vielen heutigen Dudelberieselungen hat man NUR NOCH die Nebenbeihörer und auch die nicht mehr ewig lang. Denn irgendwann hört auch der Nebenbeihörer mal kurz aufmerksam hin und kommt drauf, daß das alles nerviger Blödsinn ohne Inhalte ist, irgendwann kommt er drauf, daß seine eigene CD-Sammlung wesentlich mehr Auswahl hat, als dieses Beste-Mix-Radio, und irgendwann geht ihm die aufgesetzte sogenannte Spaßgesellschaft-Fröhlichkeit und die ewigen Claims so auf den Wecker, daß er lieber den Shuffle-Knopf am CD-Wechsler drückt.

    Das Radio muß anspruchsvoller werden in der Unterhaltung, es muß sowohl gute Begleitflächen - Formate als auch überschaubare, inhaltsvolle Unterhaltungssendungen geben.
     
  4. .... würden das die PDs auch einsehen, dann wären unsere Jobs -

    a) besser bezahlt
    b) interessanter und
    c) anspruchsvoller

    PotA.
     
  5. radiofreund

    radiofreund Benutzer

    In einem anderen Thread habe ich versucht, dass Verhältnis von Wort und Musik zu diskutieren, leider hat sich kaum einer dazu geäussert.

    Kann ein Mischsender (Viel Musik mit anspruchsvollen Wortbeiträgen) gut gehen?

    Ist es nicht so, dass sowohl der Nebenbeihörer als auch der Aktivhörer ständig genervt sind (wenn da mal wieder jemand labert bzw. dudelt)?

    SWR1 ist so ein Beispiel: Statt den Mut zu mehr Wortschienen zu haben, gibt's Worthäppchen rund um die Uhr. Nervig, wenn sogar das 30-Minuten-Radiothema mit Musik unterbrochen wird, auch wenn das Thema noch so interessant ist. Unterstützt man das Nebenbeihören nicht, wenn man die Aufmerksamkeitsspannen so kurz hält?
    Bei SWR3 und SWR4 ist es klarer, da gibt's neben Infozeiten auch lange Musikstrecken.

    Gut fände ich es, wenn sich die Sender einigen könnten, innerhalb ihres Programmes zwischen Wort- und Musikstrecken zu trennen, also so wie SDR1 damals: von 19-20Uhr nur Wort, von 22.30- 24 Uhr nur Musik. Damit bliebe das einzelne Programm interessanter und abwechslungsreicher, und man müsste nicht für die x-te Sparte den x-ten Sender eröffnen.
     
  6. Jasemine

    Jasemine Benutzer

    Mal eine Frage zu Deinen Ansichten, Radiofreund.

    Was Du da so äußerst, ist es das, was Du Dir als Hörer für Dich persönlich wünschst?

    [Dieser Beitrag wurde von Jasemine am 02.07.2002 editiert.]
     
  7. @Jasemine: Ich gehe vom Wunsch aus, wobei RF als Beteiligter schon voreingenommen hört - normal!

    PotA.

    @RF: Nix für ungut!
     
  8. radiofreund

    radiofreund Benutzer

    Ja, ich gestehe, ich fand SDR1 gut, und die Hörer damals offensichtlich auch. SWR1 dagegen hat zwar an Akzeptanz gewonnen, liegt bei der Hörergunst aber hinter SWR3 und 4.

    Bezieht sich der Voreingenommenheits-Vorwurf auf meine Äusserungen zum SWR? Ist nun mal mein Heimatsender. Genauso könnte ich fragen, ob Bayern 2 sein Tagesgespräch auf zwei Stunden ausdehnen sollte, und Musiktitel einführen sollte.

    Oder wirfst Du mir vor, entgegen dem allgemeinen Hörerwunsch für Wortstrecken zu plädieren? Ich will ja gerade herausfinden, ob längere Wortstrecken "massentauglich" sind. Es geht in diesem Thread doch ums ZUHÖR-RADIO. Und wie soll ich aufmerksam und gezielt zuhören, wenn die Worthäppchen bunt über den Tag verstreut sind (ich also nicht weiß, wann das läuft, was ich hören will) und mich die 2-3 Musiktitel am Stück wieder zum Unterbrechen meiner Aufmerksamkeit bringen.
     
  9. @Radiofreund: Ich werfe niemandem etwas vor. Ich kenne SWR1 trotz guter Beziehungen dahin nicht wirklich. Kann also das garnicht wirklich beurteilen.
    Von dem was ich bisher gehört habe, muß ich sagen, dass die Mischung Wort/Musik einfach mal anders ist. Ich denke, dass man sich da sehr viele Gedanken macht. Und geht man von den reinen Analysezahlen aus, so scheint SWR1 auf dem richtigen Weg zu sein.
    Zumindest was das Soundesign angeht hat sich von dem was ich von früher (2 Jahre) kenne einiges getan. Meinem Hörempfinden nach sehr zum Positiven.
    Also keine Kritik an Dir oder Deinem Heimatsender - denn ich kenn das Programm nciht wirklich und kann somit nicht fundiert argumentieren oder gar Belege anführen.
    Und zu den Wortstrecken bei B2 ... noch länger???;)
    Auch den BR verliere ich langsam aber sicher hier aus den Augen ...

    PotA.
     
  10. Pirni

    Pirni Benutzer

    Die Situation heute ist doch so:
    Die einen sind unzufrieden mit dem Radioangebot, die anderen haben es in den Berieselungshintergrund geschoben, das ist zwar die Masse, aber deren Aufmerksamkeit gegenüber diesem Medium ist sehr gering. Jedes andere Medium hat eine größere Aufmerksamkeit bei der Nutzung als das Radio.

    Diejenigen die unzufrieden sind, sind es deshalb, weil sie ( mit kleinen Hochkultur und DLF-Wort - Ausnahmen) sich in der Radiolandschaft nichts mehr aktiv AUSSUCHEN
    können.
    Dem Radiohörer, der sich früher eine einzelne Sendung im Tagesablauf ausgesucht hat, der hat heute diese Möglichkeit nicht mehr. Denn die "Programmankündigungen" in den Zeitungen wie "Hitradio Morningshow", "Hitradio am Vormittag", "Hitradio - Mittagszeit", "Hitradio am Nachmittag", "Hitradio am Feierabend" sind ja eine Farce.
    Ursprünglich war ja mit dem Formatradioprinzip angedacht, daß man die Hörerzielgruppen, die sich früher im zeitlichen Ablauf eines Radio-Vollprogramms eine Sendung nach ihrem Geschmack aussuchen konnten und darauf warten mußten, so sollte mit mehreren Formatradios auf mehreren Frequenzen es ermöglicht werden, daß ( fast ) JEDE Zielgruppe irgendwo auf der Frequenzskala jederzeit ihr Lieblingsradio findet.
    Die früheren SENDUNGEN mit gewissen Format sollten zu SENDERN mit gewissem Format umngeformt werden. Aber genau das ist nicht geschehen. Es gibt keine verschiedenen Formate für viele Zielgruppen, es gibt nur jede Menge Formatsender, die sich allesamt auf die Masse - einem mehr oder weniger Kompromiß-Einheitsbrei - stürzen.

    Es gibt kein ( bzw. kaum) ein Radio zum AUSSUCHEN, man hat nicht mehr das Gefühl, DAS ist meine Lieblingssendung, DAS ist mein Lieblingsmoderator usw.. Es gibt nur noch den Lieblingssender, aber der klingt Tag für Tag gleich und klingt noch dazu ähnlich wie dutzende andere. Daher hat man das Radio in den Hintergrund degradiert.

    Es gibt Wohnorte in Deutschland, da gibt es 20 empfangbare UKW-Radios, davon sind 2 hochelitäre Kulturwellen, 1 Info-Kanal und 1 Schlagereinheitsbrei und 14 englisch-Pop-Mainstreameinheitsbrei und das tage und wochen und jahrelang. Man schaltet halt einen "Kompromiss-Sender" ein, aber so richtig zufrieden ist keiner. Viele erzählen, daß man früher sich wenigstens ein paar Stunden pro Woche GANZ ZUFRIEDEN mit einer ausgesuchten Sendung war.

    Gäbe es nicht nur die typischen Einheitsbrei-Formate sondern auch mehr Abwechslung auf den Frequenzen, hätte der Begriff "Formatradio" nicht so ein schlechtes Image.
    Zitat eines Gastwirtes, der einen Diskjockey für eine Veranstaltung anheuerte: "Aber bitte spielens nicht nur diese abgedroschene Privatradiomusik !"
     

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