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Rundfunkgebühren

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von Makeitso, 09. Oktober 2003.

Status des Themas:
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  1. Makeitso

    Makeitso Benutzer

    Ein Auszug aus einem Kommentar der heutigen "Welt":
    Ich habe dem nichts hinzuzufügen. Ihr?

    P.S.: Den vollständigen Kommentar findet Ihr hier
     
  2. Rösselmann

    Rösselmann Benutzer

    Wie gut, daß ich zu dieser Entwicklung finanziell in den letzten 22 Jahren nichts beigetragen habe;) !
     
  3. berlinreporter

    berlinreporter Benutzer

    Ergänzend hier noch was aus der Süddeutschen:
     
  4. Tom2000

    Tom2000 Gesperrter Benutzer

    Der Spiegel hatte diese Woche auch einen alarmierenden Artikel zum Thema.
    Danach bezeichnet ZDF-Chef Schächter es als massive Einsparung, dass die (ZDF-) Pensionäre längst nicht mehr besser verdienen würden als die Aktiven".
    Muss man sich mal wegtun. Wer beim ZDF nix mehr machte, verdiente mehr, als die eigentlich Arbeitenden. Was für ein verkommenes System.
     
  5. alqaszar

    alqaszar Benutzer

    @Tom2000:

    Och, das ist nicht nur bei öffentlichen Arbeitgebern so. Bin zuletzt hinten über gefallen, als ich mal gesehen hab, was meiner Oma (früher einfache Arbeiterin und Hausfrau) jeden Monat an Rente aufs Konto überwiesen werde. Meine Schwester, jetzt im Beruf mit Uni-Diplom, 40 Stunden-Woche plus täglichen 2 x 75 km Fahrt kommt netto auf auf etwas weniger.

    Ich selbst bin zum Glück dabei, Beamter zu werden und schätze mal, dass selbst dort die goldenen Zeiten vorbei sein werden.

    Aber um mal auf die örAs zurückzukommen, es fragt sich wirklich, ob diese vom Geld der Allgemeinheit finanzierten Unternehmen nicht wirtschaftlicher mit dem Geld umgehen sollten. Das erste, was mir einfiele, wären Einsparungen bei den Sesselfurzern.

    Die beste Methode wäre die Einschaltung eines unabhängigen Instituts -- etwa einer Wirtschaftsberatungsfirma -- welche die Produktivität besonders derer misst, die am meisten verdienen bei ARD und ZDF. Dann ist es relativ offensichtlich, wo gespart werden muss.

    Aber was rede ich hier eigentlich für einen Schwachsinn, weiß doch jeder, dass Jobs bei den örAs politische Ruhekissen sind...
     
  6. Tom2000

    Tom2000 Gesperrter Benutzer

    Alki,
    es ehrt Dich als Beamten-Anwärter trotzdem die widersinnigen Pensionen nicht zu leugnen.
     
  7. WDR2FREAK

    WDR2FREAK Gesperrter Benutzer

    Tom, sowas krankes gibt es auch in der Industrie. Ich war mehrere Jahre dort. Rentner, die zuvor im Angestelltenverhältnis geführt worden waren, bekamen gleich so eine unglaubliche Werksrente obendrauf, daß sie zu DM-Zeiten nen Tausender netto mehr hatten als beim letzten normalen "Aktiv-Gehalt". Und selbst die normalen Löhne für Arbeiter sind in diesem Bereich sehr nett. Heute geht genau dieser Industriezweig am Stock und schmeißt serienweise Leute raus und macht Standorte dicht. Gut, daß ich früh genug den Abflug gemacht habe.

    Aber hierzu, wenn auch etwas OT, sei auf die gestrige Monitor-Ausgabe verwiesen. Da konnte man mal wieder von den klitzekleinen Übergangsgeldern unserer Politiker erfahren. Interessant, wie die Parole "alle müssen sich Einschnitte gefallen lassen" dort interpretiert wird - mit einer hammermäßigen Nullrunde. Wie erschreckend!

    Guten Abend.
     
  8. Radioboy2003

    Radioboy2003 Benutzer

    Wie wäre es: Entlassen wir die Öffis mal in die freie Marktwirtschaft...Mal gespannt, wer überlebt.....
     
  9. WDR2FREAK

    WDR2FREAK Gesperrter Benutzer

    Das ist blödsinnige Schwarz-Weiß-Theorie, und das weißt Du auch.
     
  10. Jasemine

    Jasemine Benutzer

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    \/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/ Off topic \/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/


    Und ich finde diese Diäten-Debatten mit der populistischen Forderung "Schluss mit den Riiiiiiesenbezügen der Politiker" als schwarz-weiß. Wer gute ("gut" jetzt mal ganz unabhängig von der politischen Richtung, sondern im Sinne von intelligent, umsichtig, zielstrebig, kompetent, moralisch, vernünftig, ehrlich, diskret, seriös, nicht-korrumpierbar) Politiker will, der muss auch gutes Geld zahlen. Sonst gehen solche High-Potentials in andere Bereiche, die mehr Ruhm, Geld, Spaß versprechen. Der Job des Berufs-Politikers ist nämlich richtig mies im Vergleich zu mancher netten Managertätigkeit, die mehr Geld bringt und weniger Nerven kostet.

    Gleiches gilt für die Parteinfinanzierung, die auch gerne an Stammtischen angegriffen wird. Die Alternative heißt: Nur noch Reiche, die sich Wahlkampf usw. selbst finanzieren können. Das Ergebnis kann man sich in den USA ansehen, betont die Jasemine und schaltet den Off topic-Modus wieder ab....

    /\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/ Off topic \/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\
    ----------------------------------------------------------------------------

    ...und fährt fort: gleiches gilt natürlich auch für öffentlich-rechtliche Journalisten. Will ich dort unabhängiges und kompetentes Personal, dann muss ich auch Ressourcen dafür bereitstellen und entsprechende Strukturen bieten. Die gibt es auch und die müssen erhalten werden. Dafür kann kein Geld der Welt zu schade sein. Das Geld wird an anderer Stelle verschwendet (hallo Übertragungsrechte!).

    Allerdings entstehen völlig verzerrte Bilder. Während der mdr Millionen bei Währungsspekulationen in Südamerika verballert, der WDR mehr als doppelt so viele Mitarbeiter beschäftigt wie CNN weltweit und die Fusion von SDR+SWF nicht dazu führte, dass der gemeinsame SWR-Etat kleiner wurde als die Addition der beiden Einzelhaushalte, gibt es auch ARD-Anstalten die WIRKLICH gespart haben, Synergien nutzen und sinnvolles Programm anbieten. Aber wie immer sieht man nur die Extreme, die man sehen will und ignoriert das lauwarme Wasser zwischen den Polen, verkündet lächelnd die Jasemine und läßt sich ein Bad ein (HEISS!).
     
  11. WDR2FREAK

    WDR2FREAK Gesperrter Benutzer

    Liebe Jasemine,

    von schwarz-weiß kann nicht die Rede sein, wenn vernünftige und allgemein gerechte Lösungen aktueller Probleme gefordert werden. Schwarz-weiß-Denken ist in meinen Augen entweder "alles so belassen" oder "alles abrasieren", wenn wir von horrenden Zahlungen sprechen, die nicht immer ganz berechtigt erscheinen - erst recht, wenn zuvor in Einzelfällen nur Mist gebaut wurde. Wie so oft, liegt die Wahrheit nämlich irgendwo dazwischen, in zahlreichen Grautönen. Ebenso unsinnig, und daher von mir zu Beginn mit "schwarz-weiß" tituliert, ist dieses unerträgliche "Öffis komplett abschaffen" im Kontrast zu "Öffis sind alle supertoll und nötig".

    Und damit sei auch bei mir genannter Modus für heute beendet.
     
  12. Tom2000

    Tom2000 Gesperrter Benutzer

    Hier wurde das Stichwort "Öffis abschaffen" genannt. Ich denke das ging in meine Richtung. Daher möchte ich mal präzisieren. Ich hatte seinerzeit vom "Schlachten der ARD" gesprochen. Daran hatte sich damals der Streit entzündet, infolgedessen ich als ARD-Feind galt. "Schlachten" meinte aber nicht die Abschaffung, sondern eine radikale Reform im Sinne von Ausschlachten. ("Richtiges" wie DLF bewahren, Privatradio-Kopie "N-Joy" abschaffen.)
    Mir leuchtet ja der Sinn von inhaltsreichen Programmen wie WDR 2 ein, auch wenn ich die Nähe zu einer bestimmten politischen Richtung sehr bedauere.
    Geschichten wie die um die "dicke" Pension ist deshalb so skandalös, lieber W2Freak, weil es sich nicht um ein privates "Industrie-" Unternehmen handelt, sondern um ein dem einzelnen per Zwang auferlegtes, von der Allgemeinheit finanziertes.
     
  13. Rösselmann

    Rösselmann Benutzer

    Dieses ÖR-System ist so reformfähig, wie der Irak es unter Saddam Hussein war!
     
  14. die laune

    die laune Benutzer

    Noch mal -kurz- zur Erinnerung: Daran hier stört sich die "Welt" im oben zitierten Kommentar

    Klar - da kommt dann wieder das Argument: Öffis abschaffen! So ne Verschwendung. Aber mal langsam, Leute. Zwar gibt es annähernd doppelt so viele ö.-r. Radioprogramme, wie vor 20 Jahren. Aber es gibt zum einen seitdem mehr Bundesländer und -viel entscheidender- mehr Musikstile und -richtungen. In meiner Radiojugend waren die Beatles aktueller, als es heute die meisten 80er-Titel sind, die noch dauerrotieren dürfen. Das musikindustriell rausgepumpte Repertoire ist eben um ein vielfaches gewachsen. Wenn denn ö.-r. Sender von allen bezahlt werden, dann sollen sie auch für alle senden. Dann gibt's eben ne Oldiewelle, Info, Kultur/Klassik, Mainstream, Jugendmucke - es werden automatisch mehr Sender. Was ist daran schlimm? Ich zahle die GEZ und -jetzt mach ich mal richtig beliebt -: ich tu's noch gerne. Hand auf's Herz: Wessen Honorar hier im Forum ist so übel, dass die paar Euro nicht auch noch drin sind? Wen von uns würde ein Euro fuffzuig mehr umbringen? Das Geld sind mir hr XXL, SWR3, Kika und arte aber hallo wert! Alle niveauvoller, als die privaten Alternativen. Ich kann mir nicht ausschließlich kleinsten gemeinsamen Nenner antun.
     
  15. Grenzwelle

    Grenzwelle Benutzer

    Laune,

    Du willst uns doch nicht erzählen, die ARD hätte das ehrenwerte Ziel, für jede Musikrichtung und jeden Geschmack ein eigenes Programm zu veranstalten? Zum einen gibt es dafür nicht genug Frequenzen (nichtmal für die ARD :D ), zum anderen wäre das finanziell überhaupt nicht machbar.

    Was die Musik angeht, stürzt sich die ARD zunehmend auf die Quote versprechenden Formate. Alles was da nicht reinpasst, wird in den Kultur-Mülleimer ausgelagert. Der hr leistet sich zum Ausgleich dafür noch einen eigenen Klassik-Dudler.

    Selbst Musikrichtungen, die noch halbwegs populär sind, bleiben bei der ARD zunehmend auf der Strecke. Ich nenne da mal Jazz, Schlager, Modern/Alternative Rock und Techno als Beispiele. In den Sendegebieten, in denen ich mich auskenne (hr, mdr, SWR) steht die Präsenz dieser Musikrichtungen in keiner Relation zu ihrer Popularität. Die Jugendwellen der ARD z.B. dudeln das was, derzeit in ist, also R&B und Hiphop, der Rest wird weitgehend ignoeriert. Spezialsendungen wie z.B. auf XXL oder hr3, erfahren über die Jahre hinweg wundersame Verschlankungen von 2 auf eine Stunde, sowie ebenso wundersame Wanderungen von 21 auf 23 Uhr Startzeit.

    Mein Fazit: Die Kanäle mehren sich zwar, die musikalische Vielfalt nimmt jedoch ab bei der ARD.
     
  16. alqaszar

    alqaszar Benutzer

    Die ARD sind weder abzuschaffen noch reformfreudig. Wenn man ganz realistisch ist, sollte man mit aller Kraft das Gute verteidigen, was es dort noch gibt. Schleppen wir sie halt durch, die Sesselfurzer. Wenn es eine Hauptabteilung Unterhaltendes Wort braucht, um eine Welle wie WDR 5 hinzulegen, dann bitteschön.

    Die Grundversorgung ist politisch nicht aus dem Auftrag für die örAs wegzubekommen. Bis auf die FDP wird sich dafür real keine Partei interessieren. Und so lange diese Grundversorgung da Schwarz auf Weiß steht, kann auch JUMP gerechtfertigt werden.

    Allerdings: Wenn ich mir so andere Länder wie zum Beispiel Italien anschaue, dann ist es besser wenn die ARD nicht angetastet wird. In Italien, wo die Berlusconi-Getreuen auch die RAI übernommen hat, wird der staatliche Sender systematisch ausgeblutet, inhaltlich wie finanziell. Kritisch engagierte Journalisten bekommen einen Maulkorb, und ich wette mal, dass Sendungen, die gute Quoten erreichen würden, nicht mehr in der RAI konzeptioniert werden können, damit die Mediaset-Sender von Berlusconi nicht beschädigt werden.

    So etwas kann auch hier passieren, wenn man mit dem Brecheisen an die ARD herangehen würde. Diese Gelegenheit würden so manchen wohl reizen. Dafür sollte man schon bereit sein, die ganzen Nachteile in Kauf zu nehmen, inklusive der Tatsache, dass sich private Unternehmen im Bereich des Rundfunks einer massiv aus öffentlichen Geldern subventionierten Institution ausgesetzt sehen, die einen großen Teil des Marktes auffrisst.

    Der Preis für einen massiven Eingriff in das System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wäre wohl auch das Ende der qualitativen Elemente.

    Deutlich zu sehen ist dies übrigens bei dem TV-Sender Arte. 1993 als Gemeinschaftsunternehmen zwischen Frankreich und Deutschland, genauer gesagt zwischen Mitterand und Kohl ausgehandelt, sendet es mit extrem hohen Anspruch und ebenso extrem niedriger Quote. Und ich behaupte mal, das gute Image hat der Sender nur, weil ihn so wenige sehen. Arte ist in weiten Teilen seines Programms schlicht banal und uninteressant und geht brennenden Problemen und interessanten Themen konsequent aus dem Weg. Im Großen und Ganzen ist der Sender nutzlos und könnte ersatzlos gestrichen werden, ohne das dadurch ein größerer Schaden in der Rundfunklandschaft entstehen würde.

    So etwas kommt dabei heraus, wenn sich Politiker einen quasi idealen öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorstellen. Mitterand war Sozialist und Staatsgläubig, Kohl war Konservativer und glaubte an die Macht des Geldes, und beide steckten ihre Köpfe zusammen und schickten ihre Getreuen los und heraus kam ein großer Haufen Nichts.

    Daher hoffe ich eher auf eine Einsicht der Verantwortlichen bei der ARD. Beim WDR und BR scheint dies besser zu funktionieren als beim MDR. Beim HR wird gerade fleißig abgebaut, besonders gut bei HR 1 hörbar. Auch hier wird eine Anstalt auf politischen Druck hin umgemodelt. Das Problem ist wohl hier eher nicht, dass Koch den HR von Rot auf Schwarz umfärben will, sondern dass Koch in erster Linie einen braven und harmlosen Sender haben will -- noch braver und harmloser, als die ARD ohnehin schon ist.

    Der frühere SWF und jetzige SWR ist hierfür ein sehr gutes Beispiel, der MDR sowieso, der NDR und neuerdings der HR auf dem besten Weg dorthin. Bleiben noch der WDR, BR, der RBB als unsicherer Kandidat, sowie Radio Bremen und der SR. Radio Bremen ist traditionell äußerst frech und kritisch orientiert, hoffentlich können sie das beibehalten. Der SR macht auf mich eher einen farblosen Eindruck, also auch eher harmlos, dazu winzig klein und damit uninteressant.

    Das duale System in Deutschland soll Teil der demokratischen Meinungsbildung sein. Dazu sollen sowohl die öffentlich-rechtlichen als auch die privaten Sender beitragen. Die privaten Versagen hier auf der ganzen Linie, sie denken nur ans Geschäft. Die ARD versteckt sich hinter ihrem Grundversorgungsauftrag, um gegen die kommerziellen zu feuern. Qualität ist hier nur noch insulär zu finden. Dennoch, aus oben beschriebenen Gründen: Hände weg von der ARD.
     
  17. Makeitso

    Makeitso Benutzer

    Sorry, ich kenne Radio Bremen nicht, aber schon aus finanzieller Sicht gehört der Sender schnellstens abgeschafft. Es kann doch wohl nicht sein, daß Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, nicht eben arm an Bevölkerung, mit einem gemeinsamen Sender auskommen und im Falle des NDR sich gleich vier Bundesländer einen Sender teilen, während das kleinste Bundesland sich eine eigene Landesrundfukanstalt leistet. Völliger Irrsinn, das!

    RB sollte in den NDR eingegliedert werden, wobei bewährte Konzepte dort durchaus einfließen können (ich las hier, glaube ich, daß die RB-Kulturwelle ziemlich gut sein soll). Ansonsten sind die Bremer eh schon von den NDR-Wellen umzingelt und brauchen nun wirklich keine eigene Anstalt. Allein die Existenz dieses Senders ist ein Hohn gegenüber den Gebührenzahlern!
     
  18. berlinreporter

    berlinreporter Benutzer

    @Makeitso: Volle Zustimmung! Gibt es in Bremen wirklich noch keine Fusionspläne?
     
  19. Grenzwelle

    Grenzwelle Benutzer

    ''Das duale System in Deutschland soll Teil der demokratischen Meinungsbildung sein. Dazu sollen sowohl die öffentlich-rechtlichen als auch die privaten Sender beitragen. Die privaten Versagen hier auf der ganzen Linie, sie denken nur ans Geschäft. Die ARD versteckt sich hinter ihrem Grundversorgungsauftrag, um gegen die kommerziellen zu feuern. Qualität ist hier nur noch insulär zu finden. Dennoch, aus oben beschriebenen Gründen: Hände weg von der ARD.''

    alqazar,

    Du schreibst doch selbst, dass eigentlich keine Rechtfertigung mehr besteht, NICHT Hand an die ARD zu legen. Wofür willst Du sie noch schützen?

    Vior 5 Jahren hätte ich Dir noch zugestimmt, inzwischen nicht mehr. Ich höre zwar tendenziell immer noch mehr ARD-Radio, aber die offensive Verblödung mit Zwangsgebühren baut in mir inzwischen doch einige Aversionen auf. Ich sehe keinen Grund mehr, diesen Moloch zu schützen. Und selbst wenn es dann nur noch privaten Doofenfunk gäbe (was ich nicht glaube), gut informieren kann man sich auch anders als über's Radio.
     
  20. berlinreporter

    berlinreporter Benutzer

    Was sollen sie denn sonst tun? Sie haben nur einzig und allein die Aufgabe, ans Geschäft zu denken - also im Sinne der Allgemeinheit möglichst viel Steuern zu bezahlen. Versagen würden sie nur, wenn sie nicht ans Geschäft dächten. Das Problem liegt doch darin, dass die ÖR ihnen massiv Konkurrenz zu machen versuchen und dabei eben von den Gebühren subventioniert werden. Der Bürger muss ständig höhere Gebühren zahlen, die wiederum dafür genutzt werden, den Gewinn der Privaten zu schmälern und somit das Steueraufkommen zu reduzieren. Das ist für mich die eigentliche Crux: Der Bürger zahlt am Ende doppelt. Rundfunkgebühren sind richtig und wichtig, öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist wichtig. Aber der Missbrauch der Pflichtabgaben ist nicht nur gesamtwirtschaftlich schwachsinnig, sondern eben auch frustrierend für den Zahler. Berlin-Brandenburg zeigt, dass es auch andere Möglichkeiten gibt. Der RBB bietet zumindest im Hörfunk ein Progamm an, das die Privaten nicht machen wollen. Und dennoch werden die Sender gehört - und das nicht gerade von wenigen Menschen.
     
  21. postit

    postit Benutzer

    Groteske Situation

    Hallo in die Runde!

    Habe mal wieder ein Zitat gefunden. Zwei veritable Professoren haben da die Kritik an den Öfre’s zusammengefasst, um später zu resümieren: Kein Verstoß gegen den Grundversorgungsauftrag, kein Verstoß gegen den Programmauftrag, keine Unvereinbarkeit mit dem Integrationsauftrag, keine umfassende Programmkonvergenz, keine Unvereinbarkeit mit den Grundsätzen der Rundfunkfinanzierung, kein Verbot der Frequenzzuweisung, keine Unvereinbarkeit der Frequenzzuweisung. Sie erteilen der ARD also ein umfassendes Plazet.
    Möge es erhellend wirken (man beachte besonders die strategisch gesetzten Gänsefüßchen), mich hat es eher amüsiert nachzuschauen, in welcher Reihe diese Studie erschienen ist: Beiträge zum Rundfunkrecht. [SIZE=1]Und ganz klein: herausgegeben im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland [/SIZE]

    Gruß postit



    Kritik an der Programmstrategie der ARD-Anstalten

    Die Programmstrategie, mit der die ARD-Anstalten auf die Veränderungen der Rundfunklandschaft (und der Gesellschaft) zu reagieren versuchen, ist nun seit geraumer Zeit scharfer Kritik ausgesetzt, und zwar einer Kritik, die eher auf rundfunkrechtlicher als auf rundfunkpolitischer Ebene geführt wird. Die Diskussion hat zwar auch rundfunkpolitische Komponenten, etwa wenn der ARD vorgeworfen wird, sie betreibe durch die Entwicklung immer neuer Zielgruppenformate eine „Selbstkommerzialisierung“ unterhalb der programmlichen Anforderungen, eine „uferlose Programmausweitung“ bzw. „gebührenfinanzierte Marktverdrängungsstrategie“. Dieser politische Vorwurf kulminiert jedoch in dem inzwischen mehrfach erhobenen juristischen Vorwurf, daß die öffentlich-rechtlichen Anstalten sich von ihren eigentlichen gesetzlichen Programmbindungen befreit hätten, während die kommerziellen Radios immer häufiger die Grundversorgungsfunktion der öffentlich-rechtlichen Veranstalter übernehmen müßten bzw. bereits übernommen hätten. Letztlich laufe die Programmpolitik der ARD also auf eine „groteske Situation“ hinaus: Während die kommerziellen Radios versuchen müßten, möglichst viele Zielgruppen zu erreichen und damit integrativ wirkten, fördere die ARD-Politik die mediale Zersplitterung der Gesellschaft. „Viele öffentlich-rechtliche Veranstalter“, heißt es dazu in einer neueren Untersuchung zu Formatradio [damit ist Goldhammer gemeint], „sind mit vier oder fünf landesweiten UKW-Senderketten ausgestattet und betreiben innerhalb ihrer Wellen eine klare Segmentierung der inhaltlichen Angebote. Dagegen sind die Privatsender, wegen des bisher bestehenden Zwanges, massenattraktive Programme auf einer einzigen Senderkette zu produzieren, oftmals in die Position des ‚Grundversorgers‘ gerückt. Die noch immer knappen Frequenz-Ressourcen bringen so nicht nur eine inhaltliche Konvergenz der Programme, sondern tendenziell eine Umkehrung der rechtlich vorgesehenen Situation: Die Privatsender produzieren ein breit angelegtes Radioprogramm, das von möglichst vielen Zuhörern eingeschaltet werden soll, mithin eine Art ‚Grundversorgung‘ übernimmt, wohingegen die öffentlich-rechtlichen immer stärker ihre Programme differenzieren, dafür aber - wie zum Beispiel in Berlin - von immer weniger Menschen gehört werden.“

    (Bernd Holznagel und Thomas Vesting: Sparten- und Zielgruppenprogramme im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, insbesondere im Hörfunk. Baden-Baden 1999, S. 37f.)
     
  22. berlinreporter

    berlinreporter Benutzer

    Faszinierend, wie man den Begriff "Grundversorgung" vergewaltigen kann - und das auch noch wahrscheinlich für ein Honorar, dass wiederum letztlich vom Gebührenzahler getragen wurde:mad:
     
  23. Makeitso

    Makeitso Benutzer

    Und hier der neueste Beitrag von Herrn Beck ("Die Welt" von heute):
    Klar geht es um deren Existenz, nachdem ARD und ZDF unter Sport nur noch Fußball und Boxen verstehen. Das ist dieselbe verlogene Taktik, wie beim Kinderkanal: Zuerst wurden die Kindersendungen am Nachmittag gestrichen, um dann zu lamntieren, man brauche einen Kinderkanal, damit die Kleinen "nicht mit dem Programm der Privaten alleingelassen" würden.

    Im übrigen würde mich interessieren, wen Beck eigentlich meint, wenn er sagt, "WIR werden in einigen Jahren Erfolg haben". Habe ich da was verpaßt, ist er noch Ministerpräsident oder doch, so scheint es ja, bereits ARD-Vorsitzender?
     
  24. Rösselmann

    Rösselmann Benutzer

    Kurt Beck fühlt sich doch seit eh und je als Gönner und Schirmherr der ÖRAs. Die Entwicklung ist doch folgerichtig: Mit "KIKA" hat man ja damals auch "Nickelodeon" kleingekriegt, ein (natürlich werbefreier) "Sportkanal" macht dann "Eurosport" oder "DSF" den Garaus, zumindest in einigen Kabelnetzen. Fehlt noch ein "Magazinkanal", dann kann man auf den frei gewordenen Plätzen von "Monitor" &Co. endlich vernünftige Doku-Soaps oder B-Movies plazieren.
     
  25. postit

    postit Benutzer

    Jaja, da hast du schon recht. Gutachten werden häufig im Sinne des Auftraggebers erstellt. Die Wissenschaft ist auch lange nicht mehr so unabhängig wie sie mal war (oder vorgab zu sein). Deshalb ist es wichtig, immer sehr quellenkritisch vorzugehen. Es gibt drei Arten von Hörfunkforschung:

    1.) Studien der Sender, die aber aus Wettbewerbsgründen zumeist nicht veröffentlicht werden.
    2.) Auftragsstudien (zu denen übrigens auch die MA und der Löwenanteil der Progammforschung der LMAs zählen).
    3.) Studien der akademischen Hörfunkforschung.

    Unabhängige, akademische Forschungsprojekte sind allerdings sehr rar gesät, da das Medium Fernsehen in der Medienforschung im Vordergrund steht und allgemein die Finanzmittel knapp bemessen sind (das wird immer schlimmer). Das führt auch zur verstärkten Auftragsforschung, die mit inhaltlichen Einschränkungen und Abhängigkeiten einhergeht. Aber das öffentliche Ansehen akademischer Forschung ist immer noch sehr hoch. Damit kann man Lobbyarbeit leisten.

    Ich stelle allerdings im Moment fest, dass einem ziemlich viel Mißtrauen entgegenschlägt, wenn man UNABHÄNGIG forschen möchte. Schade, dass jemandem, der sich um größtmögliche Objektivität und methodische Korrektheit bemüht, Steine in den Weg gelegt werden.

    Die öffentlich-rechtlichen Anstalten haben (noch) das Geld, Projekte zu vergeben. Ein privater Sender kann das alleine nicht leisten. Wie wäre es mit einem Zusammenschluss, der Medienforschung unterstützt? Bei der MA geht das doch auch. Ich denke, dass privates Radio an seinem Image arbeiten muss. Diese Öffentlichkeitsarbeit kann wertvoll in Bezug auf Seriosität, Glaubwürdigkeit und Akzeptanz sein und privates Radio ein wenig aus der (bitte verzeiht mir!) Schmuddelecke holen.

    Gruß postit
     

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