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Statistiken

Dieses Thema im Forum "Radioszene Österreich" wurde erstellt von Pirni, 09. Mai 2002.

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  1. Pirni

    Pirni Benutzer

    Laut diversen MAs und Radiotests wird einem ja ständig versichert, daß die heutigen Foramtradios sehr großen Erfolg haben. Das Medium Radio sei das Meistgenutzte heißt es, die Nutzung sei in den letzten Jahren ständig gestiegen. Laut Radiotest hören ca. 80% täglich Radio und vor allem: Der überall gespielte, meist englische Mainstream sei das Non-Plus-Ultra umd Hörermassen zu erreichen.
    Was sagt man nun zum am 7. Mai erschienen Eurobarometer der EU?
    Lut dieser Statistik hören nur 59% täglich Radio, für Österreich wird gesagt, daß die Volksmusik mit 44.8% an erster Stelle steht ( EU-Weit 29.9%) und 28% hören klassische Musik.
    Das ist immerhin eine EU-amtliche Statistik. Warum divergiert diese so krass mit Radiotest und sogenannten Musikmappings, mit den sogenannten "Besten Songs aller Zeiten" usw.?
     
  2. radio_watch

    radio_watch Benutzer

    Passend zu deiner Annahme und zu meinem nick eine Analyse aus der Schweiz - hier wird ja mittels einer Uhr mit eingebautem Mikro gemessen. Vergleiche mit dem bisherigen Umfrageverfahren haben folgende Unterschiede ergeben:

    Zitat:

    Die Resultate: Grössere Reichweiten, kleinere Hördauer
    Während der Testphase im zweiten Semester 2000 wurde RC parallel zur
    herkömmlichen Medienstudie eingesetzt. Im Vergleich dieser zwei sehr unterschiedlichen
    Verfahrensweisen weist RC für alle Radios und alle Anbietergruppen
    (SRG, Private, Auslandradios) deutlich höhere Reichweiten aus. Die Werte der
    gemessenen Hörminuten hingegen sind tiefer als jene der Befragung. Aufgrund
    der Resultate ist davon auszugehen, dass in der Medienstudie vor allem das Begleithören
    überschätzt wurde.

    (Zitat Ende)

    weitere Infos: http://www.radiocontrol.ch/pdf/methode.pdf
     
  3. saker

    saker Benutzer

    Letzten Endes kann jede Statistik was anderes ausweisen und alle sind richtig. Denn von der Datenerhebung bis zum Ausgeben von Prozentzahlen haben die Statistiker so viele Möglichkeiten Dinge unterschiedlich zu bewerten und ganz legal zu verändern, so dass die Ergebnisse ganz unterschiedlich sind. Allein schon die Fragestellung bei der Datenerhebung kann zu unterschiedlichen Antworten führen, obwohl beide in den gleichen Topf geworfen werden. Z.B. „Sind Sie Klassik-Fan und wünschen sich mehr Klassik im Radio?“ oder „Hören Sie ab und zu auch mal gerne ein ruhiges Musikstück im Radio, z.B. Klassik?“ Du siehst, wenn ich die erste Frage stelle, wird es wohl nur eine kleine Gruppe von Menschen geben, die Klassik im Radio hören wollen, bei der zweiten Frage schon wesentlich mehr! Und auch bei der Berechnung der Daten gibt es noch so viele Möglichkeiten, dass am Ende was anderes rauskommt.

    Aber selbst wenn die beiden Verfahren von der Art der Durchführung gleich wären gibt es noch zwei wesentlichen Punkte:

    Was die Hörer hören wollen oder glauben zu hören, ist immer noch was anderes, als was sie hören. Ein Beispiel aus Deutschland: In Berlin und Brandenburg ist rs2 Marktführer. Sie haben den Subclaim Abwechslung hoch 3. Und die Leute glauben auch, dass rs2 eine Riesen Abwechslung hat. In Wirklichkeit gibt es Songs, die werden schon über ein Jahr in der Rotation gespielt. Warum? Weil rs2 von der Hauseigenen Firma topRadio Umfragen machen lässt und manche Songs einfach von den Leuten immer wieder für gut befunden werden. So verändert sich dann also kaum was, aber die Leute sind vom Gegenteil überzeugt!

    Aber was viel entscheidender ist: Volksmusik und Klassik wird nicht von der Werberelevanten Zielgruppe gehört! Und nur was die Zielgruppe toll findet, wird auch im privaten Funk gespielt! Denn das Ziel eines jeden Senders ist es Geld zu verdienen! Da sind die „Alten“ einfach völlig uninteressant! Deshalb sollten wir froh sein, dass es den öffentlichrechtlichen Rundfunk noch gibt, denn nur der kann sich erlauben Volksmusik und Klassik zu spielen!
     
  4. Pirni

    Pirni Benutzer

    Danke für die Erläuterungen, ist ja teilweise recht interessant und stimme zu nur bei einem überhaupt nicht: Die sogenannte werberelevante Zielgruppe, die ihr immer noch mit 49 Jahren begrenzt. Das hat einmal gestimmt und stimmt überhaupt nicht mehr, das hat sich in den letzten 10 Jahren sehr nach oben verschoben.

    Ein Motorradhändler hat mir das auch bestätigt: Seine allerbesten Kunden sind Pensionisten, die sich die teuersten Maschinen kaufen. Veranstaltungen mit Volksmusik, Operette usw. haben die aller-aller größten Besucherzahlen.
    Die größte Veranstaltung dieser Art: Operette-Mörbisch mit 218000 Besuchern in 8 Wochen und das beileibe nicht nur Alte und da wird behauptet, die Masse und werbelelevante Zielguppe 14-49 sei nur mit Mainstream-Pop zu ködern. Das stimmt einfach nicht mehr !
     
  5. SAZ

    SAZ Benutzer

    Also wer vor zehn Jahren 49 war, gehörte damals zur werberelevanten Zielfruppe, weil er ein konsumfreudiger Verbraucher war. Heuet ist der selbe Mensch 59 und soll damit ein alter Sack sein, der den ganzen Tag zu Hause sitzt und für den Grabstein spart? Daran kann man sehen, dass die 49er-Grenze der pure Unfug ist.

    Irgendwo müssen sich halt Kennzahlen finden, mit denen die Stationen und die Werbeindustrie ihre Preise berechnen.

    Es gibt ja Ausnahmen: In Deutschland gibt es Klassik Radio und Radio Melodie, und in Rheinland-Pfalz sendet RPR 2 ein Schlagerprogramm, und das auch noch in Konkurrenz zu SWR 4. Einige Lokalsender in Süddeutschland avisieren ebenfalls eine ältere Zielgruppe -- was in Wirklichkeit ja auch Sinn macht.

    Ist die Frage, ob die heute 50 bis 69jähirgen tatsächlich noch Volksmusik und Schlager bevorzugen. Diese Generation ist doch in der Nachrkiegszeit sozialisiert worden und kennt doch alles von den Beach Boys bis Led Zeppelin oder wie der heißt.

    Auf der anderen Seite: WDR 4 in Nordrhein-Westfalen hat in der letzten Zeit einige englischsprachige Stücke im Angebot und musste in den letzten MAs erstaunliche Verluste hinnehmen.
     
  6. fessler

    fessler Benutzer

    Saker schreibt: "Volksmusik und Klassik wird nicht von der Werberelevanten Zielgruppe gehört! Und nur was die Zielgruppe toll findet, wird auch im privaten Funk gespielt! Denn das Ziel eines jeden Senders ist es Geld zu verdienen! Da sind die „Alten“ einfach völlig uninteressant! Deshalb sollten wir froh sein, dass es den öffentlichrechtlichen Rundfunk noch gibt, denn nur der kann sich erlauben Volksmusik und Klassik zu spielen!"

    Saker, du bist ja wirklich ein Experte! So viel Schrott konzentriert auf 6 Zeilen hab ich selten zuvor in diesem Forum gelesen.

    Ich empfehle Dir dringend zu Studienzwecken ein Feuerwehrfest irgendwo am Land oder ein Konzert etwa im Wiener Musikverein zu besuchen. Du wirst feststellen, dass da tatsächlich nur die teilentmündigten 90ig-jährigen Mindestrentner sitzen, die keinen Groschen mehr ausgeben können.

    Noch ein Tipp: Bewirb Dich mit Deinem Wissen um eine Radiolizenz und spiel die Besten Hits der 80er, 90er und von Heute. Auf die großen Klassiker wie Elton John, Tina Turner und Phil Collins nicht vergessen! Die "werberelevante Zielgruppe" wird dich lieben und mit Geld überhäufen.

    PS: Tatsächlich sollten wir froh sein (vor allem die Werbewirtschaft!), dass es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch gibt, der sich erlauben kann, Volksmusik und Klassik zu spielen (damit in Österreich rund 80% Marktanteil erreicht und mehr Werbezeit verkaufen könnte, als er verkaufen darf!)
     
  7. radio_watch

    radio_watch Benutzer

    na schön, fessler, aber einen Löwenanteil davon bei 14-49 erreicht nunmal Ö3.

    Nix gegen Ö2 - aber die Kohle holt Ö3 (und das würde sich auch bei einer Lockerung der Ö2 Werbebeschränlungen nicht prinzipiell ändern)

    14-49 vs 10+ - es liegt an der Werbewirtschaft. Und hier ist das Umdenken recht langsam. (Frag mal im Arabella Verkauf nach deren Erfahrungen).
     
  8. Pirni

    Pirni Benutzer

    Ö3 wird zu 40% wegen der INFO und NICHT wegen der Musik gehört.
    Natürlich ist Ö3 der "Werbesender" und bringt das Geld, aber nicht unbedingt wegen des Formats dort.
    Ö1+Ö2 zusammen haben immerhin eine höhere Quote als Ö3 ( immer 10+ - wir wollen ja die GANZE Bevölkerung messen!) und wenn es die Werbebeschränkungen da nicht gäbe, könnte man da genausoviel Werbung machen.

    Ö3 holt deshalb die Kohle, weil es österreichweit verbreitet wird mit einem ( im Vergleich zu Ö1 und Ö2) billig produziertem Programm, während für Ö2 neunmal (!!) soviel Aufwand betrieben wird.

    DESHALB ist Ö3 die Cashcow und NICHT weil dessen Musik die Musik der werberelevanten Zielgruppe ist.
    Sicherlich mögen VIELE diese Musik, aber man kann die Menschen nicht so einfach einteilen. Mindestens GENAUSOVIELE mögen diese Musik nicht ( und das sind beileibe nicht nur die Senioren)
    Übrigens, das Durchschnittsalter der Trachtenmusikkapellen ist 24 Jahre !
    Es ist schon erstaunlich, wie lange sich Falschmeldungen bzw. falsche Statistik-Interpretationen in irgendwelchen Lehrbüchern und bei Werbeagenturen halten!

    Wenn irgendwo im Land eine Ö3 Party oder sonst ein Jugendradio-Event 5000 Jugendliche zusammenholt, dann wird groß darüber berichtet. Wenn irgendwo bei einem volkstümlichen Stadel, einem Schlager-Bierzelt, einer Operettengala 10.000 Menschen hinkommen, dann verschweigt man das.

    JEDER soll sein Format haben und alles hat seine Berechtigung, aber wie jede andere Musik als der (meist englische) Mainstream niedergemacht wird, das stimmt einfach nicht mit der Wirklichkeit überein.
     
  9. radio_watch

    radio_watch Benutzer

    Fakt ist aber auch, dass in Deutschland viele Schlagersender auf AC umdrehen mussten (Alster, Spree)

    Fakt ist, dass die absoluten Hörerzahlen bei Schlager/Volkstümlich recht hoch sind - vgl. TV Quoten in diesem Segment. (bei 40+)

    Ich glaube auch, dass die heute 50 jährigen (geboren 1952, keinen Krieg erlebt etc.) konsumfreudiger sind als die vor 20 Jahren 50 jährigen. Aber nicht einmal in den USA, wo die Nachkriegszeit eine soziologisch deutlich untergeordnetere Rolle spielt als bei uns in Europa, werden 60 Jährige von ihrem Wert in Mediaplänen her so eingestuft wie 30 jährige, obwohl sie ein deutlich höheres Einkommen haben.

    Mag sein, dass es an der Erstanwenderthese liegt. (vgl. Thoma: Die über 50 jährigen sind Kukident Erstanwender - da war er sogar schon selber über 50)

    Niemand hat ein Recht auf sein Radio (leider!), sondern die Werbewirtschaft hat das Recht auf gute Kommunikationswege - gilt im Privaten und (leider!!) auch bei vielen öffentlich-rechtlichen!

    Und was gut ist, bestimmen die Etats.
     
  10. Pirni

    Pirni Benutzer

    >>Fakt ist aber auch, dass in Deutschland viele Schlagersender auf AC umdrehen mussten (Alster, Spree)<<

    Schlagersender die wenig Erfolg hatten, mußten oft aus folgendem Grund ihr Format wechseln: Die Moderatoren waren teilweise so schlecht bzw. konnten sich so wenig mit Schlager identifizieren, daß sie es schließlich waren, die den Formatwechsel so oder so verursachten. Da wurden wirklich grottenschlechte Produktionen gespielt, zu wenig Abwechslung - beim deutschen Schlager ist eine ewige Rotation noch schlimmer - die Moderatoren vermochten nicht, die Schlagerliebhaber anzusprechen und das Format dementsprechend zu verkaufen!
    Jedenfalls hat der Schlagersender Arabella sehr guten Erfolg ( jetzt auch in Wien).

    >>Ich glaube auch, dass die heute 50 jährigen (geboren 1952, keinen Krieg erlebt etc.) konsumfreudiger sind als die vor 20 Jahren 50 jährigen. Aber nicht einmal in den USA, wo die Nachkriegszeit eine soziologisch deutlich untergeordnetere Rolle spielt als bei uns in Europa, werden 60 Jährige von ihrem Wert in Mediaplänen her so eingestuft wie 30 jährige, obwohl sie ein deutlich höheres Einkommen haben.<<
    Zumindest werden sie dort nicht so ignoriert, wei bei uns.
    Weiters ist ein Erstarren in Einkaufsgewohnheiten heute längst nicht mehr so möglich wie noch vor 30 Jahren. Man denke an die vielen neuen Produkte und Märkte - oder kaufen über 49 Jährige etwa keine Handies mehr?


    >>Niemand hat ein Recht auf sein Radio (leider!), sondern die Werbewirtschaft hat das Recht auf gute Kommunikationswege - gilt im Privaten und (leider!!) auch bei vielen öffentlich-rechtlichen!<<

    Jedenfalls der Gebührenzahler hat schon ein Recht auf sein ÖR-Radio, das steht sogar im Rundfunkgesetz daß alle Gruppen berücksichtigt werden müssen !

    >>Und was gut ist, bestimmen die Etats.<<

    Was aber die Hörer für gut finden, bestimmen sie auf Dauer immer noch selbst ! Niemand kann gezwungen werden, sich etwas anzuhören.
    Und irgendwann ist jedes Etat für ein schlechtes Produkt aufgebraucht !

    Noch einmal die statistische Interpretation des so oft zitierten Ö3-Erfolges : Viele Privatradiomacher sehen den Erfolg nur im HITPRINZIP und wollen es nachmachen und das führt zu den nun schon jahrelangen Dahintümpeln der diversen Hitradios mit dem superbesten Mix usw.

    Nur noch 80% der Bevölkerung hören regelmäßig Radio ( laut der EU-Untersuchung nur noch 59%),
    DAVON hören rund 40% Ö3 - das entspricht dann 32% der Gesamtbevölkerung.
    Laut eines Test hören aber von allen, die Ö3 einschalten nur 60% dieses wegen der Musik und 40% wegen Verkehr - Wetter - Nachrichten.
    60% von 32% ergibt dann aber nur mehr 19.2% auf die Gesamtbevölkerung gerechnet.

    Das heißt ich habe 80.8% Menschen im Land, die NICHT unbedingt Musik a la Ö3 hören wollen. D.h. wenn man diese Menschen mit Werbung erreichen will, dann könnte man das durchaus auch mit anderer Musik tun, als mit englischem Hit-Mainstream !

    Immer wird vergessen, daß der Erfolg von Ö3 auf der Professionellen Gesamtumsetzung Musik-Information-Comedy beruht. Das Abspielen der Musik ist dabei noch das Einfachste. Die Musik alleine ist es noch lange, lange nicht. Die kann jeder selbst auch spielen.
    Man sollte nicht blind auf Radiotestzahlen schauen, sondern auch andere Untersuchungen zur Interpretation des Hörerwillens heranziehen.
     

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