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Stockinger: "Wir haben ein Programm gemacht, das uns selbst gefallen hat."

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von JB, 18. Oktober 2016.

  1. JB

    JB RADIOSZENE Mitarbeiter

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  2. black2white

    black2white Benutzer

    Jetzt hätte ich doch gerne gewußt welche Radio-Moderatoren er gerne hört? Ich denke es gibt keine und seine Antwort fällt sehr diplomatisch aus. Ich hörte kürzlich noch gerne Cyril Hanouna bei Europe 1, aber der hat sich wieder zum Fernsehen verkrümelt. Im deutschen Radio höre ich lieber weibliche Sprecher oder ältere, männliche Stimmen. Die jüngeren Radiosprecher klingen mir alle zu gleich, eigentlich wie ein Call-Center Agent.
     
  3. freiwild

    freiwild Benutzer

    Das erinnert mich schwer an ein Interview mit Oliver Kalkofe zur Entwicklung des Fernsehens. In dem 90ern, in denen er die "Mattscheibe" auf PREMIERE präsentierte, sei zwar auch viel Mist gelaufen, aber wenigstens hätten die Leute damals zu dem von ihnen verantworteten Programm gestanden. Heute wird vieles nach vorgegebenem Schema X produziert, was sich die Macher selbst niemals ansehen, geschweige denn damit identifizieren würden.

    Haltung - ja, das ist wohl die eine Eigenschaft, die ich im Radio am meisten vermisse.
     
  4. HeavyRotation25

    HeavyRotation25 Benutzer

    Ein sehr gutes Interview und das hier ist mir besonders hängen geblieben, Zitat Stockinger:

    "Wir wollten ein intelligentes und trotzdem unterhaltsames Radio machen, für das wir uns nicht schämen mussten. Und diese fantastische neue Musik spielen."

    Fällt euch was auf? Ich habe den Eindruck, heute machen die Radiosender genau das Gegenteil davon! Blödes Kichel-Radio mit dämlichen Gewinnspielen und einer 3 Stunden Dauerrotation ohne Überraschungen, alles vorhersehbar, gekünstelt, krampfhaft lustig.

    Wenn sich so viele Radiomoderatoren hintenrum vom Programmkonzept ihres Senders abwenden und zynisch darüber sprechen, warum hat dann keiner den Mut, das zu ändern? Für wie doof halten die Berater und die Programmchefs eigentlich ihre Hörer? Fast jeder Sender hat heute eine Facebookseite, soll doch mal einer posten: was missfällt euch am Programm, was könnte anders sein? Die Antworten kämen haufenweise und im Sekundentakt, das wäre mal echte Marktforschung!

    Aber da gibt es mehrere Probleme: so werden die Macher knallhart mit der Realität und dem Hörer da draußen konfrontiert und 80% ihrer Arbeit würde infrage gestellt. So viel Mut hat dann doch keiner. Dann lieber alle 4 Monate einen "spielt verrückt-Tag" um die Masse zu besänftigen, bzw. die Hörer wenigstens einen Tag mit anderer, guter Musik (nämlich die Musik der Hörer...) zu beliefern.

    Man sollte bei SWR3 alte Bänder aus dem Archiv nehmen und nachts von mir aus 1 oder 2 Stunden das komplette SWF3-Programm abspielen. Aber nein, das könnte dem Hörer zu gut gefallen, bloß nicht!
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Oktober 2016
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  5. mediascanner

    mediascanner Benutzer

    Ich habe SWF3 immer als etwas belehrend empfunden. Aber damals hab ich denen geglaubt. Sie haben mir linke Friedensdemos und die Grünen schön und Franz-Josef Strauß schlecht geredet (das meint Peter wohl mit Haltung) und sie haben mir gesagt, welche Musik ich gut und welche ich schlecht zu finden habe (das nennt er Anspruch). Unter Eigenarten würde ich vielleicht Joachim Ernst Behrend verbuchen oder das dass Stereolämpchen viele Jahre nicht leuchtete. Und was bleibt nun einem alten Mann? Peter Stockinger soll in seiner romantischen Verklärung weiter leben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Oktober 2016
  6. Radiowaves

    Radiowaves Benutzer

    Das hätte ich jetzt eher von den Stuttgarter Kollegen erwartet.

    Auch wenns off-topic ist: nimm Dir mal 300 Menschen aus 50 Nationen her, die sich eine gewisse Spiritualität und eine Achtung der Schöpfung bewahrt haben und die aktiv dafür leben, daß dieser Planet und die Menschheit eine liebevolle, friedliche Zukunft haben. Lasse meinetwegen die Deutschen und vielleicht generell die Deutschsprachigen weg und frage alle anderen dann mal, was sie - in völliger Unkenntnis deutscher Realpolitik - von "linken Friedensdemos" und (damals) ökoligisch-politisch Aktiven halten und was von Erzkonservativen. Die Antwort wird eindeutig ausfallen, sehr eindeutig. All das ist international und hat nichts mit deutschen Eigenheiten zu tun. All das ist der Grund, warum es noch Menschen auf diesem Planeten gibt. Wer in diese Richtung "parteiisch" ist, ist nicht politisch parteiisch, sondern dem Leben und dem Planeten verpflichtet. Falls das zufällig auch so ähnlich in den Statuten irgendwelcher Organisationen stehen sollte, dann ists nur gut, aber man ist damit nicht diesen Organisationen parteiisch, sondern dem Übergeordneten.
     
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  7. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Ich habe bei dem Stockinger-Interview nicht den Eindruck, dass er etwas gesagt hätte, was ein harter Kern von (deswegen auch gerne beschimpften) Usern in diesem Forum nicht schon seit Jahren gebetsmühlenhaft immer wieder beklagt. Da ich mich selbst auch dazu zähle, kann ich nur sagen: Der Mann hat vollkommen Recht.
     
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  8. count down

    count down Benutzer

    Darin zeigte sich aber auch eine gewisse Arroganz des Senders gegenüber seinen Hörern und deren gleichzeitiger Bevormundung. Durch die weitreichende Bedeutung von SWF3 erklärbar, aber für meine Begriffe nicht entschuldbar. Auch gegenüber der Musikindustrie saßen die Musikmacher von SWF3 auf einem zwanzig Meter hohen Ross. Es war damals nicht alles schlecht dort. Aber beileibe auch nicht alles gut.
     
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  9. exhörer

    exhörer Benutzer

    Und deswegen kann man nur sagen - hört Internetradio! Dort findet man Programme, hinter denen die Macher zu 100,0% stehen.
     
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  10. freiwild

    freiwild Benutzer

    Nein. Sie haben den Redakteuren die Freiheit gegeben, zu sagen, welche Musik sie gut finden und welche schlecht, und den Hörern die Freiheit gegben, sich dazu eine eigene Meinung zu bilden. Die heutige Einheitssoße - die ist Bevormundung.
     
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  11. Plattenschrank

    Plattenschrank Benutzer

    Die Hörer konnten sich gar keine eigene Meinung bilden, weil die "schlechte" Musik gar nicht erst gespielt wurde. Also war es sehr wohl eine "Bevormundung". Ich fand den Sender damals zwar toll, nehme ihm aber eigentlich heute noch übel, dass ich viele wunderbare Musik aus den 80er Jahren erst Jahre und Jahrzehnte später übers Internet kennengelernt habe.
     
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  12. count down

    count down Benutzer

    Nennen wir Beispiele beim Namen: In der Hoch-Zeit von SWF3 Mitte und Ende der Achziger Jahre waren z.B. Modern Talking, Bad Boys Blue und ähnliche Eurodance-Themen absolut tabu. Aller Verkaufsrekorde zum Trotz.
     
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  13. Westerwaldelch

    Westerwaldelch Benutzer

    SWF3 hatte sicherlich sein Pro und Contra gehabt !

    Wenn ich in den 1980er Jahren nach 13 Uhr aus der Schule kam, dann hat man zu Hause erst einmal beim Essen und danach bei den Hausaufgaben die SWF3 Musikbox eingeschaltet. Da gab es Moderatoren wie Elmar Hörig, Klaus Schürholz, Bernd Mohrhoff oder Ferdinand Keller die mit Herzblut bei der Sache waren und aus Leidenschaft Radio machten. :thumpsup:

    Aber auch ich bin der Meinung, bei SWF3 war nicht nur alles gut. SWF3 warb wörtlich damit: "SWF3 fängt da an, wo die anderen aufhören". Mit andern Worten, die wahren, echten Pophits gingen dabei manchmal ein wenig unter. Es gab damals nur SWF3 als Popwelle beim Südwestfunk, heute hat man glücklicherweise mit SWR1 und SWR3 gleich zwei hörenswerte Popwellen, wo man also auch mal innerhalb des gleichen Senders das Programm wechseln kann. Dazu kommen natürlich heute etliche DAB+ Sender usw. Aber zurück in die 1980er Jahre, hatte man natürlich nur UKW und war darauf angewiesen, was die Popwelle im Sendegebiet spielte. :rolleyes:

    Im Beitrag von Peter Stockinger klang an, das man sich klar und deutlich von Autofahrerwellen wie HR3 oder Bayern3 abheben wollte, tja und so mussten die Hörer im Südwestfunk - Sendegebiet oftmals auf die echten Pop - Klassiker oder Ohrwürmer verzichten, weil SWF3 eben auch Musikmäßig dort anfing, wo die anderen eben aufhörten. :oops:

    Auf der anderen Seite brachte SWF3 einen wirklich manchmal zum lachen und es gab echt witzige Werbeplakate oder Aufkleber wie etwa: "Was ist das bloß für ein Land, in dem SWF3 24 Stunden lang am Tag senden darf" oder "SWF3 ist eine Anstalt, und zwar sogar eine öffentlich-rechtliche" oder so ähnlich klang das damals. Dann bewegte man sich mal auch im Grenzbereich mit dem Motto "Heino darf bei uns nicht singen, das müssen andere Sender bringen". Ja, SWF3 war schon ein Fall für sich, vielleicht machte es das den Sender dann wiederum doch so hörenswert :wow:
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Oktober 2016
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  14. count down

    count down Benutzer

    Im Vergleich zu heutigen Popdudlern war SWF3 aus Baden-Baden damals tatsächlich mutig, verrückt und innovativ. Und erfolgreich. Ich hätte mir nur damals weniger Arroganz, Ignoranz und Selbstherrlichkeit gewünscht.
     
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  15. Berlinerradio

    Berlinerradio Benutzer

    Aber Arno sagt doch immer, dass sein tolles Format gesprengt werde, wenn er nur “seine“ Musik spielen würde. Angeblich verliert er dann seine Hörer, wenn er nur das macht, was ihm gefällt. Leider finde ich den Link zum Interview nicht mehr. Aber er hat es gesagt. Hat Arno also keine Ahnung? :(
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Oktober 2016
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  16. freiwild

    freiwild Benutzer

    McDonald's weiß, wie man mit standardisierten Bürgern Milliarden scheffelt. Macht das McDonalds zu Experten in Sachen Esskultur oder Geschmacksnuocen? Nein, nur zu Experten, wie man ein bestimmtes Geschäftsmodell durch Ausschaltung aller kultureller Wurzeln und von Individualität und Persönlichkeit maximal monetarisiert. Und gleiches gilt für die Arnos, Valeries und Yvonnes dieser Radiorepublik.
     
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  17. Tweety

    Tweety Benutzer

    Und DAS war auch gut so und Eurodance gab es in den 80ern noch gar nicht.
     
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  18. count down

    count down Benutzer

    Ok, lassen wir das "Euro" weg.
     
  19. HeavyRotation25

    HeavyRotation25 Benutzer


    Er ist Programmchef, warum macht er es nicht einfach? ;)

    SWF3 war damals tatsächlich etwas überheblich und arrogant, quasi der Studentensender und die Welle der Gebildeten. Aber ehrlich gesagt, sie konnten sich diese Arroganz leisten, weil denen kaum ein anderer Radiosender in Deutschland das Wasser reichen konnte. Behauptet heute ein Radiosender, er spiele die beste Musik und er sei der beste Sender im Land, wird er gleich ausgelacht und der Shitstorm im Netz ist vorprogrammiert. Denn in den meisten Fällen stimmt das einfach nicht, alle sind gleich. Einzig die Moderatoren bilden noch im Detail den Erkennungswert, wenn überhaupt. Und leider fällt heute den meisten Stationen keine interessanten Aktionen ein und somit macht man halt auf der primitiven Schiene von sich reden, Niveau ist da nicht von Nöten.

    Ich habe wenig Hoffnung, dass sich dieser Zustand verbessert.
     
  20. Normalize

    Normalize Benutzer

    Das ist wieder mal eine typische Diskussion im knautschledernen Akademiker-Hinterzimmer. Mit so viel Intelligenz, Kompetenz und Quintessenz auf kleinster Fläche, dass sich schon Rauchschwaden bilden. Echt Leute, jedes Mal die gleiche Platte, wenn sich ein Altvorderer wie Stockinger vom Thron erhebt und ein Kännchen Wasser auf die "Früher-war-alles-besser"-Mühlen kippt.

    Meine Theorie ist eine andere: würde man das - in diesem Thread unpassender Weise beinahe heilig gesprochene - SWF3 heute neu auflegen und ähnlich ausrichten wie damals, könnte es nur gegen die Wand fahren. Nicht, weil es im Prinzip ein schlechtes Programm wäre. Sondern weil das Gros der Hörer sich die Mühe der Qualitäts-Differenzierung gar nicht machen wollte. Mit gutem Grund: die Leute sind mündig genug, sich beispielsweise ihr Musikbedürfnis nicht vorschreiben zu lassen. Ein Stockinger, der heute Dua Lipa, Alle Farben und Justin Bieber aus dem Programm streichen würde, weil diese Breitband-Kompositionen seinem erlauchten Selektions-Anspruch nicht genügen? Zum Glück würde DAS heute einen Shitstorm provozieren, denn damit würde den Hörern etwas vorenthalten, was sie nun einmal gern hören möchten! Diese Hybris ist niemals gerechtfertigt oder gar ein Zeichen für Können, sondern immer und grundsätzlich unangebracht.

    Ich stehe voll hinter meinem Neuzeit-Formatradio-Programm, es ist mir nie peinlich und ich werde darüber auch zu keiner Sekunde zynisch. Kein Berater schreibt mir das vor. Es ist viel einfacher: Programmmacher, die so oft wie möglich mit ihren Hörern in Kontakt sind - sei es auf Events, facebook oder an der Studiohotline - wissen aus erster Quelle, was ankommt und was nicht. Die Hörer sagen es ihnen nämlich, oft direkt und manchmal sogar schmerzhaft. Dabei kommt viel brauchbares raus. Aber einen Ruf nach SWF3, sorry, der war bisher noch nicht dabei.
     
    Yannick91 gefällt das.
  21. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Man kann einen Eimer nur so weit mit Wasser füllen, bis das unterste Loch erreicht ist. Dort läuft das Wasser raus. Und so wird Radio gemacht: Nur bis zum untersten Loch - bis zu dem Punkt, wo alle noch auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner eines vielfach getesteten und in Verkaufsklicks geprüften Musikgeschmacks stehen.

    Nur leider ist das - gemessen an den vieldimensionalen Möglichkeiten von Rundfunk - kein echtes Radio. Das ist nur eine gut funktionierende Verkaufsplattform für Werbespots, weshalb daran auch nichts geändert wird.
     
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  22. count down

    count down Benutzer

    Darf man sich Arroganz moralisch leisten, nur weil man es kann?
    Da stimme ich Dir vollumfänglich zu. Die Frage bleibt offen: Warum bemühen sich heutige (vergleichbare) Sender nicht, Formatgrenzen zu spreizen, mit Vielfalt das Alleinstellungsmerkmal zu festigen, schließlich Hörer zu binden? Meine Kritik wendete sich im Detail gegen das damalige SWF3. Grundsätzlich bin ich bei Stockinger.
     
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  23. Plattenschrank

    Plattenschrank Benutzer

    Ich erinnere mich noch gut, dass es durchaus von Hörern auch Kritik am Programm von SWF3 gegeben hat, die auch in diversen Sendungen offen angesprochen wurde. Das ging häufig in die Richtung, dass Titel aus den aktuellen Charts zu wenig berücksichtigt würden. Nicht umsonst waren Musikbox und Hitparade die beliebtesten Sendungen - also Sendungen, bei denen tatsächlich der Hörer die Musik bestimmt hat und die sich dementsprechend vom Rest des Programms teilweise deutlich unterschieden haben.

    Als dann irgendwann RPR 1 auftauchte und genau diese Chartmusik gespielt hat, sind leider sehr viele - vor allem jüngere - Hörer abgewandert.

    Offenbar können deutsche Radiomacher nur schwarz oder weiß. Diese ständige Bevormundung, welche Musik ich nun gut zu finden habe und welche nicht, ist mir schon immer gegen den Strich gegangen. Ganz besonders gut konnten das damals übrigens die Damen und Herren vom WDR. Mein Gott war ich froh, dass ich als Jugendlicher nicht auf dieses unsägliche Abendprogramm von WDR 2 angewiesen war!
     
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  24. RADIOWAHN

    RADIOWAHN Benutzer

    Ich habe mit Freude den Bericht gelesen.....mir spricht da jemand aus der Seele....
    Jaja, früher war früher und das ist auch schon eine Zeit hin.... aber : Das Holland-Rad meiner Mutter hält bis heute (Am Rande gesagt : Das, was sie mir in Kinderjahren mitgegeben hat auch.....aber das ist ein ganz anderes Thema....)Ach egal.

    Ich finde nichts Schlimmes daran einen Titel oder Künstler nicht zu spielen, weil man das nicht möchte (oder welche Gründe man auch immer hat...)- Das ist eben "Haltung"- basta. (ja, dafür braucht man Rückrad....aber ansonsten spricht NICHTS dagegen es genau so zu machen.... )
    Ein guter Bekannter ist in der Gastronomie tätig (Nein, nicht Kellner - Ihm gehören ein paar "Gaststätten") er nennt es "Diktat des Gastgebers" und erlaubt sich in einem Cafe´in Bester Lage KEINEN "Latte" anzubieten.(und der Laden ist immer gerappelt voll)

    Ich schäume mir jetzt erstmal einen grossen Becher Milch auf - selbstredend laktosefrei und Bio-Dynamisch (Das ganze stelle ich dann ggf. online und hoffe auf viele "likes" )
     
  25. Radiowaves

    Radiowaves Benutzer

    Als Massenprogramm sicherlich ja - und genau dafür wäre es ja zu konzipieren, also tatsächlich: Ziel verfehlt. Es gibt heute genug Ausweichmöglichkeiten, sich die geschmacklosesten und trivialsten akustischen Entgleisungen reinzufahren. Das war zu Stockingers Zeiten anders, entweder man nahm, was man bekam oder man hatte bissl Empfang aus dem Nachbar(bundes)land falls es da was anderes gab oder man hatte halt Pech gehabt. Sich alle Singles, die im Radio nicht stattfanden, zu kaufen, hätte vermutlich auch damals das Budget eines z.B. Teenies überfordert.

    Schaden dürfte niemand erlitten haben durch Müll-Aussortierung im Rundfunk. Es gibt Fälle, in denen später (z.B. in Form eines Nachrufes) einstige Hörer bestimmten Moderatoren oder Musikredakteuren zutiefst dankbar waren, ihren Musikgeschmack genau so und nicht anders geprägt zu haben. Mir sind solche Nachrufe z.B. im Falle von Peter Radszuhn (gestorben gestern vor 2 Jahren) und auch Klaus Wellershaus (da kann man einige dankbare Stimmen noch untendrunter nachlesen) bekannt.

    Das Aussortieren von Musik, die einem nicht ins Konzept passt, halte ich für absolut legitim. Umgekehrt fragt doch auch niemand, bevor er 99% der Musik, die auf diesem Planeten entsteht und von der vermutlich so manches auch sowas wie "radiotauglich" wäre, einfach nicht stattfinden lässt, sondern sich auf die 100 blödesten, inzwischen restlos gleichklingenden Titel mit der Anmutung einer simplen Spieldose beschränkt. Genau das ist ja das heutige Popradio. Und da es inzwischen seit 25-30 Jahren die Privaten gibt, die sich an der Masse orientieren müssen, wäre ein Aussortieren von Müll bei den öffentlich-rechtlichen erst recht völlig legitim (für die "Müllschlucker" gäbe es genug andere Hörfunkprogramme) und sogar das Gebot der Stunde. Allein: es tut fast niemand mehr.

    Geht mir ganz genauso, deshalb höre ich heute nullkommagarnix Popfunk mehr. Mag mich weder von den Formatdiktatoren bevormunden noch mir meine Würde nehmen lassen. Abgesehen davon, daß das ganze Drumherum ja nur noch auf Drogen zu ertragen ist. Es ist ja nicht nur die Musik belanglos, es gibt ja auch keinen sonstigen Inhalt mehr und man dreht sich nur selbstreferentiell um seinen eigenen Claim.

    Verallgemeinere bitte mal nicht so. In meinem Privatumfeld (Leute um 40) hört so etwas niemand. N-I-E-M-A-N-D. Das sind teils empfindsame Menschen, die fügen sich nicht freiwillig solche Schmerzen zu. Und/oder ihr Tag ist zu kurz, um ihn mit Scheiße zu füllen. Musik braucht da dann schon eine Aussage, die über "ich bin geil" oder "die Sonne scheint und ich mach Party" hinausgeht. Oder sie muß exotisch und unerwartet sein. Ich durfte gerade einen Sack voll Mitschnitte vom diesjährigen Rudolstadt-Festival zusammentragen und verteilen - es wird also tatsächlich gezielt nach Musik gefragt, die es wert ist, die noch Seele hat, die Leidenschaft hat, die echte Lebensfreude (das ist was anderes als "Party!") hat. Zusammengetragen habe ich die Mitschnitte bei den Kulturwellen. Dorthin haben wir uns zurückgezogen, falls wir nicht komplett Abstand vom Radio genommen haben.

    Das ist keine Hybris, sondern zumindest nach meinem Verständnis genau das, was Musikredakteure tun sollen: Sichten, Prüfen, Bewerten - und Aussortieren. ich war ihnen zumindest immer dankbar dafür, wenn sie so getan haben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Oktober 2016
    grün, rockon und Jessie gefällt das.

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