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Türkei? EU-Beitritt?

Dieses Thema im Forum "Auszeit" wurde erstellt von Zwerg#8, 11. April 2016.

  1. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    Mir ist völlig bewußt, daß ich hier gleich voll auf die Fresse bekomme! Wirklich? Nein, nicht wirklich...

    Nur eine einzige Frage:

    Glauben die Wähler in der Türkei, daß die Türkei (als Staat und mit der vom VOLK demokratisch gewählten Regierung) reif für den Beitritt zur EU ist?

    Nein! Keine Chance! Ich kenne genug fortschrittlich(!) geprägte Türken. Aber warum wählt IHR diesen Erdogan, der eigentlich völlig weltfremd ist und der Türkei bei der EU-Annäherung definitiv keinn Gefallen tut? Ich kann es nicht anders ausdrücken.

    Ohne Presse- und Meinungsfreiheit, gibt es definitiv keinen EU-Beitritt und es gibt zuvor auch keine Visafreiheit!

    Erklärt es mir bitte! Und jetzt kommt mir bitte nicht mit irgendeiner Religion. Vorsicht.

    Erzählt mal. Wie stellen sich die (jungen und gebildeten) Türken eigentlich eine "EU-reife" Türkei vor?
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. April 2016
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  2. ricochet

    ricochet Benutzer

    Weil die einst maßvolle Politik Erdogans und die während der moderaten Anfangsjahre der AKP-Regierung angelockten Auslandsinvestitionen dem Land einen Wirtschaftsaufschwung beschert und vielen Menschen den Aufstieg in die Mittelschicht ermöglicht haben. Heute ist das ehedem zu Putschen tendierende Militär gebändigt, der Justizapparat in Ketten gelegt und die Wirtschaft befindet sich nicht zuletzt wegen der autoritären Anwandlungen des Staatspräsidenten und der daraus erwachsenen internationalen Vertrauenskrise auf Talfahrt. Trotzdem sind ihm viele Menschen in Dankbarkeit verbunden.

    Mit fast allen Nachbarstaaten und ehemaligen Verbündeten hat sich Ankara überworfen, darunter Russland und Israel, der aggressive Schwenk in der Kurdenpolitik brachte Erdogan bei den auf kurdische Rebellen in Syrien setzenden Amerikanern in Misskredit und der Rest der Nato-Partner misstraut den Türken ebenso sehr. Russland hat der Türkei nach einem vorsätzlichen Flugzeugabschuss an der syrischen Grenze den Fehdehandschuh hingeworfen und wirtschaftliche Strafmaßnahmen eingeleitet. Die Golfstaaten wiederum sehen in Erdogan einen orientalischen Möchtegern-Potentaten, der die Türkei zur bestimmenden Macht im mittleren Osten aufbauen möchte und vom Iran mitsamt der libanesischen Hisbollah hat Erdogan wegen seiner Positionierung im Syrienkrieg nicht viel zu erwarten.

    Die Türkei ist heute tief gespalten in meist städtische Erdogan-Gegner und loyale Kleinbürger, die seiner Wirtschaftspolitik viel zu verdanken haben. Doch auch Erdogan spürt dass seine zügellosen Eskapaden (protziger "Sultanspalast" trotz Bauverbots etc.) seinem Ansehen schwer geschadet haben und baut durch den eingeleiteten Totalumbau des Staatswesens zukünftigen Wahlniederlagen vor, indem er die Medien unter seine Knute zwingt, mit Gegnern gnadenlos abrechnet und alle Staatsinstanzen gefügig macht, indem er Schlüsselpositionen mit willfährigen Gefolgsleuten und dienstbaren Vasallen besetzt. So wird der Rechtsstaat ausgehölt und Angst gesät, und wer sich dem Präsidenten entgegenstellt riskiert polizeiliche und gerichtliche Verfolgung oder die Zerschlagung seines Unternehmens, z.B. durch fingierte Steuernachforderungen bis an den Rand der Zahlungsunfähigkeit.

    Auch die den Kurden nahestehende HDP, die Erdogan bei der vorletzten Wahl die absolute Mehrheit kostete, könnte wegen konstruierter Vorwürfe der PKK-Nähe in ihrem Bestand gefährdet sein. Beinah jeder, der an den Kampfhandlungen gegen kurdische Freischärler und an den zivilen Opfern der Armeeinsätze auch nur die leiseste Kritik übt wird als Terrorsympathisant und PKK-Unterstützer gebrandmarkt und vor Gericht gezerrt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. April 2016
  3. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    Ohh - so ein Zufall!

    Bitte immer alles im Auge behalten.

    (Erstmal) Kein weiterer Kommentar.
     
  4. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    Die "Lage" spitzt sich immer weiter zu. Ich sags nur. Soll ich wirklich erst die "ARD-Infonacht" von heute ab 2300 hier als Mitschnitt reinstellen?

    Meine lieben türkischen Mitbürger. So wird das einfach nix. Punkt! Erdogan ist nicht euer Freund!

    BTW: Es ist sehr interessant zu hören, wie sich die vertretene "Meinung" im öffentlich-rechtlichen Rundfunk über die Monate hinweg ändert...

    Ich habe im März nicht die AfD gewählt, ich sehe/höre aber trotzdem diese schleichenden Veränderungen. Der "Rechtsruck" in Europa ist mittlerweile auch im Rundfunk angekommen...
     
  5. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    Vielen Dank an den Korri in NY. Es ist - in der Gesamtheit gesehen - einfach eine Schande! Die UNO hat (wieder mal) versagt. Das macht sie schon, seitdem ich lebe und Nachrichen höre .

    Ja, ja, das hat jetzt nichts mit der Türkei (und den Zuständen dort) zu tun. Oder doch?
     
  6. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    @ARD-Infonacht: Merkt ihr wirklich nicht, daß die Reporterin bei der Reportage fast heult, den Tränen nah ist? Und ihr wiederholt diese Scheiße (in der Aufzeichnung) im 15 Minuten Rhythmus. Das Nachrichtengeschäft ist einfach eine ganz große Scheiße!

    Natürlich habe ich die Aufzeichnung vorliegen. Ich frage mich im Moment durchaus auch, ob ich das als gemeiner Hörer überhaupt wissen will. Natürlich. Aber die "richtige" Antwort ist wirklich nicht einfach...
     
  7. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    Und erneut der Bericht von Sabrina Fritz (oder wie immer sie heißt). Die Frau ist "fertig" - total runter. Muß das im "ARD-Inforadio "so sein?

    Ich habe am 14. November 2015 ganz früh am Morgen auch beim "Inforadio" reingehört. Ich hab damals "was persönliches" hier im Forum geschrieben:

    http://www.radioforen.de/index.php?threads/bombenanschlag-in-paris.40099/#post-724081

    Fast niemand (Wer ist Niemand?) hat darauf reagiert. Ihr seid einfach nur noch "kalt". Das ist erschreckend!
     
  8. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    Die "Nachrichtenfrau" in den 1 Uhr Nachrichten hat gerade mit den Tränen gekämpft. Man hat es gehört. Ich habe es gehört. Ich bin bei Dir! Bleib einfach locker.

    Und Frau Fritz hatte gerade einen Kloß im Hals... Alles okay? Nicht ganz. Ich höre aber wenigstens genauer zu...
     
  9. Berlinerradio

    Berlinerradio Benutzer

    die Türkei sollte erstmal ihr eigenes Land unter Kontrolle bekommen. In diesen Minuten versucht das Militär, die Regierung zu stürzen...
     
  10. ricochet

    ricochet Benutzer

    Erdogan wird die "demokratischen" Länder der Welt zu Hilfe rufen und alle werden ihre Ohren verschließen und der Heeresleitung die Daumen drücken...
     
  11. Radiokult

    Radiokult Benutzer

    Was sitzen bei n-tv eigentlich für Komiker in der Redaktion? Man übernimmt das TV-Bild von CNN Türk und sieht wie die dortige Moderatorin live mit Erdogan per Handy telefoniert. Statt sich da auch mal in den Ton reinzuklinken, kommt nur mehr oder weniger belangloses Geschwafel, weils aufgrund der aktuell sehr unübersichtlichen Lage auch nichts gesichertes zu berichten gibt. Ganz großes Kino...
     
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  12. ricochet

    ricochet Benutzer

    Der Putsch scheint abgewendet, nicht zuletzt wegen der fehlenden Unterstützung im Militärapparat. Aber folgenlos wird dieser Vorgang für die Regierung nicht sein, nur zu deutlich wurden der AKP die Grenzen ihrer Macht aufgezeigt. Vielleicht war das Ganze ja auch eine Art Warnschuss, der dann aber in ungeahnter Weise eskalierte. Die Heeresleitung muss bis zu einem gewissen Grad eingeweiht sein, schließlich laufen die personellen und logistischen Vorbereitungen des "Coups" schon seit Tagen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Juli 2016
  13. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    Ich glaube, das eigentliche Thema dieses Threads hat sich bis zum Ende meiner Tage erledigt. Ja, in der Türkei geht es praktisch "wie auf dem Basar" zu. Das kann einfach nicht sein, wenn man seitens der Türkei bei der EU "anklopft" oder wegen der "Flüchtlingskrise" versucht einen Deal (Visafreiheit etc.) auszuhandeln.

    Bei näherer Betrachtung ist es aber schon irgendwie kurios, daß die Türkei seit 1952 Mitglied der NATO ist (logischerweise strategische Bedeutung des Landes im großen "Ost-West-(Vor)machtpoker"), es am 12.9.1980 zu einem "Militärputsch" kam und nun erneut Teile des Militärs versucht haben zu putschen. Das ist wirklich nicht "vertrauensbildend". In einem Satz (taken from "Stammtisch"): Ich will die Türkei nicht in der EU haben. Niemand will das. Es ist schon "weit aus dem Fenster gelehnt", wenn westliche Politiker (Merkel & Co) dazu aufrufen, die demokratisch gewählte Regierung Erdogan zu unterstützen. Im Prinzip haben sie ja damit Recht...


    Das Thema hat sich also erledigt. Darüber muß niemand mehr ein Wort verlieren. Punkt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Juli 2016
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  14. Berlinerradio

    Berlinerradio Benutzer

    nun überlegen sie in der türkischen Regierung, die Todesstrafe wieder einzuführen. Willkommen im 21. Jahrhundert.
     
  15. rockon

    rockon Benutzer

    Diese Arschkriecherei vor (oder hinter) Erdogan ist vielleicht politisch
    korrekt, aber sie entspricht keinesfalls dem Empfinden der deutschen Bürger.
     
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  16. Radiokult

    Radiokult Benutzer

    Nicht nur der deutschen Bürger. Aber wir haben nunmal das Problem mit dem Asylanten-Deal. Wenn Erdogan salopp gesagt keinen Bock mehr hat und alle ziehen läßt wohin sie wollen, wirds in ganz Europa "lustig". Und das kann nun wirklich niemand mit gesundem Menschenverstand wollen. Das eigentlche Dilemma ist immer noch dasselbe und eine für alle befriedigende Lösung nicht in Sicht...
     
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  17. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    Nur damit der Satz nicht "wegkommt":
    Es ist schon beeindruckend zu sehen, wie schnell man von der Wirklichkeit eingeholt werden kann. Normalerweise würde ich jetzt einen ;) setzen. Mir ist heute aber nicht danach.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Juli 2016
  18. freiwild

    freiwild Benutzer

    Nun ja, es ist gebändigt. Denn es war, anders als früher, eben nicht in der Lage, einen erfolgreichen Putsch durchzuführen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Juli 2016
  19. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    Wortklauberei? Du?

    Es ging doch nur darum, daß @ricochet in seinem Posting das Militär in der Türkei als "Macht im Staat" ausgemacht und benannt hat. Die Bundeswehr hat eigentlich auch reichlich Macht in der Hand. Wir sind in DE aber nicht "auf dem Basar". Noch nicht. (Man beende den letzten Satz alternativ mit einem Fragezeichen.)

    Die NVA hat auch Macht gehabt. Sie hat 1989 aber die "Wende" nicht verhindert, obwohl sie das sicher gekonnt hätte. Die Vernunft hat gesiegt. Das ist der feine Unterschied. Oh ja, jetzt kommt garantiert ein Klugscheißer mit den Schüssen an der Grenze an...
     
  20. Inselkobi

    Inselkobi Benutzer

    Dasselbe schaffte im Anschluss - heute Vormittag - auch noch Phoenix.

    Viel interessanter wäre doch die Frage gewesen, anstatt lediglich die Erdogananhänger ins Bild zu nehmen, auch die Gegenseite anzusehen. Davon gab es ebenfalls eine Menge. Die wurden allerdings weniger über die deutschen Nachrichtensender verbreitet. Hierzulande konnte man sich eher über die ein Bild via Periscope, Twitter & Co. machen.
    Auch erstaunlich: Noch in der Nacht wurden die ersten Stimmen aus der Türkei laut, es könne sich um eine von der Regierung geplante Aktion handeln. Das schrieben unter anderem Journalisten der dpa via Twitter. Selbst davon berichteten die Medien hier entweder nichts oder erst in den frühen Morgenstunden SEHR zögerlich.
     
  21. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Wer heute mal in der Welt am Sonntag oder in der FAS die Analysen und Putschprotokolle zu den Vorgängen in der Türkei aufmerksam liest, den muss der Verdacht beschleichen, dass dieser "Putschversuch" gar kein solcher war, sondern eine planvolle Inszenierung, die Erdogan nun hilft, ohne lästige demokratische oder juristische Spielregeln das Land nach seinen Wünschen auszukehren.
    Es ist schade um die Türkei, aber ich befürchte, wir sehen sie am Beginn eines schon vorgezeichneten Weges, der aus westlicher Sicht jedenfalls nicht als Fortschritt bezeichnet werden kann.
     
  22. Tweety

    Tweety Benutzer

    Womit? Mit nicht fahrenden Panzern oder nicht fliegenden Hubschraubern? Vielleicht auch mit den Sturmgewehr G 36? Oh, da haben wir aber Angst. Ganz ehrlich, wenn die putschen würden, sollten die dies vorher sehr grossräumig ankündigen ansonsten würden es wohl keiner mitbekommen. Am besten per WhatsApp, falls man IT-Spezialisten hat die sich damit auskennen.

    Das einzig noch verbliebene noch funktionierede Material ist eh in Afghanistan oder an der Nato-Ostgrenze. Von daher kann man da ganz entspannt bleiben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Juli 2016
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  23. legasthenix

    legasthenix Benutzer

    Die Gefahr, dass der Feind sich totlacht, dürfte am größten sein! Bundeswehr
     
  24. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    Daß die ersten "Schützenpanzerwagen"gleich nach dem Verlassen der Kaserne liegenbleiben, war auch in der DDR kein großes Staatsgeheimnis. Diese Fahrzeuge standen ja gut sichtbar am Straßenrand auf dem Weg zum Übungsgelände - Ölspuren inklusive. Peinlich. Und gerade in Berlin, wo die vier Siegermächte sowieso alle Truppenbewegungen hautnah beobachten konnten (praktisch Diplomatenstatus - ich müßte das jetzt näher ausführen) blieb das natürlich nicht unbemerkt. Die Amis und Briten waren immer nah dran. Die haben alles fotografiert.

    Keep cool - dafür war "AFN-Berlin" richtig gut...
     
  25. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    Ich frage jetzt nur die "Meinungsmacher" (das sind durchaus auch Journalisten):

    Wie soll ich die Schließung von Zeitungen, Radio/TV- Sendern in der Türkei im Ausland erklären?

    Kommt mir jetzt bitte nicht mit "dummen Sprüchen"! Verärgert mich bitte nicht.
     

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