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Warum manche Nachrichtensprecher/innen nerven - schönes Experiment

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von Unterstützer, 08. September 2015.

  1. Unterstützer

    Unterstützer Benutzer

  2. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Um die in den Links versammelten Erkenntnisse zu vermitteln hätte es auch gereicht, alle das Sprechen betreffenden Postings von @OnkelOtto zusammenzufassen.
     
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  3. TS2010

    TS2010 Benutzer

    Was da noch fehlt in der Sammlung ist lautes Einatmen nach jedem Satz.
     
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  4. Redakteur

    Redakteur Benutzer

    Gleichermaßen falsch angewandte Räuspertasten, die bei bestimmten Sprechern und Gebrauchsmustern nebulöse Schnappatmung erklingen lassen. Man erinnere sich hierzu an die Zentralnachrichten der BLR oder an den sonst überaus soliden Jürgen Franz beim SWR in Baden-Baden.
     
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  5. WalterBar

    WalterBar Benutzer

    Glücklicherweise stellen die seriösen, wortlastigen Programmveranstalter Sprecher ein, die ihr Handwerk gelernt haben. Im Allgemeinen sind die Nachrichten auch schnell vorbei, was den Nervigkeitsfaktor in Grenzen hält. Mehr Probleme habe ich mit den Leuten, die Mitte zwanzig stehend (gedopt?) vor dem Mikrofon herumschreien.
     
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  6. Radiowaves

    Radiowaves Benutzer

    Interessant, wozu man alles forschen kann.

    Ich muß zwingend noch eines hinzufügen:

    exzessives Voice- und Soundprocessing

    Das macht aus der angenehmsten Stimme ekelhaftes Geschmatze mit Speichelfluß- und Lippenverschlußgeräuschen, aufgedunsene Alienstimmen, wummerndes Dröhnen und anderes Elend. Hintergrundgeräusche werden gnadenlos hochgerissen und ggf. tritt ein (für sich alleine bereits schauderhaftes) Gate im Mikrofonweg als "Schalter" für die Raumathmosphäre dadurch noch brutaler zu Tage. Auch Versäumnisse der Studiotechnik werden damit schön verstärkt, z.B. das schon legendäre Brummen des Mikrofonweges bei den MDR-Zentralnachrichten aus Halle oder das Brummen eines der Mikrofone "nahe der Tür" (Gast oder Nachrichten) bei Radio Eins.

    Ich habe es lange nicht mehr gemacht (bemerke gerade, habe seit mindestens einem Monat kein Radio mehr gehört), aber der Selbstversuch beim MDR sollte noch funktionieren. Einfach mal die Nachrichten um 23 Uhr oder später durchhören, wenn alles zusammengeschaltet ist, und zwar auf

    MDR Figaro (manierlich, es spricht ein Mensch)
    MDR Info (weitgehend manierlich, es spricht der gleiche Mensch)
    MDR Sachsen-Anhalt (laut, gepreßt, grell, spitz, vielleicht noch als der gleiche Sprecher erkennbar)
    MDR 1 Sachsen (laut, dröhnend, wummernd, ... ist das noch der gleiche Sprecher?)
    MDR Thüringen (rotzig-grollend verzerrt, brüllend laut, fetter Brumm, spricht hier noch ein Mensch?)

    Zumindest vor einigen Monaten konnte mans nicht besser dokumentieren, was perverses Processing anrichtet.


    Weiterhin im Angebot und nicht bzw. kaum im Einflußbereich des Sprechers:

    - mieserable Studioakustik (Nachrichten aus dem Glaskasten, Nachrichten aus einem telefonzellengroßen Studio, Nachrichten aus einem kleinen Raum mit parallelen Wänden, Nachrichten aus einem Raum ohne kontrollierte Nachhallzeit durch gezieltes Einstellen des akustischen Schluckgrades der Wände, Glasscheibe hinter (!) dem Specherplatz, Nachrichten aus dem Großraumbüro)

    - ungeeignete Mikrofone (ploppender, topfig-dumpfer bzw. nasaler Sound aus z.B. ElectroVoice RE20 oder Shure SM7B, manchmal aber immer noch das kleinere Übel aufgrund hundsmiserabler Raumakustik)

    - Headset-Geschnorchel (ja, in manchen "Studios" gehts akustisch nicht anders, aber warum dann nicht gleich ein Kehlkopfmikrofon vom Panzerfahrer?)

    - ungeeigneter, viel zu kleiner Sprechabstand (oft dem miesen Raum geschuldet, geht man weiter weg, hört man nur noch Hall)

    - Hintergrundgeräusche (PC-Lüfter oder Klimaanlage, offenes "Studio", ...)

    Am saubersten ist immer noch ein sehr gut vom Umfeld entkoppelter Sprecherraum, ideal auf eigenem Fundament gegen Trittschallübertragung und mit doppelwandigem Aufbau - in den 50er und 60er Jahren baute man in Ost und West mit diesem Aufwand. Dazu anständig eingestellte Nachhallzeit und Bedämpfung durch entsprechenden Wandaufbau (Schlitz- oder Lochplattenabsorber in geschickt gewähltem Bedeckungsgrad der Wände, auch Absorber für tiefe Frequenzen), keine parallelen Wände, keine Glasscheibe hinter dem Sprecher (bzw. mit schwerem Vorhang verschlossen). Dann ein Kondensator-Kleinmembranmikrofon mit kleinem Schirm gegen Ploppen (gut für mehr optische "Durchsicht" im Studio) und ggf. etwas Bedämpfung der Höhen im Signalweg oder freilich auch ein Großmembranmikrofon anerkannter Qualität. Wichtig ist dabei die Auslegung als "untenrum glatt" im Freifeld (also ohne derbe künstliche Absenkung zur Ermöglichung von Nahbesprechung) und dann der dafür nötige Sprechabstand von ca. 20-30 cm, der auch dem Ablesen der Nachrichten dienlich ist (kein "Kleben" am Mikrofon), gewisse Immunität gegenüber geringen Variationen des Sprechabstandes und -winkels. Dahinter ein sehr sanfter (!) Kompressor mit Limiter, der im Notfall greift und den Pegel beherrschbar macht. Dann wird das auch was.

    Ein anständiger Sprecher aus anständigem Studio mit anständigem Mikrofon klingt unverzerrt sauber, präsent, nicht penetrant und ggf. wenn gewünscht leicht "distanziert". Dann stören manche Eigenheiten in der Aussprache oder Stimme überhaupt nicht mehr.

    Nachtrag: habe noch ältere Beispiele gefunden vom MDR. Figaro war nicht dabei, aber Info ist auch ok, dann verglichen mit dem übelsten Processing beim MDR, MDR Thüringen. Das sind Originaldateien von DVB-S, nix verändert, nix anders gepegelt. Man beachte, wie man die völlig angenehme, saubere Stimme komplett ruiniert, wie der Pegel in den Sprechpausen bei MDR Thüringen pumpt (es regelt sofort hoch) und wie fein man das Wetterbett vermutlich aus dem Kopfhörer des Sprechers in Halle dann in die anderen Programme reingekoppelt bekommt.
     

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    Zuletzt bearbeitet: 09. September 2015
  7. Radiocat

    Radiocat Benutzer

    @Radiowaves: Ja, wo denkst Du hin, das kostet ja alles Geld. Geld, das man lieber für andere Dinge ausgibt. Wir "Klangfetischisten" sind doch sowieso eine aussterbende Minderheit. Heute geht es nur um: Laut und Präsent. So lange man die Worte noch versteht und es "fett" klingt, ist alles andere wurscht.
     
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  8. Radiowaves

    Radiowaves Benutzer

    Das kostet kaum Geld, denn es war seit langem vorhanden. Geld kosten die ganzen neuen Glaskästen, die alle 12 Jahre weitgehend aus "optischen" und Lifestyle-Gründen und teils aus Workflow-Gründen neugebauten Studiokomplexe, die immer neuen Soundprozessoren und Mikrofonprozessoren, die mit der Mode gewechselten Mikrofone (z.B. UM70 -> MD421 -> RE20 -> BCM104). Im Ergebnis ists nur in seltenen Fällen besser geworden. Man erinnere sich an die Entgleisung beim WDR, wo die Nachrichten aus dem neuen "Studio" wie aus einer Abwasserröhre klangen.
     
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  9. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    @Radiowaves Was Du in der zweiten Hälfte deines Postings beschreibst, das waren bis vor 25 Jahren noch die selbstverständlich anerkannten und überall auch eingehaltenen Standards. Und in allen Sendern war klar: Das kostet es eben, wenn man Radio machen will.
    Das, was Du in der ersten Hälfte deines Postings beschreibst, ist das, was draus geworden ist. Der Niedergang eines einstigen Qualitätsanspruches.

    Es fehlt nur noch die Bemerkung: Ebenso wie es auf Seiten der technischen Qualität eine Aufgabe aller Standards und ein ausschließlich kostengetriebenes Herunterdumpen gegeben hat, ist es auch auf der Seite der Inhalte und auf Seiten der Mitarbeiterqualifikation geschehen. Das Ergebnis ist die heutige Radiolandschaft.
     
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  10. Radiowaves

    Radiowaves Benutzer

    Es kostet, klar. Aber es kostet nicht so oft, wie es heute kostet bei den sogenannten "Innovationszyklen". Die inzwischen verrotteten Sendestudios des Rundfunks der DDR (Block E-T Nalepastraße) hätten dringend neue Außenfenster gebraucht (die waren alsbald nach Eröffnung 1964/65 hin aufgrund von Feuchtigkeit), hätte sicher mal neue Stoffbespannung vor der Wandverkleidung (Glaswolle, braucht Rieselschutz) gebraucht und eine neue Klimaanlage sowie andere Beleuchtung. Die Leuchtstofflampen, die da verbaut waren, wurden mit abgesetzten Drosseln ausgestattet, da Drosseln nunmal brummen. Die Drosseln kamen in die Schallschleuse vor die Sprecherräume und machten dort soviel Radau, daß eine ursprünglich geplante Nutzung der auf weitgehend reflexionsfrei ausgelegten Schallschleusen als Aufnahmeort für "Außenszenen" bei kleineren Spielszenen im Studio nicht in Frage kamen.

    Aber das wäre es dann auch gewesen. Ansonsten halt wenn notwendig neue Technik einbauen und die Studios ansonsten als Bausubstanz erhalten. Aber heute muß man ja immer mal was umräumen, die Redaktion rings ums Studio anordnen, viel Glas einbauen damits übel klingt, ein neues Funkhaus bauen, wegen "Trimedialität" die ganze Welt umräumen, ...

    Was heutiges Voice- und Soundprocessing in Tateinheit mit 96 kbps HE-AAC auf DAB zu leisten vermag, mag dieses aktuelle Beispiel (Originaldaten) von Radio Eins verdeutlichen: Freddy Dreamer hat eine "gewöhnungsbedürftige" Stimme. Aber was da draus gemacht wird, kann man eigentlich nicht ernstgemeint den Hörern anbieten. Es ist unfassbar. Das ist sie, die moderne Digitaltechnik mit ihrer "CD-Qualität", verbogen durch eines der kaputtesten Processings der ganzen ARD (nach "neusten hörphysiologischen Erkenntnissen"). Und ja, das soll so. Der RBB will das ausdrücklich so. Damit das auf DAB so herrlich klingen kann, mußte, da nur eine Leitung vorhanden, auch der DVB-Weg dran glauben.

    Herzlichen Glückwunsch, RBB!
     

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    Zuletzt bearbeitet: 09. September 2015
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  11. Radiocat

    Radiocat Benutzer

    Gewöhnungsbedürftig ist nett gesagt. Das ist ja schon fast ein leichter Sprachfehler..."radiotauglich" ist was anderes. Gut, der Mann hat zweifelsfrei andere Kompetenzen. Typisch überzogener Optimod-Sound ansonsten. Jedes Lispeln und Schmatzen ist so laut wie der Rest der Sprache.
     
  12. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Zuletzt bearbeitet: 09. September 2015
  13. OnkelOtto

    OnkelOtto Benutzer

    Ein Aspekt noch, der mir zum Klangdesign "Wort" einfällt: Das klassisch Offiziöse in der Stimme eines Nachrichtensprechers entsteht durch Stimmklang/Diktion plus Studioakustik (minus technische Mikrofon-Allürchen). Nun ist dieses Offiziöse aber seit längerem nicht mehr gewünscht. (Bei Wikipedia stünde hinter diesem Satz nun eine hochgestellte 1 mit 400 Quellenangaben). Ergo muss man auch keine teuren Studios mit Holzvertäfelung mehr anschaffen. Man schnorchelt und japst sich lieber durch das bunte Glutamat-Sounddesing des Radios. Und wo gar Sinfoniekonzerte im digitalen Bläh-Format absaufen, sollte man sich nicht über Sprecher- und Moderatorenklänge wundern, die eher dem Luftholen einer aufgetauchten Karettschildkröte ähneln als gesprochenem Wort.
     
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  14. Inselkobi

    Inselkobi Benutzer

    Danke für die Erklärung weshalb DAB+-Gequäke als "CD-Qualität" angesehen wird, @OnkelOtto.
     
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  15. Radiowaves

    Radiowaves Benutzer

    Daß es nicht gewünscht ist, das merken wir. Aber wer hat gewünscht, daß es nicht mehr gewünscht ist? Oder wer hat das befunden? Die Hörer (die mehrheitlich keine Ahnung von den technischen Aspekten und ihren Konsequenzen haben und als reine Nutzer an die Sache rangehen)? Die Berater (weil sie es aus den USA kennen und es da 1990 schon so übel klang wie inzwischen mit Ausnahme der Kulturwellen auch in Deutschland, inkl. des dazu "passenden" und einst für Saxophonabnahme entwickelten Mikrofons)? Die Programmchefs (warum wollen sie, daß man die Sprecher z.B. akustisch einfach nicht mehr versteht)? Die Intendanz? Oder gar der technische Hörfunkbetriebsleiter (kann ich mir nicht vorstellen, über einen von ihnen heißt es, "er wurde gebrochen")?
     
  16. OnkelOtto

    OnkelOtto Benutzer

    Ich denke, das war ein schleichender Prozess. Irgendwann - ich entsinne mich dunkel - in den frühen 80ern mussten wir Sprecher "Kondensatormikrofone" ausprobieren. Die Hörer riefen an und meinten, wir hätten alle Asthma. Das Experiment wurde eingestellt. Im Zuge des Paradigmenwechsels von der klassischen Aufteilung (Moderator im Studio/Technik durch Glasscheibe getrennt gegenüber) hin zu den Selbstfahrerplätzen (DJ-Plätze) kamen die Optimods, die Voice-Cards usw. Und Nachbarsender dröhnten alles dicht. Man steuerte nach. usw. usw. Und nun klingt alles so, wie's halt klingt. Das war eine Entwicklung, keine einsame Entscheidung, die plötzlich alles geändert hätte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. September 2015
  17. Dr. Fu Man Chu

    Dr. Fu Man Chu Benutzer

    Ich bin wirklich kein Freund von Technik-Huberei, denn Technik sollte nie Selbstzweck sein. Guter Sound ist eben nur teilweise eine Frage von Investitionen in Technik und Studiobau. Aber von den nun wirklich nicht armen Öffis kann man verlangen, das ein bestimmtes Qualitätsnivau einfach eingehalten wird. Wir reden nicht über kleine Lokalklitschen. Wenn es bei den Öffis nicht hinhaut, dann liegt es an Menschen, die scheinbar nicht professionell arbeiten können (wollen?). Meine Beobachtung in x-Branchen: überall gibt es absolute Profis (die fast immer sehr ruhig und zurückhaltend sind) und dann jede Menge Lautsprecher, die angeblich alles super gut können, bla - bla - bla. Nur schaut man sich einmal ihre Arbeit genauer an, da ist oft nicht einmal schöner Schein vorhanden. Aber bitte, sage keiner früher war alles besser. Außerdem, was nützt das höchste technische Niveau/Sound, wenn es inhaltlich langweilig und beliebig ist?

    Das ist Öffis zur Luschigkeit neigen? Ganz einfach, das Gebührengeld fließt auch so und im Rundfunkrat sitzt die politische Klasse, da sind leider Pfründe & Proporz entscheidende Kriterien. Es gibt eben keine echte Hörer- bzw. Zuschauer-/Senderbeziehung. Das ist der Preis, wenn man das System entkoppelt.
     
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  18. Radiowaves

    Radiowaves Benutzer

    @Dr. Fu Man Chu

    Die Öffis haben oft genug die Möglichkeit, ordentlich zu klingen oder zumindest brauchbar anständig zu klingen, so wie es die heutigen Studios noch ermöglichen könnten. Doch dann kommt das Heiligtum - das Soundprocessing - und alles ist kaputt. Und das ist keine Folge von Ahnungslosigkeit oder Schlamperei, sondern von Absicht.

    Ein anständiger UKW-Prozessor, der genau das tut, was man auf UKW machen muß (!), um nicht zerrig-spuckig zu klingen, war/ist z.B. der Jünger d07. Kompakte Kiste, nur 1 Höheneinheit, fast nix einzustellen - und verdichtet auf Wunsch auch minimal bis deutlich, wenn das Programm etwas "dichter" daherkommen soll, weils z.B. nicht nur ein "Wohnzimmerprogramm" ist, sondern auch unterwegs gehört wird. Klingt dabei immer noch weitgehend manierlich, bei dezenterer Kompression bemerkt man Unterschiede nur im A/B-Vergleich, nicht aber an Verfärbungen oder Klirr. Kosten: unter 4 kEUR. Ist der Standardprozessor der Kulturwellen.

    Die bei den meisten Programmen verwendeten Geräte von Orban (Optimod) und Omnia nehmen mehr Platz weg, kosten das zweieinhalb- bis vierfache (das ganze ist mit der Anzahl der auszuspielenden Regios zu multiplizieren) und haben zusätzlich halt den eingebauten "Glutamat-Streuer". Der wird dann gerne noch aggressiv eingestellt. Letzteres ist sicher mitunter Unvermögen, aber der prinzipielle Einsatz dieser deutlich teureren Kisten ist Absicht. Man will so klingen. Jünger vor vielen Jahren sinngemäß auf der Homepage: "wir haben dem BR für seine Hörfunkwellen x Stück d07 geliefert. Ausnahme: Bayern 1 und Bayern 3, die wollen einen Sound, den wir nicht erzeugen können."

    Es wird teils noch schräger: offenbar gibt es inzwischen Setups, bei denen die eigentliche Signalbearbeitung für UKW einem finalen Jünger d07 überlassen wird (der handhabt mit seiner "adaptiven Preemphasis" das Processing anders als der Wettbewerb) - und davor sitzt ein Orban oder Omnia und ist ausschließlich (!) dafür da, das Signal kaputtzutrümmern. Für die Einhaltung der UKW-Parameter wäre er überflüssig.

    Selbst diese Geräte wären aber in der Lage, sich ausschließlich auf die Einhaltung der UKW-Parameter zu konzentrieren und ansonsten nichts kaputtzumachen, wenn man die entsprechenden Funktionsblöcke deaktiviert oder sehr dezent einstellt. Beispiel: "Lass knacken" mit Reinke und Koschwitz auf hr 1. Unmittelbar vor Beginn der Sendung wird beim hr im Schaltraum alles außer der notwendigen UKW-Signalbearbeitung aus dem Signalweg genommen. Dann folgen saubere Stunden (ja, auch aus heutigen Studios, wobei das nicht das reguläre hr1-Studio ist, sondern ein modernisiertes Studio im Rundbau mit kleiner Regie und Techniker-gefahrenem Ablauf) und am Ende wird vor den Nachrichten wieder derbe Kompression und Verfärbung reingedreht. In den Stunden dazwischen werden die Modulationsparameter auch eingehalten. Man kann also, man weiß wie - aber man will (Management?) bzw. darf (Technik?) nicht.

    Immerhin sind die anspruchsvolleren Wellen mindestens leidlich sauber bis sehr sauber. Da gibt es also recht wenig Grund zum Klagen (ab und an ist mal beim DLF eine zugelieferte Sendung vergurkt, da müßte man dann schauen, warum). Bei den Popwellen könnte es einem ja beinahe egal sein, aber wenn die Sprachverständlichkeit leidet und die Sprecher lästig werden, weil das Processing mutwillig überzogen ist, läuft da meiner Ansicht nach was schief.

    Meine Eltern hatten das unsägliche MDR Thüringen in der Küche laufen, für die Nachrichten. Sie wollten halt Thüringer Nachrichten. Mein schwerhöriger Vater mußte fast ins Radio kriechen und verstand nichts. Mehrmals schickte er mich los, ich solle den Empfang verbessern. Doch der ist bestmöglich. Ein kleiner Dreh zum DLF und schon sind die Nachrichten barrierefrei auch für ihn als schwerhörigen Senior. Sind nun halt keine Thüringer Nachrichten mehr, dafür aber generell anständige. Tschüss, MDR...
     
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