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Was kostet...

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von JunkFM, 28. Juni 2003.

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  1. JunkFM

    JunkFM Benutzer

    ...denn ein (guter?) Moderator, die Technik, die Lizenz in Deutschland?

    Nein, es geht mir nicht um konkrete Zahlen und nicht um die Gründung eines Senders (Gott bewahre!).

    Es geht um die Frage: Ist es anderorts günstiger? Spielen nicht die Kosten die fast einzige Rolle bei der Gestaltung der Radioszene?

    Können bei uns nur Musikcomputer Sendung machen, weil sie am billigsten sind, während in anderen Ländern Moderatoren ohne Ende quatschen und wohl auch nicht mehr kosten?

    Gibt es woanders deswegen viel mehr kleine lokale Stationen, nicht nur weil es vom Gesetz erlaubt ist, sondern auch, weil sie finanzierbar sind?

    Gibt es deswegen die Vielfalt, die Kreativität, die Personalities und ein gutes Programm in Deutschland nicht, weil es keiner bezahlen könnte?

    Sind deutsche Moderatoren die teuersten?

    Fragen über Fragen...
     
  2. oha

    oha Benutzer

    gute, wichtige frage! her mit den vergleichsdaten!

    die erfahrung zeigt doch, das gerade im privaten radio das geld nicht mehr zu werden scheint...sinkende werbeeinnahmen machen zwangsläufig das programm uninteressanter und das wiederum macht das werbeumfeld unattraktiver und so weiter...aber reich wird man beim privatradio ohnehin nicht, oder?
     
  3. Sassa

    Sassa Gesperrter Benutzer

    Ich habe damals bei den allerersten Privatradios ( Anfang 80er Jahre) mitgemacht und eines beobachtet:

    Das Geld wurde damals vor allem ins Programm selbst gesteckt und weniger in Verpackung und "Beratung".
    Es gab keinerlei Ausgaben für BERATER, für JINGLE-Firmen ( wurden alle selbstgemacht), der Geschäftsführer bzw. Programmleiter war auch Moderator und Reporter und nicht nur
    Repräsentant.
    Die beliebten Moderatoren waren auch als Werbeverkäufer unterwegs und haben nicht wenige Aufträge reingeholt, weil sie eben bekannt waren.
    Es gab auch keinen Musikchef, jeder Moderator mußte ( durfte ) seine Platten spielen.

    Wieviel würde sich ein Sender heute sparen, wenn man keine Ausgaben für "Programmchef", für "Berater" und für Musikchef hätte.
    Dafür könnte man eine Menge engagierte Moderatoren und Werbeverkäufer haben.

    Ich habe mal mitgekriegt, daß eine Radiostation einem Berater für einen Relaunch soviel gezahlt hat, daß man dafür 1 guten Moderator ein ganzes Jahr hätte beschäftigen können.

    Es wird und wurde viel Geld verbraten nur dafür, daß man immer mehr sich ewig wiederholenden Einheitsbrei anhören muß und das hat das "Ansehen" des Radios bei vielen Werbekunden verschlechtert.

    Ich habe in Cleveland in den USA eine lokale Radiostation besucht und da hat der Inhaber selber moderiert, inzwischen hat der nächste Moderator seine Sendung am PC vorbereitet und sich die Musik selbst zusammengestellt.
    Als der dann auf Sendung war und eine neue, noch gänzlich unbekannte Platte spielte, rief jemand an, ob er diese tolle Scheibe nicht nochmal spielen könnte. Diese Anruferin war live auf Sendung und dann hat er sofort die Platte nochmal gespielt.

    Man stelle sich das bei uns vor !!

    Der ganze Sender ist ein kleines eingespieltes Team, ohne (teuren) Musikredakteur, ohne teuren PD und Berater, der Chef ist zwar der Chef, macht aber dieselbe Arbeit fürs Radioprogramm wie seine Kollegen und läßt prinzipiell jeden frei arbeiten.
    Dann gibt es da noch ein paar begeisterte nebenberufliche Moderatoren und das funktioniert so:

    Da ist z.B. ein Arzt, der ein Fachmann im Jazz ist und der gestaltet jeden Woche 2 Stunden eine Jazz-Sendung. Er bekommt kein Honorar, aber darf für seine Sendung selbst Werbung aquirieren, von den Einnahmen darf er 50% behalten.

    Auch von anderen kostengünstig operierenden Radio habe ich früher gehört, war das System so:
    Der Moderator durfte eine Sendung ganz nach seinem Geschmack gestalten, bekam aber nichts bezahlt, konnte aber gut verdienen, wenn er für seine Sendung viele Werbeeinschaltungen bekam.
    So gestaltete dieser Moderator die Sendung natürlich so, daß er möglichst viele begeisterte Zuhörer und damit Sponsoren für seine Sendung bekam.
    Für den Sender selbst entstanden nur noch die Kosten des technischen Sendebetriebes, keine Kosten für Musikred, keine für Moderator, keine für Beiträge, keine für Marketingleiter, keine für Werbevertreter ...

    So gesehen ein Radio, das wenig kosten, aber viele begeistert.
    Funktioniert aber nur für ein Lokalradio !
     
  4. JunkFM

    JunkFM Benutzer

    Klar, natürlich nur für Lokalradio, aber das ist ja das, was ich mit den vielen Kleinstsendern im Ausland meine.
    Genau so funktioniert es so oft!
    Manchmal gibt's dann halt noch einen Zusammenschluss von verschiedenen kleinen zu einem Network.

    Bei uns allerdings leidet ein so gemachtes Programm an mangelnder "Seriösität" und "Professionalität". Wie auch an anderer Stelle von jemandem erwähnt, sehe man sich bei uns einfach die offenen Kanäle und den Bürgerfunk an, der als amateurhaft und grundsätzlich schlecht abgestempelt wird.

    Warum muss ein Programm, das nicht von Beratern und zig Mitarbeitern "optimiert" wird, unbedingt schlechter klingen?

    Leider haben wir in D aber tatsächlich meist nur schlechte Beispiele solcher Programme. Sprich, es klingt tatsächlich nicht so gut, wenn jeder alles macht und machen kann, was er will. Deswegen hat man an jede Position "Profis" mit klar abgegrenzten Aufgaben gesetzt...

    Das ist wie der Unterschied zwischen einem Großunternehmen und einem Tante-Emma Laden. Tante-Emma-Radiosender sind bei uns wohl nicht erwünscht (genauso wie die kleinen Läden ja auch alle nach und nach zu machen mussten!).

    In anderen Ländern gibt es sie noch, die vielen dutzend kleinen Läden in den Straßen, die nachts offen haben und von irgendwelchen Privatmenschen betrieben werden.

    Bestes Beispiel, dass das nicht nur beim Radio bei uns anders ist!
     
  5. Vitamin C

    Vitamin C Benutzer

    Also Sassa, bei Dir könnte man glauben, du warst auf der 92,4 in München...
     
  6. berlinreporter

    berlinreporter Benutzer

    Und selbst wenn - hätten wir auf dem Radiomarkt die Freie Marktwirtschaft, dann würde sich das von alleine regeln. Leider aber ist soviel reglementiert, dass sich keine Nischen auftun, wo man mit wenig Geld und viel Enthusiasmus seine Ideen ausprobieren könnte. Außerdem trifft das Problem der hohen Lohnnebenkosten natürlich auch jeden Radiosender.

    Das Beispiel aus den USA ist natürlich ein Traum, aber hier haben wir nunmal einen großen öffentlich-rechtlichen Anteil - und deshalb wäre es ungleich schwieriger, z.B. eine Jazzsendung zu vermarkten, wenn es gleichzeitig gebührenfinanzierte Konkurrenz gibt, die keine Werbung senden muss und dennoch auf viel größere redaktionelle Ressourcen zurück greifen kann.
     
  7. Der Schwabe

    Der Schwabe Benutzer

    Es ist im Ausland teilw. schon billiger.

    Niedrigere Sende- und Leitungskosten (z. B. NL, ITA)

    Niedrigere Urheberrechtskosten (z. B. NL)

    und natürlich auch niedrigere Löhne. In vielen Ländern ist es üblich, daß das Radio (Mod, Red, Technik) nur so nebenbei mitgemacht wird.
     

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