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"Westempfang" oder: Kabelfernsehen in der DDR

Dieses Thema im Forum "Nostalgieecke" wurde erstellt von Radiowaves, 22. Oktober 2010.

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  1. Radiowaves

    Radiowaves Benutzer

    Liebe Leute,

    ich habe zwar das Gefühl, diesen Link hier schonmal irgendwann angeschleppt zu haben, finde die Stelle aber nicht mehr. Vielleicht also auch nicht... egal.

    Gerade (wieder)gefunden: die Geschichte der Kabelanlage Burgstädt, einer Kleinstadt im Bezirk Karl-Marx-Stadt. DDR-Antennenbauern war Burgstädt vor allem durch das dort ansässige Werk für Kabelfernsehkomponenten ein Begriff. Breitbandverstärker, Filter und Verteiler kamen einfach aus Burgstädt und im Treppenhaus meines Ostberliner Wohnblocks sind noch heute im Kabelschacht (abgeschaltete) orangefarbene Kisten aus Burgstädt verbaut.

    Burgstädt hatte und hat auch eine "Antennengemeinschaft". Bitte die Geschichte des Vereins lesen und genießen. Sehr, sehr geil, vor allem die Zeit bis zur Wende. Köstliche Szenen haben sich da abgespielt.

    http://www.gag-burgstaedt.de/history.htm

    Kostprobe:

    03. 05. 1986
    Kauf von 2 Stück Parabolspiegeln mit 5 m Durchmesser von einer Antennengemeinschaft in Wünschendorf zum Bau einer Back-Fire-Antenne zum ungestörten ZDF Empfang, Transport der Spiegel mit Polizeieskorte von Wünschendorf nach Burgstädt, Sperrung der Autobahn Frankenberg bis Karl-Marx-Stadt-Nord zur ungehinderten Durchfahrt des überbreiten LKW.


    Fürs ZDF... bedenkt bitte, es war tiefste, tiefste DDR. Und die Volkspolizei eskortiert...
     
  2. freiwild

    freiwild Benutzer

    AW: "Westempfang" oder: Kabelfernsehen in der DDR

    Waren diese Antennengemeinschaften in den 80er-Jahren nicht ziemlich häufig gewesen? Ich meine, wir hätten das Thema früher schonmal diskutiert, u.a. anhand dieses Tagesthemen-Videos auf den 80ern. (Oder war das im Parallelforum? - Egal!).

    Das die Volkspolizei die Sendeanlagen, mit dem die Propaganda des Klassenfeindes empfangen werden soll, nicht sabotierte, sondern eskotierte, war jedenfalls eine 180-Grad-Wende im Vergleich zu den Ochsenkopf-Aktionen des FDJ in den 50ern. Aber wer hat die Anlagen eigentlich damals bezahlt? War doch sicherlich nicht ganz günstig. Gab's da Förderung vom Staat, der seine Bürger mit Westprogrammen zum Bleiben überreden wollte? Ich tu mir nur schwer mit der Vorstellung, dass die DDR, die bis 1989 keine Zeitung geduldet hat, die nicht von den Massenorganisationen der Nationalen Front herausgegeben wurde, geduldet hat, bei privaten Rundfunkbetreibern beide Augen zugedrückt hat - auch wenn es "nur" die Weiterleitung von Westprogrammen war. Die Beschlüsse vom VIII. Parteitag der SED, die im Artikel erwähnt werden, beziehen sich doch wohl eher auf die Versorgung der DDR mit DDR-Programmen, deren Abdeckung im Inneren meines Wissens lange sehr dürftig war - die Öffnung für Programme von außen war doch erst später, oder?
     
  3. Radiokult

    Radiokult Benutzer

    AW: "Westempfang" oder: Kabelfernsehen in der DDR

    Also ich glaube hier wird Ostalgie und Nostalgie dann doch ein wenig zusammen gewürfelt, woraus sich wiederum wunderbar Legenden spinnen lassen können. Honecker hat nach verschiedenen Angaben 1973* (ich selbst hätte auf Mitte der 80er getippt) verkündet, dass es jedem DDR-Bürger freisteht, wo er sich informieren möchte. Lediglich den Staatsorganen, also Polizei etc. blieb der Genuss von Westsendern von Staatsseite aus verwehrt. Nun kann man viel darüber philosophieren, ob das nur eine Reaktion auf die Einsicht war, dass die zahlreichen Störversuche in den 50er und 60er Jahren schlußendlich doch nichts brachten oder ob das ein kleinlautes "Zugeständnis" ans Volk war. Fakt ist, das diese sogenannten Gemeinschaftsanlagen ab spätestens Mitte der 80er wie Unkraut aus dem Boden schossen. Grund dafür waren RTL, Sat1 und deren Empfangbarkeit per Kopernikus. Es wurden damals dank Materialmangels teils abstruse Antennenkonstruktionen gebastelt, um die Signale aus dem All zu bündeln und irgendwie aufzubereiten. Das alles geschah mit wohlwollenden Augen der Staatsmacht. Schließlich kam auf diesem Wege auch der kleine Bulle von um die Ecke zum Genuss der privaten Fernsehwelt aus dem Westen. Warum sollte man dem also einen Riegel vorschieben? Es ist heute wie damals halt etwas anderes, ob man irgendwo im Polizeipräsidium seinen Dienst tut oder ob man der kleine Streifenpolizist am Ende der Kette ist, wo man tagtäglich mit den Leuten vor Ort zu tun hat. Davon abgesehen sind die meisten dieser Kabelanlagen in schwerer Handarbeit derer entstanden, die am Ende an der Anlage dran hingen. Da wurde fürs Westfernsehen gebuddelt was das Zeug hält.
    Manche dieser Storys mögen heute skurill klingen oder den Touch von was herausragendem haben, im Kontext der damaligen Zeit betrachtet waren und sind sie aber nichts besonderes. Und wenn ein LKW mit Überbreite eine 5-m-Schüssel per Polizeieskorte durch die Gegend transportiert, dann geschah das vermutlich eher aus reinen Sicherheitsgründen, denn selbst heute ist es noch völlig normal, das LKWs mit Überbreite rein aus Gründen der Sicherheit durch verschiedene Schutzfahrzeuge begleitet werden.
    Andererseits klingts natürlich irgendwie schon nach DDR-Abenteuer, wenn die Polizei ne Sat-Schüssel über die Autobahn lotst... :D

    * Quelle

    Es gab übrigens bereits ab 1977 serienmäßig hergestellte Farbfernsehgeräte in der DDR, die sowohl PAL als auch SECAM beherrschten, um mal die Legende von der extra eingeführten DDR-Fernsehnorm zu entkräften. Ich vermute mal das man das franz. SECAM 1969 rein aus lizenzrechtlichen Gründen dem PAL-System vorzog, denn das dürfte um einiges billiger gewesen sein.
     
  4. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    AW: "Westempfang" oder: Kabelfernsehen in der DDR

    Hallo

    Ich bin mir nicht sicher, ob wir das Thema SECAM schon irgendwo/wann behandelt haben. Meiner Meinung nach hat man sich für SECAM entschieden, weil der Schaltungsaufwand (mit diskreten Bauelementen) beim Bau von Fernsehgeräten geringer ist, als bei Verwendung des PAL-Systems. Kann das sein?
     
  5. Radiowaves

    Radiowaves Benutzer

    AW: "Westempfang" oder: Kabelfernsehen in der DDR

    Auf was für Ideen man nachträglich kommen kann...

    Daß die Volkspolizei Eskorte gefahren ist, um Westempfang zu ermöglichen - darauf, daß man darauf kommen könnte, bin nichtmal ich gekommen (das ist mathematisch gesehen schon die erste Ableitung). Natürlich haben die einfach nur einen überbreiten Schwertransport eskortiert, sonst nichts. Was mit dem Transportgut angestellt wird, war freilich unbedeutend.

    Bei meinen Eltern wurde um 1983 herum eine Antennengemeinschaft gegründet, ein Mast auf dem Berg gesetzt (steht heute noch), Antennen Richtung Ochsenkopf und Torfhaus installiert, ein Kabelgraben durch den Stadtwald gezogen und die Siedlung teils unterirdisch, teils freiluftverkabelt. Man schoß unter Straßen durch und kroch über die Hausböden - fast alles am Wochenende in Eigenleistung der Mitglieder. Der Lohn: neben endlich sauberem Empfang von DDR 1 und DDR 2 gab es nun auch ARD, ZDF, BR und NDR.
    Im Statut hieß es dazu lapidar "die Mitglieder der Antennengemeinschaft sind über das Gesetz zum Schutz des Friedens vom ... belehrt" und "weitere Empfangsmöglichkeiten bestehen auf den Kanälen..."

    Im Unterschied zu Burgstädt wurde das meines Wissens nach bis zur Wende nicht erweitert - danach waren aber sehr schnell die üblichen Privaten da.

    Für mich war freilich UKW interessanter. Und bis zur Installation einer Kanalaufbereitung im Sommer 1994 war das durchaus interessant - Radio M1 hatte ich irgendwann in den späten 80ern mal ebenso drin wie einmal gleichzeitig (!) Radio Hamburg und Ö3 mit Vollpegel in Stereo (!!!) während Überreichweiten-Wetter um 1992 herum. Ich habe das erste Iswi-Radio der Uni Ilmenau 1994 hören können und auch einmal im Sommer 1992 über die 102.6 vom Alexanderplatz Radio 4U bekommen, als die 102.5 in Ronneburg noch nicht existierte.

    Heute bietet die Anlage immerhin noch 3000 angeschlossenen Haushalten neben ca. 40 qualitativ eher mittelmäßigen Analogkanälen alle öffentlich-rechtlichen Digitaltransponder (inklusive Radio) sowie die Transponder von RTL, Pro7/Sat1, Sky und einige Kuriositäten. Ich nutze letztlich, wenn ich zu Besuch bin, den Hörfunktransponder und egoFM, das ebenfalls digital vorhanden ist. Meine Eltern betreiben ihren Fernseher streßfrei über DVB-C - ohne Zwangsreceiver und Karten. Monatliche Kosten: ca. 4 (vier!) Euro.

    Oh ja... was hat Mitschülerin D. Mitschülerin K. (oder wars andersrum?) dafür gehasst, daß deren Eltern Westfernsehen erlaubten, ihre Eltern aber nicht. Beide Mitschülerinnen hatten hauptamtlich-Stasi-Eltern.

    Ich vermute, daß man durchaus raffte, besser sie gucken RTL als sie stellen einen Ausreiseantrag...

    Wenn dann noch der DDR-Einzelhandel logistisch versagte und ausgerechnet in Dresden das PAL-taugliche Modell (600 Mark Aufpreis, durchaus ein Facharbeitermonatslohn) in den Laden stellte, ja, da konnte man dann halt mit der Bahn hinfahren und das Gerät ohne Warterei, Ladenbelagerung (bei uns saßen sie, wenn das Gerücht einer Lieferung der besseren Modelle die Runde gemacht hatte, die halbe Nacht auf Anglerhockern vor dem Laden) und Verkäuferbestechung erwerben. Mein Vater machte 1983 (?) dann für einen Colorett 3006 solch eine Tagestour. Die Kiste verweigerte durchaus erst 1993 ihren Dienst.
     
  6. Ammerlaender

    Ammerlaender Benutzer

    AW: "Westempfang" oder: Kabelfernsehen in der DDR

    Das lief bei uns, zumindest Ende der 70er anders: Die Elektro-HO des Ortes vertrieb ihre Kontingente über die Betriebe der Stadt. Irgendwann kam dann auch einmal ein Anruf, dass dem VEB ... ein entsprechendes Gerät zur Verfügung steht. Da essich um einen kleinen Betrieb (42 VbE - knapp 50 Leute) handelte wurde gefragt, wer den haben will und auch das Geld sofort zur Verfügung hatte. So kam das Teil dann zu meinen Eltern und tat tatsächlich bis Anfang dieses Jahrhunderts seinen Dienst (ca. 25 Jahre), alöso unverüstlich, denn in diesem Jahrzehnt haben meine Eltern schon zwei Geräte kaufen müssen.

    ... und, wir hatten auch einen Mitschüler (1964 bis 1974), der beim Fernsehprogramm oft nicht mitreden konnte, weil wenn Papi zu Hause war, gab es nur ein bzw. später 2 Programme.

    Verkabelt hatten sich bei uns übrigens nur Haushalte, die in einem "Loch" wohnten und Antennenanlagen ähnlich Apolda brauchten. Für die "normalen" Bürger reichte ein "nasser Strick", um zumindest ARD, ZDF, Hessen und/oder NDR, je nach Wohnlage, zu sehen. Wer seine Antenne in Richtung Hessen ausgerichtet hatte, konnte irgendwann sogar RTLplus und SAT 1 aus Kassel (leicht verrauscht) sehen.

    Nachsatz:
    Radiomäßig war alles ohne größeren Aufwand zu empfangen, was Torfhaus, der Hohe Meißner und der Kreuzberg zu bieten hatten bzw. aus diesen Richtungen kam.
     
  7. K 6

    K 6 Benutzer

    AW: "Westempfang" oder: Kabelfernsehen in der DDR

    In der Tat.


    Grober Abriß dazu: http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Westfernsehen


    Ich frage mich deshalb auch, warum immer wieder Burgstädt aufs Tapet gezerrt wird, als irgendeine der zahllosen Antennengemeinschaften.


    Habe gerade Musicbox auf dem Staßfurter Schwarzweißfernseher vor dem geistigen Auge.

    Und dann war da noch Teleclub, nach eingetretenem Bedarf illegal entschlüsselt, nachdem man sich vorher nur über das Wegschauen befehlende Testbild amüsiert hatte ...


    Brot und Spiele, in schönster Ausprägung.


    Diese Systementscheidung ist ein wenig beleuchtetes Feld, über das auch schon viel Unfug geschrieben wurde.

    Ein Aspekt war jedenfalls, daß es der große Bruder auch hatte. Der wiederum hatte für die Wahl von SECAM durchaus handfeste Gründe, darunter vorhandene Richtfunkstrecken, deren Frequenzgang für SECAM reichte, nicht aber für PAL. Ein Blick auf die Landkarte genügt, um zu ahnen, um welche Mengen an Gerätetechnik es allein an der Stelle ging.

    Es ist dann auch Bosch mal aus Moskau zur Angebotsabgabe für Studiotechnik eingeladen und letztlich auch beauftragt worden. Auch die haben also SECAM gemacht (auch z.B. in jenem Land, wo heute Urin im Uran zum Ruin führen würde) und dafür einen ganz heißen Bildmischer entwickelt, der ohne eine getrennte Verarbeitung der Komponenten auskam, was die damit verbundenen Probleme (Laufzeitdifferenzen) und Qualitätseinbußen (durch das komplette Auspacken und wieder durch den Coder jagen) ausschaltete und vollen Zugriff auf alle Tricktechnik brachte. Die Franzosen haben wohl mächtig darüber abgekotzt, daß eine tolle Innovation in der SECAM-Technik aus Deutschland kam.


    Ganz so platt, wie sie gern dargestellt werden, sind diese ganzen Zusammenhänge jedenfalls nicht.
     
  8. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    AW: "Westempfang" oder: Kabelfernsehen in der DDR

    Selbstverständlich hat sich das DDR-Fernsehen in Bezug auf das Farbfernsehen auch an den sozialistischen Bruderstaaten orientiert: Programmaustausch etc. Wie wir heute wissen, lief intern (fast) alles in PAL-Norm. Aber das ist eine andere Geschichte.


    Bei allem Respekt, verehrter K6, du wirst mir sicherlich erklären können, wie du zu der Schlußfolgerung "vorhandene Richtfunkstrecken, deren Frequenzgang für SECAM reichte, nicht aber für PAL." kommst.

    Ich rede von der "Bandbreite" eines analogen Fernsehkanals, nur um deine Gedanken gleich in die richtige Richtung zu lenken.

    vg Zwerg#8



    EDIT: RS
     
  9. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    AW: "Westempfang" oder: Kabelfernsehen in der DDR

    EDIT-Klartext:

    Wenn PAL die zulässige Bandbreite eines Fernsehkanals "sprengen" würde, hätte man das System nie eingeführt, SECAM auch nicht. Die SECAM-Entscheidung ist also eine faule (politisch bedingte) Ausrede. In der DDR hat man sich aber wenigstens für den im Westen üblichen Abstand von Bild- und Tonträger entschieden.

    vg Zwerg#8


    Edit: alles ganz einfach nachlesbar: http://de.wikipedia.org/wiki/Secam
     
  10. K 6

    K 6 Benutzer

    Mit Verlaub:

    Dieses Niveau ist mir schlicht und einfach zu blöd.

    Und damit Ende der Diskussion.
     
  11. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    AW: "Westempfang" oder: Kabelfernsehen in der DDR

    Hallo!

    Na toll! Ich weiß wirklich nicht, was an diesem Niveau "zu blöd" sein soll. Aber vielleicht findet sich hier ja ein Fernsehtechniker, der mir das mit dem "Frequenzgang vorhandener Richtfunkstrecken" kurz erklären kann.

    Wir haben eine (SW-)Fernsehnorm (http://de.wikipedia.org/wiki/Fernsehnorm#Analoge_Fernsehnormen) und eine (russische) Richtfunkstrecke, über die mit Sicherheit mehrere Fernsehprogramme gleichzeitig übertragen werden (können). Letztendlich wird darüber ein analoges Fernsehsignal X von A nach B übertragen (http://de.wikipedia.org/wiki/Fernsehsignal). Früher™ war das ein BAS-Signal, später ein FBAS-Signal. An der zur Übertragung nötigen "Bandbreite" ändert sich doch nichts, oder sehe ich das flasch? Die Farbinformationen passen doch "locker" ins sowieso schon vorhandene Spektrum, um das mal salopp auszudrücken.

    Grüßle Zwerg#8
     
  12. Handydoctor

    Handydoctor Benutzer

    AW: "Westempfang" oder: Kabelfernsehen in der DDR

    Die vorhandenen Richtfunkstrecken haben nach der Secam-Pal-Umschaltung 1990 , das Signal problemlos übertragen. An den Tesla- und Zaratsendern musste, dann nur noch ein Schalter von Secam auf Pal umlegt werden und das Thema Farbe war erledigt.
     
  13. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    AW: "Westempfang" oder: Kabelfernsehen in der DDR

    Hallo!

    Was man so alles findet...

    Wenn Frankreich und die SU im März 1965 ein "Farbfernsehabkommen" schließen, um SECAM weiterzuentwickeln, dann ist es doch nur natürlich, daß das System am Ende (1967) auch eingeführt wird. Interessant, Telefunken hat sich bis 1962 um die Einführung von SECAM in Deutschland bemüht, bevor man mit der Entwicklung von PAL begann... (Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland 1966, Bände 1-2)

    http://www.google.de/search?q=farbfernsehabkommen
     
  14. Radiokult

    Radiokult Benutzer

    AW: "Westempfang" oder: Kabelfernsehen in der DDR

    Das PAL-System beruht in einigen Feinheiten auf dem SECAM-System der Franzosen. Dem Spiegel war das Hickhack um den vermeintlichen PAL-Erfinder Walter Bruch 1969 einen ganzen Artikel wert, der nicht uninteressant ist und durchaus für ein wenig Erhellung sorgen dürfte, Klick.
     
  15. Handydoctor

    Handydoctor Benutzer

  16. catperson

    catperson Benutzer

    AW: "Westempfang" oder: Kabelfernsehen in der DDR

    In der Tat! Ich werde mal nach bestem Wissen und Gewissen versuchen ein wenig Licht in die Angelegenheit zu bringen.

    Ich denke das ist der zentrale Aspekt, denn zumindest zu dieser Zeit war der Spielraum der DDR arg begrenzt. Der Farbfernsehvertrag, den die UdSSR mit Frankreich geschlossen hatte, wurde ja bereits erwähnt. Danach verpflichteten sich die Vertragspartner, auf eine einheitliche europäische Farbnorm, natürlich basierend auf SECAM, hinzuarbeiten.

    Der Frequenzgang kann nicht der Grund sein, denn alle analogen Farbfernsehsysteme sind natürlich so konstruiert worden, daß die Farbsignale in die vorhandene Bildbandbreite paßten. Aber die Bandbreite ist nicht das einzige Problem: Alle Farbsysteme stellen höhere Anforderungen an die Linearität des Übertragungssystems. Da mag SECAM sogar etwas toleranter als PAL sein, aber sonderlich groß ist der Unterschied nicht. Soweit ich das verstanden habe, wurde zu schwarz/weiß-Zeiten und im SECAM-Raum die hintere Schwarzschulter des horizontalen Synchronimpulses gerne anderweitig verwendet und deshalb senderseitig ausgetastet. Auf sowjetischen Fernsehsatelliten lag hier zum Beispiel teilweise das Audiosignal in Pulsweitenmodulation. Dem SECAM-Signal (in der osteuropäischen Variante) ist das egal, weil der SECAM-Burst in der vertikalen Austastlücke übertragen wurde. Für die PAL-Umstellung nach der Wende mußte meines Wissens an dieser Stelle in der Tat an einigen Sendern Hand angelegt werden.

    Das Gerücht, daß das DDR-Fernsehen intern in PAL gearbeitet hat, habe ich schon zu realsozialistischen Zeiten gehört. Mittlerweile wissen wir, daß das für das DDR-Fernsehen nicht der Fall war! Das tschechische Fernsehen hat aber wohl doch intern in PAL gearbeitet. Der Programmaustausch war in SECAM, was ebenfalls keinen Sinn gemacht hätte, wenn alle osteuropäischen Fernsehanstalten intern mit PAL gearbeitet hätten.

    Interessanterweise ist das Ostfernsehen mit 6,5 MHz Tonabstand und auf Kanälen nach sowjetischer Norm gestartet und wurde so um 1957 umgestellt. Obwohl dieser Schritt den Empfang der Westsender im eigenen Gebiet erleichterte, hat man wohl den Empfang des Ostprogramms im Westen für wichtiger gehalten.

    Catperson
     
  17. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    AW: "Westempfang" oder: Kabelfernsehen in der DDR

    Hallo!

    Wer in den "Google-Büchern" die "freigegebenen" Seiten durchgelesen hat, hat evt. gelesen, daß sich die SU, im Gegenzug für Knowhow und die lizenzfreie Nutzung des Systems, für die Einführung des SECAM-Systems im Ostblock "stark gemacht" hat. Das war also eine politische Entscheidung.

    Weiterhin konnte man lesen, daß in der DDR auch Farbtestsendungen in PAL- Norm durchgeführt wurden.


    Diese Geschichte mit der Änderung des Bild/Ton -Abstandes in den 50ern habe ich bei meinen Recherchen auch gelesen. Das hatte ich vorher nicht gewußt.



    Genau weiß ich auch nicht. Auf http://www.pembers.freeserve.co.uk/World-TV-Standards/Colour-Standards.html#SECAM steht folgendes:


    Grüßle Zwerg#8
     
  18. renntraktor

    renntraktor Benutzer

    AW: "Westempfang" oder: Kabelfernsehen in der DDR

    Quatsch, intern wurde aucm mit Secam gearbeitet. Da wo bessere Qualität benötigt wurde, nicht mit FBAS, sondern in Komponente Y-UV (War selbst dort mal als Grafik-Operator tätig hi.
    vG, Peter
     

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