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wie wärs mal mit ehrlichkeit

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von wunderling2002, 28. Juni 2002.

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  1. wunderling2002

    wunderling2002 Benutzer

    man wundert sich als radiohörer schon für wie blöd einen die sender halten. warum klingt eigentlich nichts im programm so richtig menschlich und natürlich? überall immer nur selbstbeweihräucherung: "wir sind die besten" "wir spielen das beste" "ich heiße plom plömpel und bei MIR sind sie gut informiert" ...sowas unnatürliches nimmt doch KEINE SAU ab. das ist für mich abschalt-und zappgrund Nummer 1. Menschen haben nun mal ecken und kanten, warum werden die beim formatradio so verdammt weichgezeichnet? Die Radioberater, die sowas als Top-Vermarkte ganz dynamisch und allwissend verkaufen sind damit finde ich auf dem holzweg. Ich denke ehrlichkeit und natürlichkeit kommen viel besser an und der durchschnittshörer ist weniger blöde und teilnahmslos als angenommen wird. was meinen die macher?
     
  2. Jasemine

    Jasemine Benutzer

    Ja und nein.

    Der gute Hermann Stümpert lehrte gern: Es ist unwichtig, ob die Sendung perfekt gefahren wird, hauptsache es menschelt. Und er hat gern ausgesuchte Menschen menscheln lassen.

    Und das ist genau der Punkt. Manche kann man lassen und es wird gut. Anderen muß man (will man sie überhaupt senden lassen) die Regel-Trense eines durchgestylten Formulierungsformats in den Mund stopfen.

    Klar, alle finden sich selber toll und halten sich für Personalities nach dem Motto Lass-mich-nur-machen-und-es-wird-eine-Supershow-weil-ich-bin-super-DJ-und-auch-noch-toller-Journalist-und-argwitzig.

    Selbsteinsicht tut immer weh. (Auch mir [​IMG] )
     
  3. JunkFM

    JunkFM Benutzer

    Zum einen gebe ich wunderling2002 absolut recht. Das Problem heutiger durchformatierter Sender liegt in der Unpersönlichkeit und Unnatürlichkeit.
    Andererseits ist es aber auch gerade ihr großer Vorteil: Es ist nur noch ein (Einheits-)Produkt, austauschbar und verträglich mit allem und jedem. Dadurch tut es keinem weh.

    Eine Personality muss man mögen, erst recht, wenn sie besonders "menschlich" ist, d.h. mit all ihren Eigenarten und -heiten. An den Ecken und Kanten mancher Menschen stößen sich leider doch einige sehr.
    Und es kommt natürlich auch immer auf den Geschmack an.

    So gesehen muss ich also auch Jasemine meine volle Zustimmung geben: Es kommt immer auf den Menschen drauf an, der im Radio menschelt.

    Ich selbst habe es lange Zeit zu spüren bekommen: Im (Hobby-)Internetradio, wo jeder selbst senden darf, mit seinem eigenen Equipment, mit seiner eigenen Musik, ganz auf seine eigene Art, ohne jegliche Ausbildung. Da menschelt es dann doch etwas viel...
    Kennt man die Person und mag sie, dann gefällt es einem, egal was er/sie macht, aber wenn das Gegenteil der Fall ist...

    Und das ist im Radio einfach zu riskant, daher also die Abrundung zum größten gemeinsamen Nenner.

    Ist ja in der Musik auch nicht anders. Was sonst sagt wohl "Mainstream" aus, und warum wohl klingt da so vieles relativ gleich und einheitlich?

    In den NKLs, OKs und Bürgerradios ist ja zum Glück noch ein Platz für "Menschen"...
     
  4. Schlagerfuzzi

    Schlagerfuzzi Benutzer

    ....viele haben nicht verstanden, dass man sich trotz engen formates nicht verstellen muss ! ich habe das gefühl, dass die mehrheit formattreue mit einer persönlichkeitsveränderung on air gleichsetzt....alles austauschbare kasper (sorry) !
    .....hauptsache on air und frust dabei ;)
     
  5. Jasemine

    Jasemine Benutzer

    Danke Radiosi!

    Und meine volle Zustimmung an Dich Schlagerfuzzi. Die Aufgabe eines guten PDs ist aus meiner Sicht die Personen zu finden, die eben unverstellt und von sich aus, dem entsprechen, was man auf dem Sender braucht und auch so klingen, als müßten sie sich nicht verstellen.

    Diese Leute sind aber:
    1.) leider nicht immer leicht zu finden. Und
    2.) neigen leider, hat man sie gefunden und sie zum Star gemacht, dazu, abzuheben und zu glauben aus ihrem Mund schiene die Sonne.

    Wer schon erlebt hat, wie derartige Persönlichkeitsveränderungen der Moshowstars/Sidekicks ein ganzes Team demoralisieren kann ein Lied davon singen.

    Also: es hängt eigentlich nur von der Menschenkenntnis und Motivationskraft des PDs ab. Und dazu muss der schon eine gewisse Lebenserfahrung und "Weisheit" haben.
     
  6. Pirni

    Pirni Benutzer

    @ Jasemine

    Liebe Jasemine, ich stimme Dir voll zu.

    Leider wird oft älteren Menschen im Radiobereich, die wirklich die Lebenserfahrung, die "Weisheit" - wie Du es ausdrückst gerade von jungen PDs Mods keine Beachtung geschenkt. Ja, man wird sogar belächelt als verstaubter Mensch aus der Radiosteinzeit.

    Beispiel: Ich sollte mal telefonisch live in der Sendung mit einem Kollegen eines Privatradios aus einem anderen Bundesland machen. Ich rief ihn während der Sendung an und im Vorgespräch sagte ich: "Also, dann in 2 Minuten sind wir live auf Sendung" - Da schrie der junge, fortschrittliche Kollege laut ins Telefon: "Waaas, live ??? Seid ihr wahnsinnig. Was seid ihr denn für ein unprofessioneller Sender ? Noch nie was von
    Off-Air Editing gehört ?"

    So, da mußte ich mich von einem jungen fortschrittlichen Moderatorkollegen eines anderen Senders als unprofessionell beschimpfen lassen, weil man das "dilettantische" Ansinnen hatte, ihn gleich live on air zu interviewen. Für mich als Moderator-Oldie seit Beginn der Achtziger Jahre wäre das Routine gewesen.
     
  7. K 6

    K 6 Benutzer

    Haste ihm dann hinterher wenigstens auch so ganz arschtrocken gesagt "ich fand's gut, hast zwar bissel rumgeeiert, aber war eben live"?

    Das sind die richtigen: Machen sich in die Hosen, wenn sie live drauf sollen, halten sich aber selbst für Vollprofis und deklarieren deshalb live kurzerhand als unprofessionell, damit möglichst keiner merkt, wie unprofessionell ihre eigene Feigheit ist.
     
  8. JunkFM

    JunkFM Benutzer

    Die Stars von früher sind aber meistens gar nicht so abgehoben, wie es heutige Personalities tun.

    Entscheidend ist halt, ob jemand wer ist, oder ob jemand glaubt wer zu sein...

    @pirni:
    Tja, da treffen halt zwei völlig verschiedene Welten aufeinander... Wärst Du in der heutigen Zeit in einem Sender aufgewachsen, wärst Du auch anders.

    Schade nur, dass sich solche Leute, wie damals, heute gar nicht mehr bilden können [​IMG]

    Wäre es nicht möglich, einige der "alten Hasen" dazu zu bewegen, bei etwas neuem mitzumachen?

    Ich habe dabei immer im Hinterkopf, wie sich Radiopionier Jo Lüders gefreut hat, bei mir Internetradio machen zu können. Und viele andere haben davon profitiert, diesen Menschen auf diesem Wege auch in der heutigen Zeit noch hören zu können.

    Wäre das nicht auch etwas für andere? (Bzw. bei einem Sender, der nicht (nur) im Internet zu hören ist)

    Bei Interesse bitte Mail an mich! [​IMG]
     
  9. Pirni

    Pirni Benutzer

    @ K6 Genauso wars dann auch und er hat live keine besonders gute Figur gemacht Dann gabs Knatsch mit dem PD, weil sich der "Kollege" darüber aufgeregt hat, warum er nicht "edidiert" wurde. ( Im Gegensatz zu seinem Sender gabs bei uns damals keinen Sidekick, der ihn vorher aufgenommen und geschnitten hätte. Ich fuhr ganz alleine die Morgensendung.)

    Als ich mit dem Radio anfing, da wurde derjenige Moderator als sehr gut bezeichnet, bei dem man möglichst wenig schneiden mußte, dem man alles live anvertrauen konnte, der kompetent mit jedem Gesprächspartner umgehen konnte. Heute kommts mir manchmal vor, Hauptsache man kann gut mit jedem Schneideprogramm umgehen. Daß möglichst geil ein Übergang - Ramptalk - Transition-Jingle-ID-Befindlichkeitsblabla-gemacht wird, daß scheint am wichtigsten zu sein. Live und echt statt vorproduziert und aufgesetzt, unecht, bezahlte Fröhlichkeit statt menschl.Sympathie - das scheint nicht mehr zu zählen.

    Mittlerweile bin ich bei einem ÖR - Radio.
     
  10. RayShapes

    RayShapes Gesperrter Benutzer

    ...und ich glaube, da ist PIRNI auch besser aufgehoben.

    Ich denke, bisher habt ihr alle Recht mit Euren Äußerungen zum Thema. Das große Dilemma ist wahrscheinlich wirklich, dass sich die meisten nicht trauen, etwas selbstständiges zu machen/etwas zu wagen. Das gilt für die Moderation und Moderatoren, für die Musikauswahl, und auch die Verpackung... Dabei muss man gar nicht mal soviel dafür wagen...
    Ich glaube ja, dass der Hörer ganz genau unterscheiden kann, ob einer eine Sendung mit Liebe macht oder einfach nur eine Rolle spielt und Phrasen runter drischt. Genausogut, wie er im Supermarkt unterscheiden kann, ob die Verkäuferin ihn wirklich nett angelächelt und bedient hat oder alles nur aufgesetzt war. Diese nette Verkäuferin darf doch auch mal einen schlechten Tag haben und wird eigentlich erst dadurch zu einem menschlichen (liebenswürdigen) Wesen. Moderatoren sind oftmals nur noch wie Marktschreier: Sie preisen an, sprechen (schreien) unnatürlich - sie wollen verkaufen. Und das hört der Kunde/Hörer. Da braucht sich keiner wundern, wenn er nicht mehr ernst genommen wird! Er schaltet das Radio nur noch zur Berieselung an, hört nicht mehr gezielt hin, kann Moderation (oder das was Moderation darstellen soll) oftmals nicht mehr von Werbung unterscheiden und will dies auch gar nicht, denn „es ist ja nur Radio“! Das führt dazu, dass durch solche Angebote,wie es sie leider massenhaft gibt, Radio überflüssig gemacht wird und ad absurdum geführt wird.

    Soll doch der oben von PIRNI beschriebene Kollege Werbejingles sprechen oder im Kaufhausrundfunk seine vorproduzierten Spontanitäten abliefern. Solche Typen sind echt zum Kotzen! Wer es nicht kann oder will soll es lassen!! Man stelle sich mal vor, so einer käme in die Situation wirklich live aktuelle Nachrichten rüberbringen zu müssen. Na gute Nacht!

    Ja RADIOSI, es ist wirklich schade, dass sich Leute wie damals nicht mehr entwickeln können und noch viel trauriger ist, dass die Hörer kaum noch das Gefühl dafür haben. Welcher Hörer fragt denn heute noch nach einem guten ehrlichen Programm? Die meisten denken doch bei Radio nur noch an Hintergrundberieselung. Ich finde es erschreckend mit anzusehen, wie Leute, die sogar noch älter sind als ich, einfach nicht mehr verstehen, was Radio eigentlich bedeutet, was es leisten kann! Den größten Beitrag zu dieser Misere haben vor allen diese „tollen“ durchformatierten Programme geleistet, die selbst schon nur noch wie Waschmittelwerbung auf „radiosisch“ klingen! Die ganzen Waschmittel unterscheiden sich nämlich auch durch nix weiter als die Reklamesprüche: Megaperls vor die Hausfrauen und Supermix vor die Radiohörer, ach was sind wir toll! Ich finde in Anlehnung an einen Brandenburger Privatsender:„Einfach nur der letzte Mist – Gaga Radio!“
     
  11. lo porto

    lo porto Benutzer

    Hört euch mal den Warmduscher bei SunshineLive am Montag Abend an! Hat zwar leicht hessichen Díalekt, ist aber ziemlich gut, find ich!

    Da wisst ihr, was ehrlich und natürlich ist!
     

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