AES/EBU über Twisted Pair


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#1
Hallo.

Unser Campusradios soll in den nächsten Monaten in ein anderes Gebäude umziehen. Um die Installtion und Verkabelung der Studiotechnik werden wir uns dabei selbst kümmern (müssen). Der Abstand zwischen Studio und Technikraum (in dem sich die DSP-Einheit des Mischpultes befindet) beträgt ca. 15 Meter. Für die analogen Geräte wollen wir ein dickes Multicore-Kabel mit Stageboxen an beiden Enden verlegen, so dass man flexibel je nach Bedarf rumpatchen kann und auch etwas Reserve hat.

Im Studio werden sich allerdings auch einige Geräte befinden, die digital - entweder per AES/EBU oder S/PDIF - mit dem Technikraum verbunden werden müssen. Hierfür suchen wir nun nach einer einfachen, gut geeigneten Verkabelung. Das analoge Multicore scheidet aus, weil es offenbar die falschen elektrischen Eigenschaften hat.

Eine Google-Recherche hat ergeben, dass es offenbar auch möglich ist, AES/EBU über Twisted Pair (also normale Netzwerkverkabelung) zu übertragen. Das wäre natürlich eine schöne saubere Lösung, zumal wir eh noch ein TP-Patchfeld aufbauen müssen für diverse andere Signale (Telefon, Faderstart, RS422, ...). Hat jemand damit Erfahrung? Klappt das wirklich so problemlos, wie manche Seiten behaupten? Hersteller selbst, die Geräte mit AES/EBU über RJ45 anbieten, scheint es ja wenige zu geben.


yps
 
#2
AW: AES/EBU über Twisted Pair

Hallo Yps,
ja richtig. Normales Cat5 Kabel hat in der Tat (fast) den gleichen Wellenwiderstand wie AES3 Kabel. Auch die Schirmung im Cat5 Kabel ist optimal, die einzelnen Leitungen müssen NICHT gegeneinander isoliert sein. Mann kann also bequem 4 Paare AES über ein Cat5 schicken.
Markus
 
#3
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Hallo YPS,
das dürfte aber nur funktionieren, wenn das Signal über das "nackte" Kabel gechickt wird. Sobald ein aktives Element dazwischen ist (Switch, Router) funktioniert das nicht mehr.
Christian
 
#4
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CAT5 würde ich nicht empfehlen, lieber gleich CAT7. Da ist die Schirmung entsprechend auch für hohe Frequenzen ausgelegt. Bei einem Meterpreis von 30-60 Cent dürfte das nicht ins gewicht fallen, ist aber Zukunftssicherer, als CAT5, das bei 100MBit schon probleme haben kann, wenn die Umstände ungünstig sind.

EDIT: Ich weiss nicht, welche Frequenzen auftreten bei AES, aber CAT5 geht bis 200MHz, CAT6 bis 300 MHz und CAT7 bis 1000MHz. Ausserdem können über CAT7 zwei Dienste gleichzeitig laufen.
 
#5
AW: AES/EBU über Twisted Pair

Chris: Klar, es geht hier nur um die rein physikalische Verbindung mittels strukturierter Verkabelung. Dass sich das nicht mit Ethernet und TCP/IP kreuzen lässt ist schon klar ;)

Ansonsten erstmal danke für die Antworten. Klingt ja vielversprechend. Gleich CAT7 zu nehmen ist sicherlich nicht die schlechteste Idee. Kennt jemand eine günstige Bezugsquelle dafür? Reichelt will z.B. >60ct pro Meter, auch wenn man 500m abnimmt.


yps
 
#8
AW: AES/EBU über Twisted Pair

Hallo nochmal,
@ Pegasus: AES3 hat eine Datenrate von 2 Mbit/s, was einer Frequenz von 4 MHz entspricht. Damit reicht Cat5 völlig aus. Weil Cat7 aber kaum teurer (nur meist dicker) ist, wird man wohl zu Cat7 greifen.
Daß man auf Cat7 2 Dienste gleichzeitig "fahren" kann liegt nicht an den technischen Parametern von Cat7, sondern an der Einzelschirmung der Paare (S/STP). Solche Kabel gibt es auch für Cat5, neben den üblichen STP Kabeln.
Viele Grüße, Markus
 
#10
AW: AES/EBU über Twisted Pair

Hallo Yps,
verschiedene Dienste sind z.B. Telefonie analog, Ethernet, Audio analog, AES3, ISDN, etc. Diese kann man mit S/STP Kabel auf verschiedenen Paaren betreiben.
Markus
 
#11
AW: AES/EBU über Twisted Pair

Ach so meinstest du das. Wie viele AES3-Kanäle kriege ich denn nun über ein achtadriges Twisted-Pair-Kabel? Oben schreibst du vier (leuchtet ein, zumindest wenn eine Schirmung vorhanden ist, also STP), unten zwei.


yps
 
#13
AW: AES/EBU über Twisted Pair

Wenn ich mal da kurz meinen Senf dazu geben darf:
AES3 über S/FTP (Cat. 5 oder höher) funktioniert grundsätzlich, auch wenn sich die Spezifikation des Wellenwiderstandes nicht zu 100% deckt. Problematisch ist nur die mechanische Ausführung: um mehrere AES3-Signale in ein Cat.5-Kabel und wieder raus zu bekommen braucht man mindestens 2 dieser nicht ganz billigen Anschlußpanels:

http://www.dhd-audio.biz/rm2200d/doc/modulelist/html1/ch01.html#id2837116

Wenn es nur um ein paar Digitalsignale über 15m geht, dürfte es billiger sein einfach ein zusätzliches Digitalmulticore zu ziehen. 10 Paare sollten reichen:

http://www.sommercable.de/1__produkte/1__0_produktuebersicht/1__liste_3170.html

Alternativ dazu: Nur 1 AES3-Signal pro Cat.5 -Leitung. Dann kann man mit einfachen Adaptern XLR<->RJ45 sehr flexibel arbeiten.
 
#14
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Hallo Frozendog,
natürlich kann man teure Adapter kaufen (Herr Deubner wird gut daran verdienen). Man kann das aber auch lassen und gleich die passenden Stecker auf das Cat5 Kabel löten. Mit Hilfe von etwas Schrumpfschlauch kann man z.B. die einzeln geschirmten Paare von S/STP auftrennen und gleich XLR Stecker drauf löten. Der Beidraht connectiert dabei den Schrim. Auch kann man das Cat5 (egal ob S/UTP oder S/STP) wunderbar auf 15 Pin SubD Stecker auflöten, wie man sie z.B. am Lawo Zirkon auf den Steckkarten findet.
Markus
 
#15
AW: AES/EBU über Twisted Pair

Das war auch mein erster Gedanke, als ich diese Adapter sah (auch wenn keine Preisliste dabei war). Eine richtig "ordentliche" Lösung wäre es noch, sich ein kleines Patchfeld zu basteln, z.B. in einem 19"-Stagebox-Gehäuse. Von Neutrik gibt es ja mittlerweile RJ45-Einbaubuchsen. Und daneben dann einfach 4x XLR (so wie es unser Pult möchte).

Bei Cat5-Kabelpeitschen hab ich irgendwie ein schlechtes Gefühl. Zumal das ja nicht ganz der Idee von RJ45 entspricht - ein (End-)Gerät sollte immer einen weiblichen Anschluss haben und mittels Patchkabel verbunden werden. Die eigentliche Cat5-Strecke wird sowieso auf beiden Seiten (Studio und Schaltraum) auf Patchbays enden.

Wo wir gerade beim Thema Cat5 und RJ45 sind - RS422 darüber zu schicken sollte auch kein Problem sein, oder?


yps
 
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