"ARD-Zukunftsdialog"


Morningshow

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Was sollen öffentlich-rechtliche Sender in Zukunft leisten, welche Inhalte sollen sie auf welchen Wegen verbreiten? Diese Fragen stellt die ARD derzeit ihren Hörern in einem speziellen Verfahren..

"Losbürger", einerseits nach Zufallsprinzip, anderseits repräsentativ ausgewählt, tuen dazu ihre Meinung ohne thematische Vorgaben kund. Das ist vergangenen Samstag digital passiert. Im nächsten Schritt sollen sich alle interessierten Bürger online an der Diskussion beteiligen. Dann will sich die ARD abschließend intern mit den Ansichten der Bürger auseinander setzen. Es geht wohl neben Fernsehen auch um den Hörfunk.

Da bietet es sich doch an, daß wir uns hier auch an der Diskussion beteiligen.

Ich für meinen Fall wünsche mir mehr journalistische Inhalte auf allen Wellen, früher nannte man diese Sendungen Magazine. Im Fokus dabei insbesondere Aktuelles und Hintergründe zur gespielten Musik inklusive Interviews. Musik sollte nicht auf Hits limitiert sein, sondern Alben und heute vernachlässigte und gänzlich ausgesparte Genre ausgedeht werden. Alle Programme sollten ihren Livecharakter stärker betonen, durch zeitnahe Berichterstattung und mehr Hörerbeteiligung. Ich bin ein Gegner davon, Inhalte komplett ins Internet zu verschieben. Die ARD kann gerne ihre Programme live im Netz übertragen und insbesondere zuvor versendete Wortprogramme nachträglich in ihre Mediathek stellen.
 
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Pianist_Berlin

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Ich fürchte, dass unsere Meinung da sowieso nicht zählt, weil wir keine "Normalbürger" sind. Ein Beispiel: Für mich ist 88,8 vom rbb schon seit vielen Jahren kaum noch und seit einiger Zeit überhaupt nicht mehr hörbar, obwohl ich seit Kindheit dieser Welle treu war. Ich habe mich zum Schluss nur noch geärgert, was dort alles _nicht_ gemacht wird, was aber meiner Meinung nach die Berlin-Welle leisten müsste. Aber, oh Wunder: 88,8 ist angeblich inzwischen "Marktführer" in der Region, auch wenn ich nicht verstehe, warum ein öffentlich-rechtliches Programm so dermaßen nach "Markt" schreit. Offenbar haben die also alles richtig gemacht, und ich bin mit meinem Geschmack in der Minderheit, weil ich mir abwechslungsreiche Musik, aber in erster Linie inhaltsreiche Wortbeiträge wünsche.

Matthias
 

lg74

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Nach dem Losbürger-Prinzip fällt den ARD-Granden wenig mehr ein als: "Stochern mit Stangen im Nebel!"
Das "Losbürger"-Preinzip soll verhindern, dass die immer gleichen mitmachen und somit keine "Demokratie", sondern eine "Phonokratie" entsteht, in der die "Penetrantesten" entscheiden.

Schaue ich in mein selbstgewähltes Umfeld, finde ich etliche Menschen mittleren Alters, die sich weitgehend von den "klassischen elektronischen Medien" verabschiedet haben. Privatfunk und -TV wäre sowieso nichts für sie, aber das z.B. die ARD abliefert, lockt sie auch nicht mehr hinterm Ofen vor. Sie brauchen keine Krimis jeden Abend, sie interessieren sich nicht für Rateshows, Kochshows, Tierparkbesuche oder Boulevard am Nachmittag. Sie haben einen ausgefüllten Tag, sind beruflich sehr eingespannt und haben keine Lebenszeit übrig, die sie an belangloses Programm zwecks Lebenszeit-Vernichtung geben könnten.

Und sie interessieren sich nicht für Popdudel auf der einen stark empfangbaren ARD-UKW-Welle oder Oldie-Dudel auf der anderen stark empfangbaren ARD-UKW-Welle. Auf der Kulturwelle finden sie oft ihre kulturelle Heimat nicht und nicht die Ansprechhaltung, mit der sie klarkämen. Einer meiner ex-Mitschüler (promovierter Physiker und Inhaber eines kleinen Hightech-Unternehmens) ging vor Corona zusammen mit seiner Frau, die ebenfalls Mitschülerin von mir war, noch auf Konzerte der DDR-Indiebands, die bis heute überlebt haben und noch aktiv sind, nur als Beispiel. Ein dröge trällernde Kulturwelle ist nichts für ihn.

Aber nie, nie, nie würden solche Leute sich aus eigenem Antrieb in Gestaltungsprozesse der ARD einmischen. Sie haben doch wichtigeres im Leben, also: sie haben anderes gegenüber der ARD priorisiert oder priorisieren müssen. Klar, Familie, Kinder, Beruf etc. gehen sowieso vor, aber man priorisiert halt auch weiteres, auch Mediennutzung, auch die Auswahl politischer / gesellschaftlicher Informationsquellen vor die ARD. Ein ZEIT-Abo oder ein Süddeutsche-Abo, eventuell bestimmte online-Kanäle aus der Kulturszene - er ein spezielles Hobb oder eine spezielle "Lebensaufgabe" hat, findet allein in diesem Bereich oft so viel, dass er die ARD auch ohne es zu bewusst zu machen komplett beiseite legen kann. Es gibt zwischen "ich nutze es" und "ich bekämpfe es" auch den großen Bereich von "ja, gibt es, ist mir aber egal, ist nichts für mich".

Ein Losbürger-Verfahren soll helfen, auch die Stimmen solcher Menschen zu hören. Das wird auch auf großer gesellschaftlicher Ebene versucht:



Eigentlich würde es reichen, wenn die ARD-Anstalten die eingschlägigen Threads hier monitoren würde.
Wir sind hier aber wieder die "Lauten". Interessanterweise ein Teil der "Lauten", auf die komischerweise oft nicht gehört wird. Aus meinem einstigen beruflichen / privaten Umfeld ist z.B. niemand hier (würde mich doch sehr wundern). Genau deswegen losen sie ja aus.
 
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Mannis Fan

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Eigentlich würde es reichen, wenn die ARD-Anstalten die eingschlägigen Threads hier monitoren würde.
Bezweifle ich. Sowohl die Kritiker als auch die Apologeten des ÖR sind hier tendenziell in festbetonierten Positionen, da würde jeweils einer von jeder Seite reichen. Wertvoller für die ARD sind doch eher die unentschiedenen, differenzierten, nicht voreingenommenen Probanden. Die finde ich eher im Zufallsprinzip (Losverfahren), als durch gezielte Suche in einschlägigen Foren.
 

CosmicKaizer

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das Forum hier böte nmM auch kein großes Spektrum: zu wenig Frauen, zu wenig Jugend, zu wenig -ich nenne es mal- Diversität.
 
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Reaktionen: dnS

Morningshow

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Spannende Frage ist: Wie verhält sich die ARD, falls beträchtliche Teile der Befragten mehr inhaltliche Substanz einfordern. Denn: Die Selbstkommerzialisierung hat zumindest kurz- und mittelfristig zu einer Zerstörung der Möglichkeiten der ARD geführt, wertige Inhalte zu produzieren. Und was einmal zerstört wurde, baut man nicht im Handumdrehen wieder auf.

Nehmen wir den WDR: Buhrow holt sich Weber, die Mitarbeiter geben Alarm bis hin zu WDR leaks. Nach ein paar Monaten war ein Großteil der Mitarbeiter ausgetauscht. Nach allem, was ich aus erster Hand seinerzeit gehört habe, muss es hinter den Kulissen ganz böse gekracht haben. Genau genommen schimpfen die Mitarbeiter bis heute. Ich sage nur "WDR aktuell". Leider kann man hier ja zum Schutz der Betroffenen nicht ins Detail gehen.

Oder schauen wir auf den BR, den ich sozusagen vor meiner Haustüre habe. Bayern 3 war tatsächlich einmal ein Programm mit deutlich journalistischen Inhalten im Tagesprogramm. Das ist komplett gestrichen worden. Wenn überhaupt Wort gesendet wird, dann irgendein Wohlfühl- oder Boulevard-Bla-Bla. Vieles hat auch eine infantile Anmutung, wie die "Frühaufdreher". Oder ist extrem banal. Derzeit beschäftigt man sich beispielsweise mit der Frage, "soll ich meinen übergewichtigen Partner zum Abnehmen überreden". Hört sich schwer nach Küchenspychologie an.

Ich denke, dieser "Zukunftsdialog" wird rein aus PR-Gründen gemacht. Erst alles kaputtmachen, Kultur- und Wortwellen (Beispiel "Echo-Sendungen") inklusive und anschließend die Hörer fragen, ist eine seltsame Reihenfolge.
 

Pianist_Berlin

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Spannende Frage ist: Wie verhält sich die ARD, falls beträchtliche Teile der Befragten mehr inhaltliche Substanz einfordern.
Genau das finde ich extrem interessant, und das ist auch meine zentrale Hoffnung, dass genau dies geschieht. Denn wenn die Öffis ihre Daseinsberechtigung verteidigen wollen, kann das meiner Meinung nach nur über Qualität gehen, und eben nicht dadurch, dass man den Privatsendern nacheifert.

Matthias
 

ndrgast

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Akzeptanzprobleme
Wie kommst du darauf?
Es reicht gesunder Menschenverstand, eine Hörprobe, ...
Spannende Frage ist: Wie verhält sich die ARD, falls beträchtliche Teile der Befragten mehr inhaltliche Substanz einfordern. ...
Nehmen wir den WDR: ...

Oder schauen wir auf den BR, ...

Ich denke, dieser "Zukunftsdialog" wird rein aus PR-Gründen gemacht. Erst alles kaputtmachen, Kultur- und Wortwellen (Beispiel "Echo-Sendungen") inklusive und anschließend die Hörer fragen, ist eine seltsame Reihenfolge.
ODER hören wir mal den NDR-Hörfunk: "Noch Fragen?"
 

lg74

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@Morningshow

Ich würde Dir für alle Absätze Deines Posts mit ausnahme des letzten ein doppeltes "Like" geben. Ja - was würde passieren, wenn die Mehrheit der Ausgelosten mehr Substanz einfordere? Fühlte man sich daran dann gebunden?

Deinen Ausführungen über den WDR-Hörfunk und über Bayern 3 kann ich auch nur zustimmen.

Nur beim letzten Absatz reicht es von meiner seite aus nicht ganz zu einem einfachen "Like":
Ich denke, dieser "Zukunftsdialog" wird rein aus PR-Gründen gemacht. Erst alles kaputtmachen, Kultur- und Wortwellen (Beispiel "Echo-Sendungen") inklusive und anschließend die Hörer fragen, ist eine seltsame Reihenfolge.

Da bin ich mir einfach nicht sicher, mit welcher Motivation die ARD rangeht. Aber ich tendiere vorsichtig eigentlich auch zu Deiner Befürchtung nach den Erfahrungen der vergangenen 30 Jahre.
 

Morningshow

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Danke für den Zuspruch. In jedem Fall wäre der Weg zurück zu mehr Qualität sehr weit.

Beispiel SWR 3: Der Moderator erzählte vor ein paar Tagen nachmittags, er hätte im Studio ein kleines herrenloses Spielzeugtier (was es war, habe ich leider verdrängt) und eine herrenlose Sonnenbrille gefunden, die an einen Hörer abgegeben werden sollen. Tatsächlich ist kurze Zeit später eine Hörerin in der Leitung (on air) und bedangt sich artig für den Kram. Völlig sinnbefreites Radio. Da fragt man sich wirklich, wer von den Beteiligten den größten Sprung in der Schüssel hat.

Das war nach langer Zeit der Abstinenz ein Versuch, SWR 3 noch einmal eine Chance zu geben. Damit ist der Sender für mich erst einmal wieder gestorben.
 

Sieber

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In Coronazeiten gebrauchtes Zeug zu verschenken... Respekt öffentlich-rechtlicher Rundfunk. :wall:
Kein Normalmensch greift zu einem öffentlich (nicht rechtlichen) ausliegenden Kugelschreiber, sondern nimmt seinen eigenen mit.
 

Another Life

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Die ARD möchte gerne überall und ständig präsent sein. Egal wo. tik-tok, YouTube... Sonstwo.

Was man bei der ARD nicht versteht: Ich bin nicht ständig interessiert an Nachrichten. Den meisten Menschen reicht es, wenn sie irgendwann am Tag einmal ein Update bekommen. Mein persönliches Leben spielt sich nicht irgendwo ab, sondern vor meiner Haustür. Mehr will ich nicht wissen.
 

ndrgast

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'Interessiert' an neuen Nachrichten bin ich schon! ...
Die ARD möchte gerne überall und ständig präsent sein. ... Was man bei der ARD nicht versteht: Ich bin nicht ständig interessiert an Nachrichten.
Von ÖR erwarte ich: "Grundversorgung!" - Die Programmmacher machen sich zu wenig Gedanken über ihren Programmauftrag. Jetzt diese PR-Aktion: "ARD-Zukunftsdialog!" ... Ein 'netter' Versuch von dem 'Grummeln' bei vielen Haushalts-Abgaben-Zahlern abzulenken.
 

muted

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Von ÖR erwarte ich: "Grundversorgung!" - Die Programmmacher machen sich zu wenig Gedanken über ihren Programmauftrag.

Die ÖR machen doch aber genau das, nämlich Grundversorgung. Und der Programmauftrag ist von außen her vorgegeben. Warum sollen sie sich also darüber Gedanken machen?
 

ndrgast

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... weil es gerade darum geht! - "Definiere: Grundversorgung!"
Die ÖR machen sich da einen schlanken Fuß: Strittig ist, ob sie wirklich ihren Programmauftrag erfüllen! - Der Haushaltsbeitrag wird weiter wie vorher die GEZ-Grundgebühr zwangsweise eingezogen. Da wird nicht nachgedacht, welche Lücken es im Grundversorgungs-Programm-Auftrag gibt, ... und Gelder werden über diesen Grundversorgungsauftrag hinaus zweckentfremdet. "Beispiele?" - Ich denke, da fallen jedem einige ein!
 
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Morningshow

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Ist gar nicht so schwer. Es geht doch darum, Infos, Wortunterhaltung, Kultur, Musik in seiner Breite abzubilden. Beispiel: Die Anstalten haben ausufernde Schallarchive: Nur höre ich davon nichts auf ihren Wellen.

Warum muss die ARD auf 60% ihrer Kanäle die kommerziellen Rezepte aus den USA kopieren? Nicht einmal das öffentliche Pendant der ARD in den USA, das National Public Radio, macht das so.
 
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