Audio-Format bei UKW-Radiosendungen


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#1
Hallo liebe Radioforen-Nutzer*innen,
ich muss für's Studium, die Frage beantworten, welche Audio-Formate bei UKW Radiosendungen verwendet werden. Vom RadioEins habe ich folgende Antwort bekommen: "Unser Standard beim rbb und radioeins: BWF, MPEG Layer 2, Stereo, 48 KHz, 384 KBit/s ". Gilt dieser Standard auch bei anderen Radiosendern oder nutzen andere Sender andere Formate?
 
#2
Die Frage müsste detaillierter gestellt und dann auch detaillierter beantwortet werden. Um welche Stelle im Entstehungsprozess einer "UKW Radiosendung" geht es? Um die in den Anstalten ankommenden Audiofiles der Musikindustrie? Um das Format, das in den Anstalten verwendet wird bei eigenen Produktionen (die dann eben auch auf UKW laufen), also z.B. Hörspiele, Klassikaufnahmen der eigenen Klangkörper etc? Um das Format, das Reporter "von der Straße" mitbringen und dann daraus Beiträge erstellen? Um das Format, das im tatsächlichen Sendesystem (On-Air-Software nebst vorgeschaltetem lokalen Pufferspeicher) vorliegt? Oder um das Format, das zur Distribution verwendet wird, also zur Zuführung vom Funkhaus zu den UKW-Sendern (es geht ja um UKW)?

Das kann je nach Anstalt in einzelnen Punkten völlig anders gehandhabt werden und teils nichtmal durchgängig innerhalb einer Anstalt einheitlich sein.

Was wohl durchgängig üblich sein dürfte, ist eine Arbeit mit 48 kHz Abtastrate in den Sendestudios und in den vorgeschalteten Speichern. Das ist historisch bedingt, die digitalen Audiostandards in der Studiotechnik hatten meist 48 kHz Abtastrate. Der DAT-Recorder wurde mit 48 kHz spezifiziert (er kann auch 44,1 kHz zur CD-Direktüberspielung), andere bandbasierte Systeme (z.B. Tascam DA-88 auf Video-Hi8-Kassetten, 8 Audiospuren waren möglich) liefen ebenso mit 48 kHz. Die Mischpulte waren und sind auch mit 48 kHz getaktet, in größeren Installationen üblicherweise mit zentral verteiltem Haustakt 48 kHz.

Nur die Audio-CD weicht ab: 44,1 kHz, soweit mir bekannt, weil der Bandspeicher, den man Anfang der 80er Jahre verwendete, um CD-Master zu erstellen und zum Presswerk zu transferieren, aus der Videotechnik stammte und bei 44,1 kHz / 16 Bit funktionierende Parameter zur "missbräuchlichen" Benutzung als Audiorecorder hatte. U-Matic hieß dieses System, das dazu einen PCM-Prozessor vorgeschaltet bekam, der Audiodaten digitalisierte und einen Datenstrom erzeugte, der vom U-Matic-Videorecorder als "Video-Hochfrequenzsignal" akzeptiert wurde.

Die Musikindustrie liefert heute meines Wissens nach via FTP 44,1 kHz zu, also das, was auf den Audio-CDs drauf ist. Angeliefert wird meines Wissens nach als FLAC, also lossless gepackt. In den Anstalten wird das ausgepackt (-> PCM) und weiterverarbeitet. Dabei ist es bei ARD-Anstalten seit langer Zeit üblich, in 48 kHz zu konvertieren (was keinerlei audioqualitativen Vorteil bringt, aber Konsistenz mit dem Funkhaustakt sicherstellt) und für den on-air-Einsatz als psychoakustisch datenreduziertes (verlustbehaftetes) MPEG 1 Layer 2 ("MP2") mit 48 kHz Abtastrate und 384 kBit/s Bitrate ins Archivsystem zu legen. 384 kBit/s ist die höchste Stereo-Bitrate, die bei MPEG 1 Layer 2 im Standard vorgesehen ist. Klanglich ist das sehr gut ("transparent") und erträgt auch nochmal eine Kaskadierung (weitere Datenreduktion im späteren Prozessablauf) ohne große Unfälle.

Was mit den Originalen von der Musikindustrie passiert, ob man sie als FLAC oder als PCM archiviert oder eventuell gar nicht, dazu wage ich keine Aussage. Das könnte auch je nach Anstalt unterschiedlich sein.

RBB Radio Eins hat nun BWF mit MPEG 1 Layer 2, 384 kbps gemeldet. Auch die stundenweise dort im System abgelegten Log-Files des Liveprogramms haben seit einiger Zeit diese Parameter (vorher waren es nur 256 kBit/s und es war einst auch mal ein *.mus-File statt eines BWF).

BWF ist ein Container namens "Broadcast Wave Format", der in diesem Fall ein MPEG 1 Layer 2 enthält. Er könnte auch unreduziertes Audio als PCM (das, was man unter Windows "Wave" nennt) enthalten. Unter Windows verweigern viele Player das Abspielen eines *.bwf, sie kennen das Format nicht. Da nur ein MPEG 1 Layer 2 drin steckt, genügt allerdings bei den RBB-Files Umbenennen in *.mp2 und sie werden z.B. vom Winamp gespielt und man kann die Files wunderbar in mp3DirectCut schneiden. Die im BWF vorhandenen Metadatenbereiche zur weiteren Indizierung werden dabei übergangen. Diese Metadaten sind der große Vorteil von BWF, man kann Zusatzinformationen im File unterbringen. Schauen wir mal in einen Stunden-Log von Radio Eins hinein (Anfang der Datei, Bereiche ohne relevanten Inhalt übersprungen):

Hex-Dump aus BWF-Datei.png

Am Dateikopf kommt erst der Header mit den grundlegenden Angaben, die ein Microsoft-kompatibles RIFF-File benötigt. Dann folgen Metadaten, dann stehen die Parameter des MPEG-Bereiches drin. Die Bitrate wird dabei kanalgetrennt angegeben, also je Stereokanal 192 kBit/s, in Summe 384 kBit/s.

In anderen Anstalten können auch andere Dateicontainer genutzt werden, je nach Sendesoftware. Die MPEG 1 Layer 2 mit 384 kBit/s als Audio-Codec sind bei der ARD aber üblich. Die Musik liegt in diesem Format zur Sendung vor, auch vorproduzierte Beiträge werden so aufbereitet in den Sendeplan geladen.

Reporter bringen heute noch "von der Straße" unter Umständen MP3 mit 128 kBit/s stereo oder joint stereo mit, also schäbig schrabbeligen Sound. Ich habe auf Bayern 2 vor wenigen Jahren eine wunderbare Reportage aus der damals noch existierenden Reihe "Weitwinkel" gehört, in der waren O-Töne aus Rumänien drin, die dermaßen schäbig klangen, dass ich auch da vermute, der Aufnehmende war mit einem auf 128 kBit/s MP3 eingestelltem Recorder unterwegs gewesen. Das sind dann Einstellungen aus der Zeit, in der Speicherkarten 192 MByte hatten. Das gerne verwendete "Flashmic" konnte unreduziert (Wave) mit 48 kHz, aber auch MPEG 1 Layer 2 mit 192 kBit/s bei 48 kHz, das war mono (ein Hand-Mikrofon), entsprechend vergleichbar 384 kBit/s stereo in der Sauberkeit.

Bei der Produktion des Beitrages, der solche O-Töne (oder auch welche von der VW-Vorstandssitzung oder der Drittligisten-Pressekonferenz) enthält, werden die O-Ton-Files in die Audio-Workstation gezogen und dort wieder in PCM gewandelt, denn nur auf Sample-Ebene kann man sauber schneiden und mischen. Wenn am Ende ein Beitrag in z.B. 384 kBit/s MPEG 1 Layer 2 vorliegt, ist der darin enthaltene O-Ton-Gehalt also recodiert, was ihm nicht gut tut. Man sollte deshalb immer unreduziert aufnehmen und produzieren (also kein MP2 oder MP3 zur Aufnahme nutzen) und erst am Ende die Sendefassung neben einer unreduzierten Version fürs Langzeitarchiv im entsprechenden Sendestandard (384 kBit/s MPEG 1 Layer 2) bereitstellen. Mit wertvollen Eigenproduktionen (Hörspiele, Klassik) wird das auch gemacht: die werden ohne psychoakustische Datenreduktion produziert. Nur die Sendefassung (wenn überhaupt!) wird dann in 384 kBit/s eingedampft.

Eine andere Liga sind dann nochmal die Mehrkanalproduktionen (5.0), die ab und an in einigen Anstalten entstehen in Form von Klassik oder Hörspielen. Da wird unreduzierter Mehrkanalton herumgeschleppt und abgemischt. Die Sendung ist dann nochmal ein Kapitel für sich.

Beim "Abspielen" wird am Interface zwischen Sendesoftware und Mischpult in PCM-Daten gewandelt, die Mischpultsyteme nehmen lineares PCM entgegen und verarbeiten auch selbiges. Es kommt dann auch natürlich PCM aus dem Mischpult raus und geht in die weiteren Bearbeitungsstufen. Im Falle von Radio Eins also in den heiligen Plattklopf-Verzerr-Dumpfgrellmach-Automat, der dann Gleichstrom draus macht und panisch exakt bei -9dBFS pegelt. In Anstalten, die zumindest "gehobenen" Programmen auch auf UKW ein halbwegs anständiges Klangbild gönnen, ist ein anderes Audioprocessing in Verwendung, eben eines, das nicht den aktuellen Erkenntnissen der Psychoakustik entspricht, denn diese hat nur der RBB. ;)

Nach dem UKW-Processing wird es wieder interessant: wie gelangt das Signal zu den UKW-Standorten? Da sind die unterschiedlichsten Systeme im Einsatz.

Einige ARD-Anstalten haben vergangenes Frühjahr ein neues System namens Disnet in Betrieb nehmen lassen. Das ist ein von der Media Broadcast betriebenes Netz, in dem alle Dienste übertragen werden - auch UKW. Beim MDR läuft die UKW-Zuführung da drin via unreduziertes PCM. Also kein MP2 oder sowas, es wird mit einem mir nicht bekannten Codec ein PCM-Stream übertragen. Damit gibt es keine weitere psychoakustische Datenreduktion hinter dem Mischpult. Live-Elemente (Sprache) dürften damit auf UKW ohne jede Datenreduktion ankommen.

Der BR erzeugt zentral im Münchner Funkhaus mit Stereo-Codern, wie sie eigentlich direkt an den Sendern stehen, das sogenannte MPX-Signal, ein analoges Signal, das die Monosumme (Links plus Rechts), den Stereopilotton auf 19 kHz, die beiden Seitenbänder des auf einen unterdrückten Hilfsträger von 38 kHz amplitudenmodulierten "Seitensignals" (Links minus Rechts) sowie die RDS-Informationen um 57 kHz enthält. Füttert man so etwas in einen UKW-Sender, erhält man ein vollwertiges UKW-Stereosignal mit RDS. Eigentlich steht dieser MPX-Coder an jedem Sender, beim BR steht er zentral. Danach folgt eine Digitalisierung (!) des kompletten MPX-Signals (Frequenzgang bis über 60 kHz!) und die Übertragung meines Wissens nach über eine Richtfunktechnik zu den Sendern. Man hat die Signalerzeugung also zentralisiert. Nur einzelne kleine Sender von BR Klassik laufen meines Wissens nach noch über eine andere Zuführung, gleich mehr dazu. Ich bekam beim BR vor 6 Jahren die Vorgänger-Zuführung zu sehen, die lief via APT Oslo. Frag mich bitte nicht nach den Audio-Parametern...

Auch üblich waren vor etwa 17 Jahren Zuführungen über Capella-Codecs, die soweit ich mich erinnere an 2-MBit/s-Leitungen liefen und - ja was eigentlich? - machten? 384 kBit/s geht mit Capella, aber ob das MPEG 1 Layer 2 war, weiß ich nicht. Zu den Codecs findet man auch nicht wirklich viel im Netz.

Capella-Codec.jpg

Vielleicht mal beim hr nachfragen, der hatte glaube ich einst Capella zu den UKW-Standorten laufen.

Auch der ganz normale Astra-Transponder 93 auf 19,2° Ost, der neben ARD alpha und SR Fernsehen auch die Radioprogramme überträgt, wird teils zur Zuführung herangezogen. Der MDR tat dies an zahlreichen Kleinstandorten (MDR Aktuell und MDR Sputnik), ob er es aktuell noch tut, weiß ich nicht. Der BR versorgt(e) damit auch paar Standorte von BR Klassik. Damit heißen die Parameter dort: MPEG 1 Layer 2, 48 kHz, stereo, aber nur 320 kBit/s.

Sogar das alte, im Frühjahr 2012 abgeschaltete Astra Digital Radio (ADR), ein Consumersystem, wurde teils zur Zuführung geringer privilegierter Standorte genutzt. Wieder muss MDR Info (das heutige MDR Aktuell) erwähnt werden, da liefen wohl zahlreiche ADR-Kisten an Kleinsenderstandorten. Parameter: MPEG 1 Layer 2, 48 kHz, stereo (bzw. anfangs teils fehlerhaft implementiertes joint stereo), 192 kBit/s.

Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur hatten von der Media Broadcast vor vielen Jahren ein Zuführungssystem einrichten lassen, das seine Heimat dann auf Astra 23,5° ost fand (man erzählt sich, es wäre auch Hotbird getestet worden). Dabei wurde ein spezielles Schmalbandsystem eingesetzt (SCPC, single channel per carrier) mit einzeln adressierbaren proprietären Receivern von International Datacasting. Audioformat dieser UKW-Zuführung: MPEG 1 Layer 2, 48 kHz, stereo, 192 kBit/s. Das hörte man auch deutlich: Applaus klang wie brutzelndes Frittierfett in einer Pfanne, Sprecher lispelten. 192 kBit/s MPEG 1 Layer 2 sind halt sehr grenzwertig. Weiterer Nachteil: solche niedrigen Bitraten machen durch ihre Abweichungen vom Original teil Einzelsamples, die weitaus höher bzw. niedriger liegen als im Original. Der samplebasiert gemessene Spitzenpegel kann durchaus einige dB höher liegen, was Vorsicht bei der Pegelung des Systems erfordert, damit der Spitzenhub auf UKW nicht über 75 kHz geht. Inzwischen ist das System steinalt, Ersatzteile gibt es nicht mehr und der Dienstleister Media Broadcast musste sich was anderes einfallen lassen. Der Nachfolger ist ein schmaler Transponder auf Astra 23,5° Ost (Symbolrate unter 1000, deshalb nur mit sehr wenigen Consumer-Satreceivern einlesbar), auf dem genau zwei Stereo-Audiostreams in je 384 kBit/s MP2 Platz finden. Auf dem einen läuft seit einigen Jahren schon der DLF Köln und wird so zu UKW zugeführt. Der klangliche Unterschied ist deutlich hörbar, das Signal ist weitaus sauberer. Die zweite Stereospur war zeitweise leer, zeitweise wurde auf ihr offenbar experimentiert. Inzwischen ist dauerhaft DLF Kultur (Berlin) aufgeschaltet, ich gehe davon aus, dass der Umbau der Zuführung dort auch inzwischen angelaufen ist. Dann werden es ebenfalls 384 kBit/s. Die Havariezuführungen laufen dabei über Astra 19,2° ost (beim ZDF), jeweils 256 kBit/s.

Es war bzw. ist bei den öffentlich-rechtlichen Programmen in der Distribution also alles mögliche dabei bzw. dabei gewesen: Capella, ADR 192 kBit/s, DVB-S 320 kBit/s, unreduziertes Audio via PCM, direkte MPX-Zuführung. Auch Leitungen mit 384 kBit/s MPEG 1 Layer 2 waren wohl teils in Nutzung.

Bei einigen Privatsendern sah ich 256 kBit/s MPEG 1 Layer 2 stereo mit 48 kHz als "Hausformat" für Musik, Werbung etc. Radio Hamburg hingegen hat 1998 begonnen, ohne Datenreduktion im Sendeablauf zu arbeiten. Warum gerade ein Popsender zum Nebenbeihören diesen (damals teuren, Speicherkosten!) Schritt ging, bleibt mir unklar. Mehr (historisches) zu diesem Thema findest Du in der Diplomarbeit Die Digitalisierung der Hörfunkproduktion von Hannes Krummheuer: www.diplom.de/e-book/217669/die-digitalisierung-der-hoerfunkproduktion

In der Distribution (UKW-Zuführung) sah ich bei Privatsendern sowohl 256 kBit/s MPEG 1 Layer 2 als auch 192 kBit/s MPEG 1 Layer 2 (z.B. via Astra-Satellit) oder gar (exotisch!) 192 kBit/s MPEG 1 Layer 2 via DAB (als UKW-Zuführung !!!). Die Divicon, die inzwischen Dienstleister zahlreicher Privatsender ist, installiert u.a. Zuführungen in 384 kBit/s Eapt-x mittels QBit Q562 an den Senderstandorten. Havarielösung könnte dann z.B: eine durch diesen Codec erfolgende Einwahl beim Sender sein, dann werden 64 kBit/s HE-AAC gezogen, also bessere Diktiergerätequalität.

Es gibt also viele Audio-Formate auf dem Wege zu UKW.
 
#3
Hallo Radiowaves,
sehr schön geschrieben hast Du das.
Hinzufügen, in der Historie der Senderzuführungen, kann ich noch, dass die Media Broadcast GmbH sowohl für private als auch für öffentlich-rechtliche Anbieter seit ca. dem Jahr 2000 die Capella bzw. Mandozzi Codecs verwendet hat. Diese wurden über angemietete 2 MBit/s Strecken der Telekom teilweise über zentrale Crossconnectoren verbunden. Dabei waren die Capella und Mandozzi Codecs sogar miteinander kompatibel. Verwendet wurde anfänglich 192 oder 256 kBit/s, je nach Budget des Auftraggebers, MPEG 1 Layer 2. Als die oben schon beschriebene Problematik mit den Hubüberschreitungen auffiel, ist man dann an vielen Orten auf 384 kBit/s gewechselt. Durch das synchrone Netz der 2 MBit/s Intrastruktur liefen diese Linkstrecken fast überall superstabil. Oftmals war trotzdem in den 19" Trägern selbst ein ISDN Wählbackup als Einsteckkarte integriert.
Seit dem Jahr 2014 experimentiert die Media Broadcast GmbH mit IP Linkstrecken und betreibt diese inzwischen auch flächendeckend über das Ethernet-Connect Vorprodukt der Telekom. Verwendet werden Digigram IQOYA Link LE Codecs, die entweder in 384 kBit/s MPEG 1 Layer 2 oder in PCM 48kHz betrieben werden. In der 2,5MBit/s Ethernet-Connect Strecke ist beides möglich. IP ist dabei aber fast ausschließlich die Schnittstelle zwischen Codec und Ethernet Connect Modem, weil zwischen Modem und Vermittlungestelle dann meist wieder eine synchrone Datenvermittlung stattfindet. Durch diesen Umstand laufen diese Strecken auch sehr stabil. Als Backupsystem wird dann oft ein 2. Codec gleichen Typs über einen DSL Anschluss betrieben.

Markus
 
#4
Danke @Markus75 für die weiteren Erläuterungen! Möglicherweise ist der IQOYA Link LE sogar der Codec, den die MB im Disnet einsetzt für die UKW-Zuführung. Versuche ich gerade zu klären. Den Codec kannte ich bislang gar nicht. Mich hatte nur gewundert, dass es weder QBit noch 2wcom geworden sind.

Dabei waren die Capella und Mandozzi Codecs sogar miteinander kompatibel.
Waren das diese Mandozzi Combimux-Racks mit den modularen Einschüben? Die konnten ja auch J.41, womit wir ein weiteres Audio-Format für die Distribution in die Liste aufnehmen können: eine nicht-pschoakustisch erfolgende Bittiefenreduzierung bei außerdem nur 32 kHz Abtastrate, also klassische "15-kHz-Leitung". Brauchte 384 kBit/s je Kanal. Ob das heute noch irgendwer nutzt?

Und für die Hörfunkproduktion dürfen wir inzwischen auch alle möglichen neuen Codecs mit hinzunehmen, vor allem, wenn Korrespondenten und Auslandsstudios beteiligt sind und aus nicht "amtlich" erschlossenen Gebieten überspielt oder übertragen werden soll. Da laufen auch 128 kbps LC-AAC stereo zwischen Anstalt und Auslandsstudio, es wird meines Wissens nach auch apt-X verwendet. Aus "unwegsamem Gelände" überträgt man für die ARD schon mal Korrespondenten-Ton via Opus bei 48 bis 64 kbps Mono (je nach dem, was die Netzanbindung so hergibt) ins Auslandsstudio, um es dort zu recodieren und auf gängigen Wegen und Bitraten nach Deutschland weiterzugeben. Bei Vorhandensein von Internet immer noch besser als eine Mobiltelefonverbindung, bei der es sekundenlange Latenz gäbe oder handvermitteltes Auslandsgespräch via Operator, der dann ggf. die Verbindung einfach nicht herstellt, wenn er keine "plausible" Begründung für den Verbindungswunsch bekommt. 56 kbps AAC-HE Mono sind auch noch im Spiel, wird gerne bei 3G-Verbindungen genutzt und erreicht in etwa die Qualität von 64 kbps MP1 L2 Mono, also quasi einem exklusiv genutzten ISDN-B-Kanal.

Als Codec laufen in diesem Umfeld z.B. Comrex portable, bei denen man auch auf absurden Ports rausgehen können soll, was in manchen Umgebungen (nicht jeder Staat auf diesem Planeten bietet Internet auf aktuellem Standard und will es u.U. auch gar nicht anbieten - Zensur) ungemein hilfreich ist, auch wenn der Geräuschspannungsabstand der analogen Eingänge dieses Gerätes nicht state-of-the art sein soll.

Recodierungen sind also heute unvermeidlich und werden durch den Übergang zu DAB+ deutlich kritischer. Ein ARD-Techniker dazu mal zu mir:

Ich hab immer im Kopf, dass das abgegebene Signal ja erneut recodiert wird, sei es MP2, apt-X, irgendetwas zur Zuführung - oder eben wieder AAC, für DAB+, dann wird es besonders düster. Wir testen unsere "Tx" so: abgehendes Signal wird beim Empfänger zu PCM decodiert, in der abgegebenen Bitrate re-encodiert und quasi in Echtzeit zurückgesandt. Und auf einmal wundert man sich, wie man denn eigentlich klingt.

AAC zu kaskadieren ist von meinem Höreindruck dabei besonders "böse". Wenn ich weiß, dass meiner Strecke eine weitere AAC-Strecke in der Distribution folgt weiche ich nach Möglichkeit der Hardware auf ein anderes Verfahren aus.


Nun kann jeder selbst entscheiden, was besser ist: die neue Codec-Welt oder der verdrillte Klingeldraht 1 km übers Feld zum Anschaltpunkt, mit dem der DLF einst die Gottesdienstübertragung realisiert hat, wenn nichts anderes vorhanden war. Vermutlich war der Klingeldraht besser, wenn er ordentlich verdrillt und ordentlich elektrisch abgeschlossen war. Nur kommt man mit dem 1 km Klingeldraht halt nicht bis nach Timbuktu.
 
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#5
Hallo Radiowaves,

die Wahl bei der Media Broadcast GmbH ist deshalb auf das IQOYA Link LE Codec gefallen, weil man es über den TDF Konzern sehr günstig einkaufen konnte. Ich hatte das Codec auch schon (via Audioexport) im eigenen Test - es kann wirklich viel, auch wenn die geräteeigene Weboberfläche anfangs etwas hakelig wirkt. Man kann mit dem Codec aber sogar auch Digital-MPX übertragen, so wie von Dir oben schon angedeutet.

Ja, die Mandozzi Codecs sind Einschübe für den Combimux. Abhängig von der Anzahl der 64kBit/s Zeitschlitze (z.B. 6 Stück für 384kBit/s) kann an diese dann innerhalb des 2 MBit/s Anschlusses, welcher als Festverbindung zum Amt geht, zuweisen. Aktuell haben wir noch eine Strecke als UKW Zuführung über RiFu mit 2 Mandozzi Codecs laufen. Diese läuft sogar mit J.41 als Kaskade hinter einer IQOYA Link LE Strecke.

>> Nun kann jeder selbst entscheiden, was besser ist: die neue Codec-Welt oder der verdrillte Klingeldraht 1 km übers Feld zum Anschaltpunkt, mit dem der DLF einst die Gottesdienstübertragung realisiert hat, wenn nichts anderes vorhanden war.

Ca. im Jahr 1998 hatte ich für einen Sender in Osnabrück wiederholt durch einen THW Fernmeldetrupp mit Bundeswehrfeldleitung, befestigt an öffentlichen Gebäuden und Laternen, eine doppelte Zweidrahtleitung mit mehreren Kilometern Länge für Außenübertragungen durch die Altstadt bauen lassen. Vorne und hinten trafosymmetriert war das natürlich jedem Audiocodec weit überlegen.

>> AAC zu kaskadieren ist von meinem Höreindruck dabei besonders "böse". Wenn ich weiß, dass meiner Strecke eine weitere AAC-Strecke in der Distribution folgt weiche ich nach Möglichkeit der Hardware auf ein anderes Verfahren aus.

Hier schlagen wir dann auch die Brücke zur DAB+ Sound Problematik. Dann noch zu viel Multibandkompression dazwischen und die AAC Kaskaden ergeben den kompletten Soundbrei. Zu beachten ist aber auch, dass bei Verwednung von z.B. AAC und einem anderen Codec (mp3, ogg, APT, etc.) hintereinander ggf. jeweils andere Bereiche reduziert werden, was die Sache dann auch nicht besser macht.

Viele Grüße, Markus
 
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