Aus für "Die Woche"


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#1
Die von mir sehr geschätzte, ambitionierte und meinungsfreudige Teitung "Die Woche" ist heute letztmalig erschienen. Sehr schade.

Hauptgrund war - neben der stagnierenden Auflage von etwa 130.000 Exemplaren - das schlechte Anzeigengeschäft im Printbereich, das in 2001 um knapp 13 % im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen ist. Dieser Trend setzt sich weiter fort, allein der Stellenmarkt ist um die Hälfte dünner als noch vor einem Jahr.

Das alles sind Indikatoren, für die derzeit wirtschaftlich schwierige Lage, die in diesem Jahr auch die Radiobranche heftigst treffen wird...
 
#2
Jetzt kommst du aber ganz umständlich auf einen Radio-Bezug.

Wenn Du in deinem Sender mal nachfragen würdest, dann wüsstest Du, dass auch die Radiobranche längst von rückläufigen Werbeeinnahmen betroffen ist.
 
#4
Das Problem ist ja das der Medien allgemein: Wenn Radio qualitativ dem TV folgt und den Bach 'runtergeht, weil kommerzielles Radio nun mal nur als "Dudelfunk" eine Chance hat, dann ist das halt so. Macht ja nichts, wenn ich mir mein Denkfutter woanders holen kann. Zumal es ja nicht nur "Dudelfunk" gibt, sondern auch noch "ernsthafte" Sender (mit 3 % Einschlatquote).

Das ärgerliche am Ende der Woche ist, dass sie als einziges Organ auf weiter Flur:

- nicht zu einem der großen Medienkonzerne gehörte, also völlig unabhängig und parteifern war;

- mit ihrem modernen, unangepassten, liberalen und avantgardistischem Profil einzigartig auf dem deutschen Medienmarkt war, sie hat sich getraut, auch unbequeme Meinungen zu äußern und offenen Diskussionen gefördert, ohne die vielen üblichen Tabus und Denkverbote, die sonst in diesem Land existieren.

Die Auflage war mit 130.000 beschämend gering, und zwar beschämend für das Publikum in diesem Land. Was hierzulande herausragt und sich nicht dem Mittelmaß unterwirft, wird radikal plattgemacht, und da ist kein "böser Mann" für verantwortlich zu machen, sondern die bschränkte Geisteshaltung von mehr als 99 % der Menschen in diesem Land.

Was lehrt die Pleite der Woche der Radioszene: Mit der Verbreitung von Stumpfsinn ist man auf der sicheren Seite, egal ob die MA einem gerade mal zufällig einen prozentualen Gewinn oder Verlust bescheren. Wer was wagt, hat schon verloren.

Dieses Land hat demzufolge die Medien und damit auch das Radio, welches es verdient. In diesem Sinne: Weiter so, Deutschland.

PS: Hoffentlich kriege ich mein Abo-Geld wieder.
 
#6
Das hat nichts mit links oder rechts zu tun, sondern mit Informationsvielfalt. Und so, tolerant, die "andere Seite" zu akzeptieren, wirst hoffentlich auch Du sein, NoreFM.
 
#7
Wollte auch nur mal sticheln.
Meine Frau wählt seit ihrer jugend grün, ich bin CDU-Mitglied, glaub mir, bei mir zu Haus gibts Meinungsvielfalt genug.
 
#9
darum geht's ja gerade -- Die Woche war liberal und unterstützte Schröder, aber sie war kein ausgesprochenes SPD-Blatt. Sie hat vor der Wahl '98 für 'ne große Kolaition plädiert (in der letzten übrigens schon wieder) und nicht für Rot-Grün. Außerdem war die Woche eine der wenigen Publikationen, die Fischer SERIÖS (!!!) kritisert hat. Das und noch viel mehr fehlt jetzt, aber auch die letzten Ausgaben waren nicht mehr das, was die Zeitung mal war. Zurück zum Radio...
 
#11
@SAZ

Meiner Meinung nach hat eine seriöse Zeitung nicht die Aufgabe, eine Koalition oder einen Kanzler zu fordern, sondern objektiv zu berichten.

OK, jetzt zurück zum Radio.
 
#12
Zum Eintrag weiter oben: Hmm, NoreFM, auch da soll es wohl gemeinsame Berührungspunkte geben. Übrigens, auch "Die Woche" hatte sich mal für eine schwarz-grüne Koalition stark gemacht...


[Dieser Beitrag wurde von AdamCurry am 09.03.2002 editiert.]
 
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