Bertelsmann fusioniert RTL-Radio- und Fernsehsender


#1
Im Bertelsmann-Medienkonzern galt lange die Devise, dass die einzelnen Sparten weitgehend unabhängig voneinander agieren dürfen, und damit ist man eigentlich auch besser gefahren als die Kirchs und TimeWarners dieser Welt, die den Profit aus maximierten Synergieeffekten ziehen wollten. Doch vor kurzem ist die Synergietis ausgebrochen. Die deutsche Fernsehsparte ("Mediengruppe RTL Deutschland") wird seit einiger Zeit mit dem Zeitschriftenverlag Gruner&Jahr verzahnt, und jetzt kommt auch das bisher eigenständige RTL Radio Deutschland unter das Dach der Fernsehgruppe. In Frankreich hat man die dort zuvor getrennten Radio- und Fernsehsender schon vor zwei Jahren fusioniert. Nur: dort sind beide Sparten national ausgerichtet und nun 100%ige Schwestergesellschaften. In Deutschland sind die Radiosender regional, und nur an der Zentrale in Berlin hält man 100%. An den übrigen regionalen Radiosendern hält man überall nur eine Minderheitsbeteiligung. Und auch physisch ist man getrennt, und das soll wohl auch so bleiben. Was erhofft sich Bertelsmann/RTL davon?

https://www.presseportal.de/pm/72183/4263941
 
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#3
Das übliche? Kosteneinsparungen, bessere Vermarktung, mehr Kontrolle?
Kosteneinsparungen? Wo genau werden Kosten gespart? Produziert wird ja weiterhin an dem jeweiligen Standorten.

Bessere Vermarktung? In Frankreich war das einer der Gründe, aber in Deutschland hat RTL Radio ja gar keine eigene Vermarktung, und gegen statt in der RMS wird man wohl kaum höhere Margen herausholen können, falls hier etwas geplant sein solle. Und selbst wenn, wäre das kein Grund für eine Fusion, da IP bzw. AdSolution gegenüber den regionalen Sendern mit ihren Gesellschaftern dann doch wieder als externer Dienstleister auftreten würde.

Mehr Kontrolle? Beide, MGRTL und RTLRD sind schon 100%-ige Töchter der RTL Group, und an den regionalen Beteiligungung ändert sich ja nichts.
 
#5
Alles unter einem Dach. Ist doch der allgemeine Trend. Auch wenn die Radiostationen (wahrscheinlich wegen 104.6 RTL, Spreeradio und Jam FM) weiterhin in Berlin produziert werden. Ist nicht N-TV auch an RTL beteiligt und sitzt in Köln? Und berichten dann für RTL sowohl im TV als auch für die Radiostationen? Das würde auch irgendwie Sinn ergeben. Zumal die Redaktion von Stern TV ja auch in Köln sitzt. Diese machen bei den Audio-Zeugs mit und produzieren Podcats.
 
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#7
Ist nicht N-TV auch an RTL beteiligt und sitzt in Köln?
Umgekehrt: n-tv gehört zu 100% zu RTL und sitzt im RTL-Sendezentrum in Köln. Nun kann Bertelsmann/RTL aber kein Internet, und als man n-tv aufkaufte, hatte man an n-tv.de kein Interesse, weswegen diese Seite bis heute von einer externen Redaktion in Berlin betreut wird, und, nebenbei, mehr Substanz aufweist alle andere anderen Bertelsmännischen .de-Klitschen zusammen, insbesondere das hochnotpeinliche RTL.de. Noch. Unter Führung von Ex-BILD-Chefredakteurin Tanit Koch sollen demnächst eine zentrale RTL-Informationseinheit für TV&Internet starten. Das Ende von n-tv.de in seiner bisherigen Form ist zwar noch nicht verkündet, wäre aber eine logische Folge davon.

Und die RTL-Radiosender? Gibt es dort irgendeine Informationssubstanz, die sich mit Köln synergieren ließe? Oder Sendeplätze auf den Dudlern für Information jenseits von "Backselling, Fußball, Verkehrsunfall, Trumptwitter, heiß heute, Stau"? Nicht, dass es mir bekannt wäre.
 
#8
Naja, zumindest höre ich häufig bei 104.6 RTL in den Meldungen "aus XY N-TV Reporter XY für 104.6 RTL". Bei den anderen RTL-Stationen weiß ich es nicht. Trotzdem Danke für die Infos.
 
#10
Naja Köln ist ja jetzt auch nicht so wahnsinnig weit von Luxemburg entfernt und das wiederum nicht von Paris. Mal sehen was uns da so erwarte in den nächsten 15 Jahren. Im Gegensatz zu Deutschland (Ausnahme 104,6) sind die RTL Sender in Frankreich und Luxemburg (Ausnahme 93.3/97.0) nämlich ziemlich gut und erfolgreich.
 
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#11
Das einzig Spannende an der Pressemeldung ist, dass RTL Radio künftig nicht mehr direkt bei Bertelsmann angebunden sein wird.

Ich bezweifele aber, dass dies nur deshalb geschieht, um die neuen Produkte "Audio Now" und "Audio Alliance" zu pushen. Dafür hätte man dem Radio-Center Berlin nicht den internen Status nehmen müssen.

Der Grund liegt wohl eher in der Vermarktung, die Bertelsmann so crossmedial wie möglich aufstellen will.

Mit der "AdAlliance" gräbt man bereits der Verlagstochter Gruner + Jahr das Wasser ab. Nun dürfen sich also auch die Radiospot-Vermarkter im Konzern Gedanken machen, wie die Strukturen mittel- bis langfristig aussehen werden.

Journalistisch wird sich vor Ort erstmal wenig ändern, weder bei den Print-Titeln in Hamburg, noch beim Radio in Berlin oder gar den Beteiligungen. Außer, dass jetzt in Köln zwei RTL-Töchter sitzen, die aus dem Bertelsmann-Content, Podcasts und Audio-on-Demand-Inhalte entwickeln, produzieren und ausspielen.

Habe ich alles richtig verstanden? Die Presse-Info ist wirklich sehr kryptisch formuliert.
 
#13
Das einzig Spannende an der Pressemeldung ist, dass RTL Radio künftig nicht mehr direkt bei Bertelsmann angebunden sein wird.
Widerspruch! Eigentlich ist Bertelsmann nur noch RTL. RTL liefert den eigentlichen Ergebnisbeitrag. Man hängt etwas um, um die Audiokompetenz für den übrigen Contentbereich zu nutzen. Aus dem Fundus von G+J oder RTL kann man das ein oder andere an Audiopotential heben. So die Theorie.

Ich bezweifele aber, dass dies nur deshalb geschieht, um die neuen Produkte "Audio Now" und "Audio Alliance" zu pushen. Dafür hätte man dem Radio-Center Berlin nicht den internen Status nehmen müssen.
Welchen Status denn? Das Radio-Center macht zwei Lokalprogramme in Berlin. Gut, jetzt drei. Sieht man mal vom Entwicklungslandsender Brocken und 89.0 sowie den Sachsen-Dudler ab, sowie die schon lang dümpelnde Antenne an der Leine (schönes Bild...:wow:), dann gibt es nur Beteiligungen im RTL-Radiobereich, in denen die RTL-Leute eh nichts zu kamellen hatten. Gut, wenn man die Wichtigkeit meint, dann hat man sicherlich an Prestige eingebüßt.

Der Grund liegt wohl eher in der Vermarktung, die Bertelsmann so crossmedial wie möglich aufstellen will.
Nö. So wie ich eingangs schon sagte. Man kratzt das zusammen, was man im Bauchladen so hat. Was der Rezipient oder der Kunde will, ist sekundär. Man glaubt, ähnlich wie in Verlagen (und eigentlich ist das ja auch Bertelsmann), dass man soooooo tolle Produkte hat, dass es die Mediaagenturen und Werbetreibenden soooooo geil finden müssen. Hmmmmmm, da könnte es hier und da ein kleines Erwachen geben.

Nun dürfen sich also auch die Radiospot-Vermarkter im Konzern Gedanken machen, wie die Strukturen mittel- bis langfristig aussehen werden.
Nochmals nö. RTL ist ein national agierendes und denkendes Unternehmen. Dass die da noch ne Radioklitsche in Berlin hatten, wusste ein Großteil der Mitarbeiter in Köln doch gar nicht. Die waren auf Dienstreisen völlig überrascht. Es soll sogar Mitarbeiter gegeben haben, die nach einer Dienstreise in Köln angemerkt haben sollen, dass man den Trittbrettfahrern, die mit einem anderen Logo in Berlin Radio mit der Marke RTL (!!!) machen eine Unterlassungserklärung zustellen möge. Nochmals, die Berliner operieren im lokalen und regionalen Bereich in der Radiovermarktung. Da gibt es nix an Synergien. Das sind aber auch Erlöse, die in Köln nicht wirklich interessieren. National wäre das schon spannender. Aber da hat RTL ja nix. Nur Beteiligungen und Wettbewerbsverbote. Insofern ist es im Schoß der RMS schon recht kuschelig. Es sei denn, man kommt jetzt auf DAB+ ganz groß raus....

...träumte der kleine Junge auf der Glienicker Brücke und sah dem Schwan hinterher, der in die Brandenburger Abendsonne verschwand und sich wunderte, dass ihn keiner bemerken wollte. Doch eigentlich interessierte ihn, den stolzen Schwan, das auch nicht mehr. Es war ja auch nur ein Schwan...
 
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#14
Ähmmm, dass deutschlandweite RTL wird auch in Berlin produziert, also wären wir jetzt bei schon vier Stationen. Wobei das regionale 104.6 RTL sicherlich am erfolgreichsten ist.
 
#18
Deshalb ist es eigentlich auch überflüssig. Weil in den Regionen Deutschlands gibt es vergleichbare Sender. Man stand halt damals zur Wahl: RTL Radio durch eine Adaption durch die in Berlin erfolgreich integrierte Marke 104.6 RTL mit VT fortzuführen oder den Betrieb einzustellen. Die Zahlen belegen: Letzteres wäre wohl besser gewesen. Zumal eben analoges Kabel inzwischen in vielen Regionen Deutschlands abgeschaltet wurde. Und die Mods könnten sich mehr über ihre Stationen in Berlin konzentrieren. Natürlich insbesondere auf das etablierte 104.6 RTL. Radio Luxemburg gibt es nicht mehr. Und sämtliche Relaunchs danach funktionierten auch nicht. Es war wohl ein letzter Versuch, RTL bundesweit am Leben zu halten. Aber so kann man sich die Mühe sparen. Und die Macher sich besser komplett auf die Stationen in Berlin konzentrieren. Die damals nach Berlin umgezogen sind, können sie dafür ja behalten.
 
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#19
Man kratzt das zusammen, was man im Bauchladen so hat. Was der Rezipient oder der Kunde will, ist sekundär. Man glaubt, ähnlich wie in Verlagen (und eigentlich ist das ja auch Bertelsmann), dass man soooooo tolle Produkte hat, dass es die Mediaagenturen und Werbetreibenden soooooo geil finden müssen. Hmmmmmm, da könnte es hier und da ein kleines Erwachen geben.
Bin ganz deiner Meinung. Immerhin hat man aber erkannt, dass der bisherige unique RTL Radio 'Content' für ein attraktives Audio Angebot recht dünn bis nicht vorhanden ist. Die Frage beim 'Zusammenkratzen' ist, ob eine Zweitverwertung von Print Inhalten von Hörern als Audio Content akzeptiert wird und erfolgreich sein kann. Peinliche und erfolglose Beispiele von Verlagen, wo Schreiberlinge plötzlich Audio Podcasts machen gibt es genug. Insofern halte ich die Entscheidung für fatal, eine Print Journalistin zur operativen Chefin des neunen Audio Angebots von RTL zu machen. Dass hierfür niemand aus dem RTL Radio Bereich genommen wurde, spricht auch für sich selbst und für die unbrauchbare Contentwüste im Privaten Hörfunk.
 
#20
Wirtschaftlich wäre sicher das Beste: Alle Stationen, an denen man maßgeblich beteiligt ist, unter einer Dachmarke führen und programmlich weitgehend zusammenzulegen...ähnlich wie es NRJ macht. Dem steht aber (leider) die deutsche Vetternwirtschaft und das Kirchturmdenken (auch euphemistisch "Föderalismus" genannt) entgegen. Wäre zumindest der kommerzielle Rundfunk bundesweit orientiert, bliebe es uns erspart, dass wir zig Kopien desselben Formates auf landesweiter und regionaler Ebene haben. Stattdessen wäre Platz für ein paar wirklich gute, anspruchsvolle Spartenformate, die sich dann auch lohnen!
 
#21
Das funktioniert nicht, weil die drei Sender in Berlin unterschiedliche Formate haben. Bei Deutschlands Hitradio sieht es anders aus. Man sollte es mit letzterem einfach belassen.
 
#23
Man stand halt damals zur Wahl: RTL Radio durch eine Adaption durch die in Berlin erfolgreich integrierte Marke 104.6 RTL mit VT fortzuführen oder den Betrieb einzustellen. Die Zahlen belegen: Letzteres wäre wohl besser gewesen.
Wahrscheinlich ist der Marktanteil im traditionellen Sendegebiet der 93,3 und 97,0 noch am höchsten.

Spannend finde ich den Gedanken, was mit der 93,3 und 97,0 passiert wäre oder passieren wird, wenn das Programm eingestellt worden wäre oder eingestellt werden sollte.

Immerhin sind das immer noch zwei sehr weitreichende Frequenzen.

Könnte nicht der DLF auf diesen Frequenzen senden, mit Wetter und Verkehr für Saar-Lor-Lux, aber ansonsten Übernahme des DLF Programms, eine Kooperation ähnlich der des BRF in Brüssel?
 
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#24
Gerade diese drei Formate könnnte man ja bundesweit anbieten ;)
könnte man, wenn es funktioniert. Arno kennt in Berlin jeder und wird auch gehört. In Buxtehude hören sie dennoch lieber ihren Heimatsender. Jetzt mal unabhängig von der Qualität des Programms. Man hat es jetzt mehrfach versucht mit den Nachfolgesendern von Radio Luxemburg. Der Ofen ist aus. Spreeradio interessiert im Schwarzwald niemand. Wenn man für die Region extra Beiträge produziert, kostet das auch Geld und Aufwand. Kurzum: sie sollten sich einfach auf ihre Stationen in der Region konzentrieren und auf den Audio-Inhalt, der ja schließlich für mehrere Sender aus ganz Deutschland mit RTL-Beteiligung produziert wird. Auch wenn Luxemburg und RTL Radio Fans hoffen, das dort noch etwas geht....Besser ein Ende mit....
 
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#25
Zimmer hatte zig Jahre Zeit aus RTL eine Deutsche Radiomarke zu machen. Er hat es nicht geschafft, bzw. wollte es nicht. Der Laden dümpelte vor sich hin, die Geschichte von @Wanderdüne habe ich auch so ähnlich gehört. Schlimm, wenn so etwas kolportiert wird.

Jetzt ist der Zug für lineare Medien aller Art abgefahren. Die Claims hätte man von 10 Jahren abgestecken müssen. Heute investiert keiner mehr in eine Branche, die vor solchen Umbrüchen steht. Dann lieber gleich direkt ins Web. Ohne aufgeblasene Medienanstalten, eine verkrustete Eigentümerstruktur + samt Schrebergartenmentalität in den Sendern und der Vermarktung. Deswegen streichen Wahl + Sempft auch die Segel bei der RMS. Wahl muss sich das nicht mehr antun und Sempft hat nen guten Namen und geht dahin, wo er mehr reißen kann.

Ansonsten war den hochnäsigen TV-Machern Radio viel zu banal und piefig. Das es RTL TV nur gibt, weil das alte RTL Lux ein Cashcow war, die ihres gleichen gesucht hat ist, müssig. Immerhin wurde ja RSH von der Tochter PSR mehr oder weniger übernommen (ok viel kleinerer Maßstab).

Alles andere ist hätte, hätte Fahrradkette. Kompliment an Zimmer, der hat zig Jahre nichts getan, nichts entwickelt und viel verhindert. Scheinbar hat es keiner gemerkt und dann war es zu spät. Also alles im besten Sinn sehr Deutsch. Das ganze Land verpennt ja gerade seine Zukunft, aber wenigstens haben wir jede Menge Genderklos in Berlin.

Der gute Arno, der ist nun auch deutlich in die Jahre gekommen, aber national reißt er nichts. Dazu hätte es eine Strategie bedurft und nicht nur die Schnappsidee einen VC-Klon aufzusetzen.Sein leicht sexistisch angehauchter Alter Weißer Mann Humor ist garantiert kein Erfolgsbringer in der Greta-Zeit.

Dir RTL Radiobeteiligungen kann man spielend aus Köln verwalten. Zusagen hat man in den Sendern eh nicht viel und die Schecks kommen auch so. Ansonsten die Strukturen sind am Ku-Damm doch viel zu groß, teuer und unflexibel. Den Rest kann sich jeder denken.
 
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