Broadcasttechnik beim TV


#1
Hallo,
auch wenn das Thema hier nicht ganz passt so habe ich über google nichts gefunden...
Es handelt sich ja auch um Broadcast und da dachte ich mir, vielleicht weiß das ja jemand...

Meine Frage geht dahin, welche Sendematerialien (Bild-und Tonträger) den TV-Sendern in den 80ern und 90ern zur Verfügung standen.
Bspw. Serien (Akte-X, Twin Peaks, Ein Colt für alle Fälle etc.)
Waren das Filmrollen von den jeweilgen Anbietern (FOX, Warner....) oder Betacam-Kassetten?
Wer hat dieses Sendematerial angeboten? Verleihfirmen oder direkt die Filmindustrie?
 
#2
Ich hab mal kurze Zeit beim ZDF gearbeitet. In den 90ern war es zumindest so, dass hauptsächlich von Beta-SP Kassetten gesendet wurde.
In Mainz hatte man sogar eine automatische Abwicklung über eine Art Karussel mit 3 oder 4 angeschlossenen Beta-Maschinen.

Vereinzelt hatte man aber auch noch 2 Zoll - Bandspulen, die zugespielt werden konnten.

In meiner Zeit wurden keine Filme mehr abgetastet, die Technik dazu war aber wohl noch da, sah recht antiqiert aus...

Ob die Kassetten vorher von Film aufgenommen wurden oder gleich vom Rechte-Anbieter kam, weiß ich leider nicht.
 
#4
Moin,

was Magnetband betrifft war die Entwicklung grob gesagt 2" Spulenband (erst s/w, dann farbig) -> 1" Spulenband (B-Format) -> 1/2" Kassettenformat.
Die 2" Maschinen waren u.a. von Ampex, für 1" B-Format dann Bosch/BTS, und mit Anbruch des Kassettenzeitalters teilte sich die ARD-Welt in die beiden Lager Sony und Panasonic auf, was bemerkenswerterweise auch in der aktuellen bandlosen Produktion noch anhält (z.B. Sonys XDCam und DVCpro HD von Panasonic).
Im NDR entschied man sich für Sony und deren Produkte Betacam und dessen Nachfolger Betacam SP, Digibeta (bei der Tagesschau) und IMX (im restlichen NDR). Die Tagesschau sendete bis 1998 noch von 1" B-Format, wobei das nur als MAZ-Format in Schnittbearbeitung und Sendung der zugelieferten Beiträge genutzt wurde.
Filmgeber in der Sendeabwicklung können in den 80ern durchaus noch vorhanden gewesen sein, ansonten wurde halt auf Beta SP umgespielt was den großen Vorteil brachte, dass es für Kassetten eben Senderoboter gibt/gab wie U87 schon schrieb. Da wurde eine gerößere Anzahl von MAZen per Roboterarm mit den Kassetten bestückt, gesteuert von einer Automation die auch die Bild/Ton-Überblendeinrichtung steuert.

Fremdproduzierte Filme wurden vom Filmverleih angeliefert und nach Ausstrahlung wieder abgeholt, Kopien waren da in der Regel nicht erlaubt und dementsprechend wurde sozusagen vom Original gesendet.

Gruß,
Sebastian
 
#5
@Funkminister

Vielen Dank für die ausführlichen Infos!
Weißt du eventuell auch, wie damals die TV-Werbung gehandhabt wurde? Die kam ja vermutlich auf Kassetten. Wurden die Spots in die Automation gefüttert oder, wie bei manchem Hörfunksender, als komplette Blöcke auf die 'große Rolle' gespielt? Und gingen die nach Ausstrahlung zurück zum Auftraggeber/zur Agentur, in irgendein Archiv oder in die Tonne? ;)
 
#6
Gern geschehen.

Mit Werbung und deren Handhabung kenne ich mich leider überhaupt nicht aus, nicht einmal beim Hörfunk hatte ich damit bisher zu tun.

Fast hätte ich noch ein Kassettenformat unterschlagen: Sony U-Matic, mehr oder weniger Vorläufer von Betacam, wenn auch viel älter und 3/4“ Band, somit mechanisch nicht kompatibel. Als U-Matic High Band wurde das durchaus im Bereich EB verwendet, in den USA wohl auch durchaus mal für Fernsehserien. Von der Bildqualität kann man es knapp unter Betacam einordnen. Im NDR selbst nie verwendet, aber zugeliefert wurde so durchaus.
 
#7
Die Werbung wurde damals beim ZDF als Block auf eine Betacam SP Kassette gespielt. Bei 4 Abspielmaschinen wäre das mit 30 Sekunden-Spots ein bisschen knapp geworden mit dem Kassettenwechsel
 
#8
Fast hätte ich noch ein Kassettenformat unterschlagen: Sony U-Matic, mehr oder weniger Vorläufer von Betacam, wenn auch viel älter und 3/4“ Band, somit mechanisch nicht kompatibel. Als U-Matic High Band wurde das durchaus im Bereich EB verwendet, in den USA wohl auch durchaus mal für Fernsehserien. Von der Bildqualität kann man es knapp unter Betacam einordnen. Im NDR selbst nie verwendet, aber zugeliefert wurde so durchaus.
Ging man beim NDR direkt vom 16mm-Film auf Betacam? Der Bayerische Rundfunk hatte auf jeden Fall U-Matic-Fieldrecorder im Einsatz. Das wurde dann oftmals vor dem Schneiden auf Einzoll kopiert. Damals war es vollkommen normal, dass der Kamera-Assistent den Recorder (ob nun U-Matic oder später auch Betacam SP) umhängen hatte und mit einem dicken Kabel mit der Kamera des Kameramannes verbunden war. Nächster Schritt war dann, dass Sony kleinere Dock-Recorder baute und dazu passende Kameras (die gab es auch von Ikegami, zum Beispiel die HL-95), an die der Dock-Recorder (erst der BVV-1 und dann der BVV-5) direkt angebaut wurde. Das waren dann die ersten Broadcast-Camcorder. Bei der nächsten Generation (Sony BVW-200/300/400 und Ikegami HL-V55) war dann schon beides in einem kompakteren Gerät vereint. Das war übrigens die Zeit, wo ich dann selbst auch eingestiegen bin.

Matthias
 
#9
Ging man beim NDR direkt vom 16mm-Film auf Betacam? Der Bayerische Rundfunk hatte auf jeden Fall U-Matic-Fieldrecorder im Einsatz. Das wurde dann oftmals vor dem Schneiden auf Einzoll kopiert. Damals war es vollkommen normal, dass der Kamera-Assistent den Recorder (ob nun U-Matic oder später auch Betacam SP) umhängen hatte und mit einem dicken Kabel mit der Kamera des Kameramannes verbunden war. Nächster Schritt war dann, dass Sony kleinere Dock-Recorder baute und dazu passende Kameras (die gab es auch von Ikegami, zum Beispiel die HL-95), an die der Dock-Recorder (erst der BVV-1 und dann der BVV-5) direkt angebaut wurde. Das waren dann die ersten Broadcast-Camcorder. Bei der nächsten Generation (Sony BVW-200/300/400 und Ikegami HL-V55) war dann schon beides in einem kompakteren Gerät vereint. Das war übrigens die Zeit, wo ich dann selbst auch eingestiegen bin.

Matthias
Soweit ich weiß wurde U-matic komplett ausgelassen - ich kann mal versuchen das genauer von meinem ehemaligen Ausbilder zu erfahren. Was es im Einsatz gab waren "portable" 1"B-Format-Recorder die von der Kamera abgesetzt waren und eine Art Sackkarre darstellten.
16mm Film hat es bis Ende 80er/Anfang 90er Jahre noch im normalen Einsatz gegeben, Schneidetische (35mm) gab es bis in die 2000er Jahre noch weil Naturfilme oder auch Fernsehfilme nicht auf nonlineares Schneiden verzichten konnten. Tatorte wurden - obwohl drehseitig Auftragsproduktionen - durchaus noch von NDR-Cutterinnen geschnitten. Die frühen AVIDs waren nicht online-fähig, also nicht in der Lage das Material in 1:1 Qualität zu verarbeiten. Man hat mit deutlich datenreduziertem Video gearbeitet und lediglich Ton + TC auf das Masterband ausgespielt, dazu die EDL auf Diskette, und dann wurde an einer Ausspielstation "gebatched" das heisst anhand der EDL von den Drehkassetten teilautomatisiert das Bild nachgeschnitten.
Online-fähige NLE sind erst um 2004 in Form von AVID MediaComposer zuerst in den Landesfunkhäusern durchgehend eingesetzt worden, in Hamburg kam kurze Zeit später Sony XPri auf, beide haben nativ mit dem IMX50 Codec gearbeitet und ab Schnitt wurde bandlos gearbeitet. Nachfolger war FinalCutPro, aktuell Adobe Premiere.
Die letzten Schneideräume mit MAZen sind 2013 zur HD-Einführung umgebaut worden, seitdem ist die Produktion durchgehend bandlos. Aquise geschieht auf PD oder SxS-Speicherkarte.
 
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