Bundesregierung will Zeitungszustellung neunstellig subventionieren


#1
Man fasst es nicht. Wie NDR-Zapp meldet, soll schon ab dem nächsten Jahr die Zustellung von gedruckten Zeitungen kräftig staatlich subventioniert werden. Insbesondere die SPD ist bereit, die Lobbyforderungen der Verleger zu erfüllen. Statt Inhalte, Medienvielfalt und -qualität zu fördern, geht der Gelddeckel auf für die Subventionierung eines veralteten Verbreitungsmodells, von der nur die bestehenden Platzhirsche profitieren.

https://www.ndr.de/fernsehen/sendun...-Zeitungen-geplant,zeitungszustellung100.html

Medienpolitik in Deutschland, ein Drama in ungezählten Akten.
 
#2
... und weil "man"'s nicht fasst, wirds auch nichts. Spekulatius in viel heißer Luft, sozusagen ...
Immerhin kriegen die Verleger jetzt ihre 7 % USt auch auf digitale Angebote
 
#5
Ich finde die Idee gar nicht so schlecht. Es gehört doch zum Grundrecht einer Demokratie sich über eine freie Presse Informationen zu beziehen. Die Preise sind in den letzten Jahren eh schon stark angestiegen. Wenn man die Kosten wirklich 1:1 an die Kunden weitergeben müsste, wurde da Abo vermutlich 50 EUR oder mehr im Monat kosten. Das könnten sich nur die Besserverdienenden leisten. Das gemeine Volk informiert sich dann über Facebook und RTL 2. Da frag ich mich doch dann, wo das Geld besser angelegt ist.
 
#6
Was will man da subventionieren? Da die Abonnentenzahlen seit Jahren stark rückläufig sind und junge Zielgruppen nicht nachwachsen, wird sich dieses Geschäftsmodell schon bald erledigt haben. Für die paar Hundert übrig bleibende Abo-Kunden braucht man keine Zusteller mehr. Die paar Zeitungen kann der Verlag mit dem Fahrrad austragen. Schon jetzt kaufen die meisten Leser ihr Blatt online - oder am Kiosk.

Im Übrigen nur konsequent, wenn man bedenkt dass man für den ARD-Hörfunk zwangsweise zahlen muss. Und das obwohl dieser überwiegend auch nur das liefert, was die Kommerziellen kostenfrei ohnehin bieten.

Das gemeine Volk informiert sich dann über Facebook und RTL 2. Da frag ich mich doch dann, wo das Geld besser angelegt ist.
Ist deren gutes Recht. Ich muss das nicht haben, aber ein nicht geringer Teil der Deutschen will es ja so.

Es gehört doch zum Grundrecht einer Demokratie sich über eine freie Presse Informationen zu beziehen.
Grundrecht ja, aber keine Grundpflicht. Das widerspricht schon vom Gedankengang her unserer Freiheitlichen Grundordnung.
 
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#7
Es gehört doch zum Grundrecht einer Demokratie sich über eine freie Presse Informationen zu beziehen
Zu Ende gedacht: Der deutsche Steuerzahler subventioniert den Vertrieb - dann müsste auch jeder Steuerzahler kostenlos mindestens ein Blatt seiner Wahl im Briefkasten haben. Aber das würden die Verlage dann doch nicht wollen. Abo muss man zahlen. Ich finde es ziemlich unsäglich, dass die sogenannte "Qualitätspresse" es nicht schafft, außer den Verlegern noch weiteren Beteiligten auskömmliche Einbkommen zu ermöglichen. Bei den Redakteuren wird gekürzt und gespart dass es knallt. Welche Zeitung ist noch im Tarifvertrag? Bei den Austrägern wird gespart und gekürzt, obwohl ihre Arbeit immer weniger auskömmlich wird. Sie haben längere Routen (weil weniger Abos), sie müssen Prospekte und Beilagen einsortieren, sie schleppen noch Sondermüll mit herum, weil der Verlag alle möglichen Verteileraufträge annimmt (Bürgerblätter, Kundenmagazine, Wahlprospekte etc.). Und jetzt, wo all die Einnahmen aus diesen Geschäften den Verlagen immer noch nicht reichen, soll der Steuerzahler für die Zuträger aufkommen? Was ist denn das für ein Kapitalismus?Wer dieses Business nicht rentierlich hinkriegt, der soll bitte abtreten oder seinen Laden verkaufen.
 
#9
... Insbesondere die SPD ist bereit, die Lobbyforderungen der Verleger zu erfüllen.
Nun ist ja bekannt, dass gerade die SPD zahlreiche Unternehmensbeteiligungen hält, speziell an Verlagen und Zeitungen. Auch bekannt ist, dass die SPD aktuell in Finanznöten steckt, was angesichts der Wahlergebnisse und Mitgliederzahlen nicht verwunderlich ist.

Aber wahrscheinlich ist das alles nur Zufall. Mindestens ebenso wahrscheinlich ist, dass die CDU das durchwinken wird, um ihr schrottreifes GroKo-Vehikel nicht noch mehr aus der Spur zu werfen. Und dann machen Merkel, Altmeier und Konsorten wieder Sonntagsreden zur Digitalisierung.
 
#12
Zeitungsausträger ist echt ein Knochenjob. Besonders jetzt im Winter bei eisiger Kälte sich im stockdunklen durch einsame Straßenviertel zu bewegen, nur damit die Leute pünktlich ihre Zeitung bekommen und das alles mehr oder weniger für ein Taschengeld. Wundert mich überhaupt, dass das noch Leute freiwillig machen wollen. Ich habe wirklich Hochachtung vor diesen Leuten, die sich das jeden morgen bei Wind und Wetter antun. Entsprechend großzügig werden die von mir auch zu Weihnachten bedacht. Das ist nochmal ne ganz andere Hausnummer als Postbote oder Müllabfuhr. Das sollte dann auch wirklich anständig bezahlt werden. Die Leute haben einfach ein Anrecht darauf.
 
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#13
Wenn die Arbeit von Zeitungsausträgern, die mitten in der Nacht aufstehen, auch vom Staat unterstützt wird, ist das nur zu begrüßen.
Mit anderen Worten: Alle Jobs, die Nachts stattfinden, sollten von der Bundesregierung (vom Staat) subventioniert werden.
Ich bin auch sehr dafür, dass Zeitungsausträger anständig bezahlt werden. Aber bitte nicht vom Staat, sondern von den Zeitungshäusern, die mit zufriedenen Abonnenten ihre Gewinne erzielen.
 
#15
Kann ja auch gerne so bleiben, nichts einzuwenden. Aber ich habe noch nicht gehört, dass der Staat einem Busunternehmen Gehaltszuschläge für die Busfahrer zahlt, die in der Nacht herumfahren, oder dem Bäcker, der schon um halb drei Uhr morgens in der Backstube steht.
Die Zeitungsverleger argumentieren ja auch nicht mit Nachtarbeit, sondern eher mit ihrem grandiosen Beitrag zur Wahrung der Meinungsvielfalt und der Demokratie.
 
#16
Passt alles ins Bild der SPD. Die unwichtigsten Leute schreien immer am Lautesten und halten sich für die Größten. Bei der nächsten Wahl dann noch knapp 9,5 Prozent. Und hinterher wieder wundern warum man nicht ankommt.
 
#17
Das dürfte wenig mit der SPD zu tun haben. Wenn das schreibende Medienkartell ruft, welches einen ja schließlich durch die berühmt-berüchtigte Zeitung mit den vier großen Buchstaben mal ganz fix aufsteigen und wie eine heiße Kartoffel fallen lassen kann, dann versucht man halt zu springen. In jener Zeitung standen oft genug Sachen, welche vom Rest nur der Schlagzeile wegen erstmal übernommen wurden. Und wenn das Kind erstmal in den Brunnen gefallen ist... Beispiele dafür gäbe es ja einige.
 
#18
Wäre auch für den Dudelfunk interessant. Finanzierung von Wochenend-Moderatoren aus Steuergeldern. Demokratiefördernd, meinungsbildend, informativ... Und selbstverständlich wichtig für die Region!📢🤔
 
#19
Ich denke, dass Subventionierung der Zustellung halt von daher als geschickt gesehen wird, weil die Politik dadurch nichts mit dem Inhaklt zu tun hat.

Ich bin nicht gerade DAFÜR (wenn schon könnte man sicher auch ein Modell finden, dass die "Unabhängigkeit" gewährleistet - es gibt ja für Radio, Fernsehen … auch ein Modell).

Was "die Verlage" angeht, bin ich mir nicht ganz klar. Sicher geht es einigen schlecht, andere müssen deutlich kleinere Brötchen backen, wieder andere jammern und sparen auf Vorrat … klar ist aber, dass die zeitliche Perspektive insgesamt eher dürftig ist. Da ja nunmal die online verfügbaren Inhalte zu einem nicht unerheblichen Teil aus diesen Verlagen kommen (gerade lokal) könnte da Kulturgut verloren gehen.

So, was mir nun noch wichtig ist: Subventionierung der Zustellung bedeutet ironischerweise auch, dass man in dieser Sparte den selbst verordneten Mindestlohn zum Teil selbst zahlt.
 
#20
Wer hindert die Verlage eigentlich daran die Zustellung der Zeitungen auszulagern? Beim Abzocken von Kunden und auch beim internen Kostendrücken ist man doch sonst auch äußerst kreativ, insbesondere bei den großen Anbietern. ...

 
#21
Das wird doch genauso gemacht! Das Outsourcing ist seit Jahren übliche Praxis. Die Zusteller sind in Tochterfirmen (eigene GmbH) mit anderem Tarif / Stundenlohn angestellt und an völlig anderen Arbeits-Standorten. Nennt sich dann Logistik-Service-Gesellschaft. Firmensitz ist aber gleich Anschrift Redaktion.

Viele Nahrverkehre machen das übrigens genauso: Unterschiedliche GmbHs für Werkstatt und Fahrer.
 
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#23
#25
Die Sauerei ist doch die: Die Verlage sind nicht bereit, ihren Austrägern anständige Löhne zu bezahlen, obwohl diese bei Wind und Wetter und zu den unmöglichsten Zeiten deren Produkte in die Briefkästen der Kunden bringen. Stattdessen stecken sie ihre immer noch reichlich vorhandenen Gewinne in Digitalprojekte aller Art (nach dem Motto: Irgendwas davon wird ja mal funktionieren) und lassen sich ihr Kerngeschäft nun gerne vom Steuerzahler finanzieren.
 
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