CLEANBox Pro - Was genau macht man damit?


Ted Stryker

Gesperrter Benutzer
Vor ein paar Tagen fiel mir dieses Gerät auf, das bei uns an einem der Arbeitsplätze neu vorzufinden ist:
CLEANBox Pro – Dual Channel Level Converter – ART Pro Audio

Ein Aufkleber (handgemacht) verweist darauf, daß man damit Gespräche per WhatsApp aufzeichnen kann.

Auf die Schnelle fand ich keine Anleitung dazu. Weiß jemand zufällig, zu was diese Box eigentlich gut sein soll? O-Töne per WhatsApp sind ja keine Hexerei. Was macht diese Box?
 
Dabei handelt es sich um einen sogenannten Symmetrierübertrager. Damit wird das unsymmetrische Audiosignal einer 3,5mm Klinke oder eben der Cinch Anschluss auf Studionorm mit symmetrischen, analogen Ausganngsbuchsen gebracht.
Du kannst also ein Handy o.ä. per Miniklinke (also kein aktuelles I Phone :wow:) oder Cinch Leitung verbinden und Audio von dort aufs Pult oder eine Aufzeichnung bringen, sofern alles richtig verkabelt und gepegelt ist. Hat also mit WhatsApp nur bedingt zu tun ;)

Beste Grüße, Björn
 
...achso, anders herum geht natürlich auch, also aus Richtung Studio in Richtung Handy etc. Es wäre also wichtig zu wissen, wie es konkret eingebunden und angeschlossen ist..
 

lg74

Benutzer
Wenn wirklich nur das drin ist, was die Anleitung nahelegt, würde ich nichtmal das Wort "übertrager" dafür verwenden:

ART CleanBox Pro - Flow Chart.jpg

Da sind nämlich offenbar keine Übertrager drin. Es handelt sich also nur um einen Symmetrier/Desymmetrierverstärker in jeweils 2-kanaliger Ausführung. Eine galvanische Trennung zwischen Eingangsmasse und Ausgangsmasse findet offenbar nicht statt.

Heißt freilich nicht, dass man mit diesem Gerät nicht diesen oder jenen Brummeffekt beseitigen könnte (weil halt doch symmetrische Audioverbindungen mit Differenzbildung im Spiel sind), aber wer galvanisch trennen möchte, findet bei ART auch was passendes:


Da sind Übertrager drin:

ART DTI - Flow Chart.jpg

Ich hatte nie eine davon offen und nie eine nachgemessen, aber die haben mir schon sehr geholfen bei Brumm in einer unsymmetrisch-symmetrischen Zuspielerei zu einer komplexeren Audioanlage in einem Saal. Die Übertrager sind 1:1.

Man sagt, die Palmer PLI-02 wären deutlich besser, ich konnte aber nie vergleichen, von Palmer hatte ich in diesem Seminarhaus nur 1:irgendwas (Hochpegel auf Mic-Pegel) und nicht die 1:1-Version.


ART bietet auch noch die CleanBOX II an, die hat auch Trafos: Foto hier weiter unten. Das ist dann wohl einfach die anschlussmäßig abgespeckte Version der DTI.

Ein Aufkleber (handgemacht) verweist darauf, daß man damit Gespräche per WhatsApp aufzeichnen kann.
Und gerade da hätte ich leichte Bauchschmerzen: weil eben keine Potentialtrennung drin ist, kann es passieren, dass man beim Anschließen eines (momentan) netzbetriebenes Gerätes an so eine Box den Ausgangstreiber des Zuspielers himmelt. Das passiert z.B. im Moment des Einstecken des Miniklinkensteckers, wenn es zum Ausgleichsstrom durch unterschiedliche Potentiale zwischen beiden Geräten kommt. Die Spitze des Miniklinkensteckers überstreicht zuerst den Massekontakt des Anschlusses am anderen Gerät. Damit bekommt der linke Kanal des Zuspielers als erstes Massekontakt und wenn es da Potentialunterschiede gibt, kann das den Ausgangstreiber durchbrennen.

Deshalb versuche ich z.B. auch vor dem Anschluss eines Laptops an ein Saalmischpult ohne echten Übertrager dazwischen, das Laptop auf Akku laufen zu lassen. Kann man ja danach sofort wieder auf Netzteil umstöpseln, wenn die Verbindung steht. Die direkte Masse-Masse-Verbindung kann die geringen Ausgleichströme ab. Es brummt dann höchstens. Gleiches gilt für Smartphones als Zuspieler: Audioverbindungen nicht stecken, wenn Ladegerät am Smartphone hängt.
 

RainerK

Benutzer
Das DTI des gleichen Hersteller (mit Übertragern) ist der Standard für solche Zwecke und der Hersteller nennt es zu recht "Transformer / Isolator" und solche Teile kennt man als "DI-Boxen".

Zur "CleanBox" ohne Übertrager schreibt der Hersteller für "... professional recording studios". Ohne eine Spezifikation der Gleichtaktunterdrückung (CMRR / Common mode rejection) der elektronischen Symmetrierung und mit der Bezeichnung CleanBox (dabei wird garnichts gereinigt;)) ist das glatter Etikettenschwindel.
Der Hersteller wird wissen, warum er das Teil in der Langbezeichnung nur "Level Converter" nennt.
In professioneller Umgebung wird man so eine separierte Pegelanpassung kaum benötigen
Wer mag, kann dieses Spielzeug gerne im Hobby Homestudio verwenden.

Preislich sind die beiden Teile fast identisch.
 
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lg74

Benutzer
Ohne eine Spezifikation der Gleichtaktunterdrückung (CMRR / Common mode rejection) der elektronischen Symmetrierung und mit der Bezeichnung CleanBox (dabei wird garnichts gereinigt;)) ist das glatter Etikettenschwindel.
Die CMRR steht im Datenblatt: ">40 dB". Das sind halt so 20 dB weniger als bei echtem Pro-Audio (digitale Broadcastpulte etc.). Ist halt Technik für Amateure, kleine Bands etc. - würde ich jetzt nicht als Mangel verstehen.

In professioneller Umgebung wird man so eine separierte Pegelanpassung kaum benötigen
Habe ich in professioneller Ausführung aber auch mehrfach gesehen, vor allem dort, wo analog von Consumer-Geräten überspielt wurde (z.B. in der Zeit, in der Reporter noch mit tragbarem Analoggerät unterwegs waren). @DigiAndi hat sowas z.B. im Einsatz: einen Lake People OCTO-BAL F80


Das ist dann aber auch andere Gewichtsklasse und optional mit Übertragern zu haben, die deutlich hochwertiger sind als ein Klingeltrafo.

1:1-Übertrager wie den den DTI oder den funktionsgleichen Palmer PLI-02 wünsche ich mir aber in jeder Kiste. Kann man so oft gebrauchen. In dem Seminarzentrum, in dem ich jahrelang mitarbeitete, entbrummt man damit die Haupt-PA (weil der Sub-Mischer der im Saal installierten Zuspieler blöderweise nur unsymmetrischen Ausgang hat), auch ließ sich damit ein obskures Problem provisorisch lösen, das zum Auslösen des FI-Schalters führte, wenn man einen Laptop mit via HDMI angeschlossenem Projektor an einem bestimmten Stromkreis betrieb und das Audio aus dem Laptop in die Saal-PA einspeisen wollte.
 
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lg74

Benutzer
Dann bin ich offenbar zu blöd die Angabe zu finden
Auf dieser Seite


in der Anleitung


Seite 8, 4. Angabe von oben.

Das Teil liegt da halt in einem der Aufnahmeplätze so rum. Wer es verwendet und wie, ist mir unbekannt.
Ich vermute, einfach Pegelanpassung Handy-Kopfhörerausgang auf Studiopegel und damit irgendwie weiter.
 
Das Teil liegt da halt in einem der Aufnahmeplätze so rum. Wer es verwendet und wie, ist mir unbekannt.
...das ist dann natürlich nicht wirklich praktikabel. Unabhängig davon, ob wirklich Übertrager zur galvanischen Trennung verbaut sind, soll das Teil ja offenbar dazu dienen Audio von A nach B zu übertragen und Pegel sowie Anschlusstechnik zwischen Profi- und Heimnorm zu wandeln. Und dazu sollte es komplett verkabelt in die Studioumgebung eingebunden sein und nicht einfach nur herumliegen. Bleibt zu hoffen, dass das Steckernetzteil noch verhanden ist, das offenbar dazu gehört.
 
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