Coronavirus


astereix

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@Radiokult: ich unterschreibe jedes Wort, wenn es um eine grundsätzliche Einordnung der gesundheitspolitischen Entwicklung geht. Und könnte noch von der unmittelbaren "Vor-Corona-Zeit" (Anfang 2020) Erlebnisse schildern, die man eigentlich nicht für möglich hält.

Die Probleme die wir hier im Gesundheitssektor haben, sind fast alle hausgemacht.... So legt man lieber die halbe Wirtschaft lahm mit allen Konsequenzen und unschönen Nebenerscheinungen, um ja eine Überlastung mit noch schlimmeren Folgen zu vermeiden - ein Teufelskreislauf.
Hat man zu wenig Klinikpersonal, dann lebt man die meiste Zeit im Lockdown mit massivsten wirtschaftlichen und sozialen Schäden oder aber man hat Reserven im Gesundheitssystem und kann dann eben etwas mehr lockern.

Bzgl. Sars-CoV-2 / Covid19 (und darum geht es ja hier konkret) passt dieser "entweder / oder"-Ansatz allerdings nicht (@Tweety: Deine Kausalität ist hier schlichtweg falsch). Die Ressourcen im Gesundheitswesen könnten unendlich sein, wir bräuchten dennoch all diese "unschönen" Maßnahmen. Entscheidend ist die Vermeidung bzw. Velangsamung der Ausbreitung eines hoch übertragbaren und ansteckenden Virus, egal in welcher Mutation, sonst würde relativ kurzfristig eine derart hohe Anzahl an Erkrankten und Toten entstehen, die weitere Überlegungen erübrigen würde.

Covid19 ist nach wie vor nicht medizinisch, d.h. medikamentös, operativ oder sonstwie therapierbar. Der, völlig berechtigte, medizinische Aufwand - und ja, es fehlen Personal (zuvorderst), Geräte und Betten - ist lediglich eine ultima ratio.
 

Tweety

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Bzgl. Sars-CoV-2 / Covid19 (und darum geht es ja hier konkret) passt dieser "entweder / oder"-Ansatz allerdings nicht (@Tweety: Deine Kausalität ist hier schlichtweg falsch). Die Ressourcen im Gesundheitswesen könnten unendlich sein, wir bräuchten dennoch all diese "unschönen" Maßnahmen. Entscheidend ist die Vermeidung bzw. Velangsamung der Ausbreitung eines hoch übertragbaren und ansteckenden Virus, egal in welcher Mutation, sonst würde relativ kurzfristig eine derart hohe Anzahl an Erkrankten und Toten entstehen, die weitere Überlegungen erübrigen würde.
Ich habe ja nicht geschrieben, dass man damit auf alle Hygienemaßnahmen verzichten kann, wenn man mehr Betten und Personal hat. Natürlich muss man dann auch weiterhin versuchen die Pandemie beherrschbar zu halten. Das steht außer Frage. Allerdings und das ist der Punkt, wäre die Lage dann insgesamt entspannter und man müsste nicht das öffentliche Leben immer komplett runterfahren. Dieser 100 Wert ist ja nur deshalb so gewählt, weil eben damit die Überlastung des Gesundheitssystems vermieden wird. Jeder Virologe sagt dir aber auch, dass wir auch Inzidenzen von 200 oder gar 300 verkraften würden. In anderen Ländern gibt es diesen Wert so auch nicht und auch dort läuft das öffentliche Leben, so weit es geht weiter. In Madrid hat man eine Inzidenz von über 200 und dort sind sogar Geschäfte und Restaurants auf. Natürlich ist die Lage dort auch in den Krankenhäusern angespannt, aber derzeit kommt man damit noch gut klar.
 

chapri

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Tweety

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Das ist doch nun wirklich nicht überraschend. Egal was eine Regierung macht, sie wird immer von einer Seite Drohungen erhalten. In Deutschland gehen vielen die Beschränkungen zu weit und es hagelt Drohungen gegen die Regierung und Abgeordnete. In anderen Ländern wie Spanien sind die Maßnahmen eben vielen zu lasch. Es bleibt festzustellen, dass sich in der Corona-Krise die Kritiker immer mehr radikalisieren. Dies ist offenbar kein rein deutsches Problem.
 

Skywise

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Es bleibt festzustellen, dass sich in der Corona-Krise die Kritiker immer mehr radikalisieren. Dies ist offenbar kein rein deutsches Problem.
Ist es nicht. Aber eins, das mitunter ungewöhnliche Blüten treibt. Gestern lief hier im Bereich Öffentlichkeitsarbeit eine interessante Diskussion darüber, wie man bestimmte Dinge an die Öffentlichkeit bringt - und was man am besten erst mal nicht laut ausspricht. Und zwar nicht, weil man glaubt, die Betroffenen hätten kein Verständnis dafür, sondern weil man glaubt, daß die Leute, die größtenteils nicht davon betroffen sind, gleich wieder die ganz große Skandal-Keule rausholen, Leute um sich scharen und zum Halali blasen.
Ohne in die Diskussion eingestiegen zu sein, habe ich den Effekt verstanden als: diejenigen, die sehr nachhaltig toben, daß sie sich keine Maulkörbe verpassen lassen und daß sie gegen irgendwelche Weltverschwörungen sind, schaffen es, daß die Gegenseite sich selbst Maulkörbe verpaßt und bestimmte Dinge verschwörerisch verschweigt, um der ganzen Scheiße aus dem Weg zu gehen.

War mir bis gestern gar nicht so bewußt, wie man mit Protesten, die auf falscher Grundlage beruhen, eine echte Grundlage schaffen kann.

Gruß
Skywise
 

Mannis Fan

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Der Arzt und Anästhesist Dr. Horst Käsmacher in einem Leserbrief zum oben zitierten Online-Blogbeitrag von Jens berger:

Zu Beginn der Pandemie finanzierte Jens Spahn den Kauf von Intensivbetten und Beatmungsmaschinen. Das Pflegepersonal wurde mit einer kleinen Extraprämie abgespeist, deren Auszahlung es sich noch erkämpfen musste. Etwa 9000 Pflegekräfte kündigten nach Aussagen der Gewerkschaft im Jahr 2020 ihren Arbeitsplatz. Der Personalschlüssel wurde dahingehend geändert,dass nunmehr 2, statt 1,2 Pflegekräfte pro Covid-Patient zur Verfügung gestellt werden mussten. Woher nehmen? Folglich meldeten die Krankenhäuser ihre Intensivbetten ab und wurden dafür auch noch finanziell belohnt, wenn die Belegung mehr als 75% betrug. Eine Belegung von 70 bis 80% ist nach meiner Erfahrung auf Intensivstationen seit vielen Jahren völlig normal. Die Krankenhäuser kochen mithin aus durchaus nachvollziehbaren Gründen ihr eigenes Süppchen. Die verantwortlichen Ärztefunktionäre jammern wie immer auf hohem Niveau und fordern zum Teil Verschärfungen des Lockdowns, anstatt die wahre Ursache der Misere zu benennen, nämlich die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens.

Der Arzt Dr. Sebastian Hinz zum gleichen Thema:
Das Problem des Bettenabbaus,bzw. der finanziellen Fehlanreize im Gesundheitssystem exisitiert schon so lange und es tut gut, lieber Herr Berger, dass Sie es noch einmal deutlich pointiert dargestellt haben.
Vor einem Jahr gab es für jedes freigehaltene Intensivbett großzügige Förderungen und wir hatten plötzlich 32000 Intensivbetten. Inzwischen, in der größten Pandemie aller Zeiten, gibt es nur noch Zuschläge bei einer Intensivbettenauslastung über 75% und schon haben sich die Bettenkapazitäten massiv reduziert (oder euphemistisch ausgedrückt wurden “angepasst”)
Die Überlastung des Personals steht ja ausser Frage insbesondere bei dem emotional so aufgeheizten COVID-Krankheitsbild.
Aber wo sind die dauerhaften finanziellen Anreize für die Pflegenden, sprich eine angemessene, stabile, deutlich höhere Vergütung für die nervenaufreibende Tätigkeit.
Die Krankenschwester Helga Lönze:
Ich kann da nur von einer Freundin, Krankenschwester, inzwischen berentet erzählen, wenn sie mal frei hatte, ging sie nicht an Telefon, hatte auch keinen AB aus Sorge, pausenlos vom Krankenhaus belästigt werden, einige Zusatzschichten zu fahren. Ihre Handynummer wurde nur unter dem Siegel der Verschwiegenheit rausgegeben….. meine Schwägerin, auch berentet inzwischen, hat hat sich ständig mit der Pflegedienstleitung rumschlagen müssen an freien Tagen…

Eine ehemalige OP Schwester erzählte vor langer Zeit, dass im OP oft nicht genügend Wechselwäsche da war, um sich nach einem Toilettengang umziehen zu können….

Wie gesagt, war schon vor Jahren so…..

Und so weiter, und so fort ...
 

rockon

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Sehr positiv überrascht war ich vom Ablauf der Impfung im Impfzentrum in Tübingen. :thumbsup: In einer entspannten Atmosphäre war nach einer guten halben Stunde alles vorbei. Bei täglich über 2000 Impfungen hätte ich das nicht erwartet. Respekt an Organisation und Mitarbeitende.
 
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