Da fliegt mir doch das Blech weg!


#76
Tach, Post!
(nehmt's mir nicht übel, aber ich fand den Rolf (?) - "Fünf ist Trümpf" - damals™ irgendwie cool) :cool:

Kurze Zwischenantwort:
Was sind das eigentlich für rote Linien? Ich tippe auf digitale Clipps (min. 3 Samples hintereinander, die bei 0dBFS kleben).
Das sind Screenshots aus Audacity. Dort gibt es die Anzeige-Option "Übersteuerung anzeigen (an / aus)". Rote Linie= digital übersteuert aka durch die Wand gefahren.
Den genauen Algorithmus (wie viele aufeinanderfolgende übersättigte Samples werden toleriert?) müsste ich erfragen.

Audacity ist ein Mathematiker vor dem Herrn. Man hört diese roten Linien nicht, aber die Berechnungen sagen: Sorry, Ende der Fahnenstange.
Umgekehrt werden ja hörbare Verzerrungen, die weit unterhalb des 11111111-Byte sind, auch nicht markiert. Mathematiker kennen nun mal keinen Wohlklang. Klingt doof, ist aber so.

Meine beiden "Wecktöne" sind nächtliche Mitschnitte der Automationen von zwei Webradio-Stationen mit einem gewissen Namen und Bekanntheitsgrad. Eine Auswertung dieser Stunde(n) im Orban Loudness Meter folgt.
 
#78
Ach, Zwerg ... Du bist echt so ein Kandidat.

Angeschickert von einem Weinfest via Smartphone Müll ins Forum tippern und sich später auch noch für dynamikreduzierten Schrott stark machen, damit der mobile Zwerg es ja auch im Auto hören kann. Aber sich "am Morgen danach" :D über "Brikettfabriken" beschweren.
So was kann ich leiden. Nicht.

Zunächst einmal: Bei der GEMA waren zum Zeitpunkt meines Posts 835 Webradios eingetragen, nicht 42. Die Handtuch-Zahl ergab sich aus den vom @Inselkobi in den Raum geworfenen 5%.
Fazit: Dein Leseverständnis war auf dem Weinfest schon etwas - vorsichtig ausgedrückt - eingeschränkt.

Sich dann aber auch noch hinzusetzen und
die Buchstaben auf dem Smartphone auch nicht mehr so zielsicher
zu treffen, zeugt von zweierlei Respektlosigkeit: Deinen Lesern hier bei radioforen einerseits (es hätte keinem einen Abbruch getan, hättest Du zwei Tage später im Normalzustand geschrieben) und den Standbetreibern wie Besuchern des Weinfestes andererseits.

Meine Güte, es gab mal eine Zeit, da gingen wir auf ein Fest, ließen uns von nix ablenken, weil das Fest an und Pfirsich die Ablenkung von unserem Alltag war. Aber nein, der Funkhausnormpegel™ verleitete den multikommunikativen Zwerg offenbar dazu, sich als "Hey, ich bin auf dem Weinfest und kann noch mit euch schreiben, damit es jeder mitbekommt" zu produzieren.
:rolleyes:

Dass moderne Popmusik als Opfer des loudness war heutzutage meist dynamikbefreit daherkommt, muss ich leider akzeptieren.
Nicht akzeptieren hingegen muss ich die Ableitung, dass man deshalb seinen Stream auch dynamikreduziert anbieten sollte. Auch wenn das primär nichts mit schlechter Moderation zu tun hat, so machst Du Dich damit nämlich vom Opfer zum Täter: Der Zwerg als der Hörer, der Ansprüche an "das Webradio" stellt, damit er es auch ja schön gleichmäßig laut im Auto über einen mobilen Datenstream hören kann.

1.)
Genau für solche Leute mit einer ähnlichen Argumentation wurden diese
gemacht. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wird Deine ganze Kritik unglaubwürdig.

2.)
Zugegeben: Ich bin einfach zu alt für diese ganze mobile Multimedia-Streamerei. Es ist in meinen Augen und Ohren einfach nur blöde, unterwegs unbedingt Fußballspiele auf einem Mini-Bildschirmchen live sehen zu müssen oder Radio hören zu müssen (für so was gibt es UKW oder DAB+; dass wir Europäer in unseren Smartphones immer noch nicht die entsprechenden Chips aktiviert bekommen, ist einfach nur eine Frechheit). Ladet euch, verdorri noch eins, eure Musikbibliotheken daheim auf die nun wirklich großen SD-Karten, packt Hörbücher oder podcasts drauf oder oder - dann besteht auch keine Notwendigkeit,
das Net mit diesem Mist zumüllen.
:p

Wenn ich wirklich mal wieder auf Sendung gehe, dann a) vergleichsweise leise (≈ 15 LKFS) , b) fast unkomprimiert und c) äußerst dynamisch.
Damit hätte ich Dich schon mal als Hörer verloren, und nicht minder arrogant als Du antworte ich: Gut so! Meine Hörer sollen mein Produkt wertschätzen und ich werde es nicht um jeden Hörer willens so schrotten, dass ich es nicht mehr vertreten kann. Meine Zielgruppe ist der Hinhörer und nicht der Durchhörer. Sollte ich damit scheitern, dann lag es allerdings an meinem Angebot und nicht am Hörer, nach dem ich mich ständig wie ein Fähnchen im Wind drehe.

Zum Schluss:
Ich habe die beiden "Brikettfabriken" mal durch die Analyse des Orban Loudness Meter (OLM) laufen lassen.

Radio 1: 20180605 Radio 1 OLM Werte.png Radio 2: 20180605 Radio 2 OLM Werte.png

Würde man bei Radio 2 die PPM-Wandfahrerei noch besser in den Griff bekommen, müsste der niedrige Loudness Range (LRA) Dir doch eigentlich entgegen kommen, oder?
 

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#79
Uli, Du solltes besser keine Zwerge zum Frühstück versuchen zu verspeisen. Die schmecken nicht. Nirgendwo und auch zu keiner Zeit habe ich geschrieben, daß ich ein "Brikettfabrik-Soundprocessing" präferiere. Wer meine Postings kennt weiß, was ich immer sage: Kauft Vinyl oder alte (Vorkriegs-)CDs, denn der Loudnesswar macht(e) ja nicht einmal bei Neuausgaben der Dire Straits halt, wie man hier im Forum nachlesen kann. Das muß man sich als Plattenfirma erstmal getrauen.

Es ging mir immer nur um das Mikrofon-Processing, welches nicht so einfach ist, wenn es "anständig" klingen soll. Dabei geht es speziell darum, daß die Stimme im entspannten "Märchenonkel-Modus" nicht zu leise wird, zu sehr "absackt" (auch wenn gar keine Musik drunterliegt).


Wie angekündigt, hier jeweils die erste Stunde der Aufzeichnung zweier Sendungen meines Kumpels vom letzten Freitag und vom Dienstag. Leider sind keine dB-Marken dran - wir sind aber weit entfernt von einer "Brikettfabrik". dieses Orban-Tool werde ich ihm mal vorschlagen...

In Spur 1 liegt seine "Maxi-Sendung" mit Musik aus den Achtzigern. Einige Titel sind Vinyl-Überspielungen. Wer dabei mehr als 50dB "Dynamik" aus der Rille kratzt, melde sich bitte bei mir. Und ja, die guten alten Maxis wurden durchaus 10dB lauter als DIN-Normpegel (Stichwort: "Schnelle" , 0dB = 10cm/s bei Singles) geschnitten. Damit wird die Rille größer und (kleinere) Kratzer werden etwas verdeckt.

In Spur 2 eine Sendung mit "aktueller" Musik. Das sieht schon mehr nach "Brikett" aus, aber dafür kann er ja nix: Shit in - shit out.

Und weil es hier so nett zugeht, nochmal die alte "SWR1 vs. Amateur" - Nummer mit seinem aktuellen Processing. Bonus: Das selbe Spielchen vs. Schwarzwaldradio. Quelle ist der 192kBit Webstream.
 

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#80
Mehr Dynamik ist nicht wirklich gut, da man beim Hören im Auto etc. praktisch nur am Lautstärkeknopf dreht.
Hm.
So ein Argument würde man eigentlich nur verwenden, um starke Kompression zu rechtfertigen. Oder ich verstehe Dich miss. :D
Nenn' mir jetzt bitte ein Argument, warum sich ein Radio einen eigenen Server aufsetzen sollte, ihn mit eigener Musik füttern sollte und die Lizenzkosten tragen sollte?
Weil dann aus dem "Dingens" ein "Radio" würde. Vielleicht sogar mit Anspruch. Hachja...
Wo macht Du den Unterschied? An der veröffentlichen Plattform? Am Weg, der für die Übertragung gewählt wird (eigener Server vs. gesteller Server)?
Und warum?
Ich gebe es ja nur ungern zu, aber da hat der @Inselkobi nicht unrecht.
Wenn ich überhaupt ein Anhänger einer Ideologie im Sinne einer Religion bin, dann ist es - neben dem FSM - der Pragmatismus.
Also P&P: Pastafari & Pragmatiker. :p

Durch die Wahl der Plattform geht ja der Anspruch nicht verloren (in die Köpfe der Hörer mit ihren Ansprüchen kann ich freilich nicht hineingucken); würdest Du denn, abhängig vom Verbreitungsweg, Deine Ansprüche an Dich selbst und an ein Radioprogramm ändern?

Wir haben hier in der Vergangenheit schon mal eine ähnliche Diskussion geführt. Da ging es darum, ob man während des Sendebetriebs die Hörerzahlen sehen können sollte oder nicht. Ich war stets strikt dagegen, weil das - unbewusst - tatsächlich die Sendung beeinflussen konnte. Gleichfalls habe ich immer wieder gesagt: Stellt euch bei eurem Bürgerfunk an ein Mikro und fahrt eine Sendung. Ihr wisst, ihr seid auf UKW und vermutlich auch im Kabel, aber ihr habt keine Anzeige der Hörerzahlen. Dennoch würdet ihr euch den Arsch aufreißen! Warum nicht auch beim Webradio?

Blöderweise sehe ich bei Dir die Gefahr, auf den selben Denkfehler / Irrtum einzuschwenken. Der Anspruch an eine gut gefahrene Sendung sinkt oder steigt nicht mit der Wahl des Verbreitungsweges.
Allerdings, da muss ich dem @ForenKater zustimmen:
Ich möchte nicht ein Teil der Laut.FM Bubble sein.
Das hat aber eher was mit Bauchgefühl und weniger mit rationalem Denken zu tun.

Als Absacker noch einen Zwerg:
Ich bleibe aber trotzdem dabei und sage: "Diesen Scheiß mixe ich selbst mit 3 Promille im Turm noch besser ab!"
An dieser Stelle möchte ich an das legendäre Interview mit Werner Reinke erinnern, in dem er freimütig zugab, reichlich angetrunken bei hr3 eine Sendung gefahren zu haben. Wenn ich es gerade richtig im Kopf habe, traf sich die Redaktion einer Sendung privat bei einem Redakteur mit einer offenbar guten Scotch-Auswahl. Irgendwann kam die Frage auf, wer denn nachher die Sendung fahren würde... im Endergebnis waren es entweder alle zusammen im Studio oder Reinke alleine.
Er erzählte dazu: Solange es nur kurze Singles waren, war man ständig beschäftigt und auf Trab. Doch dann kam das erste längere Stück (Led Zeppelin?) und er hatte für ein paar Minuten nichts besonderes zu tun. Wie es ausging? Dazu müsste ich das Interview suchen gehen....

Als Ex-Sani im Sanitäts- und zwischenzeitlich auch mal Rettungsdienst haben wir die 3-promilligen und ähnliche Kannaillen gerne als "Spiegeltrinker" bezeichnet: Wo der normalgewickelte Mitteleuropäer schon längst mit einer C₂-Intox in der Notaufnahme gelegen hätte, wurden diese Kollegen erst wach.
Willst Du wirklich mit denen auf einer Stufe stehen? o_O
 
#81
Blöderweise sehe ich bei Dir die Gefahr, auf den selben Denkfehler / Irrtum einzuschwenken. Der Anspruch an eine gut gefahrene Sendung sinkt oder steigt nicht mit der Wahl des Verbreitungsweges.
Neinneinnein, Du willst mich an der Stelle einfach falsch verstehen. Das ist ja auch Dein gutes Recht, aber es ist auch meines, das in meine Aussagen Hineininterpretierte nicht jedes Mal aufs neue widerlegen zu müssen. ;)

Das mit der Laut-FM-Bubble ist ziemlich genau das, was ich meinte - nicht mehr, nicht weniger. Obendrauf vielleicht noch: Wer privat eine anständige Infrastruktur schafft, und damit mehr Aufwand treibt, als er heutzutage müsste - der hat vielleicht auch an anderer Stelle mehr Anspruch an sich? "Maybe".

Und dann gönn` mir bitte, als gelernter LRA, noch den hier:
Du meinst bestimmt C2H5OH? (Dass die Zahlen kleingestellt sind müssten weiß ich, ist mir aber jetzt zu lästig.)

Schönes Wochenende! Ich merke an meiner Granteligkeit - es ist nötig.
 
#83
Ich ergänze meine von Uli zitierte Rede etwas, damit der Zusammenhang auch ohne Nachschlagen besser verständlich ist:
...[Popmusik senden] Insofern sind wir ganz schnell bei maximal 45dB "Dynamik", nur um mal eine Zahl aus dem UKW-Umfeld zu nennen. Mehr Dynamik ist nicht wirklich gut, da man beim Hören im Auto etc. praktisch nur am Lautstärkeknopf dreht.
Hm.
So ein Argument würde man eigentlich nur verwenden, um starke Kompression zu rechtfertigen. Oder ich verstehe Dich miss. :D
Möglich, denn Du redest hier im Thread ja schließlich von "EBU R128".
Soweit ich R128 verstanden habe, "soll der vom Zuhörer empfundene Lautheitseindruck über den gesamten Programmablauf nahezu gleich bleiben" (aus Wikipedia). Grundlage oder Bezugspunkt für die Einstellung einer "angenehmen" Abhörlautstärke im Wiedergaberaum (des Hörers) sind Dialoge, in unserem Fall also die Moderation, die logischerweise immer "sehr gut" zu verstehen sein sollte, auch wenn der Moderator gerade etwas leiser spricht und evt. sogar etwas mit dem Abstand zum Mikrofon "spielt", um einen (hoffentlich) gewünschten Sound hinzubekommen. Natürlich sollte dann der "Senderaum" gewisse Reserven haben, damit das Mikro nicht zu viel "Raum" einfängt. Da mein Kumpel und ich soundmäßig auf einer Welle schwimmen und als DJs auch unbewußt (ich könnte auch: "aus Erfahrung" schreiben) nach Gehör mixen, habe ich (wie weiter oben beschrieben) halt mal in der Küche gestanden und seiner Stimme gelauscht. Damit haben wir indirekt die "Störgeräusche" beim Hörer simuliert, die "gefühlte" Lautstärke zwischen Musik und Moderation angepasst, ohne auch nur einen einzigen Gedanken an die "EBU-R128" zu verschwenden! Letztens hatten wie festgestellt, daß noch "etwas mehr Stimme" nicht schaden kann. Und das wurde dann auch gemacht.

Ich frage mich, wer dein, von dir oben kurz skizziertes, "Full Dynamic Range - EBU - R128" Webradio hören soll? Kann man das dann nur unter geschlossenen KH (üblicherweise > 20dB Dämpfung der Außengeräusche) und (sehr) hoher Abhörlautstärke wirklich genießen? Dann sendest Du m.E. wirklich nur für dich allein.

Ich zitiere nur mal aus http://www.sounddirect.at/blog/20150505-lautheitsnorm-ebu-r-128/:
Man darf bei TV-Mischungen nie vergessen, dass vor allem im Vorabendprogramm der Ton gegen viele Nebengeräusche (essen, Waschmaschine, Radio aus dem Nebenzimmer, Strassenlärm, usw..) ankämpfen muß. Eine Vorabendserie sollte daher meiner Ansicht nach kaum mehr als 7-8 LU (= dB) Loudnessrange haben.
BTW: Mein Hinweis mit der "Dynamik" hatte schon seinen Grund. Selbst bei Popmusik aus den 70ern (also vor dem War) ist kaum mehr als 40-45dB "Dynamik" drin. Das ist bei Popmusik einfach so und hat erstmal nix mit den Limits der damaligen Aufnahmetechnik (primär analoges Bandrauschen als untere Grenze des Übertragungskanals) zu tun. Neue Popmusik ist bekanntlich "voll in die Fresse" gemastert.

Selbstverständlich passt diese Dynamik problemlos in die Systemdynamik des CDA Formats, also 16Bit, und damit in deinen hypothetischen Webstream. Du könntest also einen Titel von 1978 und einen Titel von 2018 hintereinander abspielen - und beide haben "gefühlt" die gleiche Lautstärke. Der Titel von 2018 hat dann zwar nur einen Spizenpegel von meinetwegen -30dBFS (oder "True Peak"), aber das ist dann halt so.

Ich weiß nicht, ob das wirklich so gewollt sein kann, denn bekanntlich verringert sich die "Auflösung" pro 6dB Pegelabsenkung um ein Bit. Im Sinne des Erfinders ist das sicher nicht. Andererseits hört man diese Verschlechterung nicht, wenn das Nutzsignal (zu jedem Zeitpunkt) weit genug vom Quantisierungsrauschen entfernt ist. Aber dieser Rauschteppich wird halt immer lauter, je weniger Bits vorhanden sind. Das hatten wir schonmal durchgekaut.


Insgesamt gesehen: Alles nicht so einfach.


Willst Du wirklich mit denen auf einer Stufe stehen? o_O
Ähm. Wenn ich so eine Stimme wie die von WR bei der nächsten Runde mitbestellen kann... Ja! :D
 
#84
Du meinst bestimmt C2H5OH? (Dass die Zahlen kleingestellt sind müssten weiß ich, ist mir aber jetzt zu lästig.)
Vollkommen richtig. Allein, die Kurzform ließ sich besser über Funk durchsagen und zudem konnte man so dem Patienten gegenüber während seiner Anwesenheit den eigenen Nerv-Faktor gut verschleiern (an alle anderen Mitleser: Ja, manchmal ist das nötig in dem Job).
Wenn Du nächtens fünf Mal zur gleichen HiloPe an einer Haltestelle ausgerückt bist, die Menschen aus einer Tram heraus beobachtet haben möchten (was im Grunde ja nichts schlechtes ist, sich nur seit der Mobiltelefonie verschärft hat), dann gibt's halt auch mal eine verschärfte Ansprache, sich endlich in die nächste Tram zu setzen, damit wir den Typ für den Rest der Schicht nicht mehr sehen müssen. Dass dann ein anderer Wachbereich danach ziemlich oft deshalb ausrücken musste, konnte man am Bildschirm auf der Wache prima verfolgen (tüdelüüü...).

Böses Uli, ich weiß. Aber vielleicht kam so auch mein geschärfter Blick auf die ein oder andere gesellschaftliche Entwicklung zustande - Webradio inklusive. Eine Mischung aus Engagement, Resignation, Pragmatismus und laissez-faire.

BTT: Im Duell @Inselkobi vs. @killed_by_video dreht sich die Zustimmungslage gerade wieder zugunsten kbv. Bemerkenswert!
Wer privat eine anständige Infrastruktur schafft, und damit mehr Aufwand treibt, als er heutzutage müsste - der hat vielleicht auch an anderer Stelle mehr Anspruch an sich?
Gutes Argument, da bin ich fast bei Dir. Nur, dass ich "Anspruch" gegen "Herzblut" tauschen möchte. Der Anspruch muss - sollte - gleich bleiben, aber der Wille, das mit Blood, Sweat & Tears ;) aufgesetzte Projekt am Leben zu erhalten, ist naturgemäß erheblich größer. Aber wenn damit auch der Anspruch steigt, besseres Radio zu machen... nein, das unterschreibe ich nicht.

Denkmodell
: Moderiert der Inhaber eines Webradios besser als die für ihn tätigen Moderatoren?
Nö, hat er (meist) nicht, denn mehr Aufwand ist das auch nicht.
Da muss ich Deiner Erfahrung vertrauen, denn weder habe ich einen Server aufgesetzt noch habe ich einen lauten Kanal eingerichtet (die Sache mit der Homepage dürfte mal gleich bleiben, denke ich - und die ganz faulen machen es mit facebook). Aber rein instinktiv glaube ich das erst mal nicht, sorry.

@Zwerg#8, auf Deine Emu ääh EBU-Argumente gehe ich später in Ruhe ein; ich brauche jetzt erst mal Nervennahrung.
PIZZA! :)
 
#85
Und weil es hier so nett zugeht, nochmal die alte "SWR1 vs. Amateur" - Nummer mit seinem aktuellen Processing. mir zuhörenBonus: Das selbe Spielchen vs. Schwarzwaldradio. Quelle ist der 192kBit Webstream.
Juhuu! Ein feiner Processing Vergleich. Das hat mich spontan dazu bewegt, meines mal wieder auszutesten. Der Song ist nämlich nicht ganz einfach, da er doch einige Dynamiksprünge enthält. Im Anhang gibt's das Ergebnis meiner Processing Kette (ein weiterer Amateur).
Die SWR1 Version ist natürlich krass. Da bricht die Lautheit drastisch und auf einen Schlag ein, und zwar breitbandig. Da muss eine extrem nervöse AGC regeln. In Zeiten von MPX Limiting (Regelung des Processingausgangs an die 0dBr Grenze) sollte das eigentlich keine Rolle mehr spielen. Du komprimierst das Signal vor, damit der MPX Limiter nicht allzu viel zu tun hat, denn der achtet nur noch darauf, dass die vorgeschriebene MPX Leistung nicht überschritten wird.
Im Webradio spielt das ganze natürlich keine Rolle, daher finde ich die "Amateur Version" wirklich gut. Leise Passagen sind erlaubt, womit die lauten Stellen wieder um so mehr "reinknallen". Die korrekte Fahrweise am Pult wird bei solch "laschem" Processing natürlich wichtiger, wenn nicht in manchen Situationen sogar kritisch. Man kann unkomprimiertes Audio in den MPX Limiter schicken (bspw. den Jünger MPX-1), dann erhält man allerdings ein komplett schwankendes, unstimmiges Signal, dem keiner zuhören mag. Deshalb komprimiert man das Signal vor. Manche mehr, andere weniger. Auch möchte jedes Programm auch heute noch seinen eigenen Sound haben. "corporate identity" ist das Stichwort. Auch im Webradiobereich. Ich will mich da nicht ausnehmen. Ich will wissen, wie ich es besser machen kann, nicht nur auf 0dBfs aussteuern, sondern dabei auch noch gut klingen. Mein klang, den ich durch meine "Effektgeräte" (etwas anderes sind sie ja nicht) erzeuge, soll den Leuten gefallen, die mir zuhören.
 

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#86
Aber rein instinktiv glaube ich das erst mal nicht, sorry.
Was meinst Du? Dass eine "anständige Infrastruktur" auch nicht sehr viel mehr Aufwand bedeutet?

Gehen wir doch mal die Frage durch, was die Mehrheit der Webradioten heute als "anständige Infrastruktur" verstehen (und recht damit haben):
1. Webspace (evtl. mit zugehöriger Mailadresse) (von dem so gut wie niemand derer weiß, wie man sowas aufsetzt)
2. Streamserver (von dem so gut wie niemand derer weiß, wie man sowas aufsetzt)

Gemietetes Produkt:
Die "fertigen" Streamserver gehen heute ab ca. 15 Hörern für (zwischen) 2,50 und 5 Euro/mtl., bei 128 kbps, los.
Also sind Anfang bis Mitte der 2000er unheimlich viele Anbieter von Streamservern auf den Markt gekommen. Abrechnung erfolgt meist je Hörer und Bitrate. Manche der Anbieter "liefern" noch kostenfreien Webspace (mit Subdomain (radioname.serveranbieter.Länderkürzel)) dazu. Website muss selbst erstellt werden.
Über eine Mailadresse verfügt man dann natürlich noch immer nicht. Wobei es auch hier Anbieter gibt, die einige Mailaccounts aus der Subdomain zu einem Paket zur Verfügung stellen. Optional ist meistens Speicherplatz für eine Playlist. Die Verwaltung sehr einfach, da die Titel meist nur anzuklicken sind und sich oft auch mit Timer einbinden lassen.
Vor- und Nachteile: Fest vorgegebene Bitrate (in den meisten Fällen). Im Vergleich zum VPS teuer. Bis auf die Playlist nichts editier- und konfigurierbar. Keine Werbeunterbrechungen. Wenig Arbeit. Zeit zum streamen "so lange man möchte". Optional: Mailadresse aus Subdomain. Timer in der Playlist selten vorhanden.

Virtueller Serer:
Ein VPS (auch: virtueller Server) mit unbegrenztem Traffic (Standort Deutschland) von einem zuverlässigen Anbieter liegt heute bei rund 6 Euro/mtl..
Darauf als eine Art "One-Click" das Betriebssystem installieren (wird bereits beim Start abgefragt und automatisiert installiert), einloggen, Shoutcast (z.B. v1.98) hochladen, Configuration umschreiben und starten. Die meisten Angebote der "fertigen Streamserver" bestehen aus einem Shoutcast 1.98.
Website muss, wie auch beim fertigen Produkt, selbst erstellt werden. Der Webserver wird auf dem VPS bereits mit installiert, sodas die Seite in beiden Fällen nur noch "hochgeladen" werden muss.
Richtig schwierig wird es bei dem Wunsch nach dem Timer in der Playlist: Hier muss eine - aus Anfängersicht - viel kompliziertere Anwendung genutzt werden (Anfragen dazu gibt's in den Foren einige). Ansonsten ist die Playlist so ähnlich einfach zu konfigurieren; nur ohne Doppelklicks.
Vor- und Nachteile: Keine Werbeunterbrechungen, Zeit zum Streamen "so lange man möchte". Alles frei editier- und konfigurierbar (auch die Hörerzahlen). Bei Domainregistrierung (im Preis inbegriffen) vollwertige Domain (tlD), vollwertige, unendlich viele Mailadressen. Etwas mehr (Denk-)Arbeit.

Laut:
Wenn die Website zum Anmelden funktioniert (seit langer Zeit ständig wieder: Fehler 500 (interner Serverfehler)) als Radio dort anmelden. Warten.
Titel für die Playlist hochladen. Titel in die Playlist einsetzen, starten.
Webspace für Homepage suchen. Homepage "bauen" und hochladen.
Der Haken: Begrenzte Zeit um Live zu streamen. Unterbrechungen durch Werbung. Nichts, bis auf die Playlist frei editier- und konfigurierbar. Kostenfrei. Keine Mailadressen, keine eigene Domain.
 
Zuletzt bearbeitet:
#87
@icecube919: Wir sind hier im Thread mit "Schwanzlängenvergleichen" etwas falsch. Hör aber mal auf die "Chordame"im Background: Bei dir duckt sie sofort ab, nachdem der erste Kick kommt. :D

Oben schrieb ich:
Ich frage mich, wer dein, von dir oben kurz skizziertes, "Full Dynamic Range - EBU - R128" Webradio hören soll? Kann man das dann nur unter geschlossenen KH (üblicherweise > 20dB Dämpfung der Außengeräusche) und (sehr) hoher Abhörlautstärke wirklich genießen?
Das war falsch formuliert.

Richtiger ist folgendes: Man muß den Lautstärkeknopf am Verstärker etwas lauter stellen, als normal üblich. Sagen wir +20dB. Dann sollte ein "R128-Programm" zunächst ganz normal und in Zimmerlautstärke zu hören sein. Man wird keinen Unterschied hören. (Wenn ich das alles richtig verstanden habe.)

Normalerweise greift sich jetzt jeder normale Techniker an den Kopf und fragt: "Was soll denn diese Scheiße?"

Und ja, das Signal am Eingang des Verstärkers ist jetzt (im Mittel) viel leiser - wir hören aber trotzdem das Programm mit der von uns als Hörer geswünschten Lautstärke. Im Prinzip ist bisher alles verständlich: Man stellt den Verstärker lauter, um das leisere Eingangssignal wieder auf "Pegel" zu bringen - so wie es uns gefällt.

Moment!

Jetzt kommt Uli und erdreistet sich in seinem Dynamik-Wahn (!), mal richtig auf die Pauke zu hauen! Das kann er natürlich, da er seinen Stream (im Mittel) ja nur mit -20dbFS ausgesteuert hat und ich meinen Verstärker entsprechend lauter gestellt habe. Mir fliegt jetzt bei dieser Pegelspitze also völlig ungewollt der Draht aus der Mütze und meine Nachbarzerge sind auch wach, trommeln an die Wand. Tolle Show. Habt ihr mein Problem mit "R128" verstanden? Ich möchte nicht, daß Uli diese Macht hat.

Wenn man alles auf 0dBFS aussteuert hat man dieses Problem nicht. Es wird und kann nicht lauter werden. Dann kann man aber auch nicht zwei Titel (aus 1978 und 2018) "gefühlt" gleich laut erklingen lassen. Der Titel aus 1978 wird immer leiser "wirken".

Wenn man alles wegkürzt, bleibt nur die Erkenntnis, daß der "Loudness-War" und die völlig übertriebene Kompression bei Popmusikproduktionen schuld ist. Das macht aber auch, damit auch die letzte UKW-Funzel "voll ausgesteuert" wird und dann im Radio "brüllt".
 
#88
Die Angst des Zwergs vor dem Pieks, Verzeihung: den Peaks.
Jetzt kommt Uli und erdreistet sich in seinem Dynamik-Wahn (!), mal richtig auf die Pauke zu hauen! Das kann er natürlich, da er seinen Stream (im Mittel) ja nur mit -20dbFS ausgesteuert hat und ich meinen Verstärker entsprechend lauter gestellt habe. Mir fliegt jetzt bei dieser Pegelspitze also völlig ungewollt der Draht aus der Mütze und meine Nachbarzerge sind auch wach, trommeln an die Wand. Tolle Show. Habt ihr mein Problem mit "R128" verstanden? Ich möchte nicht, daß Uli diese Macht hat.
:wow::wow::wow:
Süß. Einfach nur süß. :)

Ich enttäusche Dich ja nur ungern, aber: Uli hat diese Macht schon längst - ganz unabhängig von R128. Zumal ich ja bereits schon jetzt für mich (und Dich) festlegen kann, ob mein Zielwert -23 / -18 / -16 / -14 / -5 LKFS sein soll. Einziger Unterschied: Je lauter ich werde, um so weniger Chance haben meine Peaks, sich ohne Crash an der digitalen Wand frei zu entfalten.
Das ist kein Dynamik-Wahn, sondern lediglich der Versuch, die Musik an einer möglichst langen Leine laufen zu lassen, wie sie ohnehin vom Tonträger kommt. Hat der Hörer das nicht verdient?

Ich will den Mist ja nicht negativ komprimieren / expandern oder sonst einen Unfug damit treiben, sondern lediglich so wenig wie möglich beschneiden.
Zu meinen frühen Zeiten auf dieser Plattform hat mal jemand etwas äußerst kluges zum Soundprocessing geschrieben:

So viel wie nötig, so wenig wie möglich.
Ich frage mich gerade, wie unzufrieden Du beim Abspielen einer CD im Auto sein musst. Da müsstest Du doch auch ständig am Lautstärkeknopf fummeln...

Ich vermute, bei der R128 machst Du einen Denkfehler: Wenn Du die Grundlautstärke Deines Players verdoppelst, weil das - durchschnittlich (!) - leise Signal einer Verstärkung bedarf, kommen die Peaks... nein, eben nicht vierfach so laut.
Nix da mit fliegenden Mützendrähten oder trommelnden Zwergennachbarn.

Wenn ich mein Audiomaterial mit -23 LKFS aussende, heißt das ja nicht, dass jeder Peak zwangsläufig die -1 dBFS PPM erreicht. Umgekehrt aber, wenn ich Dich mit -10 LKFS beschalle, macht es keinen Unterschied mehr für die Dynamik, wenn ich auf -5 LKFS aufdrehe. Die Peaks landen eh alle - sofern ich mich sklavisch an die R128 halte - bei -1 dBFS PPM.
Lediglich Dein Hörerlebnis ändert sich: Du bekommst einen Klangteppich, der sich vom Fahrgeräusch Deines Autos nur noch durch den Beat unterscheidet. So eine Art rosa Rauschen mit Rhythmus und Gesang.

Du kannst es ja mal selber ausprobieren: Nimm einen Titel mit einem knackigen Highlight (ich denke da jetzt an "Private Investigations" von den Dire Straits). Wenn Du die Lautstärke nun aufdrehst, werden dann die akustischen Highlights, die Peaks, ebenso laut oder lauter als der Wert des Aufdrehens?
Na, gut, etwas radiotauglicher: "Leningrad" von Billy Joel. Wäre es nicht schön, wenn sich zu Beginn das Schlagzeug etwas vom Piano abhebt, statt mit ihm zu einer Klangsoße zu verschmelzen?
- mit "Carpet Crawl" (1974) von Genesis möchte ich Dich gar nicht erst quälen - :cool:

Meine Liebe zur Dynamik ändert sich nicht. Ganz egal, wie weit Du Deinen Verstärker aufdrehst oder eben auch nicht: Ob ich mit -23 oder -16 LKFS (aktuell) bei Dir aufschlage - das Verhältnis der Peaks zum RMS wird sich nicht ändern. Erst wenn ich anfange das Signal im Outgain zu pushen, um danach mit einem Limiter draufzuhauen, geht der ursprüngliche Dynamic Range (bitte nicht mit dem LRA verwechseln!) verloren.
Mein Ziel ist es aber, eben den mir beim Rip gebotenen DR beizubehalten. So viel wie... Du weißt schon.
 
#89
Man muss R128 verstehen, um es gut finden zu können. ;) Und so Leid es mir tut, Zwerg, du hast es nicht ansatzweise verstanden.
R128 ist vom Prinzip her nichts Neues. Es ist nur die schriftliche Manifestierung und technische Umsetzung (in Form von Messgeräten) dessen, was fähige Tontechniker seit Jahrzehnten praktizieren: Nach Gehör aussteuern und nicht rein nach Peakmeter.

Wenn man alles auf 0 dBFS aussteuert, hat man genau das Problem, welches man mit R128 in den Griff bekommen möchte: Dynamikkomprimierter Klangbrei (d. h. eine großer Teil aktueller Musikproduktionen) lässt die Lautsprecher von der Wand bröckeln, während die feine Stimme einer Moderatorin - ebenfalls in den Peaks auf 0 dBFS ausgesteuert, was ohne Limiter gar nicht ginge, da man sonst an die digitale Wand fahren würde - untergeht.
Was macht R128? Durch Anpassung des Pegel die für das menschliche Gehör vorhandene Ungleichheit zwischen einem dynamischen Signal und dem komprimierten Klangbrei ausgleichen. Und das muss vom Pegel her bei -20 dBFS oder weniger stattfinden, da man mit den Peaks sonst sofort an die -1 dBTP (= -1 dBFS) stoßen würde. Produziert man ohne fetten Kompressor, dümpeln die Peaks bei weitem nicht nur um die -20 dBFS rum, sondern gehen auch bis -4 oder -3 dBFS hoch.

Hier zur Verdeutlichung eine nach R128 ausgesteuerte Radiosendung. Viel Dynamik in den Wortanteilen, komprimierte Musik dazwischen - außer an einer Stelle, das war ein ordentlich produzierter Titel von Anfang der 1980er, wo man noch Dynamik kannte. Wie man sieht, gehen die Peaks bis auf -4 oder -3 dBFS hoch. Dir wird beim Hören nichts um die Ohren fliegen und du wirst kein einziges Mal die Abhörlautstärke ändern müssen, weil dir etwas zu laut oder zu leise ist. Alles, was Dynamik hat, behält diese, alles, was keine Dynamik hat, wird vom Pegel her passend ausgespielt.

r128.jpg

Wenn man alles auf 0dBFS aussteuert hat man dieses Problem nicht. Es wird und kann nicht lauter werden. Dann kann man aber auch nicht zwei Titel (aus 1978 und 2018) "gefühlt" gleich laut erklingen lassen. Der Titel aus 1978 wird immer leiser "wirken".
Und genau das ist falsch. Du denkst falsch. Es geht bei R128 nicht mehr um den technischen Pegel, sondern darum, WAS in dem Audiosignal drinsteckt. Nochmal: Ein komprimiertes Signal ist für das Gehör viel lauter als ein dynamisches Signal bei gleichem (!) Spitzenpegel. Deshalb werden mit R128 komprimierte Signal im Pegel abgesenkt, um am Ende ein durchgehend für das menschliche Gehör gleich lautes (aber NICHT dynamikkomprimiertes) Signal zu bekommen. Laute Anteile absenken, anstatt leise Anteile anzuheben. Im Prinzip das Gegenteil von dem, was bisher in den meisten Fällen praktiziert wird, um ein gleichlautes Signal zu erhalten. Aber dann halt ohne Dynamik.
 
Zuletzt bearbeitet:
#90
Ich denke schon, daß ich R128 soweit verstanden habe. Mir ist auch klar, daß ein "Brikett" viel mehr Energie enthält als ein Stück "Holzkohle". ;) Insofern vielen Dank @DigiAndi für diesen Screenshot! Schön zu erkennen ist ja dieses besonders "hochenergetische" Brikett bei 1:40h. Das dürften geschätzt nur etwa -15dBFS sein, damit es im "Gesamtbild" nicht zu laut wirkt.

Eigentlich ist "Digital Audio" eine tolle Erfindung gewesen, selbst mit den nur 16 Bit @44.1kHz der CD. Da in der digitalen Welt alles nur Mathematik ist, sind wir in der Lage, jedes.einzelne Sample straflos zu manipulieren. Das geht bei der analogen Schallplatte nicht. Mehr Pegel erkauft man mit einer kürzeren Spielzeit, wobei man dann mit der Schnelle auch nicht übertreiben darf, denn sonst fliegen die Nadeln reihenweise aus der Rille.

Wie auch immer, der "Loudness-War" hat uns die "R128-Suppe" eingebrockt. Und nun steuern wir dagegen, indem wir "Briketts" viel leiser abspielen. Zum Glück hat das CDA-Format reichlich Systemdynamik übrig und das geht unhörbar durch. Daß -12 dBFS nur noch 14 Bit Auflösung bedeuten, ist sicher bekannt. R128 docktert im Prinzip also auch nur an den Symptomen rum. "Heilung" gäbe es nur durch ein Ende des "Loudness-War".
 
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Da fängt man an zu schreiben, hat dann keine Zeit mehr, und wenn man wieder reinschaut haben die Vorposter eigentlich schon alles gesagt... aber trotzdem:
Jetzt kommt Uli und erdreistet sich in seinem Dynamik-Wahn (!), mal richtig auf die Pauke zu hauen! Das kann er natürlich, da er seinen Stream (im Mittel) ja nur mit -20dbFS ausgesteuert hat und ich meinen Verstärker entsprechend lauter gestellt habe. Mir fliegt jetzt bei dieser Pegelspitze also völlig ungewollt der Draht aus der Mütze und meine Nachbarzerge sind auch wach, trommeln an die Wand. Tolle Show. Habt ihr mein Problem mit "R128" verstanden? Ich möchte nicht, daß Uli diese Macht hat.
Kurzer Einwurf: deshalb einigte man sich ja auch auf einen Zielwert, den man über den gesamten Zeitraum einer Sendung über erreichen soll. Beim Fernsehen -23 LUFS, beim Hörfunk, insofern im entsprechenden Haus angewendet wohl -21 LUFS in Deutschland. Norwegen, wo es wohl keine so strikte Hubbegrenzung gibt fährt wohl härter an der Kante, das muss @Radiowaves nochmal raussuchen (gelesen, für interessant befunden, aber wieder vergessen da auf den Arbeitsalltag bei mir nicht zutreffend).
Interessant ist, dass diese -21 LUFS im Hörfunk so in etwa dem entsprechen, was man bei ziemlich dichten, der ARD angebotenen Features erreicht, zumindest wenn ich sie produziert habe. Da war immer eine sehr moderate Kompression drauf und bei DIN 60268 konformer Vollaussteuerungsbezug kamen immer irgendwas zwischen -21 und -23 LUFS raus, der Wert ist also nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Im Fernsehen müssen Magazinforpmate natürlich mit szenischen Produktionen mithalten können, die durchaus noch wesentlich dynamischer sein können - dementsprechend sind die -23 noch ein guter Kompromiss, ermöglichen Sie doch in den Spitzen genügend Headroom, um nicht ständig in den Begrenzer zu fahren und sowohl auf der Heimkinoanlage sowie auf einfachen im flatscreen eingebauten Lautsprechern ein zufriedenstellendes Ergebnis zu liefern. Wobei bei szenischem auf der Mehrkanalspur je nach Sender auch keinerlei Regeleingriff erfolgt, wird von der Quelle an den Endkunden ohne Bearbeitung durchgereicht.

Es gibt durchaus Erfahrungswerte und - je nach LRA - Empfehlungswerte, wie unterschiedliche Fernsehformate bezüglich der über das Mittel zu erreichenden -23 LUFS auszusteuern sind, dass ist auch sinnvoll. Ein Tatort hat beispielsweise wesentlich mehr Dynamik als eine Ausgabe von „Hart aber Fair“, was sich bei Aussteuerung nach LUFS erstens im Lautstärkemittel niederschlägt (beide werden -23 haben), als auch im Spitzenpegel gemessen nach True Peak. Da landet der Tatort wahrscheinlich mehrmals bei möglicher Vollaussteuerung, der Talk oder das Magazin einige dB darunter.
Bei ersterem ist es dramaturgisch begründet, bei letzterem geht es zuallererst im die Sprachverständlichkeit, so weit, so gut.
Eine solche Handgabe an die Fernsehverantwortlichen, wie sie aufschlussreich bebildert mit Kompressionswerten aus der Praxis in meiner LRA daherkommt habe ich beim Radio auch noch nie gesehen. Gut, die Brochüre, geschrieben von Toningenieuren, beschreibt auch nicht, wie es _NOCH LAUTER GEHT_.

Übertragen aufs Radio hieße das alles, das alle Sender gleich laut „daherkommen“ sollen, bei Bewahrung einer gesunden Restdynamik. Ob man das nun an einen einzuhaltenden Hub knüpft oder aber an die technisch mögliche Vollaussteuerung von 0dB(FS) Peak ist erstmal nur für das vereinbarte „Aussteuerungsmittel“ in LUFS relevant.

Übertragen auf eine Sendung mit Moderation, sehr dynamischen und sehr heftig komprimierten Musiktiteln heißt das, dass man das Mikrofon sowie die sehr dynamischen Musiktitel mit niedrigem Schwellwert (also möglicherweise (!) als Ansprechpunkt -[einstellig], 1:1,4-1:2 beid schnell loslassenden Limiter bei -1 dB(FS) universell bearbeitet und dass schwer komprimierte Material einfach 6-12 dB niedriger aussteuert.

In der Praxis hieße das für den Hörer, dass alle Programme grundsätzlich erstmal gefühlt leiser sind, dafür aber keine Lautstärkenunterschiede entstehen, wenn man von Sender A zu Sender B schaltet. Dynamischer Inhalt kann eine für den Übertragungsweg angemessene Restdynamik bekommen, da muss dann auch kein Chor wegducken, wenn ein Trommelschlag kommt (siehe „radio killed the video star“).
Die Spitzen bei den genannten Dire Straits hauen auch keinem den „Draht aus der Mütze“, sondern werden beim Hören gar nicht als solche wahrgenommen - dafür wird das Material so abgespielt, wie es bei der Produktion gemacht und von den Künstlern für gut befunden wurde.

Weniger dynamischer Inhalt nutzt den möglichen Headroom nicht voll, was aber gerade bei digitaler Berbreitung nichts ausmacht, da wir nicht gegen einen begrenzten Nutzspannunngsabstand aussteuern müssen - und das kennen wohl alle ernsthaft über Technik diskutierende noch, die vor 1988 geboren sind noch vom Kassettenrekorder, wenn nur noch ein „schlechtes“ Oxydband greifbar war und man die Kassette für jemanden aufnahm, dessen Deck über keinen Kombander verfügte... machste halt permanent ‚Kampfmagnetisierung‘, händisch per schnellen Reglerbewegubgen auf moderatem C3-Klirr gehalten... was ja nicht anderes ist als sehr, sehr primitives Soundprocessing.
 
#92
Zum Glück hat das CDA-Format reichlich Systemdynamik übrig und das geht unhörbar durch. Daß -12 dBFS nur noch 14 Bit Auflösung bedeuten, ist sicher bekannt.
Großzügig. Für einige Priduktionen reichen locker 8 Bit ;)

R128 docktert im Prinzip also auch nur an den Symptomen rum. "Heilung" gäbe es nur durch ein Ende des "Loudness-War".
Und wie sollen wir das erreichen, wenn nicht mit einer Richtlinie, die verhindert, das „Briketts“ auf Vollpegel ausgespielt werden?
Für den Loudness-war sind die Medien auch nur bedingt verantwortlich. Und je nach Übertragungsweg ist eine angemesse (!!!) Kompression ja unabdingbar.
Frag mal beim Konsumenten nach, der billig lala will, aus dem Telefon oder der Soundbar ausgespuckt. Da kann man die Produzenten schon verstehen, die über „Hit“ oder „Niete“ auch nach dem Kriterium entscheiden, ob es auf (persönliche Meinung) unzureichendem Material „ordentlich knallt“.

Und um mal den Zwerg8-Duktus zu machen: „_Ich_ habe ordentliche Systeme und geht mir weg mit Euren Soundbars. Macht erstmal Eure Hausaufgaben“
 
#93
R128 ist super! Wer scheiße flach klingen will kann das endlich ohne die, die gut klingen runter zu ziehen.
Aber das Ausgangthema waren peinlich-lustige Moderationen von Web-Radio Modis...
 
#94
Aber das Ausgangthema waren peinlich-lustige Moderationen von Web-Radio Modis...
In diese Kerbe wollte ich bei Gelegenheit auch wieder schlagen (danke, dass Du darauf aufmerksam gemacht hast); andererseits habe ich diese Diskussion ja auch in diese Bahn gelenkt. Dann sollte ich jetzt mal wieder - vorsichtig - versuchen, etwas gegenzusteuern.

Ich finde die hier zuletzt geführte Diskussion hoch spannend. Selbst wenn die Empfehlung irgendwann zur (Quasi?) Pflicht im Broadcast wird, so kann ich mir das im Webradio-Bereich (leider) nicht vorstellen. Zumal es dann noch einige geben wird, die ohnehin darauf pfeifen.

Andererseits, und damit versuche ich die Kurve zu kriegen, habe ich seit Jahren getrommelt und gepfiffen: Webradio kann in Nischen eben genau das, was UKW entweder nicht mehr kann oder will. Dort liegt seine Chance. Diese Nische kann in einer Zielgruppe definiert sein, in einem Thema, in einer bestimmten Musikfarbe oder auch in speziellen Formaten. Regionalem Webradio (ein Widerspruch in sich?) gebe ich weniger Chancen, ebenso den "Wir spielen alles für jeden"-Stationen. Bei bestimmten Spezialsendungen mit Einschaltimpulscharakter (was für 'n Wort!) bin ich unsicher, um ehrlich zu sein.

Auch ein Radio mit einer technisch guten Qualität und einem Hörvergnügen kann eben diese Nische besetzen. Blöderweise gibt es aber kein "offizielles", unabhängiges, verlässliches Prüfsiegel "gecheckt auf EBU R128". Denn genau das ist, so albern es klingt, die Motivation für die kleineren Radios, sich so einen Pseudo-Orden an die Brust heften zu wollen. Die Webseiten dieser Stationen legen da ein ganz merkwürdiges Zeugnis darüber ab.

Es wäre also illusorisch, auf eine Vereinheitlichung der Szene an sich zu hoffen.
Allerdings habe ich die Hoffnung - und nicht zuletzt auch den Wunsch -, dass ein Sender einfach mal genug Arsch in der Hose hat und verbindlich allen Mitmachern sagt: "Ab sofort ist unser / euer ganzes Material im [Zielwert ±1], und genau auf dieser Schiene wird auch ausgesendet". Dazu gehört nicht zuletzt auch die Überwachung der einzelnen Sendungen verschiedener Moderatoren (hach, EP getroffen!:)) und ggf. nötige Korrekturen.

Hier setzt jetzt das Wunschdenken ein: Moderatoren können ziemliche Sturköpfe sein, und ein vermeintlich harter Besen greift ob des latenten Moderatorenmangels nicht. Die kleineren Stationen sind über diesen Hebel ja auch erpressbar; da wedelt schnell der Schwanz mit dem Hund.
Auch in so genannten Teamsitzungen wird eine stimmige Übereinkunft auf die R128 - oder einen davon abweichenden Zielwert - kaum erfolgen.

Es gibt dennoch Hoffnung: Im Forum der Software mAirList finden sich erste Ansätze, in diese Richtung zu entwickeln:
Zitat von Torben im mAirList-Forum:
So richtig viel kann man mit dem LUFS-Wert aktuell noch nicht anfangen. Meine Überlegung geht in eine Richtung, wo die Player automatisch anhand der ermittelten Pegelwerte normalisieren. Also dass man nicht mehr bei jedem einzelnen Titel die Verstärkung vorgibt, sondern der Player den Zielpegel (Peak oder LUFS) kennt und entsprechend verstärkt.

Mir war es aber wichtig, den Scanner und die entsprechenden Felder in der DB schon in der 6.0 zu haben.
(Quelle: https://www.mairlist.com/forum/index.php/topic,8941.msg59316.html#msg59316)

In der aktuellen Version 6.1.3 ist das auch sauber implementiert und wartet auf seine weitere Entwicklung.
Das ist dahingehend äußerst spannend. als es dem Selbstfahrer - so der Plan funktioniert - viel Arbeit abnimmt. Nur für die mit den externen Zuspielern - LP, CD - und den echten DJs mit Live-Sets on the web wäre damit noch nicht geholfen. Aber Torben hat da bislang noch immer eine Lösung gefunden und für die Radios mit einem hohen Automationsanteil wäre das in der Tat ein sensationeller Fortschritt.

Außerdem, das nur als Randbemerkung, ist mAirList ja eine Software für professionelle Produktions- und Sendeumgebungen, die Privatnutzer in einem abgespecktem Umfang mitbenutzen dürfen. Von daher bin ich zuversichtlich.
- Über den Entwicklungsstand anderer Software bin ich allerdings nicht so gut informiert. -

Die von mir in #74 dargestellten Briketts sind jedenfalls keine keline "Webradingens", sondern gut aufgestellte Stationen mit einer vermutlich nicht gerade kleinen Zuhörerschaft.
Im Grunde sollten sie es sein, die die R128 a) umsetzen und b) in die Webradiowelt tragen. Ja, man wird seine Zuhörer erziehen müssen. Und sowohl den Hörer wie auch den Sender wechselnde Moderatoren zu Multiplikatoren machen: Fett aufs Ohr ist out - dann geh doch in die Disco (wo hoffentlich auch schon die DIN 15905 Teil 5 greift, aber das nur so nebenbei)!

Und wie bekomme ich jetzt die Kurve zu den miserablen Moderatoren aus der #1?
Die werden wir nie aus der Welt bekommen - ob mit oder ohne hochwertige und gut hörbare Streams. Aber über das Bewusstsein, die Qualität für den Hörer stärker in den Fokus zu rücken, können wir (zumindest die guten) Webradiobetreiber davon überzeugen, stärker zu sieben - und der Rest ist dann halt ein Fall für den Sumpf, in dem Zwergs Kumpel gefischt hat.

Für die mittelklassigen Radios wird es eine spannende Zeit werden, weil sie sich irgendwann mal zwischen "ich lasse mich von Moderatoren und (!) Zuhörern erpressen" und "ich setze Maßstäbe" entscheiden müssen. Hierzu verfolge ich aktuell eine spannende Diskussion an anderer Stelle.
Die R128 könnte einer der Eckpfeiler dazu werden - wenn auch nicht sofort.
 
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#95
R128 ist super! Wer scheiße flach klingen will kann das endlich ohne die, die gut klingen runter zu ziehen.
Aber das Ausgangthema waren peinlich-lustige Moderationen von Web-Radio Modis...
Schön, daß Du auch da bist! Alles roger? Ich vergesse nichts. Leider ist das Soundbeispiel von damals im Moment für mich nicht greifbar. Aber das finden wir schon wieder... ;)

https://www.radioforen.de/index.php?posts/448523/

Und richtig, wir sind hier im Thread reichlich OT. Aber ihr alle steuert ja schon mächtig dagegen (und hoffentlich auch richtig aus!) Sehr schön!

Noch etwas "Houskeeping", bevor hier im Thread wieder Ordnung einkehrt...


- SWR1-BW war so freundlich und hat am 12.6. um 13.50 Uhr

Video killed the radio star - The Buggles

gespielt. Ich hätte das nicht mitbekommen, wenn sie nicht kurz vor Ende des Titels den Verkehrsfunk eingeschaltet hätten. Ich bin fair und möchte darum @DigiAndi bitten, die bekannte und wichtige Stelle in diesem Titel aus seinen Aufzeichnungen über DVB-S herauszusuchen und hier zu posten. Wir werden hören, ob sich etwas gegenüber 2013 geändert hat.
 
#96
Schön, daß Du auch da bist! Alles roger?
Hä? Vermutlich, habe ich mich mißverständlich ausgedrückt. Ich meinte, wer totkomprimierte Musiktitel vertreibt und
... scheiße flach klingen will kann das endlich ohne die, die gut klingen runter zu ziehen.
Weil die Briketts nach R128 einfach so leise gepegelt werden, daß sie lautheitsmäßig zu dynamischer gemasterten Titeln passen, wird nicht mehr die Programmdynamik an die Briketts angepaßt.

Das Bild zeigt Bsp.jpg die Wellenfom eines Titels aus 1981 und eines aus 2018 der Einfachheit halber mit Hindenburg auf "gleiche Lautheit" gerechnet. Beide ca. -18dB bei 3 Sekungen Integrationszeit, Spitzenpegel aus 1981 -2dB aus 2018 -10dB.
Welcher Titel klingt wohl flacher?
 
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#97
@cj: Wenn ich schreibe "Schön, daß Du auch da bist! Alles roger?", dann meinte ich das auch so. Ich kenne doch deine Postings seit gut 10 Jahren hier im Forum.

Wenn ich mich nicht irre (passiert selten), haben wir doch (nur) durch deine Postings festgestellt, daß die "Bemusterung" von TV-Stationen anders - dynamischer - ist. Und nur wer sich (als Plattenfirma) an diese TV-Regeln hält, findet überhaupt im TV statt. Über "findet statt", dieser Ausdruck kommt normalerweise selten vor, bin ich dann auch ganz schnell auf diesen alten Thread gestossen. Ich weiß doch, was ich geschrieben habe... ;)


Also nochmal, @cj: "Schön, daß Du da bist! Alles roger?"
 
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#99
@Zwerg#8 Jo, alles roger! Ich lese meist nur leise mit, statt auch zu schreiben. Wenn jemandem hier geholfen wird und dann gar keine Rückmeldung mehr kommt...
Aber manchmal juckt's dann doch.

So, jetzt aber bitte weiter mit peinlichen Modis.
 
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