Das Kaufhaus - ein Auslaufmodell


Maschi

Benutzer
Mit der Schließung von zunächst (!) mehr als einem Drittel aller nach der Fusion der bis dato letzten deutschen Kaufhausketten verbliebenen Filialen biegt der Niedergang der klassischen Kaufhäuser wohl auf die Zielgerade ein.

Hier in der Region betrifft es auch immerhin 2 Städte, wobei Kaufhof z.B. Bielefeld bereits vor Jahren den Rücken gekehrt hatte und nun auch noch Karstadt schließt, in Paderborn wo die Filiale bleibt hat man auch erst im letzten Jahr die vormalige Karstadt-Immobilie nach vielen Jahren des Leerstands neu vermieten können und in Herford stand der ehemalige Kaufhof gar Jahrzehnte leer.

Beispiele die verdeutlichen was da für immense Herausforderungen auf die ohnehin schon unter Druck stehenden Innenstädte zukommen, denn diese einstigen "Hotspots" sind ja eh schon die letzten ihrer Art, wenn ich da so an meine Kindheit zurückdenke, da gabs noch Horten (mit den markanten Hortenkacheln außen), Kaufhalle und deren Nachfolger Multistore...

Aber das Prinzip des Gemischtwarenladens hat sich offenbar nicht nur im Radio überlebt...
 
Zuletzt bearbeitet:
Streng genommen reden wir hier über Warenhäuser (klugscheiß). Aber schon vor Corona waren Kaufhof, Karstadt etc. riesige Verlustgeschäfte, Corona sorgt jetzt mehr oder weniger für den Schlussstrich. Auch "unser" Kaufhof hier in Augsburg ist selten gefüllt. Kaum jemand geht dort einkaufen. Einfach ungemütlich und zu teuer.

Davon abgesehen: Klamotten kaufe ich mir im Klamottenladen, Lebensmittel im Supermarkt und Uhren in einem Schmuckladen mit anständiger Beratung.

Es ist tatsächlich wie beim Radio. Eine Station, die alles anbietet - aktuelle Charts, Oldies, Schlager, Volksmusik, Alternative Musik....dazu Magazine, PK´s und Diskussionsrunden - sind zwar gut gemeint, aber würde niemals ein großes Publikum erreichen. Die Folge: ein teures Programm, kaum Hörer und am Ende nur Verluste.

Es ist wie beim Einkaufen. Will der "anspruchsvolle" Hörer eine größere Vielfalt, dann sucht er sich gezielt die Angebote und schaltet gegebenenfalls mehrere Stationen ein. Aber ein Gemischtwarenladen könnt ihr vergessen, auch wenn einige Foristen davon immer noch träumen.

Und ja: 100,6 hat sich damals sehr viel Mühe gegeben.....
 
Zuletzt bearbeitet:

NOWORUKA61

Benutzer
Es wird den Verbrauchern heutzutage durch das Internet aber auch recht einfach gemacht: die Kids kaufen ihre Klamotten größtenteils z. B. online bei Firmen wie About you, Asos, Esprit, H&M, Zalando und bestellen für ihre Eltern bei Bader, Otto oder C&A gleich mit. Am besten in 4 Größen, wovon dann 3 in ebensovielen Kartons als Retouren zurückgehen. Für den richtigen Durchblick sorgen dann Brille 24 oder Mr. Spex - natürlich auch aus dem Netz. Allemal bequemer als sich mit einem Kaufhausmitarbeiter unterhalten zu müssen.
 

Radiokult

Benutzer
Ob das Ding nun Kaufhaus heißt oder Shopping Center - für den Kunden ändert das unterm Strich erstmal wenig. Es gibt alles unter einem Dach, lediglich die Anbieter sind halt verschiedene. Und das es bei Karstadt schon länger nicht rund lief, ist auch kein allzu großes Geheimnis. Das große Sterben der Shoppinttempel auszurufen, halte ich daher für etwas verfrüht.
 

Grasdackel

Benutzer
Wenn man schon Parallelen zum Radio ziehen will, dann die, dass bei den alten Kaufhäusern in den letzten Jahren die Heuschrecken ohne Rücksicht auf Verluste, die Läden kaputtoptimiert haben, um auch noch den letzten Cent herauszupressen.
Gerade Kaufhof ist doch in den vergangenen Jahren eher zu einer Ramschbude nur knapp über Ein-Euro-Shop-Niveau verkommen, die (online) mit Rabatten um sich schmeißen musste, um noch ein paar Artikel los zu werden. Und in den Läden ist man so weit gegangen, für die sonst selbstverständlichen Plastiktüten Geld zu verlangen und als Kunde kann man dann zusehen, wie man den großen Spielwarenkarton für die Kinder nach Hause bugsiert. So macht Einkaufen dann auch keinen Spaß mehr.
 

chapri

Benutzer
In Warenhäusern lief nach meiner Erinnerung seltenst musikalische Dauerberieselung -
da liegen Supermärkte unangefochten vorn.
Und GaleriaKarstadtKaufhof hat sich IMHO niemals Ramschniveau angenähert.
Das Bemerkenswerteste ist, dass GaleriaKarstadtKaufhof sogar seine Vorzeigefiliale am Stammsitz (!)
dicht macht. An Personal wurde schon lange gespart - mancher holte sich Blasen auf der Suche
nach einer/einem Verkäufer(in).
 

lg74

Benutzer
Klamotten kaufe ich mir im Klamottenladen
Ganz schlimm. Trauma-Potential! Chrom-Glas-Boutiquen. Abartig überteuerter Scheiß, der meist dermaßen hässlich aussieht und dermaßen unpraktisch ist - Mode halt. Dazu aufgestylte 18-jährige Verkäuferinnen, die einen auf Coolness checken (dabei verliere ich) und die übliche coole Kundschaft, in deren Gegenwart ich mich fühle, als wäre ich aus einem historischen Film versehentlich in die Jetztzeit gebeamt worden.

Ich habe - kein Witz - im einstigen Galeria bei uns die Klamotten gekauft. Und wurde dabei bis zur Schließung des Ladens am liebsten von der Verkäuferin bedient, bei der ich schon im "Konsument" meine Jugendweiheklamotten verpasst bekommen habe. Das war in den 1980er Jahren.

Vor der Schließung habe ich noch 2 Jeans auf Vorrat gekauft (nun darf ich nicht fetter werden...). Wenn die dann "durch" sind, wird das Wagnis Versandhandel beginnen. Da selbst bei Jeans, die die gleiche Nummer behalten, gerne mal der Schnitt gewechselt wird, grauts mir schon vor dem Theater.

Das Thema "Schuhe" habe ich bislang so lösen können, dass ich seit ungefähr 20 Jahren das gleiche Modell immer nachkaufe, wenn das Risiko, unterwegs die Sohle der vorhandenen Exemplare zu verlieren, zu groß wird. Und dieser Nachkauf erfolgt seit geraumer Zeit schon im Versandhandel, ich kenne ja Nummer und Größe. Bislang immer Glück gehabt. Ich habe also genau ein Paar Schuhe in Nutzung im Alltag, dazu ein Paar Wanderschuhe und im Sommer 2 Paar Sandalen (ebenfalls Nachkauf via Versandhandel). Fertig, aus.


Bei uns hieß das Asus. War teuer, aber die Mainboards liefen üblicherweise auch stabil. *duckundweg*
 

chapri

Benutzer
Vierstellig dürfte keine durchgesagte Ziffer gewesen sein,
dreistellig waren im Karstadt-Konzern die Abteilungsnummern,
zweistellig die Tel.-Durchwahlnummern.
"Bin mal auf 17" hieß "Ich muss zur Toilette".
Wer also jemals eine Durchsage gehört hat "### bitte 17" möge sich bei mir melden :)
 
Zuletzt bearbeitet:

CosmicKaizer

Benutzer
Im Laden kaufen ich (2m) seit 15 Jahren im selben Spezialgeschäft - oder online. In einem normalen Kaufhaus finde ich nichts - außer mitleidige Blicke des Personals.
 

iro

Benutzer
Vor der Schließung habe ich noch 2 Jeans auf Vorrat gekauft (nun darf ich nicht fetter werden...). Wenn die dann "durch" sind, wird das Wagnis Versandhandel beginnen.
Such Dir lieber einen guten Laden dafür. ;) Ich habe z.B. diesen gefunden: http://jeans-hosenecke-wiesmoor.de/
Sind zwar ein paar km Fahrt, aber das lässt sich mit einem Ausflug verbinden und so häufig kommt der Hosenkauf ja auch nicht vor... Ich bin jedenfalls froh, nach Jahren wieder einen Laden gefunden zu haben, wo der Besitzer Dir auf Arsch und Beine schaut, und auf Anhieb nur passende Hosen hinlegt.
So einen Laden samt Inhaber gab es früher auch in Oldenburg, der war schon legendär.
 

DelToro

Benutzer
Einerseits geht angeblich niemand mehr ins Kaufhaus zum Einkaufen, weil es ach so uncool und unzeitgemäß ist, andererseits beklagen die Städte die schlagartige Verödung ihrer Fußgängerzonen, wenn der Karstadt/Kaufhof nicht mehr da ist, weil angeblich ein Besuchermagnet.

Was denn nun?
 

chapri

Benutzer
Dieses Einerseits-Andererseits passt nicht! Die Städteplaner sind jahrzehntelang auf Wünsche
der Warenhauskonzerne eingegangen, um sie am Ort zu halten.
Zentrale Haltestellen wurden verlegt und Fußgängerzonen ausgeweitet.
Viele Menschen gehen (gingen?) ja in Kaufhäuser und Warenhäuser, während sie auf Bus oder Bahn
warte(te)n - aber sie KAUF(T)EN NIX! Jetzt werden sie in leere Fenster schauen...
 
Zuletzt bearbeitet:

Skywise

Benutzer
Die Schließungen großer Kaufhäuser treiben dann tatsächlich Kunden in den Online-Handel - und raus aus den Fußgängerzonen.
Na gut, das "in den Online-Handel treiben" ist ja eigentlich seit Jahr und Tag so. Spätestens seit dem Smartphone und der damit verbundenen Möglichkeit, quasi direkt am Preisschild des Kaufhauses via Handy den Preis via Online-Versand daneben zu halten, hat sich das Thema mehr oder weniger erledigt. Dagegen läßt sich auch schwer was machen, denn der Händler vor Ort muß nun mal für Räumlichkeiten, Ausstattung, Fachpersonal, Werbung & Co. einige Flocken investieren, die dem Online-Handel nahezu komplett erspart bleiben. Ein paar innovative Konzepte à la "Du bestellst morgens online und holst es abends in der Filiale ab" oder irgendwelche Kaufanreize durch Sonderaktionen, teils in Kooperation mit umliegenden Geschäften, stinken da nicht gegen an. Dann noch die Parkmöglichkeiten und -kosten mit in die Betrachtung und man wundert sich, warum die Warenhäuser eigentlich nicht schon längst vom Erdboden verschwunden sind.
Ich glaube, die Kunden der Warenhäuser sind schon längst raus aus den Fußgängerzonen, Muttchen Müller und Opa Hubert vielleicht mal ausgenommen, die Warenhäuser ziehen halt eben nur nach, weil sie es nicht geschafft haben, sich was Interessantes einfallen zu lassen. Und daß Karstadt/Kaufhof seit Jahr und Tag eigentlich sämtliche Innovationskraft verbrauchen mußten, um irgendwie den nächsten Monatsersten zu überstehen, war da bestimmt auch nicht hilfreich.

Gruß
Skywise
 

Lord Helmchen

Benutzer
Was Bremen anbelangt hätte ich mal eine Wette abschließen sollen, denn tatsächlich wird hier Kaufhof die Segel streichen, während Karstadt erhalten bleibt.
Allerdings befinden sich im Kaufhof-Gebäude noch ein Saturn und ein EDEKA. Was aus denen dann wird bleibt abzuwarten.
Härter trifft es dagegen Bremerhaven, wo Karstadt schließen wird. Für die Attraktivität der dortigen Innenstadt ist das auf keinen Fall förderlich.
 

OnkelOtto

Benutzer
Ich glaube, wir müssen uns alle (alle?) mal an die Nase fassen, warum wir ein Kaufhaus- und ein Einzelhandelssterben sondergleichen erleben - unabhängig von Corona.

Wenn ich versuche, objektiv einen "Schuldigen" dafür ausfindig zu machen, dann lande ich immer wieder beim "Netz". Klar. Aber dann sofort auch bei frustrierten Tussis und Kerlen in den Läden, die keinen Bock haben, mich intensiver zu beraten. "Oh Gott: Kunden!" schreien mir ihre Blicke entgegen. Amazon schreit halt nicht.

Ein Freund von mir ist Eigentümer eines Foto-Ladens in Offenbach gewesen. Redlich bemüht, höchst freundlich im Umgang mit Kunden, tolles Sortiment - über fast 40 Jahre. Kunde kommt, lässt sich stundenlang beraten, zeigt sich am Kauf eines Objektivs oder einer Kamera interessiert - und bestellt dann doch im Internet, weil es 10 Euro billiger ist. Wenn man das als ehrlicher Kaufmann jeden Tag ein paar Mal erlebt, resigniert man - nicht nur finanziell. Und der "Beratungsklau" macht auch vor Galeria Karstadt Kaufhof nicht halt. Eher findet man ihn dort noch stärker, weil die Hemmschwelle noch niedriger ist. Also kann der stationäre Handel so viel in Umbauten und Modernisierungen investieren - das Netz ist schon da. Und wenn man nicht gerade "KaDeWe" oder "Alsterhaus" oder "Oberpollinger" heißt, wird der Überlebenskampf noch viel heftiger. Und das Schlimme ist: Wir sind alle ein bisschen daran mit schuld...
 

chapri

Benutzer
Ja, es ist der Frust, der die Verkäufer von den Kunden entfernt. Und ja - ich fasse mir auch an die eigene Nase, wenns um Schuldige geht. Warum bin ich auch von der Stadt quasi aufs Land gezogen?
In der Stadt war ich oft im Warenhaus - hier gibts selten das Gewünschte...
Allerdings habe ich nie im Warenhaus Daten gesammelt, um die Ware dann doch online zu kaufen.
Viele ZeitgenossInnen sind so dreist - auch das stimmt leider!
Und jetzt bin ich froh, dass "unsere" Galeria (erst einmal) bleibt.
 

OnkelOtto

Benutzer
In Mainz macht Karstadt dicht, in Frankfurt auf der Zeil (was für eine riesige Immobilie) und in Charlottenburg auch. Traurig.
 
Oben