Das Märchen vom billigeren Bahnfahren oder: Warum bei schlampiger Recherche das Ticket am Ende mehr kostet, als die Zeitung es einem weismachen will


#1
Ich möchte mal ein Thema anbringen, das mich tierisch ärgert, weil es viele Menschen betrifft, die zum Jahreswechsel durch eine Falschmeldung in den Nachrichten voller Hoffnung auf etwas mehr Geld im Portemonee nach dem Jahreswechsel waren und übel getäuscht wurden. Wie man einen derart komplexen Sachverhalt wie das Tarifsystem der Deutschen Bahn (und der Verkehrsverbünde) in den Medien teilweise herunterbricht, dass am Ende völlig falsche Tatsachenbehauptungen aufgestellt werden.

Worum geht es? Bei vielen Redaktionen quer durch den Medienmix (Hörfunk, TV und vor allem schreibende Zunft) war offenbar passend zur Weihnachtszeit und den beliebten Füllseiten "Das ändert sich alles im neuen Jahr", Märchenstunde angesagt: Seit Wochen überschlägt man sich da in seiner grenzenlosen Klimahysterie und dem treuen Gehorsam zum Umweltschutz mit Meldungen, dass "Zugfahren ab 2020 günstiger" werde, und lässt sich dabei vor den PR-Karren der DB AG spannen. Grundlage dafür scheint offensichtlich eine einzige DPA-Meldung zu sein. Wie ich aber festgestellt habe, zahlen Pendler seit 15. Dezember sogar DRAUF anstatt zu sparen! Und der Staat verdient, statt einer gesenkten MWSt, sogar kräftiger mit als zuvor! Ist das im Sinne des Klimaschutzes?

Hintergrund für die Debatte ist die (bis zuletzt auf der Kippe stehende) vermeintliche "Senkung der Mehrwertsteuer auf Zugfahrkarten von 19 auf 7 Prozent", die so (und ohne Einschränkungen) vorab immer wieder kommuniziert wurde. Demnach "müssen Bahnreisende ab dem neuen Jahr weniger" zahlen. Und: "Erstmals müssen Fahrgäste, die sich in den letzten Jahren pünktlich zum Fahrplanwechsel auf steigende Preise einstellen konnten, Mitte Dezember nicht tiefer in die Taschen greifen", denn die "Preiserhöhung bei der Bahn zum Fahrplanwechsel im Dezember bleibt 2019 aus".

Das Gegenteil ist der Fall: Für die meisten Menschen, die den ÖPNV nutzen, ist das im Jahr 2020 sogar teurer als im vergangenen Jahr!
Warum? Und warum lügen die Medien in diesem Fall?


Fakt ist: Die Verkehrsverbünde (das ist z.B. im Falle von Berlin oder Hamburg, aber auch ganz Schleswig-Holstein als Flächenland schon mal ein gesamtes Bundesland, zumindest aber eine Metropolregion) erhöhen ihre Preise grundsätzlich zum 1. August eines Jahres. Das ist auch 2019 geschehen. Erste Preiserhöhung! Gesenkt wurde hier natürlich zum Jahreswechsel gar nichts! Statt dessen werden die Ticketpreise vielerorts im Sommer 2020 wieder steigen.

Ergebnis: Vielfahrer innerhalb eines Verbundgebiets (also nicht im ein oder ausbrechenden Verkehr über die Grenzen eines Tarifverbundes) und Inhaber von Zeitkarten (Wochen, Monats, Jahres, Azubi) zahlen seit August 2019 bereits MEHR. Das betrifft z.B. jemand der in Flensburg oder Heide wohnt und jeden Tag mit dem Regionalverkehr nach Hamburg zur Arbeit fährt und abends wieder zurück oder auch den S-Bahn bzw. U-Bahn Pendler mit seiner Abokarte innerhalb von Großstädten.

Fakt ist weiterhin: Nur Fernverkehrsfahrkarten wurden zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2019 NICHT erhöht. Die Preise für Nahverkehrsfahrkarten zum DB-Tarif (also alles, was im ein bzw. ausbrechenden Verkehr oder zwischen zwei Verbundgebieten abgehandelt wird) sind SEHR WOHL mit Stand 15.12. erhöht worden! Auch damals kursierten Falschmeldungen. Zweite Preiserhöhung! Nämlich für all die jenigen, die zwei gestückelte Fahrkarten benötigen, z.B. für eine Zugfahrt bis an die Zonengrenze des Verbundgebietes und eine Busfahrt innerhalb des Verbunds, die nicht zusammen gelöst werden können.

Bei der Google Suche nach "Preiserhöhung Bahn Dezember 2019" kommt sogar heute noch gleich als erstes folgende Nachricht als Top-Ergebnis:

"Gute Nachricht für Millionen Bahn-Kunden: In diesem Jahr wird es keine Preiserhöhungen geben! Die Bahn verzichtet erstmals seit vielen Jahren zum Fahrplanwechsel 2019/2020 im Dezember auf die sonst übliche Preiserhöhung."

Darunter der Link zu Springer:

https://www.bild.de/geld/mein-geld/mein-geld/im-dezember-keine-preiserhoehung-warum-bahn-tickets-billiger-werden-66068326.bild.html

Wortlaut: "dpa Artikel von: FLORIAN KAIN veröffentlicht am 18.11.2019 - 14:17 Uhr Gute Nachricht für Millionen Bahn-Kunden: In diesem Jahr wird es keine Preiserhöhungen geben! Die Bahn verzichtet erstmals seit vielen Jahren zum Fahrplanwechsel 2019/2020 im Dezember auf die sonst übliche Preiserhöhung. Das gab ein Bahn-Sprecher gegenüber BILD offiziell bekannt. Die Maßnahme steht im Zusammenhang mit den Regierungsbeschlüssen zur Absenkung der Bahnpreise im Zuge des Klimapakets. "

Das ist einfach nur eine dreiste Lüge! "Keine Preiserhöhungen" ist Plural, heißt verständlich: KEINE, bei Nah u-n-d Fern. Darunter verstehe ich nicht, dass ein Teil der Karten gleich bleibt, während das meiste Produktportfolio angezogen wird. Richtig wäre statt "Bahn" in diesem Kontext "DB Fernverkehr". Schlampig gearbeitet, liebe dpa! Dumm nur dass viele Redaktionen weder Manpower noch Schmalz haben um das zu hinterfragen und diese Falschmeldung ungefragt übernommen haben.

Rechtlich gesehen ist es so einzuschätzen, dass auch jemand, der bewusst oder unbewusst, Dinge weglässt oder verschweigt, die UNWAHRHEIT sagt!

Konkret sieht das so aus:

Eine Fahrkarte für den Nahverkehr (Produktklasse C heißt das im Bahndeutsch) im DB-Tarif (also außerhalb von Verbünden) die am 14. Dezember 2019 noch 23,00 Euro gekostet hat, kostete am 15. Dezember bereits 24,10 Euro. Das selbe Ticket ist also über Nacht um mehr als einen Euro gestiegen! Donnerwetter!!! Ganz schön viel, ein Euro 10 Cent, dafür, dass es doch laut Herrn Florian Kain keine Preiserhöhungen gibt! Beide Fahrkarten liegen hier neben mir. Die Nicht-Erhöhung der Preise betrifft also nur DB Fernverkehr, aber keine Tarife des Nahverkehrs der DB! Diese sind natürlich, alle Jahre wieder, gestiegen!

Und wen betrifft das? Exakt: Die meisten Bahnfahrer sind PENDLER, die ausschließlich NAHVERKEHRSZÜGE nutzen! Und das sind eben genau die "Millionen Bahn-Kunden", die Bild und andere Druckerzeugnisse mit ihrem Märchen ködern wollen in dem sie falsche Hoffnungen machen.

Mit dem ICE / IC-EC reisen überwiegend Geschäftsreisende (zahlt ohnehin die Firma) und - im Privatkundenbereich - Urlauber. Der Rest verteilt sich auf BC 100 Inhaber, Rail & Fly, Zug zum Flug, InterRail One Country Pass Germany, Eurail u.a. Globalpreise.

Und es geht weiter auf der o.g. Bild-Seite, die zwar ab sofort korrekte Inhalte wiedergibt, aber mit vermeintlich großen Summen lockt, die eingespart werden können:

"Tickets im Schnitt zehn Prozent billiger?


Im kommenden Jahr dürften die Ticketpreise sogar purzeln!


Durch die zum 1. Januar 2020 scharf gestellte Absenkung der Mehrwertsteuer auf Bahn-Tickets im Fernverkehr von 19 Prozent auf sieben Prozent erwartet die Bundesregierung „eine Absenkung des Preisniveaus um zehn Prozent"."

In vielen Regionalen Tageszeitungen war ein Beispiel abgedruckt: Eine "Fahrkarte die bisher 100 Euro gekostet hat, wird ab Januar 90 Euro kosten". Mag sein - aber das Wichtigste habe ich unterstrichen und hervorgehoben, denn für den normalen Leser, geht diese WESENTLICHE und BEDEUTENDE Info bei solchen Summen (10 Euro pro Fahrt sparen! Die Preise purzeln ins Bodenlose! Zehn Prozent Preisnachlass! Wahnsinn!) natürlich verloren.

Wer jetzt also hofft, dass die am 15. Dezember in Kraft getretene Teuerung seiner Fahrkarte für die tägliche Fahrt im RE oder in der RB dann gleich nach Neujahr aus o.g. Grund günstiger wird, fällt sicherlich vor Lachen fast vom Stuhl, wenn er, wie ich bei diesen mir vorliegenden Fahrkarten, genauer hinsieht oder sich nach den Feiertagen selber am Automaten ein Ticket zieht - und sich den Satz mit der "scharf gestellten Absenkung der Mehrtwertsteuer" noch mal auf der Zunge zergehen lässt.

Dann stellt man nämlich folgende ganz interessante Kleinigkeit fest: Nahverkehrsfahrkarten des DB-Tarif waren "aus Klimaschutzgründen und zur Attraktivitätssteigerung" SCHON IMMER mit 7 Prozent Umsatzsteuer belegt !!!

Das heißt also:

Sowohl auf der alten Fahrkarte für 23 Euro als auch auf einem aktuellen Testobjekt vom Januar für die selbe Relation zum Preis von 24,10 befindet sich der Aufdruck: MwSt D: 7,00 % !!! Macht stolze 7 Cent Unterschied, die der Staat jetzt MEHR verdient (weil die DB den eigenen Nahverkehrstarif erhöht hat, die MWSt aber gleich geblieben ist - und eben im NV nicht gesenkt wurde!), ist das nicht sagenhaft? Dafür zahlt der" blöde "Fahrgast pro Fahrt über einen Euro drauf und glaubt den Quatsch mit der "Maßnahme [...] im Zusammenhang mit den Regierungsbeschlüssen zur Absenkung der Bahnpreise im Zuge des Klimapakets"!

Und die Bundesregierung lässt sich als Retter des Weltklimas feiern, weil sie das Bahnfahren billiger macht, aber trotzdem unterm Strich selber mehr einnimmt!
Wer von den Vielfahrern wusste das vorher und hat sich seine alte Fahrkarte einmal genauer angeschaut, bevor die Meldung von der vermeintlichen Senkung der Ticketpreise kam? Hierbei wurde nirgends zwischen NV und FV differenziert, obwohl genau das die Krux ist!

Da entpuppt sich also die Mär vom günstigen Bahnfahren ganz schnell als große Luftnummer.


Vor allem werden von vielen Redaktionen munter verschiedene Preissysteme in einen Topf geworfen:

- Fernverkehr und Nahverkehr

-Kostenberechnung nach Tarif-km. und Waben/Zonensysteme

-DB Tarif NV und Verbundtarif

-Subventionierung durch den Bund bzw. durch die Länder

Dazu kommen ständig abgeänderte Angaben im Vorfeld von Preisanstiegen (Beispiel HVV: Hier war 2019 zunächst von 2,2 Prozent Anstieg - https://www.hamburg.de/nachrichten-hamburg/12769334/hvv-plant-preiserhoehung-von-2-2-prozent-fuer-naechstes-jahr/, dann von einer Erhöhung nur noch auf 1,8 Prozent die Rede - https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/HVV-rudert-zurueck-Preis-steigen-um-18-Prozent,hvv504.html, am Ende waren es 1,3 Prozent: https://www.hamburg.de/hvv/4096344/hvv-preiserhoehung/ ) die den Verbraucher verunsichern.

Allein der NDR berichtete am 30. Juli 2019:
"HVV rudert zurück: Preise steigen um 1,8 Prozent" (https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/HVV-rudert-zurueck-Preis-steigen-um-18-Prozent,hvv504.html)
und nur einen Tag später am 31. Juli 2019:
"HVV: Preise steigen doch nur um 1,3 Prozent" ( https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/HVV-Preise-steigen-doch-nur-um-13-Prozent,hvv506.html )
Also zwei unterschiedliche Angaben innerhalb von 24 Stunden!

Wer soll da noch durchsehen? Verbund erhöht im Sommer ihre NAHVERKEHRSFAHRKARTEN, die DB dann im Dezember ebenfalls ihre NAHVERKEHRSFAHRKARTEN.

Doch: NV ist nicht gleich NV und DB Tarif ist noch lange kein Verbund! In Verbünden werden nämlich die Rabatte der Deutschen Bahn (wie die BC) gar nicht oder nur zu sehr geringen Teilen angeboten.


Unterm Strich bleibt die Feststellung, dass, jeder Bundesbürger, der im Jahr 2020 einen N-a-h-v-e-r-k-e-h-r-s-z-u-g in Deutschland mit einem gültigen Ticket betritt - am Ende MEHR zahlt. Und der Staat mehr verdient.

Die lächerliche Senkung der Mehrwertsteuer pauschal "auf Bahnfahrkarten" die es immer wieder zu hören und zu lesen gab ist somit ein ganz billiger Trick um die wütende Masse, die nach Klimaschutz schreit, ruhig zu stellen.

Ich bin dafür dass der Herr Kain, der den Bahnreisenden diese Flausen ins Ohr gesetzt hat, allen Pendlern den Restbetrag für ihre angeblich doch nicht erhöhte Nahverkehrsfahrkarte erstattet. Und dass Frau Springer eine Gegendarstellung abdrucken lässt. Und zwar in genauso großen Lettern wie heute die Titelstory. Immerhin geht es um Millionen Fahrgäste und Millionen an Euro.

Also: Immer schön bei der Wahrheit bleiben! Billiger wird nämlich, gar nix, liebe DPA !!! Und der Fernverkehr? Erhöht dann eben Ende 2020 statt 2,5 gleich um 4 Prozent.

Darauf eine Runde um den Block mit meinem 93er Diesel! :)
 

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#2
Darauf eine Runde um den Block mit meinem 93er Diesel! :)
Umweltsau! :wow:

Bin gestern in Augsburg kostenlos Straßenbahn gefahren. Ganz legal. Aber gilt nur für die Innenstadt. Fährst du eine Station weiter, dann warten schon die Kontrolleure. Touristen sollten sich vorher also genau informieren, welche Zone noch im Innenstadt-Bereich liegt und welche nicht.

Mit der DB habe ich mich noch nicht genauer auseinander gesetzt. Als ich gestern jedoch die Verbindung München-Berlin auf der Bahn-Homepage eingegeben habe, war der Preis nicht günstiger als vor Weihnachten. Und es handelt sich wohlgemerkt um Fernverkehr. Anscheinend muss man eine Reise 1 Jahr vorher buchen, um günstig fahren zu können. So spontan geht das wohl nicht? Naja, wie gesagt, muss mich da auch erst genauer schlau machen.

Dennoch ist der Klimawandel vorhanden, von Hysterie kann keine Rede sein. Das Problem liegt bei der Politik. Wenn Politiker etwas versprechen und dann nicht einhalten, stinkt das genauso zum Himmel wie ein Diesel-Motor.
 
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#3
@Pfälzerwald: Zuviel Text. Ich mit Verlaub kann das nicht studieren.

Eines weiß ich aus eigener Erfahrung: ein Super-Spar-Ticket DB am 31.12.2019 nicht gebucht (wird ja 01.01.2020 statt mit 19% mit nur 7% MWSt. erhoben), war am 01.01.2020 exakt gleich teuer, 1. Klasse sogar teurer als einen Tag zuvor). Auf Nachfrage bei der DB hieß es, es gäbe nur begrenzte Kontingente für diese Tickets, die halt teurer werden, je mehr gebucht wird.

Das mag glauben, wer will.
 
#4
Ich habe zum Jahreswechsel diverse deutschlandweite DB-Verbindungen verglichen. Die Preise waren am 01.01. definitiv rund 10% günstiger als einen Tag zuvor. Ich selbst habe eine DB-Monatskarte für den Fernverkehr (Pendler), auch hier wurde der Preis um rund 30 Euro pro Monat (auch hier rund 10%) ab Januar 2020 gesenkt.
 
#5
@Pfälzerwald
Ich weiß ja nicht was du so für Medien konsumierst. Ich für meinen Teil habe immer wahrgenommen, das nur für den Fernverkehr die Preise sinken, was ja offensichtlich auch passiert ist. Ausgerechnet die BILD als Quelle anzugeben... sorry, aber das ist nun wirklich albern.
Eines verstehe ich übrigens ohnehin nicht, was jetzt aber nicht nur dich betrifft. Es geht um die Bahn und da wäre nichts naheliegender als sich auf den Homepages bzw. den anderen Kommunikationsmöglichkeiten mit der Bahn zu informieren. Mir würde da nicht im Traum die Idee kommen, die BILD zu befragen oder das Hamburger Abendblatt oder sonst irgendeinen Dritten.
Die Bahn selbst hat von Anfang an nichts anderes kommuniziert als eine Preissenkung beim Fernverkehr. Das ist im übrigen auch logisch, denn ein nicht unerheblicher Teil des Nahverkehrs wird mittlerweile gar nicht mehr von der Deutschen Bahn bestritten, sondern von Tochterunternehmen oder Dritten.
https://www.deutschebahn.com/de/pre...guenstiger-mit-uns--4710776?contentId=1204030
 
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#6
Ja Johnny weil deutschlandweite Verbindungen immer Züge des Fernverkehrs enthalten (es sei denn du nimmst diese bewusst raus). Da steht bei dir irgendwo entweder ICE (Produktklasse A im Bahndeutsch) oder IC/EC (Produktklasse B) auf der FK.

Nochmal zum Mitschreiben: Es geht um den Nahverkehr! Und auch nur den innerhalb des DB Tarifs! Dass der Fernverkehr günstiger wird (auch nicht immer), bestreitet doch niemand, wie du selber ja erfahren hast. Dass dies aber auch nicht generell der Fall ist, wie es die Nachrichten vorab suggeriert haben, siehst du an den vorgebrachten Gegenbeispielen von count down und BerlinerRadio oder auch hier

https://community.bahn.de/questions/2129170-ab-januar-2020-versteckte-preiserhohung

Behauptet wurde aber vorab, dass BAHNFAHREN generell (also auch NV) billiger wird, dass es KEINE PREISERHÖHUNGEN gibt (also dass weder NV noch FV teurer werden).

Für den Nahverkehr stimmt das nachweislich NICHT. Und ich habe auch immer nur von Pendler-Zeitkarten (Woche, Monat, Jahr, Azubi, Abi) des NV innerhalb des DB Tarifs gesprochen.

Der NV im DB Tarif ist definitiv teurer geworden, weil
1. Die Preise für Tickets im NV im DB Tarif zum 15. 12. erhöht wurden, nur FV ist gleich geblieben.
2. Die Senkung der MWSt am 1.1. nur den FV betrifft, Tickets im NV hatten schon vorher nur den ermäßigten Satz mit 7 %.


https://www.flickr.com/photos/144873343@N08/sets/72157712400006011/

Hinweis: Augsburg Straßenbahn ist zwar NV aber Verbund, kein DB Tarif! Da die DB keine Straßenbahnen betreibt.

Dass die DB sauber kommuniziert hat mag sein (was zu beweisen wäre - wo ist die Original PM dazu?) aber sie widerspricht auch nicht der öffentlich falsch geführten Debatte. Generell bin ich von der Stephensonstraße in FFM keine transparente und offene Diskussion gewohnt.

Und die Medien haben die Pflicht, sauber und transparent zu arbeiten. Dazu gehört auch dass man keine Infos weglässt und nicht aus "DB Fernverkehr" einfach "Die Bahn" (NV + FV) macht, weils so schön einfach ist. "Die Bahn" wäre nämlich auch DB Netze usw.

Und die Bild ist eben die Zeitung, das Medium, abseits der Tagesschau, dass von den Deutschen am meisten konsumiert wird. Da sollte man schon erwarten, dass so eine Meldung korrekt formuliert ist.

Übrigens die selbe Falschmeldung vom "Bahnfahren das teurer wird" findet sich exakt so in der Form (ohne explizite Erwähnung NV / FV) auch u.a. beim ZDF und bei NTV/RTL (auch Massenmedien):

https://www.zdf.de/nachrichten/heut...0-bahn-verzichtet-auf-preiserhoehung-100.html

https://www.n-tv.de/wirtschaft/Bahn-verzichtet-auf-uebliche-Preiserhoehung-article21398589.html

Möchtest du mir erklären, dass diese unterschiedlichen Medien, die ganz offensichtlich die SELBE Pressemeldung verwendet haben, alle aus eigenen Antrieb "DB Fernverkehr" rausgelöscht haben und dafür "Die Bahn" verallgemeinern? Entweder hat da einer vom anderen (Bild? Dpa? afp?) abgeschrieben oder die Ursprungsmeldung war schon falsch (glaube eher letzteres) oder unsauber formuliert.

Ich finde das schlimm dass es offensichtlich als "normal" angesehen wird, wie hier der öffentliche Diskurs geführt wird, mit Weglassungen, Unwahrheiten und Verdrehen der Tatsachen - und dass viele Menschen das achselzuckend hinnehmen.
Die Öffentlichkeit wurde in diesem Fall (bewusst oder unbewusst) getäuscht.

Und wie groß ist der Aufschrei, wenn dann wieder der Begriff "Lügenpresse" in den Mund genommen wird. Es ist aber nichts anderes als eine LÜGE zu behaupten: "Bahnfahrern wird ab 1.1. billiger. Die Bahn erhöht zum 15.12. erstmals nicht ihre Preise".
 
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#7
Bahnfahren ist in Deutschland seit jeher viel zu teuer. Die Preise sind mit die höchsten in Europa. Als Familie z.b. mit 2 Kinder über 14 kann man sich eine Bahnfahrt schon gar nicht mehr erlauben, wenn man nicht vorher einen Kleinkredit aufgenommen hat. Da kostet eine Fahrt vom Ruhrgebiet z.B. nach Berlin und zurück mal gerne an die 300 EUR für 4 Personen. Es sei dann man bucht schon ein Jahr vorher, aber weiss denn schon wohin man in einem Jahr fahren will? Mit dem Auto komme ich für weniger als die Hälfte hin und zurück und selbst die Parkgebühren sind dagegen noch Peanuts. Dann muss man sich noch mit verspäteten Zügen auseinandersetzen, verpassten Anschlusszügen, fehlenden Informationen oder nicht vorhandenen Sitzplätzen, weil die Waggons dann einfach fehlen. Vom Runnig Gag Klimaanlage ganz zu schweigen. Ich bin auch schwer enttäuscht von der Bahn. Ich fahre eigentlich gerne Zug und würde das auch viel öfter machen, wenn es nur nicht so teuer und teilweise abenteuerlich wäre. Zum Glück gibt es ja seit kurzem private Konkurrenz. Die sind zwar auch nicht besser, aber damit kann ich zum Nahverkehrspreis z.B. nach Hamburg oder Berlin fahren. Dann kann ich dann auch mal über einiges hinwegsehen. Bei der BAhn ärgert man sich nur schwarz, weil man für überteuerte Tickets auch noch ein miesen Service bekommt. Preis-Leistungsverhältnis stimmt da überhaupt nicht.
 
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#9
Was die Medien aus PMen machen, ist in der Tat manchmal grauenhaft. Andererseits wurde oft genug angemerkt, dass es um den Fernverkehr und die USt geht. Zudem wurde ausdrücklich gemeldet, dass die DB AG in Brücken und Strecken investiert - was es garantiert nicht zum Nulltarif gibt!
"Keine Preiserhöhung" heisst noch lange nicht "Preissenkung".
Wer sich auf Springer und RTL verlässt, ist selber schuld - denn die DB AG bietet auf Ihrer Presseseite sogar ein Rechenbeispiel an: https://www.deutschebahn.com/de/pre...guenstiger-mit-uns--4710776?contentId=1204030
 
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#10
Und die Bild ist eben die Zeitung, das Medium, abseits der Tagesschau, dass von den Deutschen am meisten konsumiert wird. Da sollte man schon erwarten, dass so eine Meldung korrekt formuliert ist.
Was du nicht alles von einem Blatt erwartest, dass seit Jahrzehnten erwiesenermaßen nur aus schlampig geschriebenen Falschmeldungen und Hetze besteht nicht alles erwartest...
 
#11
Ja Johnny weil deutschlandweite Verbindungen immer Züge des Fernverkehrs enthalten (es sei denn du nimmst diese bewusst raus).
Also entschuldige mal, das man Fernreisen auch mit DB Regio machen kann, wo allerdings schon der Name sagt das es nix mit Fernverkehr zu tun hat, ist mir schon klar. Allerdings ist das unterm Strich ohnehin schon günstiger als wenn man mit dem ICE fährt. Daher verstehe ich dein Problem immer noch nicht.

Bahnfahren ist in Deutschland seit jeher viel zu teuer.
Das kommt ganz drauf an, wann man die Reise bucht. Wer das schon Wochen im Vorraus macht, kann da teils ganz erheblich sparen, selbst per ICE. Konkretes Beispiel: Hamburg - München per ICE am 22.02., gerade auf bahn.de abgefragt, zwischen 36 und 60 Euro, ohne Bahncard. Günstiger kommste da mit dem Auto auch nicht.
 
#12
Was für eine müßige Diskussion. Fehlt nur noch das Twitterfoto von Gretel im Flur.

Wie seriös Schrägstrich glaubwürdig ist eigentlich eine Quelle Schrägstrich Grafik, die die Staaten des Kaukasus oder sogar Kaschstan zu Europa zählt und Slowenien mit V schreibt???

Das britische Rabatt-Portal Vouchercloud hat untersucht, was rund 80 Kilometer lange Bahnfahrten (einfache Fahrt) jeweils von der Hauptstadt aus in 40 Ländern kosten.
Soso, wie hat man das denn gemacht? Stelle ich mir schwierig vor in Albanien bei nur 188 Km Gesamtlänge des Streckennetzes wo die längste betriebsfähige Strecke 35 km lang ist! Da ist keine einzige Strecke 80, die mit einem Personenzug befahrbar wäre, Kilometer lang! Oder ist man mit einem Güterzug an die montenegrinische Grenze gefahren?

Warum wird dort Bosnien-Herzegowina erwähnt, deren Bahngesellschaften sind sich selbst untereinander nicht grün, von der fehlenden Anbindung an das Ausland ganz zu schweigen. BIH hat seit Jahren keine internationalen Verbindungen mehr. Wo will man da hinfahren bei 80 km? Wenn man in Sarajevo startet, ist in Doboj Schluss.

Der größte Witz ist die Nennung Albaniens, wo das Netz aus ein paar verbliebenen Streckenkilometern besteht die, zweimal am Tag mit Schrittgeschwindigkeit von alten Sowjetlokomotiven und ehemaligen Wagenmaterial aus den 70ern abgetuckert wird. Bitte mal nach Eisenbahn Albanien suchen, und dann nochmal überlegen, ob man über die DB meckert.

Wer sich in Deutschland über die Bahn beschwert, tut das meist zu Recht. Aber es ist ein Luxusproblem wenn man bedenkt, wie es in anderen Ländern der Welt aussieht.
 
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#13
Das kommt ganz drauf an, wann man die Reise bucht. Wer das schon Wochen im Vorraus macht, kann da teils ganz erheblich sparen, selbst per ICE. Konkretes Beispiel: Hamburg - München per ICE am 22.02., gerade auf bahn.de abgefragt, zwischen 36 und 60 Euro, ohne Bahncard. Günstiger kommste da mit dem Auto auch nicht.
Erstens sind die Fahrpreise im Winter immer günstiger, weil dann dann aus nachvollziehbaren Gründen viel weniger Leute verreisen. Versuch die Verbindung mal im Mai oder Juni oder gar in den Ferien zu bekommen, da sieht das schon anders aus. Im übrigen sind das alles Preise pro PERSON. Fährst zu zweit oder mit Kindern, biste schon ganz schnell bei 150 EUR und mehr. Im Auto kann ich mind. 3 Leute mitnehmen, ohne das es dadurch teurer wird. Außerdem ist der Preis nur für eine Fahrt oder Hin- und Retour? Tatsächlich wollen die meisten erstaunlicherweise ja auch wieder zurück. Dann darfst du das schon mal verdoppeln.

Von der Statistik bin ich auch noch nicht so ganz überzeugt. Da ist eben die Frage wie die Preise ermittelt wurden. Weiterhin ist auch klar, dass Deutschland in der Fläche natürlich mehr Zugkilometer zu befahren hat, als z.b. Österreich oder Dänemark. Natürlich wird es dann bei der Berechnung günstiger. Wenn ich z.B. Flensburg-Passau zum Normpreis von sagen wir mal 80 EUR bekomme, dann ist das pro Kilometer natürlich günstiger, als wenn ich von Bern nach Zürich fahre.
 
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#15
Eine kleine Recherche bringt folgendes zutage:
Gesetz zur Umsetzung des Klimaschutzprogramms 2030 im Steuerrecht

Vom 21. Dezember 2019

[...]

Artikel 3

Änderung des Umsatzsteuergesetzes

§ 12 Absatz 2 Nummer 10 des Umsatzsteuergesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. Februar 2005 (BGBl. I S. 386), das zuletzt durch Artikel 7 des Gesetzes vom 21. Dezember 2019 (BGBl. I S. 2875) geändert worden ist, wird wie folgt gefasst:

„10. die Beförderungen von Personen

a) im Schienenbahnverkehr,

b) im Verkehr mit Oberleitungsomnibussen
[...]
bb) wenn die Beförderungsstrecke nicht mehr als 50 Kilometer beträgt;“.

[...]

Artikel 7

Inkrafttreten

(1) Dieses Gesetz tritt vorbehaltlich des Absatzes 2 am 1. Januar 2020 in Kraft.

(2) Artikel 2 tritt am 1. Januar 2021 in Kraft.
(Quelle hier.)

In § 12 Absatz 2 sind die Dinge aufgelistet, die dem ermäßigten Steuersatz unterliegen. In der alten Formulierung galt die 50-Kilometer-Regelung für alle Verkehrsarten. Dies hat man jetzt für den Schienenbahnverkehr (und nur für den!) geändert, indem man ihn gesondert behandelt. Und dies ist tatsächlich seit 1. Januar 2020 geltendes Gesetz.
 
#16
Danke, @Hinhörer
Als jemand, der durchaus jusistische Zusammenhänge geistig halbwegs verarbeiten kann, das Gesetzblatt schleudert mich aus der Umlaufbahn.
Wie hoch ist nach jetzt geltendem Gesetz die MWSt. enthalten in:
  • Schienenbahnverkehr
    unter 50 km
    über 50 km
  • Taxis, Seilbahnen, Oberleitungsbussen, Fährverkehr etc.
    unter 50 km
    über 50 km
(Könnte alles auf einen Bierdeckel passen. Wer kann antworten auf die vier Fragen?)
 
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#17
Schienenbahnverkehr: immer 7 % (d h seit Jahresbeginn ohne Einschränkung auf kurze Strecken)

O-Busse usw: wenn innerorts oder nicht mehr als 50 km Strecke: 7 %, ansonsten 19 %
 
#23
Umweltsau! :wow:

Anscheinend muss man eine Reise 1 Jahr vorher buchen, um günstig fahren zu können. So spontan geht das wohl nicht? Naja, wie gesagt, muss mich da auch erst genauer schlau machen.
Also ich weiß auch nicht woher diese Angebote mit "Für nur so und so viel Euro quer durch Europa reisen" usw. kommen - wenn ich mal eine Reise planen will mit der Bahn finde ich einfach NIE solche Preise. Da muss man wohl zig Einschränkungen und Dinge in Kauf nehmen damit so ein Preis entsteht und man muss Student, Bahncardinhaber und und sein. Anders kann ich es mir nicht erklären. Genauso wie diese ganzen angeblichen billigen Flüge. Wo sind die nur ? Wie vorzeitig plant man so etwas? Ich kann doch nicht 2 Jahre vorher einen Flug oder eine Bahnfahrt buchen wenn ich nicht mal weiß ob ich da Urlaub haben werde in der Zeit.
 
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