Der nächste US-Präsident


Bei aller Schaulustigen-Begeisterung für die Eiertänze des amerikanischen Präsidenten wäre aber eine Frage doch zu stellen: Was ist eigentlich so verwerflich daran, wenn Amerika und Russland sich annähern, vielleicht sogar so annähern, dass sie künftig einvernehmlich auf den kritischen Schauplätzen der Weltpolitik gemeinsame Sache machen?
Nichts wäre verwerflich daran, ganz im Gegenteil.
Aber an den Händen, die sich da zum Schütteln aufeinander zu bewegen, hängen die falschen Akteure dran. Und dabei meine ich noch nicht mal die politische Gesinnung oder den Charakter des einzelnen, ich glaube, daß weder der eine noch der andere ernsthaft glaubt, sich auf Augenhöhe mit dem anderen zu befinden.
Und daß bei diesem Schritt viele andere gewachsene Beziehungen ordentlich strapaziert werden, ist für mich auch kein wirkliches Zeichen für Entspannungspolitik.

Wäre das nicht längst Aufgabe und strategische Option Europas, nämlich genau diese Annäherung an Russland? Aus falsch verstandener Amerikatreue haben die westlichen Staaten das Freundschaftsbündnis mit Russland nie ernsthaft angestrebt, stattdessen immer Konfrontation und Feindbild gepflegt.
Ja-hein ... Also, es gab dahingehen schon einige Bestrebungen, wobei sich auch Deutschland hervorgetan hat, bzw. hier vor allem ein gewisser Herr Gerhard Schröder ... was macht der seit seiner Bundeskanzlerei eigentlich beruflich ... egal.
Für Deutschland oder für die EU im allgemeinen wäre Rußlands Wirtschaft bestimmt sehr interessant, allerdings ... ähm ... sagen wir mal: die Wirtschaft Rußlands unterliegt dem persönlichen Schutz des russischen Bären im Kreml. Rußland will Geschäfte im Ausland machen, ist sogar langfristig dringend darauf angewiesen, wenn man's genau nimmt, kann aber nur bedingt den eigenen Markt für ausländische Unternehmen öffnen. Mal ganz krass und bewußt pauschal und somit faktisch falsch formuliert: im Grunde hat Rußland gesehen, wie die BRD-Wirtschaft die DDR-Wirtschaft binnen kürzester Zeit zur Schlachtbank geführt hat, und genau dasselbe droht auch weiten Teilen der russischen Unternehmen und Wirtschaftszweigen. Und weil die Russen das nicht zulassen wollen, ist da nur wenig Geld zu verdienen ... insofern eher uninteressant für die EU, andere Faktoren wie Ideologie spielen bei uns ja kaum noch 'ne größere Rolle ...
"Amerikatreue" ist also insofern vielleicht bei einzelnen Aktionen der Grund, aber nicht der ausschlaggebende. Und "Konfrontation" - das Bizarre ist ja, daß die EU auf eine freundschaftlich ausgestreckte Hand ebenso gut oder schlecht eingerichtet ist wie auf eine waschechte Konfrontation. Stichwort: Krim. Die EU selbst kann nicht, die einzelnen Mitgliedstaaten haben sich auch eher bedeckt gehalten, um nicht EU-intern noch Krach zu schüren. Putin wird aus dem Kopfschütteln nicht rausgekommen sein :D

Gruß
Skywise
 
Nichts wäre verwerflich daran, ganz im Gegenteil.
Aber an den Händen, die sich da zum Schütteln aufeinander zu bewegen, hängen die falschen Akteure dran. Und dabei meine ich noch nicht mal die politische Gesinnung oder den Charakter des einzelnen, ich glaube, daß weder der eine noch der andere ernsthaft glaubt, sich auf Augenhöhe mit dem anderen zu befinden.
Und daß bei diesem Schritt viele andere gewachsene Beziehungen ordentlich strapaziert werden, ist für mich auch kein wirkliches Zeichen für Entspannungspolitik.
Meine Worte. Hoffentlich droht da nicht noch der dritte Weltkrieg... .
 
@Skywise
Wenn man so wie Du ausschließlich nach den Kriterien des wirtschaftlichen Nutzens argumentiert landet man in der Tat schnell bei einer Bewertung, die keinen Grund zur freundschaftlichen Annäherung zwischen EU und Russland gibt. Leider ist das genau der in unserer Welt dominierende, um nicht zu sagen alleinige Blickwinkel.

Es gäbe aber schon auch noch andere Kategorien, die Argumente für eine freundschaftliche Annäherung liefern könnten: Reduktion, bzw. gemeinsame Lösung militärischer Konflikte auf dem Erdball; Klimaschutz weltweit; Natur- und Umweltschutz, Meeresverschmutzung etc.; gemeinsame und friedliche Weiterentwicklung der Raumfahrt; gemeinsame Ressourcenpolitik, z.B. für Regionen wie die Arktis und Antarktis; gemeinsame Bekämpfung der Hungers- udn Armutssituation in den Dritte Welt Ländern; kultureller Austausch; Tourismus, politische Stärke gegenüber China und den USA etc., etc.,
Es gäbe so vieles, wie sich der Schulterschluss lohnen würde, da fällt mir offen gestanden erst ganz am Ende das Bruttosozialprodukt ein.
 
Es gäbe aber schon auch noch andere Kategorien, die Argumente für eine freundschaftliche Annäherung liefern könnten: Reduktion, bzw. gemeinsame Lösung militärischer Konflikte auf dem Erdball; Klimaschutz weltweit; Natur- und Umweltschutz, Meeresverschmutzung etc.; ,
Ob Russland jetzt gerade auf diesen Gebieten ein guter Partner wäre, darf aber mal getrost bezweifelt werden.
 
Zitat von Mannis Fan:
Es gäbe so vieles, wie sich der Schulterschluss lohnen würde, da fällt mir offen gestanden erst ganz am Ende das Bruttosozialprodukt ein.
Sicher. Potential und Notwendigkeiten gibt's genug. Aber wenn wir ehrlich sind, kriegen wir diese ganzen Punkte doch nicht mal innerhalb der EU-Grenzen ordentlich geregelt. Und nach dem, was mir in den letzten Monaten an EU-Regelungen über den Schreibtisch geweht ist, wird das auch die nächsten Jahre nicht wesentlich besser werden. Nicht nur, weil die politische Ebene sich in Formulierungen versteigt, die an Schwammigkeit kaum zu überbieten sind, weil man seinen Mit-Staaten keine gigantische(n) Umwälzung(en) oder Einschränkung(en) zumuten möchte/kann ("kann" vor dem Hintergrund, daß man kein wirksames Druckmittel hat, mit dem man die einzelnen Mitgliedstaaten zu einem entsprechenden Schritt bewegen kann - außer halt eben Bußgelder, womit wir wieder beim wirtschaftlichen Aspekt wären), sondern auch weil die Verwaltungen es schwer haben werden, diese Regelungen in irgendeiner Form umzusetzen. Oder so was Ähnliches wie Kennzahlen zu ermitteln, um nachzuweisen, daß die Regelungen bzw. deren Umsetzung tatsächlich was gebracht haben ...
Ich sehe im Augenblick zu viele Baustellen, als daß die EU in nächster Zeit zur Ruhe kommen könnte, und solange nicht alle Feuer in und zwischen den jeweiligen Mitgliedstaaten gelöscht sind, habe ich arge Bedenken bezüglich der Weiterentwicklung der Strategien, die noch auf der Denkweise der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft beruhen.
Ändert nichts daran, daß ich nach wie vor davon überzeugt bin, daß wir ohne die EU schlechter dran wären, und daß wir ohne sie von irgendwelchen gemeinsamen Aktionen in Richtung Nachhaltigkeit/Zukunft noch viel weiter entfernt wären. Sehen nicht alle so, weiß ich.

Gruß
Skywise
 
"Der Mensch braucht die Natur, die Natur den Menschen nicht..." Alter Spruch aus Kindertagen - kennt man.

Eigentlich wollte ich mich hier im Forum gerade darüber aufregen, weil dieses "Trumpel" eigentlich eine große Schande für die USA ist, da es das Klimaabkommen gerade aufgekündigt hat! "America, first!" Okay, es wurde gewählt. Das war ein Fehler.

Ich wurde in meinem Zorn aber total ausgebremst! Und zwar von einem Radiosender, in dem eigentlich nur "heile Welt" - Nachrichten vorkommen oder überhaupt kommentiert werden (sollten). Normalerweise ist dieser Sender auch völlig unpolitisch. Eigentlich. Aber ist "Klimaschutz" nur Politik, oder auch eine Frage des gesunden Menschenverstandes?

Bisher hat sich die Menschheit nicht gerade als "überlegen" erwiesen. "Wir" haben keine 200 Jahre gebraucht, um unseren Planeten (und das Klima im speziellen) eindeutig nachweisbar negativ zu verändern. Wer diese Fakten ignoriert, ist möglicherweise ein ganz dummer "Trumpel".

Es ist also höchte Zeit, mal wieder nur Mensch zu sein und das auch zum Ausdruck zu bringen! Thomas Schminke hat das öffentlich getan. Ich habe fünf Sekunden nach der Moderation kurz bei ihm im Studio angerufen und mich einfach nur für diese Moderation bedankt. Erwartet hat er dies bestimmt nicht.
 

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Trump legt sich zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt mit der Weltgemeinschaft an, schließlich gehen die Wogen innenpolitisch hoch wie schon lange nicht mehr. Dass sein ansonsten in Israel bestensvernetzter Schwiegersohn Jared Kushner vor der Wahl informelle Gesprächskanäle über die russische Botschaft anbahnte, deren Hausherr ein Intimfreund des einstigen Trump-Wahlkampfstabs zu sein scheint, ist eine sattsam bekannte Tatsache. Nun scheint auch der Senat Ernst zu machen und verschickt zahlreiche Vorladungen an Trump-Vertraute, die ebenso wie der von Trump in einer kopflosen Rochade geschasste FBI-Direktor Comey bald vor den Ausschussmitgliedern aus dem Nähkästchen plaudern sollen. Im Senat sitzen übrigens besonders viele moderate Republikaner, die Trump zutiefst verabscheuen und in bitterer Erinnerung an dessen Wahlkampf-Entgleisungen und Schmähreden aufs Partei-Establishment bereits genüsslich die Messer wetzen. Wider Erwarten finden viele von ihnen sogar Trumps Hofknicks vor dem saudischen Königshaus anstößig und wollen die von ihm mit großem Pomp eingefädelten Waffengeschäfte zerpflücken.

Pikant ist vor allem ein Detail am Rande: Der Republikaner Dana Rohrabacher ist ein kalifornischer Kongressabgeordneter und als Fürsprecher Putins bekannt, was vielen seiner Parteikollegen seit langem sauer aufstößt. In einem der Washington Post zugespielten Gesprächsmitschnitt sagte Fraktionschef Kevin McCarthy im kleinen Kreise, dass er fest davon überzeugt sei dass sowohl Trump als auch Rohrabacher auf dem Gehaltszettel Putins stehen. Der ebenfalls anwesende Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, meinte sinngemäß: "Das bleibt aber besser unter uns". Die denkwürdigen Worte fielen nach einer Unterredung führender republikanischer Kongressabgeordneter mit dem ukrainischen Premierminister Groisman, der geheimdienstliche Erkenntnisse über vom Kreml ausgehende Finanzströme besitzt, wobei er insbesondere diejenigen genauer untersucht hat, die an die Adresse populistischer Politiker und Parteien gerichtet sind.
 
@2Stain: Die Fahrt ist am 22. November, wenn ich dich richtig verstehe...

Ich glaube nicht, daß dein Posting von allen Lesern verstanden wurde. *zu jung*
 
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Die Stuttgarter Zeitung zieht heute eine Bilanz "Sechs Monate Präsident Trump" und kommt zu dem bemerkenswerten Fazit: "Trump ist dem Präsidentenamt fachlich, charakterlich und intellektuell nicht gewachsen."
Ein derart verheerendes Urteil über einen westlichen Staatschef nach sechs Monaten Amtszeit habe ich noch nie gelesen.
 
Die Medien bieten sieben Tage die Woche im allgemeinen dieselbe Schau auf des Tages Welt, deswegen sollte man nicht alles so heiß essen, wie es gekocht wurde. In ihnen war vor und nach der Wahl des Präsidenten zu lesen, daß der "mächtigste Hampelmann der Welt" eine 27 Meter hohe Mauer zwischen Mexiko und den USA bauen, die erstmalige Krankenversicherung von 20 Millionen US-Bürgern abschaffen, das Engagement des Landes in der Nato zurückfahren werde und vieles mehr. Dabei ist nichts, was der Präsident erläßt oder verkündet, das Papier wert, auf dem es kommentiert wird: nicht das Einreiseverbot für Bürger aus sieben islamischen Staaten, nicht die Abschiebung der elf Millionen "illegal" genannter Bewohner des Landes, nicht die Mauer am Rio Grande. Ebensowenig wird er Obamacare abschaffen, die Krankenversicherung, die den privaten Versicherungskonzernen 20 Millionen neuer Kunden zugetrieben hat. Die Konzerne würden es Obamas Nachfolger nie erlauben, ihnen dieses Geschäft wegzunehmen. Was er gern darf, ist ein paar nicht so lukrative Bestimmungen streichen.
 
Donald Trump hat im Zusammenhang mit den für ihn und seine Entourage immer gefährlicher werdenden Russlandvorwürfen jetzt öffentlich erwogen, dass er als Präsident ja das volle Begnadigungsrecht habe, deshalb sehr wohl auch seine Söhne, seinen Schwiegersohn und am Ende auch sich selbst begnadigen könne - wenn man denn je soviel herausfinden sollte, dass es für ihn gefährlich werden könnte. Wunderbar, wie sich hier einer entblößt. Bin wirklich mal gespannt, was Amerika sich noch alles von dieser Figur gefallen lässt.
 
Donald Trump hat im Zusammenhang mit den für ihn und seine Entourage immer gefährlicher werdenden Russlandvorwürfen jetzt öffentlich erwogen, dass er als Präsident ja das volle Begnadigungsrecht habe, deshalb sehr wohl auch seine Söhne, seinen Schwiegersohn und am Ende auch sich selbst begnadigen könne....
Im Gegensatz zur Tagesschau vermeldete Petra Gerster in heute (ZDF) genau diesen Umstand. Wörtlich: "Im Zusammenhang mit der so genannten Russland-Affäre hat US-Präsident Trump sein recht auf Begnadigung betont. Mit seinem Tweet ["...Alle sind sich einig, dass der US-Präsident die vollständige Macht zu begnadigen hat..."] bezog er sich auf den Vorwurf, es habe Kontaktre von Wahlkampfmitarbeitern nach Russland gegeben. Jetzt wird darüber spekuliert, ob Trump damit auch an eine mögliche Begnadigung seiner selbst denkt."

Realsatire at its best.
 
Ja, ich weiß. Sorry, mir ging es nur um die pointiertere Formulierung im ZDF. Jan Hofer in der ARD Tagesschau wörtlich: "US-Präsident Trump sorgt inmitten der Russland-Affäre mit einem neuen Tweet für Diskussionen. Er betont darin, dass er als Präsident umfassende Befugnisse für Begnadigungen habe. Die Washington Post hatte zuvor gemeldet, Trump habe dieses Recht mit Blick auf Mitarbeiter, Familienmitglieder und womöglich sich selbst überprüfen lassen..."

Diese Darstellung vermittelt eine andere Chronologie ohne Warncharakter: Auf einen Bericht der Washington Post reagiert Trump (trotzig) mit einem Tweet. Business as usual also. Anders die ZDF-Version: Nach Trumps Tweet wird "... jetzt ... darüber spekuliert, ob Trump damit auch an eine mögliche Begnadigung seiner selbst denkt." Diese entlarvende Andeutung empfand ich gleich einer Aussage wie "Werde US-Präsident und du hast dank Begnadigungsbefugnis den Freischein für Vergehen aller Art."

Und das hat "gesessen", fand ich.
 
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